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In eigener Sache

In einem Blog sind die einzelnen Beiträge (Artikel) chronologisch angeordnet: die ältesten ganz hinten, die neuesten ganz vorn. Der Aufbau ist somit anders als bei einer Website, wo alles immer an der gleichen Stelle steht.

Wer etwas bestimmtes über Labyrinthe sucht oder einfach nur wissen will, was überhaupt im Blog zu finden ist, möchte vielleicht gerne so eine Art Inhaltsverzeichnis haben.

Das habe ich inzwischen erstellt und biete es in einer eigenen Seite mit dem Titel Übersicht an.

Aufgerufen wird das Inhaltsverzeichnis über das Register Übersicht und befindet sich im Menü über dem Titelbild, zusammen mit dem Register Über uns.

Für einen besseren Durchblick

Für einen besseren Durchblick

Noch etwas:

So ungefähr zweimal im Monat soll ein neuer Beitrag erscheinen. Mittlerweile bin ich nicht mehr allein, Andreas Frei ist mein Gastautor.

Wer immer darüber informiert sein will, kann diesen Blog auch (natürlich kostenlos und unverbindlich) abonnieren, auch folgen genannt.
Das entsprechende Feld: BLOGGERMYMAZE FOLGEN gibt es in der Seitenleiste zwischen „IM BLOG SUCHEN“ und „KATEGORIEN“.
Man braucht nur seine E-Mail-Adresse anzugeben und erhält immer dann eine Nachricht, wenn wieder ein neuer Artikel im Blog erschienen ist.

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Vor knapp 7 Jahren war die Blume des Lebens schon einmal Thema in diesem Blog. Nun möchte ich dazu einiges ergänzen.
Als erstes die Originalzeichnung des Ariadnefadens. Sie ist entstanden, als bei einem Besuch in Salzburg mich Marianne Ewaldt fragte, ob das Labyrinth in der Blume des Lebens enthalten sei. Sie gab mir eine kleine Festschrift zum 80. Geburtstag von Dr. Siegfried Hermerding, die betitelt war mit „Die Blume des Lebens und das Universum“. Darin waren unzählige Symbole und Urformen abgebildet, jedoch kein Labyrinth.

Ariadnefaden in der Blume des Lebens

Ariadnefaden in der Blume des Lebens

Das ist die Abbildung, in die ich am 25.6.2012 in Salzburg den Ariadnefaden für das dreigängige Labyrinth eingezeichnet habe.

Was hat es mit der Blume des Lebens auf sich?
Eine nüchterne und rationale Antwort darauf gibt Wikipedia:

Die Blume des Lebens ist ein Ornament auf einem sechseckigen Ausschnitt eines Dreiecksgitters. An jedem Gitterpunkt schneiden sich Kreise bzw. Kreisbögen um die sechs benachbarten Gitterpunkte, sodass benachbarte Gitterpunkte durch Linsen verbunden sind, neunzig an der Zahl.
An jedem inneren Gitterpunkt berühren sich sechs Linsen wie Blütenblätter, was der modernen Esoterik (New Age) die Bezeichnung Blume des Lebens nahelegte. Darauf, dass das Ornament schon früher so genannt worden wäre, gibt es keinen Hinweis.

Viele sehen in der Blume des Lebens viel mehr. Das dürfen sie, jedoch sollte man das nicht überbetonen.
Aus labyrinthischer Sicht bleibt festzustellen, dass es sich um ein Gitternetz handelt, in das sich je nach Größe verschiedene Labyrinthe unterbringen lassen. Sie haben immer eine sechseckige Form und eine würfelförmige Anmutung. Es handelt sich also um einen Stil, so ähnlich wie bei den Labyrinthen im Man-in-the-Maze-Stil, wie Andreas in etlichen Artikeln erläutert hat.

In den unten genannten Artikeln sind dann weitere Zeichnungen und Ableitungen von Andreas und mir zu finden.

Um ein 7-gängiges Labyrinth in der Blume des Lebens unterzubringen, muss man das Gitternetz aus Vollkreisen erweitern, wie Andreas ausgeführt hat.
Das hat Marianne Ewaldt als Keramikkünstlerin getan und mir letztes Jahr ein solches Labyrinth geschenkt.

Ein goldener Ariadnefaden im 7-gängigen Labyrinth

Ein goldener Ariadnefaden im 7-gängigen Labyrinth

Und hier ist dann noch eine Zeichnung von mir mit allen Linien des Labyrinths in einem noch etwas größerem Gitternetz:

Das ganze 7-gängige Labyrinth

Das ganze 7-gängige Labyrinth

Deutlich ist zu erkennen, dass die äußeren Begrenzungslinien ein Sechseck bilden und auch noch einen Würfel enthalten.

Verwandte Artikel

Weiterführender Link

Labyrinth Entwürfe – Übersicht

Der Humanist und Augsburger Bürgermeister Sigmund Gossembrot d. Ä., hat um 1480 eine Sammelhandschrift zusammengestellt (siehe unten: Literatur 1). In einen Text über die sieben Künste wurden neun Labyrinth Zeichnungen eingefügt, ausgeführt jeweils in brauner Feder auf Papier (Kern, S. 204 / 205, siehe Literatur 2). Die Handschrift ist nun in beispielloser Qualität online zugänglich (siehe unten: zusätzliche Links 1) und lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Internationale Lizenz (siehe unten: zusätzliche Links 2).

Die folgenden Bilder wurden durch Kopieren und Beschneiden der Bilddateien des Münchener DigitalisierungsZentrum, Digitale Bibliothek, gewonnen. Sie befinden sich auf den Blättern Folio (Fol.) 51-54, jeweils auf der Vorderseite r (= recto) und Rückseite v (= verso). Hier will ich zunächst die Gesamtübersicht vorstellen. Die Links auf den Folio Referenzen in den Bildunterschriften führen direkt zur entsprechenden Seite der Online-Ausgabe der Handschrift. Hier gelangt man direkt zu einer Miniatur Vorschau. Von dort kann man die Seiten aufrufen und in der Handschrift blättern. Ich empfehle sehr, die Handschrift anzuschauen, sie ist es wert!

Abb. 1 zeigt ein fünfachsiges Labyrinth mit sieben Umgängen und einem zentralen Pentagramm.

Abbildung 1. Labyrinth auf Fol. 51 r

Abb. 2 zeigt ein rundes vierachsiges Labyrinth mit acht Umgängen.

Abbildung 2. Labyrinth auf Fol. 51 v

In Abb. 3 ist ein weiteres rundes vierachsiges Labyrinth mit acht Umgängen und etwas anderer Wegführung abgebildet.

Abbildung 3. Labyrinth auf Fol. 52 r

Abb. 4 zeigt das obere, Abb. 5 das untere von zwei quadratischen Labyrinthen mit vier Achsen und acht Umgängen. Das obere hat die gleiche Wegführung wie jenes in Abb. 3, das untere wie jenes in Abb. 2.

Abbildung 4. Labyrinth auf Fol. 52 v oben

 

Abbildung 5. Labyrinth auf Fol. 52 v unten

In Abb. 6 sehen wir ein rundes einachsiges Labyrinth mit neun Umgängen.

Abbildung 6. Labyrinth auf Fol. 53 r

Abb. 7 zeigt ein unvollendetes, verworfenes Labyrinth mit erkennbar fünf Achsen und sieben Umgängen.

Abbildung 7. Labyrinth auf Fol. 53 v

In Abb. 8 findet sich ein kompliziertes Labyrinth mit 12 Umgängen.

Abbildung 8. Labyrinth auf Fol. 54 r

Die Abb. 9, schliesslich, zeigt ein rundes, einachsiges Labyrinth mit 11 Umgängen.

Abbildung 9. Labyrinth auf Fol. 54 v

Bei diesen Labyrinth Entwürfen handelt es sich zum Teil um eigenständige Labyrinth Typen, teils sind es bekannte Typen mit belassener oder zu einem Irrgarten modifizierter Wegführung. Darauf werde ich in den nächsten Beiträgen näher eingehen.

Literatur

  1. Gossembrot, Sigismundus: Sigismundi Gossembrot Augustani liber adversariorum, 15. Jh. München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 3941.
  2. Kern, Hermann: Labyrinthe: Erscheinungsformen u. Deutungen; 5000 Jahre Gegenwart eines Urbilds. München: Prestel, 1982.

Weitere Links

  1. Gossembrot, Sigismundus: Sigismundi Gossembrot Augustani liber adversariorum
  2. Nutzungsbedingungen

Welt Labyrinth Tag 2019

Wieder einmal (zum 11. Mal) lädt die Labyrinth Society ein, den Welt Labyrinth Tag zu begehen.
Es ist, wie jedes Jahr, der erste Samstag im Mai, heuer der 4. Mai 2019.

Unter der Devise: Seid eins und geht um Eins! (Walk as One at 1!) ist jeder als Teil des Ganzen eingeladen, an diesem Tag möglichst um 13 Uhr oder auch zu einem anderen Zeitpunkt, ein Labyrinth zu begehen, damit eine friedliche Welle der Energie rund um den Erdball läuft.

Flyer TLS

Ein kleiner, jedoch weltumspannender Wunderkreis auf dem Flyer der TLS

Am schönsten wäre es natürlich, wenn jeder, der irgendwie kann, ein Labyrinth begeht. Aber es ist auch möglich, ein Fingerlabyrinth nachzufahren oder sich sonstwie labyrinthisch zu betätigen.

Mehr hier:

Wer ein Labyrinth sucht, kann hier fündig werden:

Finde unsere Typologie bestätigt

In Kapitel 3 seines Buches will Herman Wind (siehe unten: Literatur 1) eine neue Kategorisierung von Labyrinthen vorstellen. Zu diesem Zweck hat er Labyrinth Abbildungen vor allem aus Kern (Literatur 2) und einzelne aus anderen Quellen verwendet. Aus den Bildern der Labyrinthe hat Wind die Umgangsfolgen herausgezogen. In der Zuordnungs-Tabelle 3.2.1 A-F auf Seiten 73-78 seines Buches finden sich Einträge von 235 Labyrinthen. Jede Zeile enthält ein Labyrinth mit Abbildungsverweis, Ort, Entstehungsdatum und Umgangsfolge. Labyrinthe mit gleicher Umgangsfolge sind nacheinander angeordnet. Damit hat Wind gleiche Labyrinthe in gleiche Gruppen, unterschiedliche Labyrinthe in verschiedene Gruppen eingeteilt und so eine Typologie geschaffen. Er nennt jedoch seine Gruppen nicht Typen, sondern Familien. Die Familien sind nicht mit Namen unterschieden und auch nicht immer deutlich voneinander abgegrenzt. Man selbst muss also in der Tabelle noch Klammern um die Zeilen mit gleichen Zahlenfolgen zeichnen, um die Familien zu identifizieren.

Im Buch werden fünf Beispiele für den Gebrauch der Zuordnungs-Tabelle angeführt. Schauen wir uns das erste Beispiel (S. 81) an. Es zeigt Labyrinth Exemplare, die der gleichen Familie wie das Labyrinth von Ravenna zugeordnet werden.

Abbildung 1. Der gleichen Familie wie Ravenna zugeordnete Labyrinthe

Die Exemplare A „Filarete“, C „Ravenna“, und F l(inks) „Watts 7 Umgänge“ haben die gleiche Umgangsfolge. Exemplar B „Hill“ wird ebenfalls der Familie „Ravenna“ zugeordnet, obwohl es völlig verschieden ist. Man sieht auf den ersten Blick, dass es nicht in diese Familie gehören kann. Es handelt sich um ein fehlerhaft gezeichnetes Labyrinth vom Typ Saffron Walden. Hier muss eine Verwechslung der Labyrinth Zuordnung in der Zuordnungs-Tabelle vorliegen. Interessant, dass weder Autor noch Herausgeber diese bemerkt haben. Denn beim viel ähnlicheren Exemplar F r(echts) „Watts 11 Umgänge“ haben sie den Unterschied bemerkt und nur die Ähnlichkeit mit der Familie Ravenna festgestellt. Genau das ersieht man direkt aus dem Vergleich der beiden Bilder F l und F r.

So wie Wind die Umgangsfolge verwendet, ergeben sich zwei Probleme:

Erstens: Diese Umgangsfolge ist nur für einachsige alternierende Labyrinthe eindeutig. Schliesst man auch nicht alternierende Labyrinthe ein, können Exemplare mit unterschiedlicher Wegführung dieselbe Umgangsfolge haben (Abb 2).

Abbildung 2. Labyrinthe mit der Umgangsfolge 7 4 5 6 1 2 3 0

So ordnet Wind die beiden nicht alternierenden Labyrinthe (a) St. Gallen und (b) syrische Grammatik der gleichen Familie zu. Das ist richtig. Sollte er aber ein alternierendes Labyrinth der Form (c) finden, müsste er es ebenfalls in diese Familie einreihen, obwohl es einen klar anderen Wegverlauf hat. Denn es hat, wie Exemplare (a) und (b), die Umgangsfolge 7 4 5 6 1 2 3 0. (Weitere Beispiele für mehrdeutige Umgangsfolgen siehe verwandte Beiträge 1, 2).

Zweitens: Wind’s Umgangsfolgen der mehrachsigen Labyrinthe sind unvollständig. Sie geben nur an, welche Umgänge überhaupt belegt werden, nicht aber, wie lange die jeweiligen Wegstücke sind. Solche Umgangsfolgen sind nicht einmal für alternierende Labyrinthe eindeutig. Wie Jacques Hébert ausführt, muss die Umgangsfolge bei mehrachsigen Labyrinthen die Einteilung in Segmente und die Länge der Wegstücke berücksichtigen (Literatur 3). Das kann man auf verschiedene Weise tun.

Abbildung 3. Umgangsfolgen des Wielandshaus Labyrinths

Abbildung 3 zeigt eine Möglichkeit mit reiner Zahlenfolge am Beispiel des Labyrinths Wielandshaus 1. Die Umgangsfolge dieses Labyrinths hat gemäss Wind (untere Reihe W:) 21 Zahlen. Berücksichtigt man die Länge der Wegstücke wie Hébert (obere Reihe H:), enthält sie aber 30 Zahlen. Aus der Umgangsfolge von Wind kann man das Labyrinth nicht ohne ein Bild davon oder nur in mehrfachen Versuchen wiederherstellen. Aus der Umgangsfolge von Hébert lässt es sich ohne weiteres wiederherstellen.

Dass es zu unvollständigen Umgangsfolgen mehrere alternierende Labyrinthe mit unterschiedlichem Wegverlauf geben kann, zeigt Abb. 4.

Abbildung 4. Labyrinthe mit unterschiedlichem Wegverlauf und gleicher unvollständiger Umgangsfolge

Die beiden Labyrinthe haben unterschiedliche Wegverläufe. Dies drückt sich in der vollständigen Umgangsfolge (obere Zahlenreihen) auch aus. In der unvollständigen Umgangsfolge (untere Zahlenreihen) verschwindet der Unterschied. Sie ist für beide Labyrinthe dieselbe.

Fazit

Neu ist die Kategorisierung von Wind nicht. Wir haben das schon gemacht (Literatur 4). Wir haben in etwa das gleiche Material ausgewertet, haben gleiche Labyrinthe in gleiche, unterschiedliche Labyrinthe in verschiedene Gruppen eingeteilt und nennen das Typologie (verwandte Beiträge 3, 4, 5). Wir kommen auch in etwa auf gleiche Resultate (zusätzliche Links). Die Kategorisierung von Wind bestätigt also unsere Typologie weitgehend. Als Kriterium dafür, welche Labyrinthe gleich, welche ungleich sind, verwenden wir den Verlauf des Weges. Diesen stellen wir jedoch nicht mit der Umgangsfolge, sondern mit dem Muster dar. Dieses ermöglicht eine eindeutige und vollständige Repräsentation des Wegverlaufs und eine eindeutige Zuordnung von Labyrinth Exemplaren zu Typen von Labyrinthen.

 

Literatur

  1. Listening to the Labyrinths, by Herman G. Wind, editor Jeff Saward. F&N Eigen Beheer, Castricum, Netherlands, 2017.
  2. Kern H. Through the Labyrinth: Designs and Meanings over 5000 years. London: Prestel 2000.
  3. Hébert J. A Mathematical Notation for Medieval Labyrinths. Caerdroia 34 (2004), p. 37-43.
  4. Frei A. A Catalogue of Historical Labyrinth Patterns. Caerdroia 39 (2009), P. 37-47.

Verwandte Beiträge

  1. Umgänge und Segmente
  2. Zur Umgangsfolge von einachsigen Labyrinthen
  3. Typ oder Stil / 6
  4. Typ oder Stil / 5
  5. Typ oder Stil / 1

Zusätzliche Links

Katalog der Muster historischer Labyrinthe

2017 wurde eine Gedenkprägung zu Ehren der minoischen Kultur  von der Prägestätte der Zentralbank von Griechenland herausgegeben.
Diese früheste Hochkultur Europas kann zeitlich etwa bis in die Jahre um 2600 v. Chr. eingeordnet werden. Die minoische Kultur hat ihren Namen in Anlehnung an den berühmten König Minos erhalten. Die Geschichte besagt, dass dieser mit der Hilfe des Gottes der Meere, Poseidon, und einem weißem Stier an die Herrschaft gekommen sei und somit zu Ruhm und Verehrung innerhalb seines Volkes kam.

Die 50-Euro-Goldmünze aus dem Jahr 2017 wurde in einer Auflage von 1500 Stück in echtem Gold (999,9/1000) und in der höchsten Sammlerqualität „Polierte Platte“ geprägt.

Hier die Wertseite:

Wertseite: Hellenische Demokratie 50 Euro

Wertseite: Hellenische Demokratie 50 Euro

Und hier die Bildseite:

Bildseite: Minoische Zivilisation 2017

Bildseite: Minoische Zivilisation 2017

Zu sehen sind zwei ineinander verschachtelte Mäanderkreuze in einem großen Quadrat um 5 kleinere Quadrate herum.

Hier die Struktur in einer Schwarz-Weiß Nachzeichnung:

Nachzeichnung der Bildseite

Nachzeichnung der Bildseite

Die schwarzen Linien bilden zwei in sich geschlossene Liniensysteme ohne Anfang und ohne Ende. Die weißen Linien haben Abzweigungen und Sackgassen, ebenfalls ohne einen Zugang.
Das erinnert sehr an eine ähnlich Darstellung auf den Silbermünzen von Knossos, die weit über 2000 Jahre älter sind (siehe verwandte Artikel unten).

Soll die Darstellung wieder das Labyrinth des Minotauros symbolisieren?

Verwandte Artikel

Typ und Stil

Im Beitrag Typ oder Stil / 4 vom August 2015 habe ich mich zur Typologie der Website Begehbare Labyrinthe geäussert (verwandte Beiträge 4). In der Zwischenzeit ist diese Typologie komplett umgearbeitet worden (zusätzliche Links). Die neue Typologie nimmt unsere Prinzipien bezüglich Typ (verwandte Beiträge 3) und Stil (verwandte Beiträge 2) auf. Zudem kombiniert sie Typ und Stil. Alle begehbaren Labyrinthe werden nun zuerst nach dem Wegverlauf in Typen eingeteilt. Labyrinthe mit dem gleichen Wegverlauf (Muster, Umgangsfolge) sind vom gleichen Typ. Die Typen werden dann weiter in Gruppen nach dem Stil unterteilt. Auch die Namensgebung der einzelnen Labyrinth Typen wurde überarbeitet.

Das Ganze lässt sich gut anhand des Grundtyps erklären. „Grundtyp“ ist der neue Name für den früher oder anderswo meist als „Klassischen“ oder „Kretischen“ benannten Labyrinth Typ. Dieser Typ hat eine Achse, sieben Umgänge und das in Abb. 1 gezeigte Muster.

Abbildung 1. Muster Grundtyp

Die Abbildung zeigt das Muster links rein, rechts mit Lesehilfe. Es wird von links oben nach rechts unten gelesen (verwandte Beiräge 5). Dem entspricht die Wegführung in der Umgangsfolge 3 2 1 4 7 6 5 (verwandte Beiträge 1). Damit ist der Typ genau beschrieben. Es ist weltweit der häufigste Labyrinthtyp. Auch in der Typologie von Begehbare Labyrinthe ist er mit Abstand der häufigste Typ. Heisst, von den zur Zeit 305 begehbaren Labyrinthen sind 133 vom Grundtyp. Diese sind nun in verschiedenen Stilen gestaltet:

  • „Dreieck“ (1 Exemplar)
  • „eckig“ (rechteckig 1 Exemplar)
  • „klassisch“ (97 Exemplare)
  • „Knidos“ (15 Exemplare)
  • „konzentrisch“ (15 Exemplare)
  • „Man-in-the-Maze“ (1 Exemplar)
  • „sonstige“ (3 Exemplare).

Jeder Labyrinth Typ in jedem seiner Stile ist mit dem Bild eines entsprechenden Labyrinth Exemplars illustriert. Abb. 2 zeigt als Beispiel dafür den Ausschnitt für den Grundtyp im klassischen Stil mit seinen 97 Exemplaren.

Abbildung 2. Ausschnitt Grundtyp, klassischer Stil

Fährt man mit dem Mauszeiger über das Labyrinth Bild, wird das Muster eingeblendet. Neben dem Bild sind die zugeordneten begehbaren Labyrinthe aufgelistet. Fährt man über einen Namen, erscheint ein Bildausschnitt des betreffenden Exemplars. Klickt man in den Link, wird man auf die Seite mit dem vollständigen entsprechenden Labyrinth Eintrag geführt. Dort gibt es oft ein vollständiges Bild und eine ausführliche Beschreibung des Labyrinths mit Typ, Stil, Anzahl Umgänge, Anzahl Achsen, Grösse und Abmessungen, Material und weiteren Informationen.

Die Typologie enthält zur Zeit etwa 60 verschiedene Typen und etwa 10 Stile. Es kommt aber nicht jeder Typ in jedem Stil vor. Die Typologie enthält aber mit z.Z. 92 Gruppen aus Typen und Stilen mehr als die 60 reinen Typen, die ausschliesslich auf dem Wegverlauf basieren. Diese Gruppen decken alle in der Website verzeichneten begehbaren Labyrinthe ab. Es kommen aber immer wieder neu Labyrinthe hinzu, sodass auch die Anzahl Typen und Stile nicht endgültig festgelegt ist.

Die gesamte Liste der Labyrinth Typen ist aufsteigend zuerst nach der Anzahl Achsen, dann nach der Anzahl Umgänge geordnet. D.h zuerst kommen alle einachsigen Labyrinth Typen. Diese sind wiederum aufsteigend nach der Anzahl Umgänge geordnet, von den kleinsten mit 3 Umgängen bis zu den grössten mit 11 Umgängen. Dann kommen die Typen mit 2, 3, 4, 5, 6 und 8 Achsen, jeweils auch wieder nach Anzahl Umgängen geordnet.

Die neue Typologie ist nun systematisch, in sich stimmig, klar nachvollziehbar und deckt die erfassten begehbaren Labyrinthe vollständig ab. Auch kann sie beliebig erweitert werden, wenn ein neues Labyrinth in einem neuen Typ oder Stil dazukommt.

Verwandte Beiträge

  1. Zur Umgangsfolge von einachsigen Labyrinthen
  2. Typ oder Stil / 7
  3. Typ oder Stil / 6
  4. Typ oder Stil / 4
  5. Wie das Muster zu lesen ist

Zusätzliche Links

  1. Typologie Begehbare Labyrinthe

In der griechischen Mythologie ist das Labyrinth der Ort, an dem der Minotauros versteckt und gefangen gehalten wird. Es ist daher nicht unbedingt ein realer Ort.
Das Labyrinth, wie wir es heute kennen und schätzen, ist dafür höchst ungeeignet. Denn es hat einen Eingang, einen eindeutigen Weg und eine zugängliche Mitte.
So finden sich auf den Silbermünzen aus Knossos auch höchst unterschiedliche Interpretationen des Labyrinths. Es gibt Mäander und weitere symbolhafte Darstellungen.
Ein Motiv will ich heute herausgreifen und näher betrachten.

Ich habe zwei Exemplare mit demselben Motiv gefunden. Einmal auf einer Münze aus dem Münzkabinett von Berlin:

Minotauros 420-380 v. Chr.

Minotauros 420-380 v. Chr.: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Objekt 18218282 Vorderseite

Labyrinth 420-380 v .Chr.

Labyrinth 420-380 v. Chr.: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Objekt 18218282 Rückseite

Und einmal auf einer Münze aus dem Britischen Museum in London:

Quadratischer Flächenmäander 500-431 v. Chr.

Quadratischer Flächenmäander 500-431 v. Chr. / Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 43

Sie stellen beide das gleiche dar. Die „Berliner“ Münze scheint zwar exakter zu sein, enthält aber an zwei Stellen im oberen Bereich kleine Fehler. Zwei senkrechte Linien stoßen aneinander, wo eigentlich eine Lücke sein müsste. Dieser Bereich ist auf der „Londoner“ Münze präziser dargestellt, obwohl die Linien insgesamt schwerer zu erkennen sind.

Ich habe eine „Reinzeichnung“ angefertigt, die erkennen lässt, was der Präger dieser Münzen wohl zeigen wollte. Man erkennt Linien, die einem bestimmten Schema folgen. Sie sind symmetrisch, wiederholen sich und zeigen ein verschlungenes „Wegsystem“. Der eingezeichnete rote Faden lässt das erkennen.
Es gibt vier ineinander verschachtelte Wege ohne Anfang und Ende, aber auch ohne Eingang. Das ist zwar nicht „unser“ Labyrinth aber als Gefängnis besser geeignet. Da käme der Minotauros nicht so schnell heraus.

Der überarbeitete Flächenmäander

Der überarbeitete Flächenmäander

Das könnte schon eine Andeutung sein vom römischen Sektorenlabyrinth einige hundert Jahre später.

Aber es zeigt auch eine gewisse Verwandtschaft zum Babylonischen Labyrinth, hunderte Jahre älter und in einem anderen Kulturkreis entstanden (siehe dazu die labyrinthischen Fingerübungen im Artikel über das Babylonische Labyrinth).

Verwandte Artikel

Weiterführender Link

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