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In eigener Sache

In einem Blog sind die einzelnen Beiträge (Artikel) chronologisch angeordnet: die ältesten ganz hinten, die neuesten ganz vorn. Der Aufbau ist somit anders als bei einer Website, wo alles immer an der gleichen Stelle steht.

Wer etwas bestimmtes über Labyrinthe sucht oder einfach nur wissen will, was überhaupt im Blog zu finden ist, möchte vielleicht gerne so eine Art Inhaltsverzeichnis haben.

Das habe ich inzwischen erstellt und biete es in einer eigenen Seite mit dem Titel Übersicht an.

Aufgerufen wird das Inhaltsverzeichnis über das Register Übersicht und befindet sich im Menü über dem Titelbild, zusammen mit dem Register Über uns.

Für einen besseren Durchblick

Für einen besseren Durchblick

Noch etwas:

So ungefähr zweimal im Monat soll ein neuer Beitrag erscheinen. Mittlerweile bin ich nicht mehr allein, Andreas Frei ist mein Gastautor.

Wer immer darüber informiert sein will, kann diesen Blog auch (natürlich kostenlos und unverbindlich) abonnieren, auch folgen genannt.
Das entsprechende Feld: BLOGGERMYMAZE FOLGEN gibt es in der Seitenleiste zwischen „IM BLOG SUCHEN“ und „KATEGORIEN“.
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Bei der Beschäftigung mit der Doppelbarrierentechnik in den letzten Beiträgen bin ich bei Mark Wallingers Labyrinthen in der Londoner U-Bahn auf dieses Exemplar gestoßen:

Das Labyrinth 233/270 in der U-Bahn Station Hyde Park Corner, Foto: © Jack Gordon

Das Labyrinth 233/270 in der U-Bahn Station Hyde Park Corner, Foto: © Jack Gordon

Diese Datei ist lizenziert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“.

Das Besondere daran ist, dass sich im oberen Teil der Zentralachse zwei Doppelbarrieren nebeneinander befinden. Bei der von ihm gewählten Wegführung bewegt man sich bei der Überleitung vom 2. auf den 3. Quadranten zuerst von der Mitte weg.

Das habe ich nun so verändert, dass man bei einem begehbaren Labyrinth eine Bewegung zur Mitte hin „erleben“ würde.

So sieht das dann aus:

Ein neues Sektorenlabyrinth in konzentrischem Stil

Ein neues Sektorenlabyrinth in konzentrischem Stil

Die seitlichen Doppelbarrieren habe ich ebenfalls verschoben und dadurch wird die Wegführung in allen Quadranten ebenfalls unterschiedlich. Es entsteht also ein neuer Typ.

Hier im Knidos Stil:

Ein neues zentriertes Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Ein neues zentriertes Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Warum nicht auch als zweigeteiltes Labyrinth?

Ein neues 5-gängiges, zweigeteiltes Labyrinth

Ein neues 5-gängiges, zweigeteiltes Labyrinth

Der linke Teil hat die Wegfolge: 3-4-5-2-1 und der rechte Teil: 5-4-1-2-3, also stecken da zwei 5-gängige Labyrinthe drin.

Und hier wieder der Knidos Stil:

Ein neues 5-gängiges, zweigeteiltes und zentriertes Labyrinth im Knidos Stil

Ein neues 5-gängiges, zweigeteiltes und zentriertes Labyrinth im Knidos Stil

Das bemerkenswerte an diesem Typ ist auch, dass sowohl der Eintritt ins Labyrinth im 3. Umgang erfolgt, wie auch der Eintritt in die Mitte.

Verwandte Artikel

Sigmund Gossembrot / 6

Das komplizierte Labyrinth

Auf Folio 54 r, schliesslich, befindet sich das in Abbildung 1 gezeigte komplizierte Labyrinth (siehe auch: Verwandte Beiträge, unten). In seinem Zentrum steht: „laborintus melior inter priores aquia magis errabunda inducens et educens“ – dieses Labyrinth ist besser als die früheren, da es mehr in die Irre weist, hinein- und hinausführend. Kern hält das für Selbstlob (Literatur, unten). Ich denke einfach, dass Gossembrot dieses Labyrinth für sein bestes hielt. Das Labyrinth hat 12 Umgänge und eine unübersichtliche Anordnung der Wendungen des Weges. Die Anzahl Achsen kann nicht einfach festgestellt werden.

Abbildung 1. Das komplizierte Labyrinth auf Folio 54 r

Der Weg tritt unten auf dem ersten (äussersten) Umgang ins Labyrinth ein (Abb. 2). Er macht dann gleich eine Verzweigung, und man kann diesem Umgang in beiden Drehrichtungen (im oder gegen den Uhrzeigersinn) folgen. Von oben zweigt aus dem Umgang wieder ein Wegstück ab. Dieses führt weiter ins Labyrinth hinein. Der äusserste Umgang ist also nicht unikursal, sondern multikursal als Irrgarten angelegt.

Abbildung 2. Der äusserste Umgang

Man kann den äussersten Umgang entfernen (Abb. 3) und erhält dann ein eigenständiges Kernlabyrinth mit 11 Umgängen. Weitere Umgänge aber kann man nicht einfach entfernen, ohne das Kernlabyrinth zu zerstören. Das Kernlabyrinth hat eine klar erkennbare Hauptachse, die nach oben ausgerichtet ist. Es dreht im Uhrzeigersinn.

Abbildung 3. Kernlabyrinth

Für die weitere Untersuchung drehen wir nun in Abb. 4 das Labyrinth so, dass die Hauptachse nach unten zeigt. Nun liegt es in der Form vor, die wir immer als Ausgangsform verwenden. Die Hauptachse (blau eingerahmt) hat genau die gleiche Form wie jene des Labyrinths vom Typ Chartres. Die übrigen Wenden des Wegs liegen verstreut über die oberen ca. 2/3 der Fläche.

Abbildung 4. Hauptachse

Aber angesichts der Form der Hauptachse drängt sich der Verdacht auf, dass auch die übrigen Wendestellen etwas mit dem Typ Chartres zu tun haben könnten. Tatsächlich lassen sich leicht drei Bereiche ausmachen (Abb. 5). Die Wendestellen innerhalb der trapezförmigen Bereiche (rot) können zu Achsen ausgerichtet werden.

Abbildung 5. Nebenachsen

Man muss sie dazu entlang ihren Umgängen verschieben. Zwei Wendestellen (die innersten an der 1. und 2. Nebenachse) liegen schon fast an ihrem richtigen Platz. Dies wird in Abb. 6 gezeigt. Die übrigen müssen stärker verschoben werden. Das wird mit den roten Kreisen und Pfeilen dargestellt. Neu ausgerichtet ergeben sie in der Tat ein Labyrinth vom Typ Chartres.

Abbildung 6. Typ Chartres

Umgekehrt betrachtet kann man also sagen, dass Gossembrot aus dem Labyrinth vom Typ Chartres einen Irrgarten abgeleitet hat. Dazu hat er die regelmässige Ordnung aufgelöst, indem er die Wendestellen aus den Nebenachsen herausgerückt und willkürlich über die Labyrinthfläche verteilt hat. Dann hat er aussen einen weiteren Umgang angefügt und diesem eine mehrdeutige Wegführung gegeben.

Literatur
Kern H. Labyrinthe – Erscheinungsformen und Deutungen 5000 Jahre Gegenwart eines Urbilds. München: Prestel 1982: S. 204 Abbildungslegende, S. 205, Abb. 244.

Verwandte Beiträge

Es gibt acht Möglichkeiten für ein einachsiges, 5-gängiges Labyrinth (siehe Verwandte Artikel unten).

Die Struktur der unterschiedlichen Labyrinthe lässt sich durch die Wegfolge ausdrücken. Hier eine Aufstellung:

  1.  3-2-1-4-5
  2.  5-4-1-2-3
  3.  5-2-3-4-1
  4.  1-4-3-2-5
  5.  3-4-5-2-1
  6.  1-2-5-4-3
  7.  1-2-3-4-5
  8.  5-4-3-2-1

Das im letzten Beitrag von mir vorgestellte Sektorenlabyrinth (siehe Verwandte Artikel unten) hat in allen 4 Quadranten unterschiedliche Wegfolgen. Oder etwas anders ausgedrückt: Es stecken 4 verschiedene Labyrinthe drin. Es waren die Wegfolgen in der 1. bis 4. Zeile der Aufstellung oben.


Nun heute ein weiteres 5-gängiges Sektorenlabyrinth mit der von Gossembrot entwickelten Doppelbarrieren-Technik:

Ein neues 5-gängiges Sektorenlabyrinth im konzentrischen Stil

Ein neues 5-gängiges Sektorenlabyrinth im konzentrischen Stil

Die Wegfolge im Quadranten I lautet: 3-4-5-2-1, die im Quadranten IV: 1-2-5-4-3. Das sind die vorgenannten Wegfolgen an 5. und 6. Stelle. Die beiden oberen Quadranten haben: 1-4-3-2-5 und 5-2-3-4-1. Diese entsprechen den oberen an 4. und 3. Stelle genannten Wegfolgen. Nicht verwunderlich, denn die Überleitung in diesen Sektorenlabyrinthen erfolgt entweder auf dem 1. oder dem 5. Umgang.

Hier in einer Darstellung, die wir von den römischen Labyrinthen kennen:

Das neue Sektorenlabyrinth in quadratischer Form

Das neue Sektorenlabyrinth in quadratischer Form

Oder hier im Knidos Stil:

Das neue Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Das neue Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Auf Wikimedia Commons fand ich dieses Bild von Mark Wallingers Labyrinth-Installation in der Station Northwood Hills, die im Rahmen eines netzwerkweiten Kunstprojekts zum 150-jährigen Bestehen der Londoner U-Bahn installiert wurde. Es ist Teil der so genannten Emboss-Familie (eine der insgesamt 11 labyrinth design families).

Mark Wallinger Labyrinth 10/270, Foto: Urheber © Jack Gordon

Mark Wallinger Labyrinth 10/270, Foto: Urheber © Jack Gordon


Diese Datei ist lizenziert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“.


Jetzt fehlen nur noch zwei Wegfolgen, dann hätten wir die acht vollständig.
Auch dafür gibt es ein neues Sektorenlabyrinth:

Noch ein neues Sektorenlabyrinth im konzentrischen Stil

Noch ein neues Sektorenlabyrinth im konzentrischen Stil

In den beiden unteren Quadranten haben wir die Wegfolgen 1-2-3-4-5 und 5-4-3-2-1. Das sind die ganz oben an 7. und 8. Stelle genannten Wegfolgen. Die beiden oberen (5-2-3-4-1 und 1-4-3-2-5) sind wieder identisch mit den beiden oberen im vorigen und den im vorigen Beitrag gezeigten Labyrinthen.

In der quadratischen Darstellungsweise sieht man, dass es eigentlich eine Mischung von Serpentinen-Typ und Mäander-Typ ist (siehe Verwandte Artikel unten).

Das neue Sektorenlybyrinth im römischen Stil

Das neue Sektorenlybyrinth im römischen Stil

Hier im Knidos Stil:

Das neue Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Das neue Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

In nur drei Sektorenlabyrinthen lassen sich also, vereinfacht ausgedrückt, alle theoretisch möglichen acht 5-gängigen Labyrinthe nachweisen.


Es ist aber auch noch möglich, die „oberen“ Wegfolgen nach unten zu verlegen, sodass sich wieder neue Darstellungsmöglichkeiten ergeben.
Dann lassen sich auch noch die rechten und linken „unteren“ Quadranten vertauschen.
Oder alles spiegeln und rechtsläufige Labyrinthe erzeugen.

Hier dazu zwei Beispiele:

Noch ein neues Sektorenlabyrinth in runder Form

Noch ein neues Sektorenlabyrinth in runder Form

Ein anderes neues Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Ein anderes neues Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Verwandte Artikel

Sigmund Gossembrot / 5

Die beiden einachsigen Labyrinthe

Unter den neun Zeichnungen von Gossembrot befinden sich auch zwei einachsige Labyrinthe (siehe Verwandte Beiträge, unten).

Das Labyrinth auf Fol. 53 r hat 9 Umgänge (Abb. 1). Im Zentrum steht: inducens et educens, hineinführend und hinausführend. Auffällig ist die Gestaltung der Achse mit ihrer Rautenform. Die sieht schon fast ein wenig wie eine Vorwegnahme des Knidos Stils aus… Dieses Labyrinth ist zudem nicht alternierend. Der Weg quert die Achse beim Wechsel vom 6. auf den 9. Umgang. Die Stelle ist im Labyrinth mit zwei gestrichelten roten Linien markiert. Diese entsprechen den gestrichelten Linien im Muster. Dieses Muster findet sich erstmalig im Labyrinth von Gossembrot. Es ist darum ein eigener Typ. Ich nenne ihn Typ Gossembrot 53 r.

Abbildung 1. Das Labyrinth auf Folio 53 r

Das Labyrinth auf Fol. 54 v hat 11 Umgänge und liegt im konzentrischen Stil vor (Abb. 2). Man nennt diesen Labyrinth Typ auch den vergrösserten Grundtyp oder vergrösserten Klassischen / Kretischen Typ. Dies, weil sein Seed Pattern im klassischen Stil ein zentrales Kreuz und zwischen den Kreuzarmen je zwei ineinanderliegende Winkel mit einem koaxialen Punkt aufweist. Das Seed Pattern des Grundtyps hat ein zentrales Kreuz mit je einem Winkel und Punkt zwischen den Kreuzarmen.

Abbildung 2. Das Labyrinth auf Foliio 54 v

Von diesem Labyrinth Typ gibt es mehrere historische Exemplare. Die beiden frühesten (Abb. 3) sind Fresken in der Kirche von Hesselager, Fünen, Dänemark und in der Kirche von Sibbo, Finnland (siehe Literatur, unten).

Abbildung 3. Früheste historische Exemplare (15. Jh.)

Beide sind ohne genaue Angaben auf das 15. Jahrhundert datiert. Auch Gossembrot 54 v datiert aus dem 15. Jh. (1480). Es ist also aufgrund der Datierung nicht sicher möglich, das früheste Exemplar dieses Labyrinth Typs zu identifizieren. Es ist also sogar denkbar, dass die Zeichnung von Gossembrot die früheste ist, und somit Gossembrot auch der Urheber dieses Labyrinth Typs war.

Literatur:

Kern H. Labyrinthe – Erscheinungsformen und Deutungen 5000 Jahre Gegenwart eines Urbilds. München: Prestel 1982. S. 413, Abb. 588 (von Kern falsch bezeichnet als Labyrinth vom Kretischen Typ mit sieben Umgängen); S. 415, Abb. 596.

Verwandte Beiträge:

Bei den 7-gängigen Labyrinthen von Gossembrot in den letzten Beiträgen hat mich vor allem die Technik der Doppelbarrieren fasziniert. Dadurch sind ganz neue Typen an Labyrinthen möglich. Wahrscheinlich hat er die Doppelbarrieren nicht „erfunden“, aber er hat sie als erster konsequent und systematisch benutzt.

Wie sieht es nun aus, wenn man diese Technik bei 5-gängigen Labyrinthen anwendet?
Das habe ich probiert und bin dabei auf eine ganz neue Art von Sektorenlabyrinthen gestoßen.
In diesen wird bekanntlich ein Sektor nach dem anderen durchwandert, bevor die Mitte erreicht wird.
Bei den historischen römischen Labyrinthen unterscheidet man im wesentlich drei verschiedene Varianten: Den Mäander-Typ, den Spiral-Typ und den Serpentinen-Typ (siehe Verwandte Artikel unten).
Der Eintritt ins Labyrinth erfolgt meistens bis zum innersten Umgang. Und in allen vier Sektoren sind die Strukturen gleich.
Der Wechsel in den nächsten Sektor erfolgt entweder immer außen oder auch schon einmal innen entlang (oder abwechselnd).

Jetzt der neue Typ:

Das neue Sektorenlabyrinth im konzentischen Stil

Das neue Sektorenlabyrinth im konzentischen Stil

Was ist das besondere daran?
Schon der Eingang: Er erfolgt auf dem 3. Umgang. Das gibt es bei keinem historischen Sektorenlabyrinth. Und der Eintritt ins Zentrum erfolgt ebenso vom 3. Umgang aus.

Dann ist die Struktur, ausgedrückt durch den Wegverlauf, in jedem Quadranten unterschiedlich.

Quadrant I:   3-2-1-4-5
Quadrant II:  5-2-3-4-1
Quadrant III: 1-4-3-2-5
Quadrant IV: 5-4-1-2-3

Die Übergänge in den nächsten Sektor erfolgen immer wechselweise.

Das neue Labyrinth ist trotzdem sehr ausgewogen und spiegel-symmetrisch.

Hier in einer quadratischen Form:

Das neue Sektorenlabyrinth in quadratischer Form

Das neue Sektorenlabyrinth in quadratischer Form

So lässt es sich besser mit den bisher bekannten römischen Labyrinthen (siehe unten) vergleichen, die meistens quadratisch sind.

Der Unterschied zu diesen wird vor allem in der Diagrammdarstellung deutlich. Denn diese zeigt die innere Struktur, das Muster.

Das Diagramm für das neue Sektorenlabyrinth

Das Diagramm für das neue Sektorenlabyrinth

Schön zu sehen sind dabei die ineinander verschachtelten Mäander.

Aber auch im Knidos Stil macht sich dieser Typ gut:

Das neue Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Das neue Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Wie soll man diesen Typ nun nennen? Und wer baut eines als begehbares Labyrinth?

Verwandte Artikel

Sigmund Gossembrot / 4

Die vier Labyrinthe mit 4 Achsen und 8 Umgängen

Vier Zeichnungen von Gossembrot zeigen Labyrinthe mit 4 Achsen und 8 Umgängen. Davon sind je zwei auf rundem und rechteckigem Grundriss. Abbildung 1 zeigt diese vier Figuren im Vergleich. Figuren a (rund) und c (rechteckig) haben den gleichen Wegverlauf (=). Ebenso Figuren b (rund) und d (rechteckig). Die beiden runden Figuren (a, b) ebenso wie die beiden rechteckigen (c, d) haben verschiedene Wegführungen (≠).

Abbildung 1. Vergleich

Alle vier Figuren haben Inschriften in ihrem Zentrum.

Figur a (Fol. 51 v): „Laborintus inducens et educens“ – Labyrinth hineinführend und hinausführend


Figur b (Fol. 52 r): „Laborintus tamen educens nunquam intus perveniens fines“ – Labyrinth, hinausführend, jedoch nirgends im Zentrum ankommend

Figur c (Fol. 52 v unten): „Ibi introis et exis“ – hier trittst du ein und gehst hinaus.

Figur d (Fol. 52 v oben): „Der Irrgang clausus est et numquam introibis“ der Irrgang ist geschlossen und nirgends trittst du ein.

Daraus ersieht man gut, dass Gossembrot sich mit dem Unterschied zwischen Labyrinth und Irrgarten beschäftigte. Abbildung 2 zeigt an den unteren, rechteckigen Figuren, dass die Nebenachsen in allen vier Figuren gleich sind (blau umrandete Bereiche). Die Figuren auf der rechten Seite unterscheiden sich nur in der Hauptachse gegenüber den Figuren auf der linken Seite (rot umrandete Bereiche). Das wird auch aus den beiden Mustern unten in der Abbildung deutlich. Die Figuren links sind Labyrinthe, die rechts eine spezielle Form eines einfachen Irrgartens. Der Weg geht auf den 6. Umgang und verzweigt sich dort. Ein Ast führt vorwärts bis zur ersten Nebenachse. Dort wendet der Weg auf den 7. Umgang, macht einen vollen Umgang und quert dabei die Hauptachse. Er wendet wieder an der ersten Nebenachse, führt durch die äusseren Umgänge 6 – 1 und kommt zurück in den anderen Ast der Weggabelung. Der innerste 8. Umgang ist vom übrigen Wegverlauf abgetrennt, beginnt in einer Sackgasse, macht eine Runde und endet dann im Zentrum.

Abbildung 2. Labyrinth und Irrgarten

Gossembrot hat also wohl aus dem Labyrinth einen Irrgarten abgeleitet. Es gibt nämlich ein zweites historisches Labyrinth mit dem gleichen Muster. Dieses stammt aus einer Handschrift (1456/63) des Nürnberger Arztes und Humanisten Hartmann Schedel (siehe Literatur, unten). Die freihändige Labyrinthzeichnung wurde auf eine der letzten leer gebliebenen Seiten der Handschrift aufgeklebt. Diese Handschrift ist in der gleichen digitalen Bibliothek wie jene von Gossembrot online zugänglich (zusätzliche Links, unten). Im Original ist das Labyrinth mit dem Eingang nach links ausgerichtet. In Abb. 3 gebe ich es zur besseren Vergleichbarkeit mit dem Eingang nach unten gedreht wieder.

Abbildung 3. Typ Schedel

Aufgrund des früheren Datums (1456/63) der Publikation von Schedel habe ich diesen Labyrinthtyp mit „Typ Schedel„ benannt. Gossembrot war mit dem Onkel von Hartmann, mit Hermann Schedel, befreundet. Die Handschrift von Gossembrot ist auf 1480 datiert. Allerdings ist die Labyrinthzeichnung bei Schedel eingeklebt. Sie könnte also auch nachträglich zu seiner Handschrift hinzugefügt worden sein. Es ist somit durchaus möglich, dass die Zeichnungen von Gossembrot die früheren sind und somit Gossembrot auch der Urheber dieses Labyrinth Typs war.

Literatur

  • Kern H. Labyrinthe – Erscheinungsformen und Deutungen 5000 Jahre Gegenwart eines Urbilds. München: Prestel 1982, S. 177, Abb. 212

Verwandte Beiträge

Zusätzliche Links

Mein Co-Autor Andreas Frei hat in seinem letzten Artikel über die von Sigmund Gossembrot verworfene Labyrinthzeichnung auf Folio 53 v berichtet. Und dabei die erstaunliche Entdeckung gemacht, dass darin Gestaltungsprinzipien angewandt wurden, nach denen bisher kein einziges bekanntes historisches Labyrinth entwickelt wurde.
Nicht bei den Sektorenlabyrinthen der römischen Labyrinthe oder in den verschiedenen mittelalterlichen Typen.
Auch unter den  zeitgenössischen Labyrinthen (z.B. bei den 266 neuen Typen von Mark Wallinger für die Londoner U-Bahn) kommt dieser neue Typ nicht vor.

Das von Andreas Frei abgeleitete Labyrinth weist jedoch einige außergewöhnliche Eigenschaften auf, die ich hier näher beschreiben möchte.
Dazu erst einmal eine Darstellung des neuen Typs im konzentrischen Stil:

Das 7-gängige Labyrinth von Folio 53 v im konzentrischen Stil

Das 7-gängige Labyrinth von Folio 53 v im konzentrischen Stil

Enthalten ist das klassische 7-gängige Labyrinth, wie es aus dem Grundmuster entwickelt werden kann. Im oberen Bereich und in den beiden Seitenteilen sind drei Barrieren angeordnet, die über 4 Umgänge verlaufen und noch einmal 6 neue Wendepunkte erzeugen. Diese Barrieren sind sehr gleichmäßig angeordnet, sie bilden ein gleichschenkliges Kreuz. Dadurch wird die Linienführung ganz entscheidend verändert.

Der Eintritt ins Labyrinth erfolgt auf Bahn 3, dann geht es sofort im 1. Quadranten links unten weiter zu 6, 5, 4 und 7. Da wird die Mitte ganz (in allen 4 Quadranten) umkreist. Im 4. Quadranten rechts unten geht es über 6, 3, 2 zurück durch die übrigen Quadranten bis zum 1. Von hier geht es in Bahn 1 einmal ganz um das Labyrinth herum, im 4. Quadranten geht es dann zügig über 4 und 5 in die Mitte. Zweimal kommt man bei der Begehung dem Eingang ganz nahe: Beim Übergang von Bahn 2 auf 1 im 1. Quadranten und beim Übergang von Bahn 1 auf 4 im 4. Quadranten.

Faszinierend sind auch die zweimaligen ganzen „Umfahrungen“ in den Bahnen 7 und 1. Auch die zwei Halbkreise in Bahn 2 sind bemerkenswert. Die Bahnen 3, 4 und 5 werden nur in Viertelkreisen umrundet.

Das alles ergibt einen ganz eigenen Rhythmus in der Wegführung, der sehr dynamisch und trotzdem ausgewogen erscheint.

Am Bildschirm oder in der Zeichnung lässt sich das natürlich nicht so recht nachvollziehen. Darum wäre es sehr wünschenswert, ein solches Labyrinth auch einmal gehen zu können.

Bisher gibt es ein solches begehbares Labyrinth nicht. Wer macht den Anfang?

Das zentrierte Labyrinth von Folio 53 v

Das zentrierte Labyrinth von Folio 53 v

Dieses Labyrinth lässt sich auch sehr gut zentrieren. Das heisst, dass die Eingangsachse und die Eintrittsachse in die Mitte zentral auf eine gemeinsame Mittelachse gelegt werden können. Dadurch ergibt sich ein kleiner offener Bereich, der auch als Herzstück bezeichnet wird.

Auch im Knidos-Stil lässt sich dieser Typ schön umsetzen. Dadurch wird es noch etwas kompakter. Die Eingangsachse ist jedoch leicht nach links verschoben, wie es ja auch im Original der Fall ist.
Der Weg, also der Ariadnefaden hat überall die gleiche Breite.

Das Labyrinth von Folio 53 v im Knidos-Stil

Das Labyrinth von Folio 53 v im Knidos-Stil

Und hier als Anregung zum Bau eines solchen Labyrinthes die Konstruktionszeichnung für einen Prototyp mit 1 m Achssprüngen. Der kleinste Radius ist 0.5 m, der nächste ist jeweils 1 m größer. Um insgesamt 11 Mittelpunkte lassen sich die verschiedenen Sektoren mit den unterschiedlichen Radien konstruieren.

Die Konstruktionszeichnung

Die Konstruktionszeichnung

Der Gesamtdurchmesser liegt je nach Wegbreite bei etwa 18 m, die Weglänge wäre dann 225 m.

Bemasst sind jeweils die Wegachsen, es wird also der Ariadnefaden konstruiert. Die Angaben sind aber skalierbar. Das heisst, das Labyrinth lässt sich leicht vergrößern oder verkleinern.

Und hier zum herunterladen oder drucken die Zeichnung als PDF-Datei.

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