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In eigener Sache

In einem Blog sind die einzelnen Beiträge (Artikel) chronologisch angeordnet: die ältesten ganz hinten, die neuesten ganz vorn. Der Aufbau ist somit anders als bei einer Website, wo alles immer an der gleichen Stelle steht.

Wer etwas bestimmtes über Labyrinthe sucht oder einfach nur wissen will, was überhaupt im Blog zu finden ist, möchte vielleicht gerne so eine Art Inhaltsverzeichnis haben.

Das habe ich inzwischen erstellt und biete es in einer eigenen Seite mit dem Titel Übersicht an.

Aufgerufen wird das Inhaltsverzeichnis über das Register Übersicht und befindet sich auf dem Blog ganz oben über dem Titelbild, gleich rechts neben dem Register Über uns.

Für einen besseren Durchblick

Für einen besseren Durchblick

Noch etwas:

So ungefähr zweimal im Monat soll ein neuer Beitrag erscheinen. Mittlerweile bin ich nicht mehr allein, Andreas Frei ist mein Gastautor.

Wer immer darüber informiert sein will, kann diesen Blog auch (natürlich kostenlos und unverbindlich) abonnieren, auch folgen genannt.
Das entsprechende Feld: BLOGGERMYMAZE FOLGEN gibt es in der rechten Seitenleiste zwischen „IM BLOG SUCHEN“ und „KATEGORIEN“.
Man braucht nur seine E-Mail-Adresse anzugeben und erhält immer dann eine Nachricht, wenn wieder ein neuer Artikel im Blog erschienen ist.

Im letzten Beitrag habe ich vier Varianten des Seed Patterns vom Labyrinth Typ Cakra Vyuh vorgestellt. Da wird man vielleicht wissen wollen, wie die dazu gehörenden vollständigen Labyrinthe aussehen. Die zeige ich hier.

Ich füge also zum bisher einzigen bekannten Exemplar dieses Labyrinth Typs (Original) noch drei weitere Exemplare hinzu. Genau genommen sind nur zwei davon neu: die im Klassischen und Konzentrischen Stil. Das Exemplar im Man-in-the-Maze Stil habe ich ja schon früher auf diesem Blog publiziert. Man beachte ferner: Das originale Labyrinth dreht gegen den Uhrzeigersinn. Die anderen Exemplare habe ich horizontal gespiegelt. Es ist das gleiche Labyrinth. Aber es dreht dann im Uhrzeigersinn. So mache ich das immer, wenn ich eigene Labyrinthdarstellungen zeige. Diese sind dann besser vergleichbar.

Verwandte Beiträge:

So sieht ein Baltisches Rad im wesentlichen aus:

Das Baltische Rad

Das Baltische Rad

Es hat Umgänge, die hauptsächlich um zwei Wendepunkte verlaufen. Die Mitte ist leer, hat jedoch einen kurzen Weg direkt nach außen. Dadurch haben wir auch zwei Zugänge, die durch ein löffelartig gestaltetes Teil voneinander getrennt sind.
Historische Exemplare sind sehr selten. In Deutschland gibt es das Rad in der Eilenriede im Stadtpark von Hannover. Ansonsten kennen wir diesen Typ nur aus der Literatur.

In den vorigen Artikeln habe ich mich mit dem Wunderkreis befasst. Dabei ist mir auch eine gewisse Ähnlichkeit zwischen beiden Typen aufgefallen. Beide haben zwar zwei Zugänge, sind jedoch trotzdem zwei verschiedene Typen. Worin besteht nun der Unterschied?

Der Wunderkreis

Der Wunderkreis

Die labyrinthischen Umgänge sind um Wendepunkte gruppiert, die in einem Dreieck angeordnet sind. In der Mitte haben wir eine Doppelspirale (Umgänge A, B, C), über die der Wunderkreis verlassen wird. Wir haben ja ein Durchgangslabyrinth vor uns.

Das Baltische Rad hat eine große, leere Mitte und enthält folglich keine Doppelspirale. Jedoch gibt es auch einen zweiten Zugang (oder Ausgang). Wenn ich daher die Umgänge für die Doppelspirale weglasse, müsste ich schon fast ein Baltisches Rad erhalten.

Das Zwischenstück

Das Zwischenstück

Die übrigen Umgänge sind geblieben. Auch die Wegfolge ist dieselbe. Das zeigt die nahe Verwandtschaft zwischen beiden Labyrinthtypen.

Jetzt füge ich noch ein aus lauter Kreisbögen geformtes Mittelteil zwischen beiden Eingängen hinzu und erhalte ein komplettes Baltisches Rad.

Das Baltische Rad

Das Baltische Rad

Das Baltische Rad kann aus unterschiedlich vielen Umgängen bestehen. Diese können ähnlich wie beim Wunderkreis hinzugefügt werden (siehe Verwandte Artikel unten). Auch gibtes noch weitere Gestaltungsmittel, wie z.B. auch einen zusätzlichen Umgang um das ganze Baltische Rad.

Vor einigen Jahren hatte ich schon einmal eine Konstruktionsanleitung für das Baltische Rad veröffentlicht. Die sah etwas anders aus. Die jetzt entwickelte Konstruktion scheint mir einfacher zu sein und gefällt mir besser.

Wenn ich die Anzahl der Umgänge bei einem Baltischen Rad festgelegt habe, kann ich auch wieder von der unteren Grundlinie des Dreieicks aus (zwischen M3 und M4) mittels Bogenschlag den Mittelpunkt M1 festlegen.

Die Zeichnung hat ein Achsmaß von 1 m und ermöglicht wieder eine Skalierung.

Konstruktionszeichnung

Konstruktionszeichnung

Hier als PDF-Datei zum anschauen, drucken oder kopieren.

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Im letzten Beitrag habe ich das elfgängige Cakra Vyuh Labyrinth vorgestellt. Obwohl das Seed Pattern ein zentrales Kreuz hat und auch leicht von Hand gezeichnet werden kann, ist es kein Labyrinth im Klassischen Stil. In Abb. 1 zeige ich das Seed Pattern in verschiedenen Varianten.

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Abbildung 1. Varianten des Seed Patterns

Bild a zeigt das originale Seed Pattern, Bild b das Seed Pattern im Klassischen Stil, Bild c im Konzentrischen Stil und Bild d im Man-in-the-Maze Stil.

Daraus sieht man nun deutlich, dass das originale Seed Pattern vom Klassischen Stil abweicht. Zwar hat es ein zentrales Kreuz, wie etwa auch das Kretische Labyrinth. Aber beim Cakra Vyuh gehen von diesem Kreuz weitere Verzweigungen ab.

Das ist im Klassischen Stil anders. Der Klassische Stil besteht aus Senkrechten, Waagrechten, Winkeln und Punkten. Es ist dafür nicht ein zentrales Kreuz erforderlich. Diese Seite zeigt gut, was gemeint ist (jeweils die linke Figur). Wenn das Seed Pattern Winkel hat, liegen sie zwischen den Kreuz Armen. Sie zweigen nicht von ihnen ab.

Die vier Figuren in Abb. 1 sehen zum Teil recht verschieden aus. Wie komme ich also zur Behauptung, dass es vier Varianten des gleichen Seed Patterns sind? Erinnern wir uns daran, dass diese Figuren Seed Pattern für die Begrenzungsmauern zeigen. Nun zeichnen wir in diese Figuren die Seed Pattern für den Ariadnefaden ein (Abb.2).

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Abbildung 2. Mit eingezeichnetem Seed Pattern für den Ariadnefaden

Das sieht zunächst mal noch komplizierter aus. Aber wenn wir uns auf die roten Figuren konzentrieren, sehen wir schnell was sie gemeinsam haben.

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Abbildung 3. Seed Pattern für den Ariadnefaden

Das Seed Pattern stellt einen Ausschnitt des gesamten Labyrinths dar. Genau genommen ist es der Ausschnitt entlang der Achse. An der Achse liegen die Wendestellen des Weges. Dies wird aus dem Seed Pattern für den Ariadnefaden besser ersichtlich als aus dem Seed Pattern für die Begrenzungsmauern.

Bei allen vier Seed Pattern wechseln sich Wendestellen mit einfachen und solche mit zwei verschachtelten Bögen ab. Das ist die Art und Abfolge der Wendestellen und die Grundinformation über das Seed Pattern. In den vier gezeigten Seed Patterns variiert die Anordnung der Wendestellen von kreisrund (Bild a und Bild d) bis länglich, hoch, schmal (Bild b und Bild c). Die Form der Bögen ist dem Verlauf der Begrenzungsmauern angepasst. Aber es ist immer eine einfache Wendestelle in Abwechslung mit einer zweifach verschachtelten Wendestelle.

Verwandte Beiträge:

Im vorigen Beitrag ging es mehr um die Geometrie und die mathematisch korrekte Konstruktion des Wunderkreises generell.

Hier ist ein Beispiel wie man es auch ganz praktisch machen kann. Denny Dyke von Circles in the Sand macht immer wieder Doppelspiralen und auch Wunderkreise in seinen Dream Fields am Strand von Oregon. Denny Dyke hat mir freundlicherweise seine Methode gezeigt.
In den folgenden Fotos wird das erläutert. Er kratzt freihändig die Linien in den Sand. Der Weg verläuft daher zwischen den Linien. Die Doppelspirale besteht hier aus drei Bögen, das diese umschließende Labyrinth hat fünf Umgänge.

Schritt 1

Schritt 1

Denny beginnt mit dem unteren Teil der Doppelspirale und zeichnet drei Halbkreise. Links deutet er zwei Linien und den Wendepunkt für das Labyrinth an. Rechts sind es drei Linien und der Wendepunkt (Schritt 1).

Schritt 2

Schritt 2

Jetzt kommen drei Halbkreise für den oberen Teil der Doppelspirale. Begonnen wird der erste Halbkreis in der Mitte des inneren unteren Halbkreises. Danach werden die freien Linienenden der schon vorhandenen Bögen miteinander verbunden (Schritt 2).

Schritt 3

Schritt 3

Jetzt werden der Reihe nach alle freien Linienenden einschließlich der Punkte parallel und in gleichem Abstand zu den jeweils vorherigen Linien verbunden.
Es sind zunächst rechts und links je vier Linien (Schritt 3).

Schritt 4

Schritt 4

Dann werden noch die beiden übrigen Linien unten auf ähnliche Art miteinander verbunden (Schritt 4).

Damit ware der Wunderkreis eigentlich schon fertig. Der offene untere Mittelteil enthält die beiden Zugänge. Links geht es in die labyrinthischen Umgänge. Rechts kommt man aus der Doppelspirale heraus.

Der fertige Wunderkreis

Der fertige Wunderkreis

Denny hat die beiden Zugänge kenntlich gemacht und durch den vom baltischen Rad bekannten „Schuhlöffel“ getrennt.

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Ein Wunderkreis besteht aus einer Doppelspirale, umgeben von einem einfachen Labyrinth mit zwei Wendepunkten.

Wir beginnen im Zentrum mit der Doppelspirale. Als Minimum würde ein Halbkreis unterhalb und ein Halbkreis oberhalb der waagrechten Linie genügen. Es lassen sich beliebig viele Bögen hinzufügen um die Doppelspirale größer zu machen. Hier nehmen wir drei Bögen, die wir mit A, B und C bezeichnen. Die unteren werden um M1 als Mittelpunkt gezeichnet, die oberen sind versetzt und werden um M2 als Mittelpunkt gezeichnet.

Schritt 1

Schritt 1

Danach fügen wir auf der linken Seite drei Bögen hinzu. Sie werden in einem Dreieckssektor um den Mittelpunk M1 gezeichnet. Wir nummerieren die Umgänge von außen her mit 1, 2 und 3. Umgang 3 wird später zum Eingang.
Der Wendepunkt M3 für den unteren Halbkreis liegt mittig zwischen den beiden äußeren Umgängen 1 und 2.

Schritt 2

Schritt 2

Nun kommt der rechte Teil. Hier sind zwei Bögen mehr als auf der linken Seite erforderlich, also fünf. Wir nummerieren die Umgänge wieder von außen nach innen von 1 bis 5. Der Umgang 5 führt später zum Ausgang.
Der Wendepunkt M4 liegt mittig zwischen den vier Umgängen 1 bis 4. Im unteren Mittelteil werden zwei Halbkreise um diesen Mittelpunkt M4 gezogen.

Schritt 3

Schritt 3

Zum Abschluss werden die oberen Halbkreise um M2 als Mittelpunkt vervollständigt. Es sind rechts und links je 4 Halbkreise (und Umgänge) mehr geworden als am Anfang.

Schritt 4

Schritt 4

Der Wunderkreis wird üblicherweise zuerst durch die labyrinthischen Umgänge über den Umgang 3 betreten und durch die Doppelspirale hindurch im Umgang 5 verlassen. Die Wegfolge ergibt sich dann wie folgt: 3-2-1-4-C-B-A-A-B-C-5.
Die Wegfolge 3-2-1-4 liegt bekanntlich dem Mäander wie auch dem Knossos Labyrinth zu Grunde.


Jetzt wählen wir mehr Umgänge und wenden die oben genannten Grundsätze auf die Konstruktion an. Dadurch lassen sich Wunderkreise mit unterschiedlich vielen Umgängen erzeugen. Bei der Doppelspirale lassen sich Umgänge in 1-Schritten hinzufügen, beim Labyrinth geht es paarweise.
Auf der rechten Seite sind insgesamt immer zwei Umgänge mehr als links erforderlich. Die unteren Wendepunkte (M3 und M4) müsen immer mittig zwischen den geradzahligen rechten oder linken Umgängen liegen. Im folgenden Beispiel links zwischen 6 und rechts zwischen 8 Umgängen.

Wenn wir wissen, wie viel Umgänge für einen Wunderkreis wir wollen, können wir die beiden unteren Wendepunkte auf eine Linie legen und die Mitte für die Doppelspirale (M1) in einem Dreieck bestimmen. Ein- und Ausgang lassen sich ebenfalls ohne Zwischenraum nebeneinander anordnen.

Wir können hier aber beim Abstecken trotzdem zuerst mit der Festlegung der Mitte M1 beginnen und auch die Ausrichtung der Hauptachse (senkrechte Linie) bestimmen. Über Bogenschlag lassen sich dann die übrigen Mittelpunkte M3 und M4 festlegen.

Die Hauptabmessungen

Die Hauptabmessungen

Am besten betrachten wir die Maßangaben als Einheiten, also entweder „Meter“ oder „Yard“ oder „Schrittweite“ o.ä. Dann können wir auch alle Dimensionen beliebig skalieren.
Der kleinste Radius hat 1 Einheit und wächst dann stufenweise jeweils um 1 von Bogen zu Bogen. Der größte Radius hat dann 12 Einheiten. Die Begrenzungslinien addieren sich auf 407 Einheiten, der gesamte Weg durch den Wunderkreis erreicht 362 Einheiten.

Der fertige Wunderkreis

Der fertige Wunderkreis

In diesem Beispiel hat der Wunderkreis vier Umgänge mehr als im Beispiel oben auf der Seite und keinen Zwischenraum zwischen Ein- und Ausgang. Dieser Bereich ist in den historischen Wunderkreisen ganz unterschiedlich gestaltet. Manchmal sind die Wege zusammengezogen, manchmal liegen sie weit auseinander.

Verwandte Artikel

Ein sehr schönes Labyrinth Exemplar (Abb. 1) mit der Bezeichnung Cakra-vyuh findet sich bei Kern° (Abb. 626, S. 433).

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Abbildung 1: Cakra-Vyuh Labyrinth aus einem indischen Ritualbuch

Die Abbildung stammt aus einem zeitgenössischen indischen Ritualbuch. Darin wird ein auch heute noch praktizierter Brauch unbekannten Alters beschrieben, bei dem die Labyrinth Vorstellung zur magischen Erleichterung der Geburt eingesetzt wird. Für Kern ist es ein modifizierter Kretischer Typ. Ich ordne es einem eigenen Typen zu und nenne diesen Typ nach der Bezeichnung von Kern Cakra-Vyuh (siehe Verwandte Beiträge: Typ oder Stil / 14).

Das Seed Pattern ist klar erkennbar. Man kann sich gut vorstellen, dass das Labyrinth vom Seed Pattern aus konstruiert ist. Trotzdem zögere ich, es dem Klassischen Stil zuzuordnen. Dazu weicht die kalligrafisch anmutende Ausführung zu stark vom Klassischen Stil ab. Die Begrenzungsmauern liegen mit dem grössten Teil ihres Umfangs, zu etwa 3/4, auf einer konzentrischen Kreisschar. Es hat somit auch Elemente des konzentrischen Stils. Ja, mit seinen knickfrei aneinandergefügten Bogenstücken, wo die Begrenzungsmauern von der Kreisschar abweichen und ins Seed Pattern münden, erinnert es sogar ein wenig an den Knidos Stil.

Ich habe dieses Labyrinth deshalb bei keinem bekannten Stil, sondern bei anderen Labyrinthen eingeordnet (Typ oder Stil / 9). Aber ich hatte diesen Labyrinth Typ auch schon im Man-in-the-Maze Stil gezeichnet (Wie zeichne ich ein Man-in-the-Maze Labyrinth / 5).

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Abbildung 2: Aufbau des Seed Pattern

Abb. 2 zeigt, wie das Seed Pattern aufgebaut ist. Man beginnt mit einem zentralen Kreuz. Dann fügt man an die Kreuz Arme Halbbögen an (2. Figur). Als nächstes fügt man in die verbleibenden Zwischenräume vier weitere Halbbögen ein. Das Seed Pattern enthält nun 8 Halbbögen (3. Figur). Zum Schluss wird in jeden Halbbogen ein Punkt gesetzt. Wir haben nun ein Seed Pattern mit 24 Enden, die alle auf einem Kreis liegen.

Am Muster zeigt sich deutlich, dass das Labyrinth eine eigene Wegführung hat. Deshalb ist es für mich ein eigenständiger Typ.

Typ Cakra Vyuh

Abbildung 3: Muster

Ferner ist es ein selbstduales, aber, nach Tony Phillips, uninteressantes Labyrinth (Un- / interessante Labyrinthe). Denn es besteht aus einem sehr interessanten 9-gängigen Labyrinth, mit aussen und innen je einem zusätzlichen, trivialen Umgang.

Verwandte Beiträge:

°Kern, Hermann. Labyrinthe – Erscheinungsformen und Deutungen; 5000 Jahre Gegenwart eines Urbilds. München: Prestel, 2. Aufl. 1983.

Was ist ein Wunderkreis?

Ein Labyrinth ist es nur, wenn wir auch Durchgangslabyrinthe als solche ansehen. Denn es hat zwei Zugänge und keine Mitte, in der man bleiben kann.

Ich sehe es als ein echtes Labyrinth an und behaupte sogar, dass es ältere Wurzeln hat als das Kretische Labyrinth aus dem Mittelmeerraum. Die Beschäftigung mit den Babylonischen Labyrinthen hat mich zu dieser Sicht gebracht. Denn im Zentrum eines typischen Wunderkreises befindet sich eine Doppelspirale. Eine Spirale allein ist noch kein Labyrinth, auch mäanderförmige Elemente gehören dazu.

Einige Beispiele:

Wunderkreis aus Steinen

Wunderkreis aus Steinen

Ein Exemplar mit Steinen gelegt wie die skandinavischen Trojaburgen und wohl auch aus dieser Region. Der Weg verläuft zwischen den Steinen. Der Eingang liegt in der Mitte unten und verzweigt dann. Ich kann nach links weitergehen oder nach rechts. Jedoch muss ich die ganze Figur durchwandern, um wieder herauszukommen. Im Zentrum vollzieht sich der entscheidende Richtungswechsel. Rechts und links unten liegen die beiden Wendepunkte, um die der Weg pendelnd geführt wird. Mal zur Mitte hin, mal weg davon; mal rechts herum, mal links herum. Ganz wie bei einem klassischen Labyrinth.
Die Figur besteht aus zwei Teilen: der Doppelspirale mit dem Mäander in der Mitte und den Umgängen um die beiden Wendepunkte. Welcher Teil zuerst durchlaufen wird, hängt von der Entscheidung des Weges ab. Jedoch sind die zwei Teile nicht vermischt, jedes Element wird für sich durchgangen.

Das Element mit den beiden Wendepunkten, die mit dem Zentrum in der Doppelspirale ein Dreieck bilden, kommt auch als eigener Labyrinthtyp vor. Im Typ Knossos, im Baltischen Rad und im Indischen Labyrinth,

Das Baltische Rad hat auch einen zweiten Zugang/Abgang zur Mitte, der jedoch sehr kurz ist. Die eigentliche Mitte besteht aus einem größeren, leeren Bereich. Es ist jedoch kein Wunderkreis, da der zweite Weg allein noch keinen solchen ausmacht, sondern die Doppelspirale im Mittelteil.

Alte Zeichnung des Eberswalder Wunderkreises

Alte Zeichnung des Eberswalder Wunderkreises

In dieser Zeichnung stellen die schwarzen Linien den Weg dar, nicht die Begrenzungslinien. Der Wunderkreis wurde nachweislich zuerst 1609 angelegt und zur 400-Jahr-Feier 2009 wurde sogar eine Münze herausgegeben.

Jubiläumsmünze des Eberswalder Wunderkreises

Jubiläumsmünze des Eberswalder Wunderkreises

Hier sieht er etwas anders aus, der Bewegungsverlauf ist jedoch der selbe. Inzwischen wurde auch wieder ein Wunderkreis aus Pflastersteinen in Eberswalde angelegt. Nicht auf dem Hausberg wie 1609, sondern auf dem Schützenplatz.

Der neue Eberswalder Wunderkreis

Der neue Eberswalder Wunderkreis

Ein weiterer historischer Wunderkreis ist überliefert aus Kaufbeuren.

Zeichnung des Wunderkreises aus Kaufbeuren

Ein ähnlicher Wunderkreis ist dann 2002 im Jordanpark wieder angelegt worden.

Der renovierte Wunderkreis von 2002

Der renovierte Wunderkreis von 2002

Die Siebenbürger Sachsen aus Zeiden trugen neue Erkenntnisse zum Wunderkreis bei durch das Festhalten an ihren Traditionen. Das Original befindet sich noch im heutigen Rumänien. Die Zeidner Nachbarschaft pflegt auch bei ihren Heimattreffen hier in Deutschland den  Brauch des Marsches durch den Wunderkreis.

Der Zeidner Wunderkreis

Der Zeidner Wunderkreis

Die Linien bilden hier den Weg ab und es geht zunächst nach rechts. Sie verzweigen auch nicht, sondern verlaufen getrennt. Dadurch wissen wir, dass vermutlich immer zuerst die äußeren Umgänge durchwandert wurden und dann die Doppelspirale.

An einer ganz anderen Stelle gab es im Juli 2015 den folgenden temporären Wunderkreis: Bei Ebbe am Strand von Bandon in Oregon (USA).

Dream Field am Face Rock von Bandon

Dream Field am Face Rock von Bandon, Foto © Pamela Hansen

Seit 2014 legt Denny Dyke mit seinem Team unter „Circles in the Sand“ in den Dream Field Labyrinths immer wieder neue Kreationen an. Dabei verwendet er sehr oft die Doppelspirale und den Wunderkreis, der als Durchgangslabyrinth ja auch idealerweise dafür geeignet ist. Auf die äußere Form kommt es nicht an, ein Wunderkreis kann auch eckig sein.


Jetzt können wir uns die wichtigsten Merkmale für den Wunderkreis in einer Art Musterzeichnung anschauen. Hier zunächst die Begrenzungslinien in Schwarz. Die beiden Zugänge liegen nebeneinander.

Die Begrenzungslinien für den Wunderkreis

Die Begrenzungslinien für den Wunderkreis

Durch die farbige Kennzeichnung des Wegverlaufes lassen sich die beiden wesentlichen Bestandteile für diesen Typ Labyrinth erkennen. Es gibt zwei unterschiedliche Bereiche. Der Weg nach links führt in den „labyrinthischen“ Teil um die zwei Wendepunkte herum. Der Weg nach rechts führt in die innere Doppelspirale.

Die Pfade im Wunderkreis

Die Pfade im Wunderkreis

Die ursprüngliche Bewegungsrichtung als Prozessions- oder Tanzlabyrinth führt zuerst in den äußeren Teil. In der Doppelspirale vollzieht sich der wichtigste Richtungswechsel und führt von dort wieder heraus.
Oft wurde der Wunderkreis auch zu Wettkämpfen genutzt und diente als eine Art Laufbahn. Vielleicht rührt sogar der Name von dieser Verwendung her.

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