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Ganz einfach: Durch Weglassen der Barrieren in den Nebenachsen. Beim Chartres Labyrinth habe ich das vor Jahren schon einmal ausprobiert. Und in den letzten beiden Beiträgen zu diesem Thema bei den Typen Auxerre und Reims. Siehe dazu die Verwandten Artikel unten.

Heute soll noch einmal der Chartres Typ behandelt werden. Hier das Original in wesentlicher Form, im konzentrischem Stil.

Das Chartres Labyrinth

Das Chartres Labyrinth

Das Original mit allen Linien und dem Weg im Labyrinth, dem Ariadnefaden. Die Zacken und das sechsblättrige Element in der Mitte gehören zum Stil Chartres und sind hier weggelassen.

Nun ohne die Barrieren in den Nebenachsen.

Das Chartres Labyrinth ohne die Barrieren

Das Chartres Labyrinth ohne die Barrieren

Anders als bei den Typen Auxerre und Reims können alle Umgänge in das nun entstehende Labyrinth einbezogen werden. Die Wegfolge ist: 5-4-3-2-1-6-11-10-9-8-7-12. Wir haben acht Wendepunkte mit gestapelten Umgängen. Es ist selbstdual. Das heißt, von innen nach außen geht es im gleichen Rhythmus wie hinein.

Das ergibt aber nun nicht einfach ein 11-gängiges Labyrinth wie wir es aus dem erweiterten Grundmuster erzeugen können.
Denn das sieht so aus:

Das 11-gängige Labyrinth aus dem Grundmuster

Das 11-gängige Labyrinth aus dem Grundmuster

Die Wegfolge hier ist: 5-2-3-4-1-6-11-8-9-10-7-12. Wir haben vier Wendepunkte mit verschachtelten Umgängen. Es liegt also ein anderes Prinzip der Konstruktion zugrunde als beim Chartres Labyrinth. Doch ist es selbstdual.


Nun wenden wir uns dem komplementären Labyrinth zu.

Das komplementäre Labyrinth wird erzeugt durch Spiegelung des Originals.
So sieht es dann aus:

Das komplementäre Chartres Labyrinth

Das komplementäre Chartres Labyrinth

Der Eintritt ins Labyrinth erfolgt auf dem 7. Umgang, der Eintritt in die Mitte geschieht vom 5. Umgang aus. Die Barrieren rechts und links sind anders angeordnet, die oberen bleiben. Es ist selbstdual.

Ohne Barrieren sieht es so aus:

Das komplementäre Chartres Labyrinth ohne die Barrieren

Das komplementäre Chartres Labyrinth ohne die Barrieren

Die Umwandlung funktioniert wieder, wie beim Original auch. Die Wegfolge lautet: 7-8-9-10-11-6-1-2-3-4-5-12. Auch dieses Labyrinth ist selbstdual.

Dem stellen wir wieder das komplementäre Labyrinth gegenüber, das aus dem Grundmuster erzeugt wurde.

Das 11-gängige komplementäre Labyrinth zum Grundmuster-Typ

Das 11-gängige komplementäre Labyrinth zum Grundmuster-Typ

Die Wegfolge hierzu lautet: 7-10-9-8-11-6-1-4-3-2-5-12.
Anders als das Original ist dieser Typ historisch noch nicht aufgetaucht.

Wir haben also aus dem Chartres Labyrinth zwei völlig neue 11-gängige Labyrinthe erzeugt, die anders aussehen als die bisher bekannten 11-gängigen Labyrinthe, die aus dem Grundmuster entwickelt werden können.

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Die Achsquerungen

Bei alternierenden mehrachsigen Labyrinthen quert der Weg die Hauptachse nicht. Aber er muss jede Nebenachse queren (siehe unten: verwandte Beiträge 1). Wie also sind Achsquerungen im MiM-Stil umzusetzen? Hier sei zunächst daran erinnert, dass ich früher schon ein nichtalternierndes einachsiges Labyrinth in den MiM-Stil gebracht habe (siehe verwandte Beiträge 2). Daraus wird ersichtlich, was passiert, wenn der Weg die Achse kreuzt (Abbildung 1).

Abbildung 1. Labyrinth vom Typ St. Gallen im MiM-Stil

An der Stelle, wo der Weg die Achse quert, wird der innerste Kreis durchbrochen. Die achsquerenden Wegstücke, und nur diese, gehen im MiM-Stil durch die Mitte des Seed Pattern. Bei allen alternierenden einachsigen Labyrinthen ist der innerste Kreis geschlossen. Das Zentrum des Labyrinths liegt immer ausserhalb.

Nun müssen beim Labyrinth vom Typ Chartres im MiM-Stil an jeder Nebenachse mehrere Wegstücke durch die Mitte geführt werden. Aus den Seed Patterns ist klar ersichtlich, wo Achsquerungen vorkommen. Es sind dies die Stellen, an denen der innerste Kreis durchbrochen ist. Betrachten wir die erste Nebenachse im Detail (Abbildung 2). Das Seed Pattern dieser Nebenachse liegt im westlichen Quadranten (schwarz hervorgehoben).

Abbildung 2. Das Seed Pattern der ersten Nebenachse

Es gilt, die Achsquerungen an dieser Nebenachse in den MiM-Stil umzuformen (Abbildung 3).

Abbildung 3. Die achsquerenden Wegstücke

Bekanntlich geht der Weg im Labyrinth vom Typ Chartres zuerst entlang der Hauptachse auf den 5. Umgang, wendet an der ersten Nebenachse, kehrt auf Umgang 6 zur Hauptachse zurück und erreicht von dort den innersten Umgang 11. Auf diesem Umgang macht er einen Halbkreis und quert dabei die erste Nebenachse. Dann wendet er an der zweiten Nebenachse. Von dort kehrt er auf dem 10. Umgang zur Hauptachse zurück und quert wieder die erste Nebenachse. Auch auf dem 7., 4. und 1. Umgang quert der Weg die erste Nebenachse. Die Wegstücke auf den äusseren Umgängen umhüllen die Wegstücke auf den inneren Umgängen und das äusserste Wegstück auf Umgang 1 umhüllt alle anderen.

In Abbildung 4 wird gezeigt, was mit den achsquerenden Wegstücken (in der Farbe des Ariadnefadens rot) passiert, wenn die Nebenachse aus dem konzentrischen in den MiM-Stil überführt wird.

Abbildung 4. Umformung vom konzentrischen in den MiM-Stil

Das linke Bild zeigt die gespaltene, leicht geöffnete Nebenachse. Der Verlauf der Wegstücke ist noch sehr ähnlich wie in der Ausgangslage von unten nach oben und umgekehrt. Aber alle Wegstücke biegen in die gegenteilige Richtung. Im mittleren Bild ist der ursprüngliche Verlauf kaum mehr erkennbar. Die beiden Hälften der Nebenachse sind weit geöffnet. Die Wegstücke kommen von seitwärts auf die eine Hälfte der Achse zu und gehen seitwärts von der anderen Hälfte ab. Zwischen den Hälften der Achse verlaufen sie in vertikaler Richtung. Die Wegstücke auf den inneren Umgängen umhüllen die äusseren. Das innerste Wegstück auf Umgang 11 umhüllt alle anderen. Bis zum rechten Bild ist es dann nur noch eine kleine Veränderung. Alle Wegstücke und das Seed Pattern werden in eine Form gebracht, dass sie zwischen (Wegstücke = Stücke des Ariadnefadens) und auf (Seed Pattern für die Begrenzungsmauern) den Speichen und Kreisen der MiM-Hilfsfigur zu liegen kommen.

Abbildung 5 zeigt alle achsquerenden Wegstücke auf allen drei Nebenachsen im MiM-Stil.

Abbildung 5. Alle Achsquerungen

Die westliche und östliche Nebenachse haben je fünf, die nördliche Nebenachse drei achsquerende Wegstücke. Es braucht also im Zentrum der MiM-Hilfsfigur weitere Hilfskreise, um die Achsquerungen unterzubringen. Dafür sind fünf Hilfskreise erforderlich. Und auch die Speichen müssen nach innen fortgesetzt werden, weil die Begrenzungsmauern (schwarz) auf die Hilfskreise und Speichen zu liegen kommen. Gegen die Mitte zu wird der Abstand zwischen den Speichen immer enger. Deshalb muss der inneste Hilfskreis einen gewissen minimalen Radius haben, damit sich Begrenzungsmauern und Wegstücke nicht überlappen.

Nun haben wir alle Elemente vorliegen, um den Labyrinth Typ Chartres im MiM-Stil fertigzustellen.

Verwandte Beiträge

  1. Wie zeichne ich ein Man-in-the-Maze Labyrinth / 9
  2. Wie zeichne ich ein Man-in-the-Maze Labyrinth / 6

Ganz einfach: Durch Weglassen der Barrieren in den Nebenachsen. Beim Chartres Labyrinth habe ich das schon ausprobiert (siehe Verwandte Artikel unten). Aber geht das auch bei jedem anderen Mittelalterlichen Labyrinth?

In Teil 1 hatte ich das für den Typ Auxerre gemacht. Jetzt nehme ich den Typ Reims, das wie Chartres und Auxerre selbstdual ist. Und wieder die komplementäre Version. Als Darstellungsform wähle ich den konzentrischen Stil.

Das Reims Labyrinth

Das Reims Labyrinth

 

Hier das Original mit allen Linien und dem Weg im Labyrinth, dem Ariadnefaden. Die Querbalken in der oberen Hauptachse sind identisch mit denen im Typ Chartres, die Querbalken in den seitlichen Nebenachsen sind unterschiedlich von Chartres, wie auch die Anordnung der Wendepunkte an der Hauptachse unterhalb der Mitte.

Das Reims Labyrinth ohne die Barrieren

Das Reims Labyrinth ohne die Barrieren

Die Barrieren sind weggelassen. Beim Zeichnen des Ariadnefadens musste ich feststellen, dass vier Umgänge nicht einbezogen werden können. Das sind die beiden äußeren und die beiden inneren Umgänge (1, 2, 10, 11). Daher habe ich die Umgänge neu nummeriert und es bleiben nunmehr 7 Umgänge statt der ursprünglichen 11. Das bedeutet aber auch, dass bei der Umwandlung in ein konzentrisches klassisches Labyrinth durch diese Methode kein 11-gängiges Labyrinth erzeugt wird, sondern ein 7-gängiges.

Das kreisrunde 7-gängige Labyrinth

Das kreisrunde 7-gängige Labyrinth

Das ist ein bisher kaum bekanntes und genaugenommen auch uninteressantes Labyrinth. Denn ich betrete das Labyrinth auf dem ersten Umgang und in die Mitte komme ich vom letzten Umgang aus. Die Wegfolge ist ebenfalls sehr einfach: 1-2-3-4-5-6-7-8. Es geht einfach serpentinenförmig in die Mitte.


Nun wenden wir uns dem komplementären Labyrinth zu:

Das komplementäre Reims Labyrinth

Das komplementäre Reims Labyrinth

Das komplementäre Labyrinth wird erzeugt durch Spiegelung des Originals. Die oberen Barrieren bleiben, rechts und links verlaufen sie anders und in der Hauptachse verschieben sich die Wendepunkte. Der Eintritt ins Labyrinth wechselt zur Mitte hin (Umgang 9) und der Eintritt ins Zentrum erfolgt von weiter außen (Umgang 3).

Das komplementäre Reims Labyrinth ohne die Barrieren

Das komplementäre Reims Labyrinth ohne die Barrieren

Wie beim Original werden vier Umgänge nicht erfasst (1, 2, 10, 11). Daher ergibt sich wiederum ein 7-gängiges Labyrinth. Ich habe die Umgänge neu nummeriert und das Labyrinth neu gezeichnet.

So sieht es dann aus:

Das kreisrunde 7-gängige Labyrinth

Das kreisrunde 7-gängige Labyrinth

Der Eingang ins Labyrinth erfolgt auf dem 7. Umgang, der Eintritt in die Mitte vom 1. aus. Die Wegfolge lautet: 7-6-5-4-3-2-1-8. Dieses Labyrinth gehört nicht zu den historisch bekannten Labyrinthen. Es ist aber in diesem Blog schon aufgetaucht (siehe Verwandte Artikel unten).

Das Überraschende bei dieser Umwandlung ist, dass auch hier keine 11-gängigen klassischen Labyrinthe generiert werden konnten. Vielmehr zwei 7-gängige Labyrinthe.

Verwandte Artikel

Die Seed Pattern

Um ein mehrachsiges Labyrinth in den Man-in-the-Maze (MiM) Stil zu bringen, müssen auch die Nebenachsen richtig umgeformt werden (siehe Verwandte Beiträge 1, unten). Schauen wir also zunächst an, was bei der Umformung der Hauptachse geschieht. Das können wir mit dem einachsigen Labyrinth von Heiric von Auxerre tun. Dieses hat ja das gleiche Seed Pattern wie die Hauptachse des Labyrinths vom Typ Chartres.

Zuerst wird das Seed Pattern gewonnen (Abb. 1).

Abbildung 1. Seed Pattern des Labyrinths von Heiric von Auxerre

Es kommt nicht auf eine exakte Kopie (linkes Bild) an. Wichtig ist dass die Struktur gut erkennbar ist. Das Seed Pattern besteht aus senkrechten und waagrechten Linien und Punkten. Es ist an der senkrechten mittleren Begrenzungsmauer ausgerichtet (mittleres Bild). Es muss nun so umgeformt werden, dass es auf die Hilfsfigur für den MiM-Stil passt (vergleiche weitere Beiträge 2). Dazu muss es an einem Kreis aus der Hilfsfigur ausgerichtet, bzw. auf einen solchen Hilfskreis aufgezogen werden. Dabei sollen die mittlere Begrenzungsmauer auf den Hilfskreis zu liegen kommen und die waagrechten Stücke und Punkte radial davon abgehen. Man kann dazu das Seed Pattern entlang der mittleren Begrenzungsmauer spalten und in zwei Hälften aufteilen (rechte Figur).

Als nächstes werden die beiden Hälften auf einen Hilfskreis aufgezogen (Abb. 2).

Abbildung 2. Umformung in den MiM-Stil

Die beiden Hälften werden zuerst so weit geöffnet, dass sie an den Hilfskreis angelegt werden können (linkes Bild). Dann werden sie dem Kreis entlang aufgezogen und sie oben wieder zusammengeführt (rechtes Bild). Man beachte, dass bei diesem Vorgang zwei Stücke an der mittleren Begrenzungsmauer verlängert werden müssen (gestrichelte Linien). Ansonsten würden nach der Umformung der senkrechten zentralen Linien in Halbkreise zwei Lücken auf dem zentralen Kreis entstehen. Eine gegenüber dem Eingang und die andere gegenüber dem Zentrum.

Nun wenden wir das Verfahren auf die vier Achsen des Labyrinths vom Typ Chartres an (Abb. 3).

Abbildung 3. Die 4 Seed Pattern des Labyrnths vom Typ Chartres

Zuerst werden die Seed Pattern aller vier Achsen gewonnen. Um das einfach zu illustrieren nehme ich ein Labyrinth mit stark vergrössertem Zentrum und kopiere die Seed Patterns der vier Achsen. Dann rücke ich jedes Seed Pattern nach innen. Um sie in den MiM-Stil zu bringen, müssen alle vier Seed Pattern auf einen der Kreise der Hilfsfigur aufgezogen werden. Also werden sie in zwei Hälften gespalten, ganz analog wie vorher beim Seed Pattern des einachsigen Labyrinths.

In einem nächsten Schritt werden die Seed Pattern weiter geöffnet, so dass sie auf den Hilfskreis aufgezogen werden können (Abb 4).

Abbildung 4. Ihre 8 Hälften weit geöffnet

Dann werden die acht Hälften an den Hilfskreis angelegt, d.h. von der geraden Form in die Form eines Teilkreises gebracht (Abb. 5).

Abbildung 5. Anlegen der 8 Hälften an den Hilfskreis

Wieder müssen beim Seed Pattern für die Hauptachse an der mittleren Begrenzungsmauer zwei Stück ergänzt werden, damit die Umformung in die Kreisform vollständig gelingt. Das ist nur für die Hauptachse nötig, da von hier aus der Eintritt ins Labyrinth und der Zugang zum Zentrum erfolgen. Bei den Seed Pattern für die Nebenachsen ist das nicht erforderlich. Das Ergebnis des ganzen Vorgangs ist in Abb. 6 dargestellt.

Abbildung 6. Die 4 Seed Pattern im MiM-Stil

Es wird ein viel grösserer Hilfskreis benötigt, denn es müssen nicht 2, sondern 8 Hälften von 4 Seed Pattern aufgezogen werden.

Das Seed Pattern der Hauptachse liegt im südlichen Quadranten Es hat, gleich dem Seed Pattern des Labyrinths vom Typ Heiric von Auxerre, 24 Enden.

Die Seed Pattern für die linke / obere / rechte Nebenachse liegen in den westlichen / nördlichen / östlichen Quadranten. Die Seed Pattern haben alle zwei Enden weniger als das Seed Pattern der Hauptachse, also je 22 Enden.

Somit lässt sich die Anzahl Speichen, die für die Hilfsfigur des Labyrinths vom Typ Chartres im MiM-Stil benötigt wird, berechnen. Sie entspricht dem Total aller Enden, dh. 24 + 3*22 = 90 Speichen.

Die vormals äusseren Enden der Seed Pattern liegen nun an den mit kleinen Quadraten markierten Stellen im Süden, Norden und knapp über dem Horizont im Osten und Westen. Hier sind jeweils die zwei Hälften eines gleichen Seed Patterns miteinander verbunden.

Die vormals inneren Enden der Seed Pattern aber verbinden sich mit den inneren Enden der je benachbarten Seed Pattern. Dies erfolgt an den mit den gestrichelten Linien markierten Stellen.

Noch etwas ist erwähnenswert. Der innere Kreisbogen des Seed Pattern der Hauptachse besteht aus einer durchgezogenen Linie Diese repräsentiert die mittlere Begrenzungsmauer. Die Labyrinthe vom Typ Heiric von Auxerre wie vom Typ Chartres sind alternierende Labyrinthe. Das heisst, der Weg quert die Achse (Typ Heiric von Auxerre) / Hauptachse (Typ Chartres) nicht. Das ist anders an den Nebenachsen. Der Weg muss diese immer irgendwie queren, ansonsten können gar keine mehrachsigen Labyrinthe gebildet werden. Die Stellen, an denen der Weg die Nebenachsen quert, sind klar ersichtlich dort, wo die innere Kreislinie durchbrochen ist.

Was das für Auswirkungen auf die Gestaltung des Labyrinths hat, wird im nächsten Beitrag gezeigt.

Verwandte Beiträge:

  1. Wie zeichne ich ein Man-in-the-Maze Labyrinth / 8
  2. Wie zeichne ich ein Man-in-the-Maze Labyrinth 

Ganz einfach: Durch Weglassen der Barrieren in den Nebenachsen. Beim Chartres Labyrinth habe ich das schon ausprobiert (siehe Verwandte Artikel unten). Aber geht das auch bei jedem anderen Mittelalterlichen Labyrinth?

Als Beispiel habe ich den Typ Auxerre ausgesucht, den Andreas hier vor kurzem gezeigt hat. Dieses Labyrinth ist wie Chartres und Reims selbstdual, daher von besonderer Qualität. Und sie haben alle eine komplementäre Version.

Das Auxerre Labyrinth

Das Auxerre Labyrinth

Hier das Original mit allen Linien und dem Weg im Labyrinth, dem Ariadnefaden. Die Querbalken in den Nebenachsen sind identisch mit denen im Typ Chartres, nur an der Hauptachse in der Mitte unten gibt es eine andere Anordnung der Wendepunkte (die Umgänge 4, 5, 7, 8).

Das originale Auxerre Labyrinth ohne die Barrieren

Das originale Auxerre Labyrinth ohne die Barrieren

Die Barrieren sind weggelassen. Beim Zeichnen des Ariadnefadens musste ich feststellen, dass vier Umgänge nicht einbezogen werden können. Daher habe ich die Umgänge neu nummeriert und es bleiben nunmehr 7 Umgänge statt der ursprünglichen 11. Das bedeutet aber auch, dass bei der Umwandlung in ein konzentrisches klassisches Labyrinth durch diese Methode kein 11-gängiges Labyrinth erzeugt wird, sondern ein 7-gängiges.

Das 7-gängige kreisrunde kretische Labyrinth

Das 7-gängige kreisrunde kretische Labyrinth

Schaut man es genauer an, erkennt man die wohlbekannte Wegfolge: 3-2-1-4-7-6-5-8. Wir haben also ein kretisches Labyrinth vor uns, hier im konzentrischen Stil.


Nun wenden wir uns dem komplementären Labyrinth zu:

Das komplementäre Auxerre Labyrinth

Das komplementäre Auxerre Labyrinth

Das komplementäre Labyrinth wird erzeugt durch Spiegelung des Originals. Die oberen Barrieren bleiben, rechts und links verlaufen sie anders und in der Hauptachse verschieben sich die Wendepunkte. Der Eintritt ins Labyrinth wechselt zur Mitte hin (Umgang 9) und der Eintritt ins Zentrum erfolgt von weiter außen (Umgang 3).

Das komplementäre Auxerre Labyrinth ohne die Barrieren

Das komplementäre Auxerre Labyrinth ohne die Barrieren

Wie beim Original werden vier Umgänge nicht erfasst (4, 5, 7, 8). Daher ergibt sich wiederum ein 7-gängiges Labyrinth. Ich habe die Umgänge neu nummeriert und das Labyrinth neu gezeichnet.

So sieht es dann aus:

Das komplementäre 7-gängige kreisrunde kretische Labyrinth

Das komplementäre 7-gängige kreisrunde kretische Labyrinth

Der Eingang ins Labyrinth erfolgt auf dem 5. Umgang, der Eintritt in die Mitte vom 3. aus. Die Wegfolge ist: 5-6-7-4-1-2-3-8. Dieses Labyrinth gehört nicht zu den historisch bekannten Labyrinthen. Es ist aber in diesem Blog schon mehrfach aufgetaucht (siehe Verwandte Artikel unten). Denn es gehört zu den interessanten Labyrinthen unter den mathematisch möglichen 7-gängigen Labyrinthen.

Das Überraschende bei dieser Umwandlung ist, dass kein 11-gängiges klassisches Labyrinth generiert werden konnte. Dafür aber das 7-gängige kretische Labyrinth. Daher können wir sagen, dass auch im Herzen des mittelalterlichen Auxerre Labyrinths ein kretisches (Minoisches) steckt so wie im Chartres Labyrinth. kretisches Labyrinth.

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Mehrachsige Labyrinthe

Bisher wurden fast ausschliesslich Labyrinthe vom Grundtyp (Kretischen Typ) im Man-in-the-Maze Stil umgesetzt. Man kann alle einachsigen Labyrinthe in diesem Stil zeichnen (siehe verwandte Beiträge 2, unten). Aber geht das auch mit mehrachsigen Labyrinthen? Dies habe ich mit dem bekanntesten mehrachsigen Typen, dem Typ Chartres, versucht. Und es geht. Das Resultat habe ich im Januar schon gezeigt (siehe verwandte Beiträge 1). Bis es dazu kam, war ein längerer Prozess nötig. Im Folgenden will ich die einzelnen Schritte beschreiben.

Jacques Hébert† hat auf seiner Website gezeigt (siehe weitere Links 1, unten), dass es ein einachsiges Labyrinth gibt, welches das gleiche Seed Pattern hat wie die Hauptachse des Labyrinths vom Typ Chartres. Er hat es von der rätselhaften Labyrinth Zeichnung (Abb 1) aus einer Sammelhandschrift abgeleitet.

Abbildung 1. Rätselhafte Labyrinthzeichung aus einer Handschrift zusammengestellt 860-862 durch Heiric von Auxerre

Dazu hat er die von Hand gezeichneten Andeutungen der Nebenachsen weggelassen und die unterbrochenen Stücke der Begrenzungsmauern geschlossen. Benannt hat er das Labyrinth nach dem gelehrten Benediktiner Mönch Heiric von Auxerre, der die Handschrift ca. 860 – 862 zusammengestellt hatte.

Abbildung 2. von Jacques Hébert nach Heiric von Auxerre benanntes Labyrinth

Die Website von Hébert ist nicht mehr aktiv. Dank einem Hinweis von Samuel Verbiese können wir sie in The Internet Archive (siehe weitere Links 2) finden. Erwin hat diesen Labyrinth Typ hier auch schon vorgestellt (siehe verwandte Beiträge 3).

Heiric von Auxerre’s Labyrinth eignet sich ideal als Ausgangspunkt. Es ist quasi der Typ Chartres als Einachser. Bringen wir also zuerst dieses Labyrinth in den MiM-Stil (Abb. 3).

Abbildung 3. Labyrinth von Heiric von Auxerre im MiM Stil

Das Seed Pattern dieses Labyrinths hat 24 Enden, wie alle Seed Pattern von Labyrinthen mit 11 Umgängen. Man braucht also eine Hilfsfigur mit 24 Speichen für die Umsetzung in den MiM-Stil.

Nun müssen noch die Nebenachsen eingefügt werden. Ein erster Versuch besteht darin, die Barrieren wieder herzustellen. Dazu werden für jede der Nebenachsen zusätzlich 3 Speichen eingefügt, wie in Abb. 4 gezeigt.

Abbildung 4. Einfügen der Nebenachsen

Die Hilfsfigur wird somit von 24 auf 33 Speichen erweitert. Das Ergebnis wird in Abb. 5 gezeigt.

Abbildung 5. Labyrinth vom Typ Chartres…

Dies sieht schon ganz ordentlich nach einem MiM Labyrinth aus. Aber bei näherem Hinsehen erweist es sich als unbefriedigend. Abb. 6 zeigt, warum.

Abbildung 6. … in hybridem Stil

Dieses Labyrinth ist ein Stil-Hybrid. Zwar ist die Hauptachse im MiM-Stil gebildet, aber die Nebenachsen sind im konzentrischen Stil. Die Wendestellen des Weges (rote Bögen in der Abbildung) sind an der Hauptachse gegen die Kreise der Hilfsfigur ausgerichtet. An den Nebenachsen sind sie jedoch entlang der Speichen ausgerichtet. Das Charakteristische für den MiM-Stil ist das Seed Pattern der Hauptachse. Die Figur sieht einem Labyrinth im MiM-Stil ähnlich, weil die Hauptachse mit ihren 24 von 33 Speichen das Gesamtbild dominiert.

Wir müssen also, wenn wir ein mehrachsiges Labyrinth im MiM-Stil umsetzen wollen, auch die Nebenachsen in den MiM-Stil bringen. Dafür ist nötig, wirklich zu verstehen und konsequent anzuwenden:

  • Wie das Seed Pattern im MiM-Stil organisiert ist
  • und damit zusammenhängend, wie die achsquerenden Wegstücke ausgestaltet sein müssen.

Davon in den nächsten Beiträgen mehr.

Verwandte Beiträge:

  1. Unsere besten Wünsche für 2018
  2. Wie zeichne ich ein Man-in-the-Maze Labyrinth
  3. Ist im Chartres Labyrinth eine Trojaburg enthalten…

Zusätzliche Links:

  1. Website von Jacques Hébert
  2. The Internet Archive

Indem ich ein 7-gängiges in labyrinthischer Logik halbiere, so wie das beim Erzeugen des 5-gängigen Chartres Labyrinths gelungen ist.

Das 7-gängige Chartres Labyrinth

Das 7-gängige Chartres Labyrinth

Der 4. Umgang schneidet das Labyrinth in zwei Teile. Dann erhalte ich ein äußeres (Umgänge 1 – 3) und ein inneres Labyrinth (Umgänge 5 – 7). Beide sind in ihrer Wegführung identisch. Auch wenn sich die „Barrieren“ an unterschiedlichen Stellen befinden.

Zwei 3-gängige Chartres Labyrinthe

Zwei 3-gängige Chartres Labyrinthe

Die Wegfolge definiert den Typ: 3-2-1-2-3-2-1-4. Die ist für beide Versionen identisch. Das 3-2-1-4 erinnert sehr an das kleinste mögliche Labyrinth, das Knossos Labyrinth (und an den Mäander). Wenn ich die Barrieren weglasse, erhalte ich dieses Labyrinth. Das zeigt einmal mehr die Qualität des Chartres Labyrinths.

Um das Labyrinth gefälliger aussehen zu lassen, kann ich die Barrieren in gleichmäßigen Abständen anordnen, also ein drei-achsiges Labyrinth erzeugen.

Das 3-gängige Chartres Labyrinth (Petit Chartres)

Das 3-gängige Chartres Labyrinth (Petit Chartres)

Das ist die kleinstmögliche Version eines Chartres Labyrinths. Und es sind auch nur zwei Barrieren möglich. Sonst funktioniert das Ganze nicht. Mit drei geht es ebenso nicht, erst mit vier Barrieren geht es wieder.

Wie sollte man diesen Typ nun benennen? Ich schlage Petit Chartres vor, weil es so etwas wie ein grundlegendes Element im Chartres Labyrinth ist. Auch andere Bezeichnungen sind denkbar.

Es geht mir hier um den Typ und nicht um den Stil. Die Blütenblätter in der Mitte und die Zacken außen herum gehören zum Stil.

Nun muss man zu diesem Labyrinth aber nicht auf die vorbeschriebene Art und Weise gelangen. Auch andere Überlegungen führen dahin. Dazu die Verwandten Artikel unten.

Es gibt sogar ein mit Copyright geschütztes Labyrinth dieser Art: Das Story Path©. Warren Lynn und John Ridder von Paxworks haben es entwickelt und bezeichnen den Stil mit „3-circuit-triune“. Wie sie es gefunden haben, weiß ich nicht.

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