Wie repariere ich die Fehler in historischen Skandinavischen Labyrinthen? Teil 3

Richard Myers Shelton vertritt in seinm Gastbeitrag vom 17.1.2021 die These, dass die angeblichen Fehler in manchen historischen Skandinavischen Labyrinthen gar keine sind, sondern dass diese Labyrinthe eine ganz andere Bedeutung hatten als wir ihnen heute zumessen. Sie wurden also bewusst in dieser Art angelegt.

Seine Gedankengänge kann ich schon nachvollziehen, erlaube mir aber trotzdem eine andere Sichtweise auf diese Labyrinthe.

In Teil 1 hatte ich mich auf das Borgo Labyrinth konzentriert und in Teil 2 auf das Wier Labyrinth.
Nun soll es um die drei restlichen isländischen Labyrinthe gehen.

Zum besseren Verständnis zeige ich hier noch einmal die Abbildungen dieser Labyrinthe:

Abbildung 1: Jónssonars Grafik für Dritvik, ca. 1900
Abbildung 1: Jónssonars Grafik für Dritvik, ca. 1900
Abbildung 2: Grafik für NMI 3135
Abbildung 2: Grafik für NMI 3135
Abbildung 3: Grafik für NMI 5628
Abbildung 3: Grafik für NMI 5628

Abbildung 2 und 3 zeigen dieselbe Linienführung, nur jeweils in gespiegelter Form. Die roten Linien kennzeichnen die Steinsetzungen, die gelben und die weißen Linien kennzeichnen jeweils die Wege zwischen den Steinen. Es ist klar ersichtlich, dass man nicht in die Mitte kommen kann, bzw. in Sackgassen landet. Es gibt auch keinen richtigen Zugang von außen her.

Offensichtlich gibt es auch keine eindeutig erkennbaren Verwechslungen oder „falsche“  Verknüpfungen von Linien, wie das im Borgo oder Wier Labyrinth zu sehen war.
Die Labyrinthe wurden also bewusst und absichtlich in dieser Art angelegt. Sie weichen damit von allem ab, was wir bei den anderen Labyrinthe aus dieser Zeit sehen können.

Richard Myers Shelton meint, dass sie als Fallen gedacht waren oder magischen Zwecken dienten. Hier ein kurzes Zitat:

Aber die Beweise und die Geschichten aus Skandinavien (und weiter östlich nach Estland und Russland) deuten auf einen dunkleren Zweck hin: Viele dieser Anlagen waren wahrscheinlich als Fallen gedacht und enthielten möglicherweise die Idee, die die Römer dazu veranlasste, Labyrinthe in der Nähe von Eingängen zu platzieren um das Böse abzuwehren.

Als „Fallen“ sind diese Labyrinthe einfach zu löchrig. Die magischen Zwecke jedoch erscheinen mir als sehr plausibel. Doch würde ich dabei den Schwerpunkt auf etwas anderes legen.

Nach meiner Meinung hat in diesen Steinsetzungen der Weg oder der freie Raum zwischen den Linien überhaupt keine Bedeutung. Auch waren sie nicht als begehbare Anlagen gedacht. Einen Sinn machen nur die Steinsetzungen selbst. Auf den Abbildungen sind das die roten Linien. Und die zeigen eine eindeutige Form: Sie bilden eine einzige, ununterbrochene Linie, so wie wir sie vom Ariadnefaden kennen.
In Abbildung 2 und 3 sind sowohl Anfang wie auch Ende der Linie von außen her nicht zugänglich.
Für mich könnte das z.B. eine in sich verschlungene Schlange darstellen, die das Zentrum bewacht. Und das wiederum ist so etwas wie das Tor zur Unterwelt.


Lassen sich diese Steinsetzungen doch noch in „richtige“ Labyrinthe umwandeln? So, wie andere Steinsetzungen aus dieser Zeit und in dieser Region ausgesehen haben?
Dazu sind erhebliche Eingriffe in die vorgegebene Struktur nötig.

Abbildung 4 zeigt das Dritvik Labyrinth. Die einfachste Möglichkeit ist, es in ein einfaches Labyrinth mit spiraliger Mitte zu verwandeln. Die Wegfolge ist dann: 3-2-1-4-Mitte. Dazu muss man den rechten unteren Teil bearbeiten. Alles übrige kann bleiben.

Abbildung 4: Dritvik bearbeitet
Abbildung 4: Dritvik bearbeitet

Die beiden anderen sind im Grunde 5-gängige Labyrinthe. Dazu gibt es theoretisch acht Möglichkeiten. Ich wähle hier die mit dem Eintritt ins Labyrinth auf dem 3. Umgang aus.

Abbildung 5 zeigt die Grafik für NMI 3135. Der rechte untere Teil kann im wesentlichen bleiben, der linke untere Teil muss erheblich umgestaltet werden. Das Labyrinth hat die Wegfolge 3-4-5-2-1-6.

Abbildung 5: NMI 3135 bearbeitet

Abbildung 6 zeigt die Grafik für NMI 5628. Der rechte untere Teil muss umgebaut werden, der übrige Rest kann bleiben. Das ergibt dann ein Labyrinth mit der Wegfolge 3-2-1-4-5-6.

Abbildung 6: NMI 5628 bearbeitet

Das war sicherlich nicht die Absicht der Erbauer dieser Labyrinthe, wie schon weiter oben ausgeführt. Denn sie hatten wohl anderes im Sinn.
Aber es zeigt, wie diese Steinsetzungen auch aussehen könnten.

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Welt Labyrinth Tag 2021

Wieder einmal (zum 13. Mal) lädt uns die Labyrinth Society ein, den Welt Labyrinth Tag zu begehen.
Es ist, wie jedes Jahr, der erste Samstag im Mai, heuer der 1. Mai 2021.

Mehr darüber auf der Website der Labyrinth Society … Link >

Aufruf der Labyrinth Society

Etwas besonderes gibt es erstmalig in diesem Jahr.

Dazu ein kurzes Zitat von der TLS:

TLS freut sich, mit Veriditas, dem Legacy Labyrinth Project und dem Australian Labyrinth Network zusammenzuarbeiten, um Ihnen eine aufregende, lebendige neue Website zu bieten, die dem Weltlabyrinthtag gewidmet ist! Gemeinsam sammeln wir zahlreiche Ressourcen, inspirierende Medien und relevante Informationen, damit Sie Ihre Feierlichkeiten zum Weltlabyrinthtag finden, planen und teilen können.

Der Aufruf zu Big Connection

Mehr darüber auf der Website für dieses Projekt … Link >


Für viele wird es aber auch möglich sein, wie gewohnt, ein Labyrinth zu begehen.

Egal wie, der Welt Labyrinth Tag 2021 kann gefeiert werden.

Die Labyrinth Society organisiert dazu auch wieder eine Umfrage … Link >

Wer ein Labyrinth sucht, kann hier fündig werden:

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Wie repariere ich die Fehler in historischen Skandinavischen Labyrinthen? Teil 2

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Seine Gedankengänge kann ich schon nachvollziehen, erlaube mir aber trotzdem eine andere Sichtweise auf diese Labyrinthe.

In Teil 1 hatte ich mich auf das Borgo Labyrinth konzentriert. Heute soll es nun um das Wier Labyrinth gehen.

Davon habe ich unterschiedliche Darstellungen gefunden. Die eine stammt von Johan Reinhold Aspelin aus seinem Bericht von 1877.

Abbildung 1: Das Wier Labyrinth nach Aspelin

Abbildung 1: Das Wier Labyrinth nach Aspelin

Ebenso hat Karl Ernst von Baer 1844 über labyrinth-förmige Steinsetzungen im Russischen Norden berichtet und darin auch über seinen Besuch auf der Insel Wier im Jahre 1838 geschrieben und sogar eine Zeichnung vom Labyrinth hinterlassen.

Abbildung 2: Das Wier Labyrinth nach von Baer

Abbildung 2: Das Wier Labyrinth nach von Baer

Dann gibt es noch eine Darstellung in Nigel Pennicks European Troytowns von 1981.

Abbildung 3: Das Wier Labyrinth nach Pennick

Abbildung 3: Das Wier Labyrinth nach Pennick

Meine Überlegungen zu diesem Labyrinth sind folgende:
Es wurde wohl angelegt von Seefahrern, die auf der Insel Wier gelandet waren und vorher schon so ähnliche Steinsetzungen an anderen Orten gesehen hatten. Sie wollten nun mit den Steinen, von denen genug auf Wier vorhanden waren, ein solches Labyrinth bauen. Sicherlich hatten sie keinen Plan und versuchten einfach aus der Erinnerung heraus es nachzubauen. Sie legten zuerst die Steine in spiralförmiger Anordnung und wollten dann noch einen Zugang mit einer Verzweigung anlegen. Ging man bei ihrem Werk nach rechts, kam man in die Mitte. Ging man nach links, landete man jedoch in einer Sackgasse.
Ich glaube nicht, dass sie das beabsichtigten. Ihr hauptsächlicher Irrtum war wohl, dass sie nicht bedachten, dass bei einem Labyrinth dieser Art nicht eine einfache Spirale, sondern eine Doppelspirale in der Mitte sein musste.

Wie könnte man das Wier Labyrinth mit möglichst wenigen Eingriffen „retten“ und zu einem funktionsfähigen Labyrinth machen?
Ich sehe zwei Möglichkeiten. Hier die erste:

Abbildung 4: Ein spiralförmiges Wier Labyrinth

Abbildung 4: Ein spiralförmiges Wier Labyrinth

Man muss die linke Zugangslinie wegnehmen und an zwei Stellen die Linien schließen. Das ergibt den Typ mit der Wegfolge: 1-2-3-4-5-6-7-8. Das ist zwar ein sehr einfaches Labyrinth, erzeugt aber bei jedem Umgangswechsel auch eine Richtungsänderung. Es ist also nicht nur eine einfache Spirale.

Hier die zweite Möglichkeit:

Abbildung 5: Ein einfaches Wier Labyrinth mit einer Spirale in der Mitte

Abbildung 5: Ein einfaches Wier Labyrinth mit einer Spirale in der Mitte

Das erfordert einen „Umbau“ an drei Stellen. Es ergibt sich dann ein Labyrinth mit der Wegfolge: 3-2-1-4-5-6-7-8. Das ist ein 3-gängiges Knossos Labyrinth mit einer einfachen Spirale im Zentrum.
In früheren Beiträgen habe ich diesen Typ Indisches Labyrinth genannt. Es ist allerdings auch als eine Weiterentwicklung des Baltischen Rads anzusehen und kommt öfter im Skandinavischen Raum vor.

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Wie repariere ich die Fehler in historischen Skandinavischen Labyrinthen? Teil 1

Richard Myers Shelton vertritt in seinm Gastbeitrag vom 17.1.2021 die These, dass die angeblichen Fehler in manchen historischen Skandinavischen Labyrinthen gar keine sind, sondern dass diese Labyrinthe eine ganz andere Bedeutung hatten als wir ihnen heute zumessen. Sie wurden also bewusst in dieser Art angelegt.

Seine Gedankengänge kann ich schon nachvollziehen, erlaube mir aber trotzdem eine andere Sichtweise auf diese Labyrinthe.
Alle diese Labyrinthe waren mit Steinen auf den Boden gelegt. Dadurch sind sie sehr anfällig für Veränderungen. Bei unserer Schweden-Tour im Jahr 2007 haben wir, die Teilnehmer an dieser Reise, organisiert von Jeff und Kimberly Saward, bei fast allen besuchten Trojaburgen immer auch kleinere „Reparaturarbeiten“ durchgeführt, indem wir verrutschte Steine wieder in die richtige Lage gebracht haben.

Von daher ist es leicht vorstellbar, dass durch unsachgemässes Vorgehen oder gar mutwillige „Sabotage“ die Wegführung im Laufe der Jahre verändert wurde. Oder dass einfach in Unkenntnis der Bedeutung der Labyrinthe gehandelt wurde. Diese Labyrinthe wurden auch nicht nach dem wohlbekanntem Grundmuster glegt. Da könnte sich auch ein Fehler bei der Anlage des Labyrinths eingeschlichen haben.
Auch die Aufzeichnungen der Forscher könnten Fehler enthalten.

Die meisten noch erhaltenen Skandinavischen Labyrinthe aus dieser Zeit sehen so aus, wie wir uns Labrinthe heutzutage vorstellen.

Zuerst ein „korrektes“ Labyrinth. Ich verwende die Abbildungen von Nigel Pennick: European Troytowns. Es ist ein Durchgangslabyrinth, das ich gerne Wunderkreis nenne. Im Zentrum befindet sich eine Doppelspirale, die äußeren Umgänge winden sich um zwei Wendepunkte. Je nachdem welchen Umgang ich zuerst einschlage, komme ich zuerst in die Spirale (hier vom 7. Umgang auf der linken Seite aus) oder in die äußeren Umgänge (wenn ich vom 5. Umgang auf der rechten Seite eintrete). Am Schluss habe ich aber das ganze Labyrinth durchwandert. Eine eigentliche Mitte wie beim klassischen Labyrinth gibt es nicht. Das Labyrinth kann auch gespiegelt sein oder mehr oder weniger Umgänge aufweisen (wie in Fig. 3).

Fig. 1: Ein Steinlabyrinth vom Typ Wunderkreis

Fig. 1: Ein Steinlabyrinth vom Typ Wunderkreis

Jetzt das zweite Borgo Labyrinth. Auch hier verwende ich die Abbildung von Nigel Pennick.

Fig. 2: Das "fehlerhafte" Borgo Labyrinth

Fig. 2: Das „fehlerhafte“ Borgo Labyrinth

Die Nummerierung der Umgänge habe ich den Zeichnungen hinzugefügt.
Es handelt sich um ein offenes Labyrinth, bei dem das Zentrum direkt zugänglich ist. Das kommt bei Skandinavischen Steinlabyrinthen manchmal vor. Genauer betrachtet ist es aber ein Wunderkreis mit einer Verzweigung des Weges, also ein sogenanntes Durchgangslabyrinth.
Die innere Doppelspirale (zugegeben: sehr ausgebeult) wird gebildet von den Umgängen 8 – 15. Die äußeren Umgänge werden gebildet von den Umgängen 1 – 9.

Wo liegt nun der Fehler?
Der Wunderkreis wird, grob gesagt, in drei Etappen gebildet. Zuerst wird das Zentrum und der gesamte obere Teil bis zu zwei Drittel des gesamten Umfangs gebaut. Dann der rechte und linke untere Teil. In Figur 1 sieht man, dass der 5. (rechts) und der 7. (links) Umgang ins Labyrinth führen.
Im Borgo Labyrinth (Fig. 2 und 3) müssten dies links der 7. und rechts der 9. Umgang sein weil das Labyrinth größer und gespiegelt ist. Auf jeder Seite brauche ich immer eine ungerade Anzahl an Linien, die zu verbinden sind (wie es genauer im 2. verwandten Artikel unten erklärt wird). In unserem Fall müssen vier Linien verlegt werden, damit ein freies Ende entsteht.

Und so könnte das „richtige“ Labyrinth aussehen:

Fig. 3: Das "reparierte" Borgo Labyrinth

Fig. 3: Das „reparierte“ Borgo Labyrinth

Der Fehler ist meines Erachtens dem oder den Erbauern dieses Labyrinths unterlaufen, nicht dem Berichterstatter Aspelin.
Das Labyrinth ist wohl auch in einer Übergangszeit vom klassischen, nach dem Grundmuster gelegten Labyrinth, zum Durchgangslabyrinth wie dem Wunderkreis entstanden, der nach anderen Prinzipien angelegt wird.
Vielleicht wollten der oder die Erbauer wirklich auch den Durchschlupf zur Mitte (auf dem 7. Umgang) verschließen und dafür in die Sackgasse im 4. Umgang führen, wie Richard Myers Shelton vermutet?

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