Archäoastronomie im Labyrinth von Steigra

Archäoastronomische Überlegungen zu den historischen Labyrinthen gibt es bisher kaum. Für die Trojaburg Steigra hat Mechthild Meinike aus Halle (Saale) solche Untersuchungen vorgenommen.
Die Gegend um Steigra ist reich an frühgeschichtlichen Funden, insbesondere die Himmelsscheibe von Nebra und die Kreisgrabenanlage von Goseck haben in den letzten Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Es werden immer noch größere archäologische Grabungen in der Nähe mit vielen neolithischen, bronze- und eisenzeitlichen Funden durchgeführt.

Bei der astronomischen Einordnung der Trojaburg durch die Ausrichtung der Azimute auf die umgebende Topographie, markante Punkte, sonstige frühgeschichtliche Bauwerke und Wasserstellen ergaben sich aber keine wesentlichen Bezüge. Auch die Berücksichtigung der Mondextreme brachten keine weiteren Erkenntnisse.

Mechthild Meinike hat für die Trojaburg die Sonnenauf- und Sonnenuntergangsazimute zu den Sonnenwenden für die Jahre 1500 v. Chr., 1700 n. Chr. und heute berechnet. Die Werte der Azimute für die drei verwendeten Zeiten liegen sehr dicht zusammen. Auf der hier gezeigten Darstellung sind die Werte von 1500 v. Chr. eingezeichnet.

Die Lageskizze

Die Lageskizze

Es ergibt sich nun folgendes: Eine Linie, die man über die Mitte des Labyrinths, der Raute und dem Eingangsbereich zieht, zeigt zum Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende. Das heißt, wenn man in der Mitte steht, geht die Sonne zur Sommersonnenwende hinter dem Eingang unter. Beim Gehen in das Labyrinth hinein hat man zuerst die untergehende Sonne im Rücken, man kommt also von der untergehenden Sonne her.
Steht man zur Wintersonnenwende bei Sonnenaufgang in der Mitte des Labyrinths und blickt in Richtung des Grabhügels neben dem Labyrinth, dann schaut man in die aufgehende Sonne.

Hier die Zusammenfassung des Artikels:

Abschließend kann festgestellt werden, dass die Trojaburg von Steigra eine Ausrichtung auf den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende hat, unter der Voraussetzung, dass man vom Zentrum aus Richtung Eingang schaut. Der Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende erfolgt hinter dem Grabhügel. Somit verbirgt die Trojaburg von Steigra zu den überlieferten sonnenbezogenen Geschichten von Jungfrauen, Rittern und Drachen einen konkreten Sonnenbezug.

Was bedeutet das nun für den Labyrinth-Begeisterten?

Da wir viel zu wenig wissen über das tatsächliche Alter der Trojaburg und deren Bedeutung oder Nutzung, sind das alles keine Beweise, allenfalls Hinweise, dass die Ausrichtung zur Sonne beim Bau des Labyrinths eine Rolle gespielt hat. Es läßt sich aber vermuten, dass ein Zusammenhang mit dem Lauf der Sonne bestehen könnte und von daher auch eine Beziehung zu den diesbezüglichen Überlieferungen in Mythen, Märchen und Erzählungen gegeben sein könnte.
Weitere archäoastronomische Untersuchungen in anderen alten Labyrinthen wären wünschenswert.

Quelle: Die Trojaburg von Steigra, Mechthild Meinike, veröffentlicht in MegaLithos 3/2005 (ISSN 1439-7366)

Hier finden Sie einen Artikel über das Frühlingsfest 2008 in Steigra.

4 Gedanken zu „Archäoastronomie im Labyrinth von Steigra

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