Das Rad in der Eilenriede (Hannover) war ursprünglich ein Wunderkreis

Seit 1932 befindet sich ein Labyrinth vom Typ Baltisches Rad in der Eilenriede, dem Stadtwald von Hannover. In der größeren Mitte steht ein Lindenbaum und es hat einen zusätzlichen direkten, kurzen Weg nach außen. Dadurch wird es zu einem Durchgangslabyrinth. Es gehört zu den letzten vier historischen Rasenlabyrinthen in Deutschland (die anderen sind Kaufbeuren, Graitschen, Steigra).

Das Rad in der Eilenriede heutzutage, Foto: Axel Hindemith, gemeinfrei

Es befand sich vorher am heutigen Emmichplatz und wurde bereits 1642 in der Stadtchronik von Hannover erwähnt. Der Anlass dazu war ein Besuch von Herzog Friedrich von Holstein mit seiner Verlobten, der Herzogin Sophia Amalia von Braunschweig und Lüneburg bei seinem hannoverschen Schwager, Herzog Christian Ludwig. Dieser organisierte für das Brautpaar ein „Zeltlager“ in der Eilenriede, dessen Höhepunkt der Brautlauf der Fürstlichkeiten im Labyrinth war.

Wie hat das Labyrinth wohl damals ausgesehen?
Erst jetzt bin ich im Buch „Reise ins Labyrinth“ von Uwe Wolff aus dem Jahr 2001 im Kapitel über die deutschen Rasenlabyrinthe (S. 50 – S. 57) auf eine alte Zeichnung des damaligen Rades gestoßen.

Das Rad 1858, Quelle: „Reise ins Labyrinth“ von Uwe Wolff, 2001

So sah es jedenfalls 1858 aus. Und vermutlich (oder hoffentlich) entspricht es dem ursprünglich angelegtem Labyrinth.
In der Zeichnung fällt vor allem auf, dass die Mitte von einer Doppelspirale gebildet wird. So wie es auch beim Typ Wunderkreis vorkommt. Auch da gibt es zwei Zugänge, manchmal getrennt, manchmal mit einer Verzweigung.

Bei der Suche im Internet bin ich noch auf eine alte Postkarte mit der Labyrinthdarstellung gestoßen. Sie dürfte wohl das Rad aus der Zeit vor 1932 zeigen.

Das Rad auf einer Postkarte

Hier ist wahrscheinlich einiges idealisiert worden und es gibt zwei Umgänge weniger als in der Zeichnung von 1858. Aber es hat wieder die Doppelspirale in der Mitte und die zwei Zugänge. Und damit entspricht es wieder einem Wunderkreis.

Über die Unterschiede von Wunderkreis und Baltisches Rad habe ich schon vor Jahren geschrieben. Dazu empfehle ich, die unten stehenden verwandten Artikel noch einmal nachzulesen.
Vor allem die Transformation eines Wunderkreises in ein Baltisches Rad hatte mich interessiert.
Und diese Umwandlung hat es offensichtlich beim Rad in der Eilenride gegeben.

Verwandte Artikel

Un- / interessante Labyrinthe

Im letzten Beitrag habe ich auf die interessanten Labyrinthe von Tony Phillips verwiesen. Was aber sind interessante Labyrinthe? Tony zeigt mit Hilfe der Kombinatorik, dass es eine unüberschaubare Anzahl einachsiger Labyrinthe gibt. Und er unterteilt sie in uninteressante, interessante und sehr interessante Labyrinthe.

  • Uninteressant sind demnach Labyrinthe, die dadurch erzeugt werden können, dass einfach zusätzliche triviale Umgänge aussen oder innen an kleinere Labyrinthe angehängt werden.
  • Interessant sind Labyrinthe, bei denen das nicht der Fall ist. Das bedeutet auch, dass der Weg nicht auf dem ersten Umgang ins Labyrinth eintritt oder vom letzten Umgang das Zentrum erreicht.
  • Sehr interessant sind die selbstdualen unter den interessanten Labyrinthen.

Schauen wir uns einmal an, was das konkret bedeutet. Mit den Arnol’d’schen Figuren kennen wir ja bereits alle Labyrinthe mit 5 Umgängen. Diese wollen wir nach den oben genannten Kriterien in uninteressante, interessante und sehr interessante unterteilen.

Abbildung 1 zeigt die uninteressanten Labyrinthe. Diese entsprechen den Arnol’d’schen Figuren 1 – 4.

Abbildung 1: Uninteressante Labyrinthe

Abbildung 1: Uninteressante Labyrinthe

Figur 1 (Labyrinth Näpfchenstein) besteht aus einer blossen Aneinanderreihung von Umgängen. Figuren 2 bis 4 bestehen aus einem kleineren Labyrinth vom Typ Knossos (schwarz) und zusätzlichen Umgängen (grau). Figur 2 (Löwenstein 5b) hat aussen, Figur 4 (Löwenstein 5a) innen zwei zusätzliche Umgänge. Figur 3 hat aussen und innen je 1 zusätzlichen Umgang. Auch unter den uninteressanten Labyrinthen gibt es selbstduale, nämlich hier Figuren 1 und 3.

Abbildung 2 zeigt die interessanten und sehr interessanten Labyrinthe. Diese entsprechen den Arnol’d’schen Figuren 5 – 8.

Abbildung 2: Interessante Labyrinthe

Abbildung 2: Interessante Labyrinthe

Figur 5 und das dazu Duale in Figur 7 sind interessante Labyrinthe. Figur 6 und 8 sind darüberhinaus je selbstdual und somit sehr interessante Labyrinthe.

Die Unterteilung von Tony ist sehr einleuchtend. Sie ermöglicht eine qualitative Rangierung der Labyrinthe.

Labyrinthe, deren Muster eine Serpentine von aussen nach innen beschreibt, sind demnach uninteressant. Das betrifft einige historische Labyrinth Typen: Tholos, Löwenstein 3, Näpfchenstein, Casale Monferrato. Ebenfalls uninterssant sind Labyrinthe, bei denen der Weg auf dem ersten Umgang eintritt oder vom letzten Umgang ins Zentrum gelangt. Auch davon gibt es einige historische Exemplare: Temple Cowley, Löwenstein 5a und 5b, von Xanten, Zikkaron und Cakra-vyuh.

Uninteressante Labyrinthe bestehen aus einem kleineren interessanten Labyrinth und zusätzlichen Umgängen. Welches aber ist dieses interessante Labyrinth in Figur 1 (Abbildung 1)? In Abbildung 3 sind drei Möglichkeiten a -c aufgezeigt.

Abbildung 3: Das kleinste Labyrinth?

Abbildung 3: Das kleinste Labyrinth?

Figur 1 besteht aus fünf aneinandergereihten Umgängen. Als erste Möglichkeit für das einfachste Labyrinth kommt also der innerste Umgang (schwarz) in Figur a in Betracht. Verglichen mit der Definition von Kern (siehe dazu: Kern H. Labyrinthe. München: Prestel 1983, Seite 13), ist diese Figur jedoch kein Labyrinth, da der Weg die Richtung nicht mehrmals wechselt. Als zweite Möglichkeit kommt Figur b mit zwei aufeinanderfolgenden Umgängen in Frage. Hier wechselt der Weg zwar nicht mehrmals, aber wenigstens einmal die Richtung. Das könnte man als Labyrinth durchgehen lassen. Die dritte Möglichkeit, Figur c, besteht aus drei aneinandergehängten Umgängen mit zweimaligem Richtungswechsel. Dies entspricht voll Kerns Definition.

Ich beantworte die Frage nach dem einfachsten Labyrinth so, dass ich die Variante b mit zwei Umgängen und einem Richtungswechsel als Labyrinth bezeichne. Ein historisches Labyrinth dieser Art existiert im Tholos von Epidauros. Die Variante c gibt es auch als Labyrinth vom Typ Löwenstein 3.

Das kleinste interessante Labyrinth ist aber das Labyrinth vom Typ Knossos. Dieses hat drei Umgänge. Sein Muster ist in meiner Ausdrucksweise ein einfacher Mäander, in Erwin’s Terminologie ein Typ 4 labyrinthgeeigneter Mäander. Und da dieses Labyrinth selbstdual ist, ist es gleichzeitig auch das kleinste sehr interessante Labyrinth.

Verwandte Artikel

Archäoastronomie im Labyrinth von Steigra

Archäoastronomische Überlegungen zu den historischen Labyrinthen gibt es bisher kaum. Für die Trojaburg Steigra hat Mechthild Meinike aus Halle (Saale) solche Untersuchungen vorgenommen.
Die Gegend um Steigra ist reich an frühgeschichtlichen Funden, insbesondere die Himmelsscheibe von Nebra und die Kreisgrabenanlage von Goseck haben in den letzten Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Es werden immer noch größere archäologische Grabungen in der Nähe mit vielen neolithischen, bronze- und eisenzeitlichen Funden durchgeführt.

Bei der astronomischen Einordnung der Trojaburg durch die Ausrichtung der Azimute auf die umgebende Topographie, markante Punkte, sonstige frühgeschichtliche Bauwerke und Wasserstellen ergaben sich aber keine wesentlichen Bezüge. Auch die Berücksichtigung der Mondextreme brachten keine weiteren Erkenntnisse.

Mechthild Meinike hat für die Trojaburg die Sonnenauf- und Sonnenuntergangsazimute zu den Sonnenwenden für die Jahre 1500 v. Chr., 1700 n. Chr. und heute berechnet. Die Werte der Azimute für die drei verwendeten Zeiten liegen sehr dicht zusammen. Auf der hier gezeigten Darstellung sind die Werte von 1500 v. Chr. eingezeichnet.

Die Lageskizze

Die Lageskizze

Es ergibt sich nun folgendes: Eine Linie, die man über die Mitte des Labyrinths, der Raute und dem Eingangsbereich zieht, zeigt zum Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende. Das heißt, wenn man in der Mitte steht, geht die Sonne zur Sommersonnenwende hinter dem Eingang unter. Beim Gehen in das Labyrinth hinein hat man zuerst die untergehende Sonne im Rücken, man kommt also von der untergehenden Sonne her.
Steht man zur Wintersonnenwende bei Sonnenaufgang in der Mitte des Labyrinths und blickt in Richtung des Grabhügels neben dem Labyrinth, dann schaut man in die aufgehende Sonne.

Hier die Zusammenfassung des Artikels:

Abschließend kann festgestellt werden, dass die Trojaburg von Steigra eine Ausrichtung auf den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende hat, unter der Voraussetzung, dass man vom Zentrum aus Richtung Eingang schaut. Der Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende erfolgt hinter dem Grabhügel. Somit verbirgt die Trojaburg von Steigra zu den überlieferten sonnenbezogenen Geschichten von Jungfrauen, Rittern und Drachen einen konkreten Sonnenbezug.

Was bedeutet das nun für den Labyrinth-Begeisterten?

Da wir viel zu wenig wissen über das tatsächliche Alter der Trojaburg und deren Bedeutung oder Nutzung, sind das alles keine Beweise, allenfalls Hinweise, dass die Ausrichtung zur Sonne beim Bau des Labyrinths eine Rolle gespielt hat. Es läßt sich aber vermuten, dass ein Zusammenhang mit dem Lauf der Sonne bestehen könnte und von daher auch eine Beziehung zu den diesbezüglichen Überlieferungen in Mythen, Märchen und Erzählungen gegeben sein könnte.
Weitere archäoastronomische Untersuchungen in anderen alten Labyrinthen wären wünschenswert.

Quelle: Die Trojaburg von Steigra, Mechthild Meinike, veröffentlicht in MegaLithos 3/2005 (ISSN 1439-7366)

Hier finden Sie einen Artikel über das Frühlingsfest 2008 in Steigra.

Frühlingsfest in Steigra

Steigra im Burgenlandkreis im Land Sachsen-Anhalt besitzt eines der vier noch in Deutschland erhaltenen, historischen Rasenlabyrinthe. Es trägt auch den Namen Schwedenring oder Trojaburg.

Es ist ein klassisches Labyrinth mit 11 Umgängen. Die genaue Entstehungszeit ist unsicher. Vieles deutet auf das 17. Jhdt. hin, aber auch ein älterer Ursprung wäre denkbar. Es liegt neben einem Hügelgrab.

In der Nachbarschaft hat man erst in den letzten Jahren weltweit einmalige archäologisch bedeutende Funde gemacht: Das 7000 Jahre alt Sonnenobservatorium von Goseck, die 3600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra.

Das Rasenlabyrinth von Steigra hat sich über Jahrhunderte erhalten. Heute noch wird es jährlich von den Konfirmanden des Ortes gepflegt. Die Pfarrkirche ist dem Hl. Georg geweiht und es gibt sogar ein Gasthaus St. Georg.

Alljährlich am Samstag nach dem 23. April, dem Tag des Hl. Georg, findet ein Frühlingsfest am Labyrinth statt. Heuer war das der 26. April 2008.

Gefangen im Labyrinth

Gefangen im Labyrinth

Die Bürger von Steigra haben dieses Frühlingsfest erstmals 1995 nach eigenen Vorstellungen und mit eigenen Texten durchgeführt. Das ganze Dorf nimmt mit den unterschiedlichsten Beiträgen daran teil.

Der Drache ist besiegt

Der Drache ist besiegt

Doch der Hauptteil ist dabei ein Ritual in der Trojaburg. Eine junge Frau stellt die im Labyrinth gefangene Wintersonne dar, die von einem Ritter befreit wird.

Die Sonnenjungfrau

Die Sonnenjungfrau

Jedes Jahr wird eine andere Sonnenjungfrau ausgewählt. Der Ritter wird am Tag selbst in einer Art Ritterturnier unter mehreren jungen Männern ermittelt.

Die Befreiung

Die Befreiung

Vor der Befreiung der Sonnenjungfrau muss der Ritter noch weitere Aufgaben lösen und dabei auch einen Drachen töten, der das Labyrinth bewacht.

Die Jungfrau und der Ritter

Die Jungfrau und der Ritter

Auf einer Tafel am Labyrinth steht dazu folgender Text:

Aus den Fesseln der harten Wintern, habe ich, der Ritter, dich befreit;
worauf uns und unseren Kindern fortan der Sonnensegen scheint.
Du holde Jungfrau gibst mir Kraft, Wärme und Fruchtbarkeit;
die bösen, finsteren Mächte der Nacht meiden unsere Zweisamkeit.

Im Jahr 2008 waren Sophie Kaiser die Jungfrau und Ronnie Sobirai der Ritter.
Ein kleines Video von der Befreiung aus dem Labyrinth können Sie hier sehen:

Mehr Fotos vom Labyrinth gibt es in der Fotogalerie auf mymaze.
Hier finden Sie einen Artikel über Archäoastronomie im Labyrinth von Steigra.