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Posts Tagged ‘11-gängiges Labyrinth’

Ganz einfach: Durch Weglassen der Barrieren in den Nebenachsen. Beim Chartres Labyrinth habe ich das vor Jahren schon einmal ausprobiert. Und in den letzten beiden Beiträgen zu diesem Thema bei den Typen Auxerre und Reims. Siehe dazu die Verwandten Artikel unten.

Heute soll noch einmal der Chartres Typ behandelt werden. Hier das Original in wesentlicher Form, im konzentrischem Stil.

Das Chartres Labyrinth

Das Chartres Labyrinth

Das Original mit allen Linien und dem Weg im Labyrinth, dem Ariadnefaden. Die Zacken und das sechsblättrige Element in der Mitte gehören zum Stil Chartres und sind hier weggelassen.

Nun ohne die Barrieren in den Nebenachsen.

Das Chartres Labyrinth ohne die Barrieren

Das Chartres Labyrinth ohne die Barrieren

Anders als bei den Typen Auxerre und Reims können alle Umgänge in das nun entstehende Labyrinth einbezogen werden. Die Wegfolge ist: 5-4-3-2-1-6-11-10-9-8-7-12. Wir haben acht Wendepunkte mit gestapelten Umgängen. Es ist selbstdual. Das heißt, von innen nach außen geht es im gleichen Rhythmus wie hinein.

Das ergibt aber nun nicht einfach ein 11-gängiges Labyrinth wie wir es aus dem erweiterten Grundmuster erzeugen können.
Denn das sieht so aus:

Das 11-gängige Labyrinth aus dem Grundmuster

Das 11-gängige Labyrinth aus dem Grundmuster

Die Wegfolge hier ist: 5-2-3-4-1-6-11-8-9-10-7-12. Wir haben vier Wendepunkte mit verschachtelten Umgängen. Es liegt also ein anderes Prinzip der Konstruktion zugrunde als beim Chartres Labyrinth. Doch ist es selbstdual.


Nun wenden wir uns dem komplementären Labyrinth zu.

Das komplementäre Labyrinth wird erzeugt durch Spiegelung des Originals.
So sieht es dann aus:

Das komplementäre Chartres Labyrinth

Das komplementäre Chartres Labyrinth

Der Eintritt ins Labyrinth erfolgt auf dem 7. Umgang, der Eintritt in die Mitte geschieht vom 5. Umgang aus. Die Barrieren rechts und links sind anders angeordnet, die oberen bleiben. Es ist selbstdual.

Ohne Barrieren sieht es so aus:

Das komplementäre Chartres Labyrinth ohne die Barrieren

Das komplementäre Chartres Labyrinth ohne die Barrieren

Die Umwandlung funktioniert wieder, wie beim Original auch. Die Wegfolge lautet: 7-8-9-10-11-6-1-2-3-4-5-12. Auch dieses Labyrinth ist selbstdual.

Dem stellen wir wieder das komplementäre Labyrinth gegenüber, das aus dem Grundmuster erzeugt wurde.

Das 11-gängige komplementäre Labyrinth zum Grundmuster-Typ

Das 11-gängige komplementäre Labyrinth zum Grundmuster-Typ

Die Wegfolge hierzu lautet: 7-10-9-8-11-6-1-4-3-2-5-12.
Anders als das Original ist dieser Typ historisch noch nicht aufgetaucht.

Wir haben also aus dem Chartres Labyrinth zwei völlig neue 11-gängige Labyrinthe erzeugt, die anders aussehen als die bisher bekannten 11-gängigen Labyrinthe, die aus dem Grundmuster entwickelt werden können.

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Ein sehr schönes Labyrinth Exemplar (Abb. 1) mit der Bezeichnung Cakra-vyuh findet sich bei Kern° (Abb. 626, S. 433).

Andere 5

Abbildung 1: Cakra-Vyuh Labyrinth aus einem indischen Ritualbuch

Die Abbildung stammt aus einem zeitgenössischen indischen Ritualbuch. Darin wird ein auch heute noch praktizierter Brauch unbekannten Alters beschrieben, bei dem die Labyrinth Vorstellung zur magischen Erleichterung der Geburt eingesetzt wird. Für Kern ist es ein modifizierter Kretischer Typ. Ich ordne es einem eigenen Typen zu und nenne diesen Typ nach der Bezeichnung von Kern Cakra-Vyuh (siehe Verwandte Beiträge: Typ oder Stil / 14).

Das Seed Pattern ist klar erkennbar. Man kann sich gut vorstellen, dass das Labyrinth vom Seed Pattern aus konstruiert ist. Trotzdem zögere ich, es dem Klassischen Stil zuzuordnen. Dazu weicht die kalligrafisch anmutende Ausführung zu stark vom Klassischen Stil ab. Die Begrenzungsmauern liegen mit dem grössten Teil ihres Umfangs, zu etwa 3/4, auf einer konzentrischen Kreisschar. Es hat somit auch Elemente des konzentrischen Stils. Ja, mit seinen knickfrei aneinandergefügten Bogenstücken, wo die Begrenzungsmauern von der Kreisschar abweichen und ins Seed Pattern münden, erinnert es sogar ein wenig an den Knidos Stil.

Ich habe dieses Labyrinth deshalb bei keinem bekannten Stil, sondern bei anderen Labyrinthen eingeordnet (Typ oder Stil / 9). Aber ich hatte diesen Labyrinth Typ auch schon im Man-in-the-Maze Stil gezeichnet (Wie zeichne ich ein Man-in-the-Maze Labyrinth / 5).

SPCV

Abbildung 2: Aufbau des Seed Pattern

Abb. 2 zeigt, wie das Seed Pattern aufgebaut ist. Man beginnt mit einem zentralen Kreuz. Dann fügt man an die Kreuz Arme Halbbögen an (2. Figur). Als nächstes fügt man in die verbleibenden Zwischenräume vier weitere Halbbögen ein. Das Seed Pattern enthält nun 8 Halbbögen (3. Figur). Zum Schluss wird in jeden Halbbogen ein Punkt gesetzt. Wir haben nun ein Seed Pattern mit 24 Enden, die alle auf einem Kreis liegen.

Am Muster zeigt sich deutlich, dass das Labyrinth eine eigene Wegführung hat. Deshalb ist es für mich ein eigenständiger Typ.

Typ Cakra Vyuh

Abbildung 3: Muster

Ferner ist es ein selbstduales, aber, nach Tony Phillips, uninteressantes Labyrinth (Un- / interessante Labyrinthe). Denn es besteht aus einem sehr interessanten 9-gängigen Labyrinth, mit aussen und innen je einem zusätzlichen, trivialen Umgang.

Verwandte Beiträge:

°Kern, Hermann. Labyrinthe – Erscheinungsformen und Deutungen; 5000 Jahre Gegenwart eines Urbilds. München: Prestel, 2. Aufl. 1983.

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Gibt es eine Verwandtschaft zwischen dem 11-gängigen Chartres Labyrinth und den in Skandinavien meistens 11-gängigen Trojaburgen?
Welche Beziehungen, Ähnlichkeiten oder Unterschiede bestehen da?

Das Chartres Labyrinth

Das Chartres Labyrinth

Die Trojaburg Visby

Die Trojaburg Visby

Das Chartres Labyrinth wurde um 1200 herum in der Kathedrale von Chartres gebaut. Die Trojaburgen entstanden vermutlich zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert, vielleicht gibt es sogar prähistorische Exemplare. Die meisten haben 11 Umgänge, es gibt aber auch welche mit 7 oder 15 Umgängen.
Mit den Trojaburgen verwandt sind die Rasenlabyrinthe. Die meisten der noch erhaltenen britischen Rasenlabyrinthe sind vom Typ Chartres mit 11 Umgängen, nur zwei sind klassische mit 7, bzw. 15 Umgängen. Zwei deutsche historische Rasenlabyrinthe haben 11 Umgänge und sind vom klassischen Typ. Der Typ Chartres kommt bei den skandinavischen Trojaburgen so gut wie kaum vor.

Kann man die beiden doch sehr unterschiedlichen Typen überhaupt miteinander vergleichen?
Dazu muss man beide etwas umformen. Chartres hat einige spezielle Eigenschaften, die es von den anderen mittelalterlichen Typen unterscheidet, zu denen es gehört. Das sind die sechs kreisförmigen Elemente in der Mitte und die Umrandung mit den 113 Zacken. Charakteristisch für die mittelalterlichen Typen sind auch die „Barrieren“ in den Wegen, die jeweils eine Wendung um 180° bewirken. Bei Chartres sind sie in den waagrechten und senkrechten Achsen angeordnet. Spekulationen, ob das die Kreuzigung oder Christianisierung des Labyrinths bedeutet, können wir uns sparen. Das kann sein, muss aber nicht. Denn die Achsen könnten auch in anderen Winkeln oder noch mehr Achsen angeordnet sein und würden doch die gleiche Wegfolge erzielen.
11 Umgänge sind keine neue Erfindung für den Typ Chartres, denn mit dem Grundmuster des klassischen 7-gängigen Labyrinths lassen sich ganz einfach 11 Umgänge erzeugen, wie die Trojaburgen beweisen.

Besonders charakteristisch für alle Labyrinthtypen ist die Linienführung der Umgänge, die sich in der Wegfolge ausdrückt: das ist die Reihenfolge, in der die einzelnen Umgänge nacheinander begangen werden. Das ist entscheidend für die Qualität eines Labyrinthes. Denn darin zeigt sich der Rhythmus oder die Melodie, wenn nicht sogar die Dramaturgie der Wegführung eines Labyrinths.

Können wir die Barrieren weglassen und haben wir dann immer noch ein Labyrinth? Oder anders ausgedrückt: Können wir aus dem 4-achsigen Labyrinth ein einachsiges machen?
Ja, es geht beim Typ Chartres. Nicht bei jedem mittelalterlichen Labyrinth (z.B. beim Typ Reims, Sens, Bayeux, Auxerre) gelingt das. Das deutet schon darauf hin, von welch hoher Qualität der Chartres Typ ist.
Welche Wegfolge kommt dabei heraus?
Die folgende Grafik macht das deutlich. Gleichzeitig ist das im Labyrinth enthaltene Grundmuster durch die schwarzen Linien kenntlich gemacht. Damit wird das Chartres Labyrinth vergleichbar mit der Trojaburg.
Wegfolge Chartres: 5-4-3-2-1-6-11-10-9-8-7-12

Grafik Chartres

Grafik Chartres

Um die Trojaburg mit Chartres vergleichbar zu machen, ist sie in eine kreisförmige Form verwandelt worden. In der Grafik der Trojaburg ist ebenfalls das darin enthaltene Grundmuster schwarz hervorgehoben. Die Wegfolge bleibt durch die Umformung erhalten. So wie es auch egal ist, ob das Labyrinth rechts- oder linkshändig ist oder ob es kreisförmig oder eckig ist, kurz: welche Form es hat.
Wegfolge Trojaburg: 5-2-3-4-1-6-11-8-9-10-7-12

Grafik Trojaburg

Grafik Trojaburg

Der Vergleich zeigt, dass bei beiden Typen im Umgang 5 die erste „Linkskurve“ kommt. Bei Chartres geht es weiter mit 4-3-2, bei der Trojaburg mit 2-3-4, also in umgekehrter Reihenfolge. Dann bei beiden 1-6-11. Danach bei Chartres 10-9-8, bei der Trojaburg 8-9-10, also wieder umgekehrt. Am Schluss biegen beide Typen vom Umgang 7 aus in die Mitte ein.
Einige Passagen sind identisch, an zwei Stellen ist die Reihenfolge vertauscht. Es ist also schon jetzt eine gewisse Ähnlichkeit zwischen beiden Typen zu finden.

Jetzt entwickeln wir aus dem Grundmuster im Chartres Typ (ohne die Barrieren) ein klassisches 11-gängiges Labyrinth (eben eine Trojaburg) in gewohnter Weise. Das Grundmuster wird in eine eckige Form gebracht und die rechten Teile um einen Umgang nach unten abgesenkt. Es ist nun nicht mehr quadratisch, wie wir es sonst gewohnt sind, sondern rechteckig (doppelt so hoch wie breit) und zeigt wieder sein zentrales Kreuz. Aus dem kreisrunden Modell mit größerer Mitte wird das kreisförmige Modell mit der kleinen Mitte.
Die Wegfolge in dieser Trojaburg ist identisch mit der im Chartres Labyrinth:
5-4-3-2-1-6-11-10-9-8-7-12

Grafik Trojaburg Typ Chartres

Grafik Trojaburg Typ Chartres

Meines Wissens ist ein solches Labyrinth bisher noch nie aufgetaucht.
Ob diese Zusammenhänge zwischen Trojaburg und Chartres Labyrinth den damaligen Labyrinth-Baumeistern bekannt waren, weiß ich nicht.
Ich glaube, eher nicht. Es ist bemerkenswert, dass die Skandinavischen Trojaburgen offenbar nicht vom Typ Chartres beeinflusst waren, die britischen Rasenlabyrinthe schon.
Für mich ist trotzdem klar: Es gibt eine größere Verwandtschaft zwischen den klassischen Labyrinthen und den mittelalterlichen Typen als manche bisher angenommen haben. Und es zeigt die außerordentliche Qualität und Originalität des Chartres Typs.

Gleichzeitig ist es aber auch ein Beleg dafür, dass die mittelalterlichen Typen nach anderen Gesichtspunkten und Methoden „erzeugt“ wurden als mit einem Grundmuster. Wesentlich finde ich, ist die Einführung der „Barrieren“ um mehr Wendungen und Abschnitte bei einer gleichen Anzahl von Umgängen zu erzielen. Oder anders ausgedrückt: Um die Wegfolge zu verändern.
Interessant wäre es auch herauszufinden, wann eigentlich die „Barrieren“ zum ersten Mal im Labyrinth aufgetaucht sind. Denn sie stellen eine entscheidende Weiterentwicklung des klassischen Labyrinths dar und sind maßgeblich für die Entstehung der mittelalterlichen Typen.

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oder:
Wie könnten die Trojaburgen in den skandinavischen Ländern gebaut worden sein?
Dort gibt es die ältesten und meisten begehbaren Labyrinthe weltweit. Und fast alle sind aus Feldsteinen in den verschiedensten Größen gelegt. So darf man also getrost dort die Heimat der Labyrinthe vermuten.

Wir wissen inzwischen wie man am einfachsten ein klassisches Labyrinth mit 7 Umgängen zeichnen kann. Und beim Bauen kann man auf die gleiche Weise vorgehen. Man legt das Grundmuster, das in einem Quadrat angeordnet ist und baut dann kreisförmig daran an. Statt mit Steinen kann man das auch mit Sägemehl oder Rindenmulch oder Holzscheiten oder sonstigen Objekten machen.

Am besten baut man von innen nach außen. Man kann es allein tun und es geht zu mehreren. Nur muss man sich dann einigen, was wann mit was verbunden wird und wer was wie macht.

Wenn man ein dauerhaftes Exemplar anlegen will, sollte man sich vorher schon Gedanken über die Größe, Wegbreite, Ausrichtung und genaue Lage machen.

Als Beispiel nehmen wir hier ein Labyrinth mit 11 Umgängen, also 4 mehr als „sonst“. Die 4 mehr entstehen einfach dadurch, dass in den 4 Quadranten des Quadrates noch je ein weiterer Winkel eingefügt wird.
Und Sie ahnen es bereits: Noch je 4 mehr ergibt ein Labyrinth mit 15 Umgängen usw.

So sind vermutlich die schwedischen Trojaburgen entstanden, die ich letztes Jahr erkunden konnte.

Grundmuster

Grundmuster

Der erste Bogen (=die Mitte)

Der erste Bogen (=die Mitte)

Vier Bögen

Vier Bögen

Fünf Bögen

Fünf Bögen

Neun Bögen

Neun Bögen

Zehn Bögen

Zehn Bögen

Elf Bögen

Elf Bögen

Zwölf Bögen (=11 Umgänge)

Zwölf Bögen (=11 Umgänge)

Man muss einfach immer den letzten freien Stein auf der einen Seite (links von der Mitte) mit dem letzten freien Stein auf der anderen Seite (rechts von der Mitte) in einem Bogen parallel zum vorangegangenen verbinden.

Hier ein kleines 7-gängiges Labyrinth, gelegt 2007 von Lisa am Strand von Folhammar (Gotland, Schweden).

Steinlabyrinth mit 7 Umgängen

Steinlabyrinth mit 7 Umgängen

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Archäoastronomische Überlegungen zu den historischen Labyrinthen gibt es bisher kaum. Für die Trojaburg Steigra hat Mechthild Meinike aus Halle (Saale) solche Untersuchungen vorgenommen.
Die Gegend um Steigra ist reich an frühgeschichtlichen Funden, insbesondere die Himmelsscheibe von Nebra und die Kreisgrabenanlage von Goseck haben in den letzten Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Es werden immer noch größere archäologische Grabungen in der Nähe mit vielen neolithischen, bronze- und eisenzeitlichen Funden durchgeführt.

Bei der astronomischen Einordnung der Trojaburg durch die Ausrichtung der Azimute auf die umgebende Topographie, markante Punkte, sonstige frühgeschichtliche Bauwerke und Wasserstellen ergaben sich aber keine wesentlichen Bezüge. Auch die Berücksichtigung der Mondextreme brachten keine weiteren Erkenntnisse.

Mechthild Meinike hat für die Trojaburg die Sonnenauf- und Sonnenuntergangsazimute zu den Sonnenwenden für die Jahre 1500 v. Chr., 1700 n. Chr. und heute berechnet. Die Werte der Azimute für die drei verwendeten Zeiten liegen sehr dicht zusammen. Auf der hier gezeigten Darstellung sind die Werte von 1500 v. Chr. eingezeichnet.

Die Lageskizze

Die Lageskizze

Es ergibt sich nun folgendes: Eine Linie, die man über die Mitte des Labyrinths, der Raute und dem Eingangsbereich zieht, zeigt zum Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende. Das heißt, wenn man in der Mitte steht, geht die Sonne zur Sommersonnenwende hinter dem Eingang unter. Beim Gehen in das Labyrinth hinein hat man zuerst die untergehende Sonne im Rücken, man kommt also von der untergehenden Sonne her.
Steht man zur Wintersonnenwende bei Sonnenaufgang in der Mitte des Labyrinths und blickt in Richtung des Grabhügels neben dem Labyrinth, dann schaut man in die aufgehende Sonne.

Hier die Zusammenfassung des Artikels:

Abschließend kann festgestellt werden, dass die Trojaburg von Steigra eine Ausrichtung auf den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende hat, unter der Voraussetzung, dass man vom Zentrum aus Richtung Eingang schaut. Der Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende erfolgt hinter dem Grabhügel. Somit verbirgt die Trojaburg von Steigra zu den überlieferten sonnenbezogenen Geschichten von Jungfrauen, Rittern und Drachen einen konkreten Sonnenbezug.

Was bedeutet das nun für den Labyrinth-Begeisterten?

Da wir viel zu wenig wissen über das tatsächliche Alter der Trojaburg und deren Bedeutung oder Nutzung, sind das alles keine Beweise, allenfalls Hinweise, dass die Ausrichtung zur Sonne beim Bau des Labyrinths eine Rolle gespielt hat. Es läßt sich aber vermuten, dass ein Zusammenhang mit dem Lauf der Sonne bestehen könnte und von daher auch eine Beziehung zu den diesbezüglichen Überlieferungen in Mythen, Märchen und Erzählungen gegeben sein könnte.
Weitere archäoastronomische Untersuchungen in anderen alten Labyrinthen wären wünschenswert.

Quelle: Die Trojaburg von Steigra, Mechthild Meinike, veröffentlicht in MegaLithos 3/2005 (ISSN 1439-7366)

Hier finden Sie einen Artikel über das Frühlingsfest 2008 in Steigra.

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Steigra im Burgenlandkreis im Land Sachsen-Anhalt besitzt eines der vier noch in Deutschland erhaltenen, historischen Rasenlabyrinthe. Es trägt auch den Namen Schwedenring oder Trojaburg.

Es ist ein klassisches Labyrinth mit 11 Umgängen. Die genaue Entstehungszeit ist unsicher. Vieles deutet auf das 17. Jhdt. hin, aber auch ein älterer Ursprung wäre denkbar. Es liegt neben einem Hügelgrab.

In der Nachbarschaft hat man erst in den letzten Jahren weltweit einmalige archäologisch bedeutende Funde gemacht: Das 7000 Jahre alt Sonnenobservatorium von Goseck, die 3600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra.

Das Rasenlabyrinth von Steigra hat sich über Jahrhunderte erhalten. Heute noch wird es jährlich von den Konfirmanden des Ortes gepflegt. Die Pfarrkirche ist dem Hl. Georg geweiht und es gibt sogar ein Gasthaus St. Georg.

Alljährlich am Samstag nach dem 23. April, dem Tag des Hl. Georg, findet ein Frühlingsfest am Labyrinth statt. Heuer war das der 26. April 2008.

Gefangen im Labyrinth

Gefangen im Labyrinth

Die Bürger von Steigra haben dieses Frühlingsfest erstmals 1995 nach eigenen Vorstellungen und mit eigenen Texten durchgeführt. Das ganze Dorf nimmt mit den unterschiedlichsten Beiträgen daran teil.

Der Drache ist besiegt

Der Drache ist besiegt

Doch der Hauptteil ist dabei ein Ritual in der Trojaburg. Eine junge Frau stellt die im Labyrinth gefangene Wintersonne dar, die von einem Ritter befreit wird.

Die Sonnenjungfrau

Die Sonnenjungfrau

Jedes Jahr wird eine andere Sonnenjungfrau ausgewählt. Der Ritter wird am Tag selbst in einer Art Ritterturnier unter mehreren jungen Männern ermittelt.

Die Befreiung

Die Befreiung

Vor der Befreiung der Sonnenjungfrau muss der Ritter noch weitere Aufgaben lösen und dabei auch einen Drachen töten, der das Labyrinth bewacht.

Die Jungfrau und der Ritter

Die Jungfrau und der Ritter

Auf einer Tafel am Labyrinth steht dazu folgender Text:

Aus den Fesseln der harten Wintern, habe ich, der Ritter, dich befreit;
worauf uns und unseren Kindern fortan der Sonnensegen scheint.
Du holde Jungfrau gibst mir Kraft, Wärme und Fruchtbarkeit;
die bösen, finsteren Mächte der Nacht meiden unsere Zweisamkeit.

Im Jahr 2008 waren Sophie Kaiser die Jungfrau und Ronnie Sobirai der Ritter.
Ein kleines Video von der Befreiung aus dem Labyrinth können Sie hier sehen:

Mehr Fotos vom Labyrinth gibt es in der Fotogalerie auf mymaze.
Hier finden Sie einen Artikel über Archäoastronomie im Labyrinth von Steigra.

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