Ursprung und Sinnbedeutung des Toponyms CHARTRES

Ein Gastbeitrag des Sprachforschers Zoltán Kruse

Ursprung und Sinnbedeutung des Toponyms CHARTRES

© Zoltán Ludwig Kruse

 Die weiträumige Bedeutungs-Sphäre des Toponyms Chartres ist determiniert von den Urwortskern-Archetypen, die in ihm geborgen sind. Es schwingen in ihm: CHAR/KAR und  TRES. TRES höre ich als eine erweiterte Gestalt des Urwortskern-Archetyps TER → TER-ES, mit Elision des interkonsonantischen Vokals: T()R-ES. Wenn ich mir nun KAR/KÖR und TER vom Wortschatz der magyarischen Sprache ausgehend anhöre – und dies mit gutem Grunde, denn seine Grundlage bilden bekanntlich Urwortskern-Systeme – so schließen sich zwei umfangreiche Inhaltsbereiche auf: KAR Arm (krumm) /KÖR Kreis und TÉR wendet, kehrt (Tor~nado, Tur~bine, Tur~bo, Tur~bulenz, Tur~nier, Tor~pedo, Tur~m); Raum/Feld/Gebiet (Ter~ra, Ter~rain, Ter~ritorium, ter~restrisch), bzw. TÉR-ÉS Wenden, Kehren. Allerdings nehmen diese Bedeutungen ihren Ursprung in den noch kürzeren Urwortskern-Archetypen, die in KAR und TÉR inbegriffen und wirksam sind, nämlich: ÁR Flut, Strom, Preis bzw. ÉR Ader, Vene, Arterie, Quelle, Rinnsal, (be)rührt, (ge)langt, reift, ist wert. Das heißt, dass KÖR (fra. cœur Her~z) Kreis und TÉR Raum/Feld, wendet/kehrt sind ÉR Ader, Ar~t~er~ie, Vene und ÁR Flut/Fluss, Strom gekennzeichnet. Sie sind übrigens das pochende Herzstück YR des LABYRINTHOS – Schlüsselbundes.  Eine durchaus bemerkenswerte, aufschlussreiche Aussage! Hieraus lassen sich die beiden Bedeutungen: KÖR – TÉR-ÉS Kreis – Wenden/Kehren und KÖR-TÉR EZ Kreis-Raum/ Feld/Gebiet/Platz ist dies ableiten. Die Situation ist aber, wie es aus dem nachfolgenden „Krisen“ – Text hervorgeht, noch sehr viel komplexer.

Ursprung und Sinnbedeutung des Wortes “Krise“

© Zoltán Ludwig Kruse

 Der Duden Herkunftswörterbuch liefert den Suchenden über das Wort “Krise“ folgende Auskunft: Krise, griechisch krísis, lateinisch crisis (vgl. kritisch) bedeutet „entscheidende, schwierige Situation; Klemme. Das verwandte Wort “kritisch“ bedeutet „streng, prüfend, beurteilend, anspruchsvoll, wissenschaftlich erläuternd; bedenklich, gefährlich“. Aus lat. criticus, gr. kritikós „zur entscheidenden Beurteilung gehörig, entscheidend, kritisch“ entlehnt. Aus dem gr. Verb krínein „scheiden, trennen; entscheiden, urteilen“ entwickelt, wie auch gr. kritérion, latinisierende Gestalt Kriterium, „unterscheidendes Merkmal, Kennzeichen, Prüfstein und gr. krísis “Krise, Krisis“. Das substantivierte Adjektiv gr. kritiké „Kunst der Beurteilung führt über fr. critique zu dt. Kritik. Ebenfalls substantiviert erscheinen gr. kritikós, lat. criticus “kritischer Beurteiler“, in dt. Kritiker. Die Verbform hiervon ist “kritisieren“.

 Ich denke, mehrsilbige Worte wie „krineín, kritiké, kritikós“ kann man unmöglich als Ursprung angeben. Ursprung sind stets die einsilbigen Wort-Samen, die Urworts-Kerne, die in allen Sprachen vorkommenden Wort-Archetypen. Und sie sind keinesfalls als starre, unveränderbare Wortbildungen aufzufassen. Ganz im Gegenteil. Die kennzeichnende Grundeigenschaft eines Urwortskern-Archetypus, in unserem Fall KIR, ist nämlich die seiner Veränderbarkeit. Durch das kreative Variations-Spiel der urwortskerneigenen Laute entstehen Wandlungsgestalten mit denen die Differenzierung der Grundbedeutung erlangt wird. Der Rahmen der Veränderbarkeit der beiden  Gutturalen K (stimmlos) und G (stimmhaft) ist umfangreich, nämlich: K/G < GY < C < CH < H < J < SCH < TSCH < S < Z. Ebenfalls jener der Vokale, praktisch alle. Und schließlich der Liquide R kann mit L alternieren (z. B.: sum. GIR, mag. GYER-EK, engl. chil~d, dt. Kind/Gör~e). Diese Dimension des Lautspiels oder -Variation erhält eine Ergänzung durch jene des Wechsels der Lautreinfolge. Die meist vorkommende Permutationsgestalt von KIR ist KRI, seltener RIK oder IRK, IKR.

 Lange bevor es die mit “kri“ beginnenden griechischen Worte geben konnte, gab es den Urwortskern-Archetypus KIR samt zahlreichen Wandlungsgestalten. Voraussetzung für das Verstehen der aus diesem Urwortskern entwickelten Sinnbedeutungen ist das Kennenlernen der Serie von Variationsgestalten des Urwortskernes KIR/GIR mit ihren jeweiligen semantischen Werten, Grundlage der Bedeutung von „Krei~s, lat. cir~cum, cir~culus, cir~cuitus, it. cer~chio, rum. cer~c, engl. cir~cle, fra. cer~cle“. Im Griechischen ist der Ausdruck der Bedeutung Kreis mit dem Wort “kýklos“ realisiert. Hier ist die Präsenz des Urwortskernes KIR eher unauffällig. Er fällt auf Anhieb kaum auf, einerseits weil er nicht gleich am Anfang sondern erst in der Mitte des Wortes vorkommt, andererseits weil er weder in der KIR noch in der KRI sondern in der K()L Gestalt erscheint, also mit alterniertem Liquida (R↔L). Das griechische „kýklos“ ist im deutschen Wort Zyklus leicht wiederzuerkennen. Aufschlussreich ist hierzu die agglutinierte Wortgestalt KI~KEL~ÉS im Magyarischen, mit der Bedeutung ´Auf~gehen, Aus~schlüpfen´. Von dieser Bedeutungsperspektive aus betrachtet erweist sich K()L, in der Gestalt KEL, als “geht/steht auf, erhebt sich“. Das Wort KEL~ET (KEL-ÚT “geht auf –Weg“) bedeutet “Osten, Aufgehen/Aufstehen“; KI~KEL~ET “Lenz“ Hinsichtlich der Einheitlichkeit in der Realisierung des verbalen Ausdrucks im Magyarischen ist das folgende Anwendungsbeispiel recht aufschlussreich:
KI KEL KEL~ET~EN? Wer geht/steht auf/erhebt sich im Osten?
A KÖR – KOR~ONG KEL KEL~ET~EN Die Kreis-Scheibe geht auf/erhebt sich im Osten.

Auch zeigen ergänzend die griechischen Worte Chri~sáfi Gold, chri~safís goldfarben, chri~sós golden, Gold- eine eindeutige enge Verbindung zum Kreis, der leicht als der leuchtende Kreis am Himmelsgewölbe, eben als die goldene Sonnen-Scheibe erkannt werden kann. Die Namen Christós (Gesalbter), Christus und Krishna, und auch Kyr~ie Herr, Gur~u Meister (im Magyarischen GÓR~É bedeutet  Haupt, Herr, Chef, Meister, Leiter) gehören in diesen Kreis. Außerdem können  hier noch chrí~ma Geld (↔ Gold-Münze), chri~sáfi Gold, chri~safís goldfarben, chri~sós golden, Gold-, chrí~si Gebrauch, Verwendung, Nutzung (als zyklisch/kreisförmig wiederkehrende Handlung) und auch die Münzen Kreu~zer/mag. kraj~cár (Wert: 1/100 Gulden) und Gro~schen mag. GAR~AS ergänzend genannt werden. Dieser letzte Gold-(Geld)-Gelb- Bereich des Bedeutungskreises wird im Magyarischen mit den Wortgestalten: SAR [•]r] (G/K → Sch) Lohn, SÁR [•a:r] Kot, SÁR~GA Gelb sowie SÁR~ARANY gediegenes Gold (ÁR Flut, Preis; ARÁNY Verhältnis, Relation) realisiert.

 Im hungar-/magyarischen Wortschatz befindet sich ein reichhaltiges System des Urwortskernes KIR. Die Bestandteile dieses Urwortskern-Systems sind in der folgenden Aufzählung in Fettschrift notiert. Das System mit einigen Entwicklungsgestalten hört sich folgendermaßen an: KÖR Krei~s, Entwicklungen KÖR~ÖS be~krei~st, KÖR~ŐS Krei~sahn, Krei~sursprung,  KÖR~ÜL her~um, GÖR~DÜL rollt, GÖR~BE kru~mm, gebogen, KÖR~BE (rund-/rings-) her~um, KÖR~ÖZ kur~siert, umläuft, zir~kuliert, KÖR~NYÉK Umgebung, KÖR-EMLÉK/”CROMLECH” Kreis–Denkmal/Andenken/Erinnerung, KÖR-HANT/”KUR-GAN” Kreis/Rund-Hügelgrab, KÖR~ÍT gar~niert, GUR~ÍT rollt (etwas), GUR~UL (es) rollt, GUR~IGA, KAR~IKA Reif, Reifen, Ring, GÖR~GŐ Rolle, KOR~ONG Scheibe, KER~ING kreist, umläuft, KER~ENG~Ő Kreuzgang, KER~ING~Ő (Kreis-Pendeln) Walzer, KAR~IMA Kre~mpe, Rand, KÖR~ÖM Nagel, KER~EK rund, krei~sförmig, KER~ÉK Rad, KÉR~EG (runde) Rinde, KER~ÍT umgibt, umzäunt, verschafft, nimmt her, holt her~bei, KER~T Gar~ten, KER~T~EL redet her~um, macht Umschweife, KER~ET Rahmen (rund~her~um), KER~ÍT~ÉS Zaun, KER~ES sucht (sich her~um drehend), verdient (Lohn), KER~ÜL flieht (Zentrifugal-/Flieh-Kraft), meidet, gelangt, macht einen Umweg (geht drum~her~um), KER~ÜL~ET Umfang, Be~zir~k, KER~ECS~EN (SÓLYOM) Hor~us / Wander – (Falke);  KÉR bittet, verlangt, fragt, Entwicklungen KÉR~ÉS Bitte, Anliegen, Verlangen, KÉR~D, KÉR~D~EZ fragt, KÉR~D~ÉS Frage, CSER~E Wechsel, Tausch, CSER~ÉL wechselt, tauscht, CSÍR~A Keim; KAR Arm (ge~krü~mmte Gliedmaßen mit denen der Mensch den Krei~slauf des Gegenstände an sich Her~anholens und von sich Her~gebens tätigt), Chor (Sänger-Runde), Entwicklungen KAR~D Schwert, KAR~Ó Pfahl, (Bohnen) Stange (um die sich die Pflanze her~umwickelt), KAR~OS „bearmt“, mit Arm ausgestattet, KAR~OL umarmt, umfängt, KAR~ÁM Kral, Pferch, KAR~ÁCS~ONY, rum. cră~ciun, Weihnachten (Zeit der Wintersonnenwende); KÁR Schaden, Entwicklungen KÁR~OS schädlich, KÁR~OS~ÍT schädigt, KÁR~OS~OD~ÁS Schädigung; KOR Alter, Zeitalter (krei~sende Uhrzeiger), Entwicklungen KOR~OS bejahrt, betagt (viele Sonnenumläufe/-jahre alt), KOR~MÁNY Steuerrad, Ruder, Regierung; KÓR Kra~nkheit, Entwicklungen KÓR~OS kra~nkhaft, KÓR~HÁZ Kra~nkenhaus, KOR~HELY Lump, liederlich; GAR Stimmenflut, GAR~AT Gur~gel, HER~E Hoden, GYÁR Fabrik (schnelle, radbestimmte Produktion von Produkten), GYÁR~T fabriziert, produziert, GYÁR~T~ÁS Fabrikation, Herstellung, Fertigung, Produktion, GYÁR~OS mit Fabrik ausgestattet, Fabrikant, GYOR~S schnell, geschwind, GYOR~S~ÍT beschleunigt (Rad ↔ Fahrzeug, Produktion) GYOR~S~UL beschleunigt sich (Geschwindigkeit, Krei~slauf), GYER~EK Kind (Familien-Krei~s,  Generations-Krei~s); JÁR geht (abrollendes Schreiten der Füße), bewegt sich, GYÚR knetet, walzt, GYŰR knüllt, GYŰR~Ű Ring, HÍR Kunde, Nachricht, Botschaft (wird in Umlauf gebracht), Entwicklungen HÍR~ES berühmt, HÍR~DET verkündet, verlautbart, HÍR~HEDT berüchtigt, HÍR~NÖK Bote, HÍR~TELEN plötzlich, schlagartig, rasch (“nachrichtlos, ungewarnt“), usw.

 In allen diesen magyarischen Wortklängen kommt die Grundbedeutung KÖR Kreis zur Geltung; das zyklisch Wiederkehrende, das um die eigene Mitte Umlaufende, vorwärts Rollende, das kreislaufend Runde, das Sonnen-Rad. Wie es sich leicht feststellen lässt, gelangt die Grundbedeutung KÖR Kreis oft im übertragenen Sinne zur Geltung.  Es handelt sich somit nicht lediglich um die gewohnte, ausschließlich geometrische Bedeutung des Wortes Kreis, vielmehr um die allgemeine, ganzheitliche, im Sinne eines zyklisch wiederkehrenden Strömungsprozesses. Dieser, den Menschen aller Zeiten beschäftigende Urgedanke, ist bereits im III Jahrtausend v. u. Z. im kingir/šumerischen Keilschriftzeichen GAR (Labat Nr. 597) mit den Bedeutungen sammeln, Summe, Gesamtheit, in treffender Art und Weise zum Ausdruck gebracht worden: . Die innige, untrennbare Verbundenheit des hungar/magyarischen (in mittelalterlichen Schriften wurden die Hungar/Magyaren noch `Kangares´ genannt) Urwortskernes KÖR Krei~s samt Wandlungsgestalten mit dem kingir/šumerischen GAR sowie seinen verwandten Gestalten GIR/QIR/KIR Kind (Labat Nr. 346, geschrieben mit dem Ideogramm des waagerecht strömenden Fisches), GÚR sich krümmen (Labat Nr. 362), GUR (Labat Nr. 111) sich drehen, sich verändern/wandeln/wenden, KUR (Labat Nr. 366) Berg, Land, nehmen, erreichen/treffen, strahlen, erscheinen, Auflodern/Leuchten und KÍR (Labat Nr. 424) Her~z (lat. cor, it. cuor~e, fra. cœur,  spa. cor~ason engl. hear~t, car~diac, cor~date her~zförmig, cor~diality Her~zlichkeit), ist selbstverständlich.

 Bedeutungsvoll und überaus aufschlussreich  scheint mir die zwischen den Urwortskernen GAR/KIR und BAR/PIR bestehende sehr enge Beziehung. Man kann sogar sagen, dass sie von wahrhaftiger Kon-fusion, von Vermischung sei. Dies weil sowohl der eine als der andere auf das große Thema “Sonne“ bezogene archetypische Klanglichkeiten sind. Wie man wohl weiß, die den Licht und Wärme ausströmenden  Stern erfassenden menschlichen Wahrnehmungen sind vielfältig. Mit dem Urwortskern GAR/KAR/KÖR (und Varianten) werden vorwiegend Aspekte reflektiert, die an seine Erscheinung und an seine Umlaufbahn am Himmelsgewölbe, an seine zyklisch kreisende Bewegung, die Tag-Nacht sowie Ablaufen des Zeitstromes bewirken und Ähnliches  gebunden sind. Während mit dem Urwortskern BAR/BIR/PIR werden Aspekte reflektiert, die an seine chromatische Erscheinung von Röte (Feuer/fire/Feuer/Für, Pyr~os → py~rot, py~red, py~rouge, py~rosso, py~roşu usw.), an sein Dasein von wär~meausstrahlende, bro~delnde Quelle und auch an seine pir~ouettengleich wir~belnde/pyrot~ierende Bewegung gebunden sind. Ja, selbst der Urwortskern TÉR, der Aspekte von Raum, Feld, Einfluss-Sphäre, Kehren, Wiederkehren, Wenden reflektiert, ist in enger Beziehung mit dem Archetypen GAR/KÖR Kreis. Einige Beispiele hierzu: A KÖR FOR~OG Der Kreis dreht sich. KÖR-FOR~G~ÁS Kreis-drehung/Kreis-lauf. Im Kör-per, lat. corpus, (KÖR-PÍR Kreis-Röte, KÖR-VÉR Kreis-Blut) geschieht VÉR- KÖR-FOR~G~ÁS/KER~ING~ÉS  Blut-Krei~slauf/Zir~kulation/(Py)Rotation/Umlauf.

 Im deutschen Wortschatz wiederfinden wir den Kreis – Kreislauf bedeutenden Urwortskern GIR/KIR/GAR/KAR/KÖR beispielsweise in Worten wie: Hör-, Chor, Hör~en, Hor~chen, (H)Ohr, Har~monie, Ak~kor~d, Herr/-in, Kör~per, Kar~ma, Her~z, Hir~n, Har~n, Gar~n, Kor~n, Ker~n, Hor~n, Har~fe, Kar~ren, Kar~riere, Zir~kel, zir~kulieren, Zer~emonie, Zir~kus, Kur, Kur~ve, Ker~ker, Kar~zinom, Kre~bs, Kur~s, Kur~ier, Kur~bel, Kür, Kür~bis, Gar~ten, Gur~ke, Gur~t, Gür~tel, Kro~ne, Wal~kür~e (aengl. wæl~cyr~ge) („von ihren Goldhelmen und Harnischen geht blendender Glanz aus, und Sonnenstrahlen brechen aus ihren Speeren und Schilden“), Schar~ade fra. char~ade Rätsel (zu erraten durch Fragen beantworten: KÉR bittet, verlangt, KÉR~D fragt, KÉR~D~ÉS Frage → Char~ade Rätsel) usw.

 Die Urwortskern-Gestalt KIR, mit der alternierten Anordnung der Konsonanten, scheint mir die ursprüngliche zu sein. In solcher Anordnung erhalten im allgemeinen konsonantische (mitlautende) Verschluss-, Enge- oder Reibe-Momente  durch ihre Alternierung mit Vokalen eine jeweilige, ausgleichbringende Öffnung. Konsonanten können in dieser Art sehr viel leichter artikuliert werden als in vokallosen Aufeinander-folgen. Die Artikulation ist bequem und verhältnismäßig einfach. Die eine Stauung der beiden Konsonanten aufweisende Gestalt KRI stellt, m. E., eine geänderte, permutierte Anordnung der ursprünglichen Ko. + Vo. + Ko. Reihenfolge der Laute des Urwortskernes KIR dar.

 Nun aber zurück zum Hauptargument dieses Textes: Ursprung und Sinnbedeutung des Wortes „Krise“. Wie wir erfahren haben, stellt sie, laut Duden, eine schwierige, kritische Lage dar, die einer Lösung, einer Entscheidung bedarf. Die sich in der „Krise“ befindende, von der „Krise“ betroffene Person fühlt sich so, als würde sie sich im Kreis (KÖR) herum (KÖR~ÜL, KÖR~BE) drehen, als wäre sie eingeengt, eingezäunt, ja, einge~ker~ker~t (KER~ÍT). Verunsichert und etwas orientierungslos um~her~schweifend sucht (KER~ES) sie nach einer Lösung. Das Bedürfnis, der Drang aus dem Krisen-Kreis heraus zu brechen wird immer größer und konkretisiert sich oft in einer flehenden Bitte (KÉR~ÉS, KÉR bittet). In Krisensituationen häufen sich Fragen über Fragen (KÉR~D~ÉS), die nach einer Antwort suchen. Durch die „Krise“ bewirkt entstehen bekanntlich meist Schäden (KÁR). Die „Krise“ kann somit schädlich (KÁR~OS) sein; aber sie kann zugleich auch nützlich sein – nützlich zur Reifung. Der „Krisen“ gibt es vielerlei Arten. Häufig sind „Krisen“ alters– (KOR) und kra~nkheitsbedingt (KÓR). Und nicht selten müssen bejahrte  (KOR~OS) Personen in Krisensituationen der Gesundheit das Kra~nken-Haus (KÓR-HÁZ)  aufsuchen. Die von der „Krise“ betroffene Person stellt sich sehr viele Fragen. Hilfe suchend stellt sie auch anderen Menschen Fragen, Freunden oder eben auch Fachleuten, Therapeuten. Fragen, die manchmal beantwortet werden, andere Male aber von Außenstehenden kaum zufriedenstellend beantwortet werden können. Die im „Krisen-Kreis“ steckende Person muss die Antwort in sich selbst, in der eigenen Mitte suchen (KER~ES) und finden.

 Aufschlussreich ist die Benennung der „Krise“ in Magyarisch, nämlich: VÁLSÁG. Der Zeitwortskern VÁL~, der hier die Grundlage bildet, drückt die Bedeutung trennen/scheiden aus. Er wird ergänzt vom substantivierenden Formanten ~SÁG -schaft/-tum/-heit/-erei.  VÁL~SÁG würde man wörtlich somit als „Trenn-erei/Scheid-erei“ übersetzen. In einer ganzen Reihe von anderen sinnverwandten Worten kommt der Zeitwortskern VÁL~ gleichermaßen als Basis vor; so z. B. in VÁL~IK trennt / scheidet sich, wird zu etwas, verwandelt sich, es gedeiht/gereicht, VÁL~ÁS Trennung, Scheidung, VÁL~ASZ Antwort (↔ Wahl-/Entscheidungswort), VÁL~ASZ~OL antwortet (gibt Wahlwort), VÁL~ASZ~T wählt (↔ durch Entscheidung), VÁL~ASZ~T~Ó Wähler/in (↔ Entscheider/in), wählend, VÁL~ASZ~T~ÁS Wahl (↔ Entscheidung), Wählen (↔ Entscheiden), VÁL~ASZ~T~ÉK Auswahl, VÁL~ASZ~T~É~KOS ausgesucht, VÁL~ASZ~T~MÁNY Ausschuss, VÁL~ASZ~ÚT Scheideweg (Antworts-/Entscheidungs-Weg).

 In Krisensituationen entsteht meistens der gefürchtete Krisen-Krei~s, der so genannte „Teufels~Krei~s“  (lat. cir~culus vitiosus, it. cir~colo vizioso). In  ihm ist die betroffene Person festgefangen. Um aus dem abschließenden (KER~ÍT) Rahmen (KER~ET) dieses Kreises (KÖR) heraus zu gelangen bedarf sie ganz besonders großer Entscheidungs-Kraft; also großer Wahl- und Trennungs-Kraft.

 So entpuppt sich also das etablierte griechisch – lateinisch – deutsche, ja, europäische Wort „krisis, crisis, Krise“ als aus dem Urwortskern-Archetypen KÖR Kreis entwickeltes KÉR bittet, KÉR~ÉS Bitten, Verlangen, KER~ES sucht, KER~ES~ÉS / K()risis / Suchen, KÖR~ÖZ~ÉS / K()risis / Umlaufen, Kursieren und KÉR~D~ÉS Fragen. Und wonach wohl? Eben, nach lösender, aus dem Teufels-Kreis der Krise führender Antwort.

Mir ist klar, dass diese Gegebenheit, so evident sie auch ist, tendenziell von manchen Menschen abgelehnt wird. Möglicherweise mit verschiedenen historisch-machtpolitisch beeinflussten, scharfsinnigen Begründungen. Aber, wie es sich leicht feststellen lässt, sind Geschichte und Machtpolitik an und für sich das Ergebnis entstellender Manipulierungen von Siegenden. Für manche wird es vermutlich unverständlich, unbequem oder auch peinlich sein, dass die zusammenhangbietende Er-Klärung der Sinnbedeutung des Wortes „Krise“, wie vieler anderer Worte übrigens auch, ausgerechnet aus dem Magyarischen kommt und nicht im Altgriechischen, Hebräischen oder im Lateinischen zu finden sei. Dennoch, mit einfachem, gesundem Menschenverstand gedacht, kann Erklärung aber nur aus Sprachen kommen, die in ihrem Wortschatz ursprüngliche Urwortskerne bewahrt haben. Und zwar nicht als einzeln, splitterweise vorkommende, sondern als umfangreiche Systeme bildende Urwortskerne. Wie dem auch sei, die eventuelle Ignorierung dieser Gegebenheit lässt ihre Gültigkeit noch keinesfalls inexistent werden. Die Wahl der Entscheidung über Annahme, Beherzigung, Anwendung oder Ablehnung der hier mitgeteilten Kunde liegt ganz allein bei der verehrten Leserschaft.

 Ob nun die Krise, der Sonnen-Kreis, das Her~z cœur, das Kreislaufen und all die anderen verwandten, im diesem Text erläuterten Wortsbedeutungen etwas mit der Reise nach Chartres, der Kathedrale, seinem beeindruckenden Chor mit den unterirdische Wasserläufe/Arterien führenden Kanälen, seinem berühmten Labyrinthos und dem Spiel, ja, dem kreativen Spiel mir der goldenen Luft-Sphäre, dem Ball, etwas zu tun haben oder nicht, bzw. wassie damit zu tun haben, diese Frage möchte ich gerne der Findigkeit meiner verehrten Leserschaft überlassen.

 Mehr über den LABYRINTHOS Lebens-Code, das Buch LABYRINTHOS Wortkernschichtung und den Autor selbst können Sie auf seiner Website laberintes.de erfahren.

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