Noch ein Labyrinth mit unechten Einfachbarrieren

Bei meinen bisherigen Labyrinthen verläuft der Weg durch alle unechten Einfachbarrieren in der gleichen Richtung. Im Muster verläuft er von links oben nach rechts unten, wie in Abb. 1 aus dem letzten Beitrag gezeigt. Im Labyrinth zeigt sich der Verlauf entsprechend im Uhrzeigersinn von einem äusseren auf einen weiter innen liegenden Umgang. 

Abbildung 1. Bisheriger Wegverlauf
Abbildung 1. Bisheriger Wegverlauf

Da stellt sich die Frage, ob auch andere Anordnungen der unechten Einfachbarrieren möglich sind, so dass der Weg auch von innen nach aussen oder gegen den Uhrzeigersinn verläuft. In Abb. 2 zeige ich ein solches Labyrinth. Es ist selbstdual und hat 4 Achsen, 9 Umgänge und an jeder Nebenachse 2 unechte Einfachbarrieren.

Abbildung 2. Labyrinth mit 4 Achsen, 9 Umgängen und 2 unechten Einfachbarrieren an jeder Nebenachse
Abbildung 2. Labyrinth mit 4 Achsen, 9 Umgängen und 2 unechten Einfachbarrieren an jeder Nebenachse

Hier haben wir nun folgende Verläufe (Abb. 3):

  • von links oben nach rechts unten an der ersten Achse (obere Barriere) und an der dritten Achse (untere Barriere)
  • von links unten nach rechts oben an der ersten Achse (untere Barriere) und an der dritten Achse (obere Barriere)
  • von rechts unten nach links oben an der zweiten Achse.
Abbildung 3. Verschiedene Verläufe durch die Einfachbarrieren
Abbildung 3. Verschiedene Verläufe durch die Einfachbarrieren

Es fehlt jedoch ein Verlauf von rechts oben nach links unten. 

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Labyrinthe mit unechten Einfachbarrieren – Modifikationen

Im letzten Beitrag habe ich einige Labyrinthe mit unechten Einfachbarrieren gezeigt. Alle diese Labyrinthe haben an der Hauptachse zwei lange Verbindungen vom Eintritt des Weges auf den innersten Umgang und, symmetrisch, vom äussersten Umgang bis zum Zentrum. Das gibt vor allem bei grösseren Labyrinthen der Hauptachse ein starres Aussehen. Hier würde man sich eine rhythmischere Gestaltung wünschen – ähnlich wie etwa bei den Labyrinthen vom Typ Chartres oder Reims. 

So eine Modifikation ist tatsächlich möglich. Ich zeige das zunächst am Beispiel des fünfachsigen Labyrinths mit 9 Umgängen aus dem letzten Beitrag (Abb. 1). Auf dem linken Bild sind die Modifikationen am ursprünglichen Muster in rot eingezeichnet. Der Weg wird auf dem dritten Umgang ins Labyrinth hineingeführt, wendet an der ersten Achse zurück zur Hauptachse und wird dort bis zum innersten Umgang fortgeführt. Die Wendestelle an der ersten Achse wird dadurch von einer unechten in eine echte Einfachbarriere umgewandelt. Am übrigen Wegverlauf ändert sich sonst nichts. Da das Labyrinth selbstdual ist, kann eine analoge Korrektur auf der anderen Seite des Musters vorgenommen werden. Das rechte Bild zeigt das modifizierte Muster. 

Abbildung 1. Modifikationen
Abbildung 1. Modifikationen

Abbildung 2 zeigt das zum modifizierten Muster gehörende Labyrinth. Durch diese Modifikation des ursprünglichen Wegverlaufs wird die Hauptachse aufgelockert, und es werden zwei unechte durch echte Einfachbarrieren ersetzt. 

Abbildung 2. Labyrinth mit fünf Achsen, 9 Umgängen sowie echten und unechten Einfachbarrieren
Abbildung 2. Labyrinth mit fünf Achsen, 9 Umgängen sowie echten und unechten Einfachbarrieren

Das gibt dem ganzen Labyrinth eine ausgewogenere Gestalt. 

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Labyrinthe mit unechten Einfachbarrieren

Im letzten Beitrag habe ich die unechte Einfachbarriere eingeführt, die beiden einzigen mir bekannten historischen Labyrinthe mit unechten Einfachbarrieren gezeigt, und ein eigenes mit 2 Achsen drei Umgängen und einer unechten Einfachbarriere vorgestellt. (siehe: verwandte Beiträge, unten). 

Das Muster für das Labyrinth mit 2 Achsen und 3 Umgängen lässt sich leicht erweitern, so dass man Labyrinthe mit nur unechten Einfachbarrieren und meheren Achsen zeichnen kann. Abbildung 1 zeigt ein Labyrinth mit 3 Achsen und 5 Umgängen mit 2 unechten Einfachbarrieren.

Abbildung 1. Labyrinth mit 3 Achsen und 5 Umgängen

In Abb. 2 wird ein Labyrinth mit 4 Achsen, 7 Umgängen und 4 unechten Einfachbarrieren gezeigt. 

Abbildung 2. Labyrinth mit 4 Achsen und 7 Umgängen
Abbildung 2. Labyrinth mit 4 Achsen und 7 Umgängen

Abbildung 3 schliesslich enthält ein Labyrinth mit 5 Achsen, 9 Umgängen und 8 unechten Einfachbarrieren. 

Abbildung 3. Labyrinth mit 5 Achsen und 9 Umgängen
Abbildung 3. Labyrinth mit 5 Achsen und 9 Umgängen

Alle unechten Einfachbarrieren liegen an den Nebenachsen. Sie liegen ausserdem so, dass der Weg immer in der Vorwärtsbewegung von aussen zwei Umgänge nach innen springt, ohne die Richtung zu ändern. In der Rückwärtsbewegung durchläuft der Weg ein Serpentinenmuster. 

Dieses Muster lässt sich erweitern, so dass Labyrinthe mit beliebiger Anzahl Achsen mit unechten Einfachbarrieren generiert werden können.

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Unechte Einfachbarriere

Wie bei den Doppelbarrieren können wir auch bei den Einfachbarrieren echte und unechte unterscheiden (siehe: verwandte Beiträge, unten). Ich zeige das hier zuerst am Beispiel von zwei nicht-labyrinthischen Figuren und beginne mit der Figur „Luan“ (Abb. 1).

Abbildung 1. Figur
Abbildung 1. Figur „Luan“

Quelle: Kern, Abb. 599, S. 418.

Dies ist eine rezente Sandzeichnung der steinzeitlichen Kultur auf der melanesichen Insel Malekula (Neue Hebriden). Kern schreibt, dass diese Figur kein Labyrinth sei und nicht einmal die Möglichkeit bestehe, sie als missverstandene Labyrinthfigur zu verstehen (Kern, S. 417). Sie besteht aus einer ununterbrochenen Linie ohne Eingang oder Zentrum. Sie hat aber 4 Achsen und 5 Umgänge. 

In Abb. 2, Figur links, zeige ich eine vereinfachte Version mit nur 3 Umgängen. Daraus ersieht man das Prinzip deutlicher. Diese Figur kann klar als in sich geschlossener Ariadnefaden gelesen werden. Deshalb habe ich sie rot gezeichnet. Dazu kann man natürlich auch die Darstellung mit den Begrenzungsmauern ergänzen (rechte Figur, blau). Man sieht, die Figur hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Labyrinth. Die Achsen werden gebildet durch die Wenden des Weges, wie sie typisch im Labyrinth von Chartres und in vielen anderen Labyrinthtypen vorkommen. 

Abbildung 2. Figur „Luan“, auf 3 Umgänge reduziert

In Abbildung 3 habe ich die Figur aus Abb. 2 umgezeichnet und auf 2 Achsen reduziert. Links (rot) zeigt die Ariadnefadendarstellung, rechts (blau) die Darstellung mit den Begrenzungsmauern. Noch ist der Ariadnefaden eine in sich geschlossenen Linie ohne Eingang oder Zentrum. Hier sieht man nun die besondere Wegführung an der Nebenachse. Die beiden einfachen Wendestellen sind um einen Umgang verschoben. Dazwischen ist ein axiales Wegstück eingeschoben, auf dem der Weg vom ersten auf den dritten Umgang wechselt, ohne die Richtung zu ändern. Ganz analog wie bei den Doppelbarrieren können wir diese Wegführungen als Einfachbarrieren bezeichnen. Die Wegführung in Abb. 2 ist eine echte, die in Abb. 3 eine unechte Einfachbarriere. 

Abbildung 3. Umzeichnung auf 2 Achsen und unechte Einfachbarrieren
Abbildung 3. Umzeichnung auf 2 Achsen und unechte Einfachbarrieren

Diese Figur kann leicht in ein Labyrinth mit 2 Achsen und 3 Umgängen überführt werden, wie in Abb. 4 gezeigt. Links (rot) ist das Labyrinth in der Ariadnefadendarstellung, rechts (blau) in der mit den Begrenzungsmauern dargestellt. 

Abbildung 4. Labyrinth mit 2 Achsen und 3 Umgängen
Abbildung 4. Labyrinth mit 2 Achsen und 3 Umgängen

Soweit mir bekannt, kommt die unechte Einfachbarriere in zwei historischen Labyrinthen vor (Abb. 5). Das linke Bild zeigt das Fussbodenlabyrinth der Kathedrale von Ely mit 5 Achsen und 5 Umgängen. Die unechte Einfachbarriere liegt an der zweiten Achse, wo der Weg vom vierten auf den zweiten Umgang wechselt. Das rechte Bild zeigt den dritten von 8 Labyrinth Entwürfen des Geistlichen Dom Nicolas Rély. Dieses Labyrinth,von mir Rély 3 genannt, hat 9 Achsen und 5 Umgänge. Die Achsen werden gebildet aus echten (Achsen 1, 2, 4, 6, 8) und unechten (Achsen 3, 5, 7) Einfachbarrieren.

Abbildung 5. Historische Labyrinthe mit unechten Einfachbarrieren
Abbildung 5. Historische Labyrinthe mit unechten Einfachbarrieren

Quelle: Ely – Saward, S. 115; Rély – Kern, Abb. 452, S. 353.

Literatur:

  • Kern H. Labyrinthe: Erscheinungsformen u. Deutungen; 5000 Jahre Gegenwart e. Urbilds. München: Prestel 1982.
  • Saward J. Labyrinths & Mazes: The Definitive Guide to Ancient & Modern Traditions. London: Gaia 2003.

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