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Komplettierung des Seed Pattern

Zwei Schritte braucht es noch, um das Labyrinth vom Typ Chartres in den Man-in-the-Maze Stil zu bringen. Zuerst muss das Seed Pattern vervollständigt werden.

Wir haben das Seed Pattern für die Begrenzungsmauern, aber noch ohne die achsquerenden Wegstücke. Die sind noch in der Ariadnefadendarstellung (Abb. 1).

Abbildung 1. Seed Pattern und achsquerende Wegstücke

Das Labyrinth soll mit den Begrenzungsmauern dargestellt werden. Dazu müssen noch die Begrenzungsmauern um die achsquerenden Wegstücke ergänzt werden (Abb 2).

Abbildung 2. Ergänzung der Begrenzungsmauern – 1

Wir beginnen von aussen nach innen und zeichnen um die äussersten dieser Wegstücke die Begrenzungsmauern.

Als nächsten Schritt fügen wir die Begrenzungsmauern um die nächst inneren Wegstücke hinzu (Abb. 3).

Abbildung 3. Ergänzung der Begrenzungsmauern – 2

Man sieht, dass bei jedem Schritt pro Wegstück 2 oder 4 Speichen nach innen verlängert werden müssen, die dann mit einem Kreisbogen verbunden werden.

Und so fahren wir fort, bis alle achsquerenden Wegstücke von Begrenzungsmauern umhüllt sind (Abb 4).

Abbildung 4. Das fertige Seed Pattern für die Begrenzungsmauern

Dies ergibt das vollständige Seed Pattern für die Begrenzungsmauern. In der Mitte des Seed Patterns und wo der Weg die Achsen quert, gibt es auch unzugängliche Bereiche. Das ist ganz analog zu den Seed Patterns bei alternierenden Labyrinthen im MiM-Stil, bei denen die Mitte auch unzugänglich ist.

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Die Achsquerungen

Bei alternierenden mehrachsigen Labyrinthen quert der Weg die Hauptachse nicht. Aber er muss jede Nebenachse queren (siehe unten: verwandte Beiträge 1). Wie also sind Achsquerungen im MiM-Stil umzusetzen? Hier sei zunächst daran erinnert, dass ich früher schon ein nichtalternierndes einachsiges Labyrinth in den MiM-Stil gebracht habe (siehe verwandte Beiträge 2). Daraus wird ersichtlich, was passiert, wenn der Weg die Achse kreuzt (Abbildung 1).

Abbildung 1. Labyrinth vom Typ St. Gallen im MiM-Stil

An der Stelle, wo der Weg die Achse quert, wird der innerste Kreis durchbrochen. Die achsquerenden Wegstücke, und nur diese, gehen im MiM-Stil durch die Mitte des Seed Pattern. Bei allen alternierenden einachsigen Labyrinthen ist der innerste Kreis geschlossen. Das Zentrum des Labyrinths liegt immer ausserhalb.

Nun müssen beim Labyrinth vom Typ Chartres im MiM-Stil an jeder Nebenachse mehrere Wegstücke durch die Mitte geführt werden. Aus den Seed Patterns ist klar ersichtlich, wo Achsquerungen vorkommen. Es sind dies die Stellen, an denen der innerste Kreis durchbrochen ist. Betrachten wir die erste Nebenachse im Detail (Abbildung 2). Das Seed Pattern dieser Nebenachse liegt im westlichen Quadranten (schwarz hervorgehoben).

Abbildung 2. Das Seed Pattern der ersten Nebenachse

Es gilt, die Achsquerungen an dieser Nebenachse in den MiM-Stil umzuformen (Abbildung 3).

Abbildung 3. Die achsquerenden Wegstücke

Bekanntlich geht der Weg im Labyrinth vom Typ Chartres zuerst entlang der Hauptachse auf den 5. Umgang, wendet an der ersten Nebenachse, kehrt auf Umgang 6 zur Hauptachse zurück und erreicht von dort den innersten Umgang 11. Auf diesem Umgang macht er einen Halbkreis und quert dabei die erste Nebenachse. Dann wendet er an der zweiten Nebenachse. Von dort kehrt er auf dem 10. Umgang zur Hauptachse zurück und quert wieder die erste Nebenachse. Auch auf dem 7., 4. und 1. Umgang quert der Weg die erste Nebenachse. Die Wegstücke auf den äusseren Umgängen umhüllen die Wegstücke auf den inneren Umgängen und das äusserste Wegstück auf Umgang 1 umhüllt alle anderen.

In Abbildung 4 wird gezeigt, was mit den achsquerenden Wegstücken (in der Farbe des Ariadnefadens rot) passiert, wenn die Nebenachse aus dem konzentrischen in den MiM-Stil überführt wird.

Abbildung 4. Umformung vom konzentrischen in den MiM-Stil

Das linke Bild zeigt die gespaltene, leicht geöffnete Nebenachse. Der Verlauf der Wegstücke ist noch sehr ähnlich wie in der Ausgangslage von unten nach oben und umgekehrt. Aber alle Wegstücke biegen in die gegenteilige Richtung. Im mittleren Bild ist der ursprüngliche Verlauf kaum mehr erkennbar. Die beiden Hälften der Nebenachse sind weit geöffnet. Die Wegstücke kommen von seitwärts auf die eine Hälfte der Achse zu und gehen seitwärts von der anderen Hälfte ab. Zwischen den Hälften der Achse verlaufen sie in vertikaler Richtung. Die Wegstücke auf den inneren Umgängen umhüllen die äusseren. Das innerste Wegstück auf Umgang 11 umhüllt alle anderen. Bis zum rechten Bild ist es dann nur noch eine kleine Veränderung. Alle Wegstücke und das Seed Pattern werden in eine Form gebracht, dass sie zwischen (Wegstücke = Stücke des Ariadnefadens) und auf (Seed Pattern für die Begrenzungsmauern) den Speichen und Kreisen der MiM-Hilfsfigur zu liegen kommen.

Abbildung 5 zeigt alle achsquerenden Wegstücke auf allen drei Nebenachsen im MiM-Stil.

Abbildung 5. Alle Achsquerungen

Die westliche und östliche Nebenachse haben je fünf, die nördliche Nebenachse drei achsquerende Wegstücke. Es braucht also im Zentrum der MiM-Hilfsfigur weitere Hilfskreise, um die Achsquerungen unterzubringen. Dafür sind fünf Hilfskreise erforderlich. Und auch die Speichen müssen nach innen fortgesetzt werden, weil die Begrenzungsmauern (schwarz) auf die Hilfskreise und Speichen zu liegen kommen. Gegen die Mitte zu wird der Abstand zwischen den Speichen immer enger. Deshalb muss der inneste Hilfskreis einen gewissen minimalen Radius haben, damit sich Begrenzungsmauern und Wegstücke nicht überlappen.

Nun haben wir alle Elemente vorliegen, um den Labyrinth Typ Chartres im MiM-Stil fertigzustellen.

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Die Seed Pattern

Um ein mehrachsiges Labyrinth in den Man-in-the-Maze (MiM) Stil zu bringen, müssen auch die Nebenachsen richtig umgeformt werden (siehe Verwandte Beiträge 1, unten). Schauen wir also zunächst an, was bei der Umformung der Hauptachse geschieht. Das können wir mit dem einachsigen Labyrinth von Heiric von Auxerre tun. Dieses hat ja das gleiche Seed Pattern wie die Hauptachse des Labyrinths vom Typ Chartres.

Zuerst wird das Seed Pattern gewonnen (Abb. 1).

Abbildung 1. Seed Pattern des Labyrinths von Heiric von Auxerre

Es kommt nicht auf eine exakte Kopie (linkes Bild) an. Wichtig ist dass die Struktur gut erkennbar ist. Das Seed Pattern besteht aus senkrechten und waagrechten Linien und Punkten. Es ist an der senkrechten mittleren Begrenzungsmauer ausgerichtet (mittleres Bild). Es muss nun so umgeformt werden, dass es auf die Hilfsfigur für den MiM-Stil passt (vergleiche weitere Beiträge 2). Dazu muss es an einem Kreis aus der Hilfsfigur ausgerichtet, bzw. auf einen solchen Hilfskreis aufgezogen werden. Dabei sollen die mittlere Begrenzungsmauer auf den Hilfskreis zu liegen kommen und die waagrechten Stücke und Punkte radial davon abgehen. Man kann dazu das Seed Pattern entlang der mittleren Begrenzungsmauer spalten und in zwei Hälften aufteilen (rechte Figur).

Als nächstes werden die beiden Hälften auf einen Hilfskreis aufgezogen (Abb. 2).

Abbildung 2. Umformung in den MiM-Stil

Die beiden Hälften werden zuerst so weit geöffnet, dass sie an den Hilfskreis angelegt werden können (linkes Bild). Dann werden sie dem Kreis entlang aufgezogen und sie oben wieder zusammengeführt (rechtes Bild). Man beachte, dass bei diesem Vorgang zwei Stücke an der mittleren Begrenzungsmauer verlängert werden müssen (gestrichelte Linien). Ansonsten würden nach der Umformung der senkrechten zentralen Linien in Halbkreise zwei Lücken auf dem zentralen Kreis entstehen. Eine gegenüber dem Eingang und die andere gegenüber dem Zentrum.

Nun wenden wir das Verfahren auf die vier Achsen des Labyrinths vom Typ Chartres an (Abb. 3).

Abbildung 3. Die 4 Seed Pattern des Labyrnths vom Typ Chartres

Zuerst werden die Seed Pattern aller vier Achsen gewonnen. Um das einfach zu illustrieren nehme ich ein Labyrinth mit stark vergrössertem Zentrum und kopiere die Seed Patterns der vier Achsen. Dann rücke ich jedes Seed Pattern nach innen. Um sie in den MiM-Stil zu bringen, müssen alle vier Seed Pattern auf einen der Kreise der Hilfsfigur aufgezogen werden. Also werden sie in zwei Hälften gespalten, ganz analog wie vorher beim Seed Pattern des einachsigen Labyrinths.

In einem nächsten Schritt werden die Seed Pattern weiter geöffnet, so dass sie auf den Hilfskreis aufgezogen werden können (Abb 4).

Abbildung 4. Ihre 8 Hälften weit geöffnet

Dann werden die acht Hälften an den Hilfskreis angelegt, d.h. von der geraden Form in die Form eines Teilkreises gebracht (Abb. 5).

Abbildung 5. Anlegen der 8 Hälften an den Hilfskreis

Wieder müssen beim Seed Pattern für die Hauptachse an der mittleren Begrenzungsmauer zwei Stück ergänzt werden, damit die Umformung in die Kreisform vollständig gelingt. Das ist nur für die Hauptachse nötig, da von hier aus der Eintritt ins Labyrinth und der Zugang zum Zentrum erfolgen. Bei den Seed Pattern für die Nebenachsen ist das nicht erforderlich. Das Ergebnis des ganzen Vorgangs ist in Abb. 6 dargestellt.

Abbildung 6. Die 4 Seed Pattern im MiM-Stil

Es wird ein viel grösserer Hilfskreis benötigt, denn es müssen nicht 2, sondern 8 Hälften von 4 Seed Pattern aufgezogen werden.

Das Seed Pattern der Hauptachse liegt im südlichen Quadranten Es hat, gleich dem Seed Pattern des Labyrinths vom Typ Heiric von Auxerre, 24 Enden.

Die Seed Pattern für die linke / obere / rechte Nebenachse liegen in den westlichen / nördlichen / östlichen Quadranten. Die Seed Pattern haben alle zwei Enden weniger als das Seed Pattern der Hauptachse, also je 22 Enden.

Somit lässt sich die Anzahl Speichen, die für die Hilfsfigur des Labyrinths vom Typ Chartres im MiM-Stil benötigt wird, berechnen. Sie entspricht dem Total aller Enden, dh. 24 + 3*22 = 90 Speichen.

Die vormals äusseren Enden der Seed Pattern liegen nun an den mit kleinen Quadraten markierten Stellen im Süden, Norden und knapp über dem Horizont im Osten und Westen. Hier sind jeweils die zwei Hälften eines gleichen Seed Patterns miteinander verbunden.

Die vormals inneren Enden der Seed Pattern aber verbinden sich mit den inneren Enden der je benachbarten Seed Pattern. Dies erfolgt an den mit den gestrichelten Linien markierten Stellen.

Noch etwas ist erwähnenswert. Der innere Kreisbogen des Seed Pattern der Hauptachse besteht aus einer durchgezogenen Linie Diese repräsentiert die mittlere Begrenzungsmauer. Die Labyrinthe vom Typ Heiric von Auxerre wie vom Typ Chartres sind alternierende Labyrinthe. Das heisst, der Weg quert die Achse (Typ Heiric von Auxerre) / Hauptachse (Typ Chartres) nicht. Das ist anders an den Nebenachsen. Der Weg muss diese immer irgendwie queren, ansonsten können gar keine mehrachsigen Labyrinthe gebildet werden. Die Stellen, an denen der Weg die Nebenachsen quert, sind klar ersichtlich dort, wo die innere Kreislinie durchbrochen ist.

Was das für Auswirkungen auf die Gestaltung des Labyrinths hat, wird im nächsten Beitrag gezeigt.

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Mehrachsige Labyrinthe

Bisher wurden fast ausschliesslich Labyrinthe vom Grundtyp (Kretischen Typ) im Man-in-the-Maze Stil umgesetzt. Man kann alle einachsigen Labyrinthe in diesem Stil zeichnen (siehe verwandte Beiträge 2, unten). Aber geht das auch mit mehrachsigen Labyrinthen? Dies habe ich mit dem bekanntesten mehrachsigen Typen, dem Typ Chartres, versucht. Und es geht. Das Resultat habe ich im Januar schon gezeigt (siehe verwandte Beiträge 1). Bis es dazu kam, war ein längerer Prozess nötig. Im Folgenden will ich die einzelnen Schritte beschreiben.

Jacques Hébert† hat auf seiner Website gezeigt (siehe weitere Links 1, unten), dass es ein einachsiges Labyrinth gibt, welches das gleiche Seed Pattern hat wie die Hauptachse des Labyrinths vom Typ Chartres. Er hat es von der rätselhaften Labyrinth Zeichnung (Abb 1) aus einer Sammelhandschrift abgeleitet.

Abbildung 1. Rätselhafte Labyrinthzeichung aus einer Handschrift zusammengestellt 860-862 durch Heiric von Auxerre

Dazu hat er die von Hand gezeichneten Andeutungen der Nebenachsen weggelassen und die unterbrochenen Stücke der Begrenzungsmauern geschlossen. Benannt hat er das Labyrinth nach dem gelehrten Benediktiner Mönch Heiric von Auxerre, der die Handschrift ca. 860 – 862 zusammengestellt hatte.

Abbildung 2. von Jacques Hébert nach Heiric von Auxerre benanntes Labyrinth

Die Website von Hébert ist nicht mehr aktiv. Dank einem Hinweis von Samuel Verbiese können wir sie in The Internet Archive (siehe weitere Links 2) finden. Erwin hat diesen Labyrinth Typ hier auch schon vorgestellt (siehe verwandte Beiträge 3).

Heiric von Auxerre’s Labyrinth eignet sich ideal als Ausgangspunkt. Es ist quasi der Typ Chartres als Einachser. Bringen wir also zuerst dieses Labyrinth in den MiM-Stil (Abb. 3).

Abbildung 3. Labyrinth von Heiric von Auxerre im MiM Stil

Das Seed Pattern dieses Labyrinths hat 24 Enden, wie alle Seed Pattern von Labyrinthen mit 11 Umgängen. Man braucht also eine Hilfsfigur mit 24 Speichen für die Umsetzung in den MiM-Stil.

Nun müssen noch die Nebenachsen eingefügt werden. Ein erster Versuch besteht darin, die Barrieren wieder herzustellen. Dazu werden für jede der Nebenachsen zusätzlich 3 Speichen eingefügt, wie in Abb. 4 gezeigt.

Abbildung 4. Einfügen der Nebenachsen

Die Hilfsfigur wird somit von 24 auf 33 Speichen erweitert. Das Ergebnis wird in Abb. 5 gezeigt.

Abbildung 5. Labyrinth vom Typ Chartres…

Dies sieht schon ganz ordentlich nach einem MiM Labyrinth aus. Aber bei näherem Hinsehen erweist es sich als unbefriedigend. Abb. 6 zeigt, warum.

Abbildung 6. … in hybridem Stil

Dieses Labyrinth ist ein Stil-Hybrid. Zwar ist die Hauptachse im MiM-Stil gebildet, aber die Nebenachsen sind im konzentrischen Stil. Die Wendestellen des Weges (rote Bögen in der Abbildung) sind an der Hauptachse gegen die Kreise der Hilfsfigur ausgerichtet. An den Nebenachsen sind sie jedoch entlang der Speichen ausgerichtet. Das Charakteristische für den MiM-Stil ist das Seed Pattern der Hauptachse. Die Figur sieht einem Labyrinth im MiM-Stil ähnlich, weil die Hauptachse mit ihren 24 von 33 Speichen das Gesamtbild dominiert.

Wir müssen also, wenn wir ein mehrachsiges Labyrinth im MiM-Stil umsetzen wollen, auch die Nebenachsen in den MiM-Stil bringen. Dafür ist nötig, wirklich zu verstehen und konsequent anzuwenden:

  • Wie das Seed Pattern im MiM-Stil organisiert ist
  • und damit zusammenhängend, wie die achsquerenden Wegstücke ausgestaltet sein müssen.

Davon in den nächsten Beiträgen mehr.

Verwandte Beiträge:

  1. Unsere besten Wünsche für 2018
  2. Wie zeichne ich ein Man-in-the-Maze Labyrinth
  3. Ist im Chartres Labyrinth eine Trojaburg enthalten…

Zusätzliche Links:

  1. Website von Jacques Hébert
  2. The Internet Archive

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Die Schreibweise mit den Koordinaten ist einheitlich, verständlich und funktioniert für ein- und mehrachsige alternierende und nicht-alternierende Labyrinthe. Aber man benötigt für ein Labyrinth mit 3 Umgängen mindestens 6 Segmente (für ein- und zweiachsige Labyrinthe: Anzahl Umgänge mal zwei, für die übrigen: Anzahl Umgänge mal Anzahl Achsen).

Dementsprechend werden die Segmentfolgen bei grösseren Labyrinthen rasch lang. Das Labyrinth vom Typ Chartres z.B. hat, wie die anderen Labyrinth Typen mit 4 Achsen und 11 Umgängen, 44 Segmente.

 

Die Segmentfolge des Labyrinths vom Typ Chartres gebe ich hier zur Illustration wieder.

 

 

 

Immerhin ist diese Segmentfolge eine gut verständliche Anweisung, wie das Labyrinth zu zeichnen ist. Sie liest sich etwa so: Gehe zuerst auf den fünften Umgang, schreite das erste Segment (5.1) ab, gehe dann auf den 6. Umgang und bleibe im ersten Segment (6.1). Gehe dann auf den 11. Umgang ins erste Segment (11.1) fahre auf dem gleichen Umgang ins 2. Segment fort (11.2), gehe auf den 10. Umgang im 2. Segment (10.2) usw. Das heisst auch, es wird aus den jeweils auf einander folgenden Koordinaten klar, ob zu wenden ist (wie von Koordinate 5.1 auf 6.1) oder ob die Achse zu queren ist (wie von 11.1 auf 11.2). Aber es ist schon eine lange unübersichtliche Reihe von Zahlen.

Nun gibt es noch verschiedene Möglichkeiten, für mehrachsige Labyrinthe weniger lange Notationen zu schreiben. Gedanklich muss man die Labyrinthe immer zuerst in Segmente unterteilen. Aber man kann in der Notation je nach Verlauf des Weges mehrere Segmente zusammenfassen. Ich gebe hierzu für das Labyrinth von Chartres als Beispiel eine Notation von Hébert° wieder.

 

 

Dies ist eine Notation ähnlich derjenigen im Beitrag „Umgänge und Segmente“ (siehe verwandte Beiträge), wo die Segmente nach Umgängen nummeriert waren. Dort wurde, wenn der Weg auf dem gleichen Umgang mehrere Segmente nacheinander durchläuft, die Nummer für den Umgang entsprechend oft wiederholt. Das ergibt dann für das Labyrinth von Chartres 44 Zahlen. In der Notation von Hébert wird die Anzahl der Zahlen auf 31 reduziert. Dafür muss nun aber vor jeder Zahl ein Vorzeichen stehen. Ein „-“ bedeutet, dass die Zahl nur einmal geschrieben wird, weil nur ein Segment durchlaufen wird. Ein „+“ hingegen bedeutet, dass die Zahl zweimal zu schreiben wäre, weil zwei Segmente hintereinander durchlaufen werden. Man muss sich also unterschiedliche Vorzeichen merken. Mit nur zwei verschiedenen Vorzeichen ist es dabei nicht getan. Zusätzliche Vorzeichen wären nötig, um anzugeben, dass drei oder vier oder mehr Segmente am Stück durchlaufen werden oder dass die Achse gequert und dabei auf einen anderen Umgang gewechselt wird. Diese Notation ist zwar kürzer, aber schwieriger anzuwenden. Ausserdem unterliegt sie der schon früher gezeigten Schwäche, dass man zwar sieht, auf welchem Umgang, nicht aber in welchem Segment man sich gerade befindet.

Es gibt noch andere Notationen. Auf die gehe hier nicht weiter ein. Es dürfte klar geworden sein, dass die Segmentfolgen bei mehrachsigen Labyrinthen rasch lange und unübersichtlich werden. Bei den meisten dieser Labyrinth Typen ist die Segmentfolge deshalb für eine Namensgebung schlecht geeignet. Man stelle sich nur einmal vor, das Labyrinth, das ich im Januar gezeigt habe (s. verwandte Beiträge), mit der Segmentfolge zu benennen. Dieses Labyrinth hat 12 Achsen und 23 Umgänge und somit 276 Segmente.

 

 

Ich verzichte darauf, diese Segmentfolge aufzuschreiben. Sie würde etwa 14 – 15 Zeilen füllen.

Fazit

Zum Schluss komme ich nochmals auf die Ausgangsfrage zurück, ob die Umgangsfolge zur Namensgebung für die verschiedenen Labyrinth Typen verwendet werden kann. Dagegen hatte ich zwei Bedenken:

  • Erstens ist die Umgangsfolge bei einachsigen Labyrinthen nicht eindeutig. Dieses Problem kann man leicht lösen durch Anfügen eines Vorzeichens „-“ nur bei den Nummern der Umgänge, wo der Weg die Achse quert. Somit kann für nicht zu grosse einachsige Labyrinth Typen die Umgangsfolge gut zur Namensgebung verwendet werden.
  • Zweitens nimmt die Folge bei mehrachsigen Labyrinthen rasch an Länge zu. Es hat sich herausgestellt, dass hier die Segmentfolge zu beachten ist. Diese wird schnell entweder zu lang oder zu kompliziert oder beides. Deshalb erachte ich sie nicht für geeignet zur Benennung von mehrachsigen Labyrinthen.

° Hébert J. A Mathematical Notation for Medieval Labyrinths. Caerdroia 2004; 34: 37-43.

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Typ im Stil

Ich verwende für die Typologie von Labyrinthen ausschliesslich ein Kriterium: die Wegführung. Diese wird am besten im Muster ersichtlich. Labyrinthe mit dem gleichen Muster sind vom gleichen Typ. Davon unterscheide ich den Stil. Stil kann umschrieben werden als eine wegweisende grafische Gestaltung.

Typ und Stil sind ergänzend. Bei vielen Labyrinth Exemplaren kann man Typ und Stil angeben. Aber es kann nicht für alle Exemplare ein Stil angegeben werden. Zum Abschluss will ich die in dieser Serie verwendeten Labyrinth Exemplare nach Typen einordnen und wo möglich auch den Stil angeben. Eine Liste der verwendeten Typen findet sich unten am Beitrag.

 

Aus dem Beitrag Typ oder Stil / 1

Kret:char

 

 

 

Kretischer Typ im Chartres Stil

 

Char:klass

 

 

 

Typ Chartres im klassischen Stil

 

 

Aus dem Beitrag Typ oder Stil / 3

7_anix

 

 

 

 

Kretischer Typ im klassischen Stil

 

ani_round_laby

 

 

 

Kretischer Typ im konzentrischen Stil

 

 

chaliceclassic

 

 

Chalice: Es gibt historische Labyrinthe mit diesem Muster. Daher nenne ich diesen Typ Abingdon (im Beitrag nicht gezeigt, aber erwähnt)

 

 

 

 

Trinity: eigener Typ (Typ Trinity) im Chartres-Stil

 

stanthony_thumb

 

 

St. Anthony: eigener Typ (Typ St. Anthony)

 

CoP

 

 

 

Circle of Peace: eigener Typ (Typ Circle of Peace)

 

santarosa1

 

 

 

Santa Rosa: eigener Typ (Typ Santa Rosa; im Beitrag nicht gezeigt, aber erwähnt)

 

 

 

Aus dem Beitrag Typ oder Stil / 4

 

regensb8

 

 

 

Chartres 8 Umgänge: eigener Typ (Typ Regensburg; kretischer Typ mit 1 zusätzlichen trivialen Umgang innen)

 

charneu8

 

 

 

Chartres 8 Umgänge: eigener Typ (Typ Charneu im Chartres Stil)

 

greycort

 

 

 

Grey’s Court: Typ Grey’s Court

 

ravenna5

 

 

 

Ravenna 5 Umgänge: Es gibt historische Labyrinthe mit diesem Muster. Daher nenne ich diesen Typ Compiègne

 

emending

 

 

 

Chartres, 5 Umgänge: Eigener Typ (Typ Emendingen)

 

 

Aus dem Beitrag Typ oder Stil / 5

Reims 1

 

 

 

Typ Reims

 

Chartres 5

 

 

 

Typ Chartres im Reims Stil

 

Um den Beitrag nicht zu überladen, unterbreche ich hier und bringe die Fortsetzung im nächsten Beitrag.

 

Die Typen:

 

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Typen und Exemplare

Im letzten Beitrag habe ich Labyrinth Exemplare verschiedenen Stilen zugeordnet. Hier will ich nun Labyrinth Exemplare verschiedenen Labyrinth Typen zuordnen. Was ein Typ ist, habe ich im Beitrag / 6 beschrieben. (Siehe: verwandte Beiträge). Als Exemplar bezeichne ich das einzelne Labyrinth, sei es als Bild, Zeichnung, Plan, ausgelegt oder gebaut. Ich verwende die drei schon beschriebenen Typen und ordne jedem wiederum eine Auswahl von Exemplaren zu.

 

RF Kretisches Labyrinth

 

Exemplare vom Kretischen Typ

 

 

Es gibt eine grosse Zahl von Labyrith Exemplaren vom Kretischen Typ. Dies ist der Typ mit den meisten Exemplaren. Man sieht grosse Unterschiede in Stil und Ausführung der einzelnen Exemplare. Aber alle sind alternierende Labyrinthe mit einer Achse, sieben Umgängen und der Umgangsfolge 3, 2, 1, 4, 7, 6, 5.

 

RF Reims

 

Exemplare vom Typ Reims

 

 

Es gibt nur sehr wenige Exemplare vom Typ Reims. Ich kenne nur zwei historische Exemplare. Um auf die Schnelle eine Zeile voll zu bekommen, habe ich noch eine eigene Zeichnung angefügt.

 

RF Chartres

 

Exemplare vom Typ Chartres

 

 

Ganz anders steht es um den Typ Chartres. Es ist dies der zweit häufigste Labyrinth Typ.

Dieser Typ eignet sich übrigens bestens, um den Unterschied zwischen Typ und Stil zu verdeutilchen. Es gibt ja einen Typ Chartres und einen Stil Chartres. Man vergleiche die Labyrinthe, die hier dem Typ Chartres zugeordnet sind mit den Exemplaren aus dem letzten Beitrag (Typ oder Stil /9), die dem Stil Chartres zugeordnet sind.

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