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Oder andersherum gefragt: Wie mache ich einen Wunderkreis aus einem  Babylonischen Eingeweidelabyrinth?

Das ist möglich, zumindest beim Babylonischen Umma Labyrinth.

Das Wesentliche bei einem Labyrinth ist ja die Wegführung, ausgedrückt durch die Wegfolge, und nicht die äußere Form. Oder das Muster, wie Andreas das nennt.

Das Babylonische Umma Labyrinth

Das Babylonische Umma Labyrinth

Das Umma Labyrinth hat zwei Wendepunkte, um die jeweils zwei Umgänge führen und in der Mitte einen Mäander. Die Zugänge liegen außen. Es gibt nur einen einzigen und eindeutigen Weg.

Der Wunderkreis hat eine Doppelspirale im Zentrum und zwei weitere Wendepunkte mit beliebig vielen Umgängen. Eine Seite hat dabei einen Umgang mehr als die andere. Die Zugänge befinden sich im Mittelteil.

Ein großer Wunderkreis

Ein großer Wunderkreis

Zum Aufzeigen der einzelnen Entwicklungsschritte forme ich zuerst einen „voll entwickelten“ Wunderkreis in die kleinstmögliche Version um.

Die sieht so aus: Ein Mäander in der Mitte und zwei weitere Wendepunkte mit insgesamt drei Umgängen wie im Knossos Labyrinth.

Der kleinste Wunderkreis

Der kleinste Wunderkreis

Um diesen kleinen Wunderkreis mit dem Umma Labyrinth vergleichen zu können, lege ich nun alle Mittelpunkte (gleichzeitig die Endpunkte der Begrenzungslinien oder die Wendepunkte) auf eine Gerade. So als würde ich das Dreieck zusammenklappen, das durch die Wendepunkte gebildet wird.

Der gestauchte Wunderkreis

Der gestauchte Wunderkreis

Die beiden Zugänge sind hier im Mittelteil, im Umma Labyrinth liegen sie außen und nebeneinander. Zudem gibt es links noch einen Umgang mehr. Den füge ich jetzt hier hinzu und lege den Zugang dadurch auch nach rechts außen.

Ein Umgang mehr

Ein Umgang mehr

Jetzt verlege ich den zweiten Zugang nach links. Dadurch liegen die beiden Zugänge jedoch gegenüber und zeigen in verschiedene Richtungen.

Die beiden Zugänge außen

Die beiden Zugänge außen

Nun drehe ich den rechten Zugang ganz nach links außen neben den linken Zugang. Da ich alles geometrisch exakt konstruiere, erhalte ich zwei leeren Bereiche zwischen den äußeren Umgängen.

Die Zugänge nebeneinander

Die Zugänge nebeneinander

Jetzt verlängere ich die beiden Zugangswege um eine Vierteldrehung nach oben und drehe das Ganze ein Stück nach rechts. So erhalte ich das fertige Umma Labyrinth.

Das Babylonische Umma Labyrinth

Das Babylonische Umma Labyrinth

Um den umgekehrten Weg zu gehen, also den Wunderkreis aus dem Umma Labyrinth zu entwickeln, muss ich einige Windungen weglassen, das Ganze drehen und am Schluss den Mittelteil anheben.

Die ergänzten Bereiche

Die ergänzten Bereiche

Die in den vorangegangenen Schritten gemachten Ergänzungen sind farblich hervorgehoben. Der „gestauchte“ Wunderkreis weiter oben ist gut zu erkennen. Im Kern des Eingeweidelabyrinths ist also der Wunderkreis enthalten.

Sicherlich ist der Wunderkreis wie wir ihn kennen, nicht auf diese Art und Weise entstanden. Dafür gibt es keinerlei historische Belege. Jedoch lässt sich dadurch meiner Meinung nach die Verwandtschaft der beiden Labyrinthfiguren beweisen. Sie sind nicht einfach Spiralen und nicht einfach Mäander. Diese Elemente sind enthalten und auf „labyrinthische“ Art miteinander verbunden.

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Über Facebook habe ich dieses moderne Durchgangslabyrinth gefunden:

Durchgangslabyrinth mit Mäandern

Zeichnung mit freundlicher Erlaubnis von © Sergej Likhovid

Die Zeichnung zeigt einen Entwurf von Sergej Likhovid für ein Labyrinth, das in einem verlassenen Schwimmbad in Odessa (Ukraine) angelegt wurde. Mehr über das Projekt finden Sie in einem Zeitungsartikel in den Weiterführenden Links unten. Es ist ein Sektorenlabyrinth und verwendet den Mäander. Und damit kommen wir zum Thema:

In der Geschichte des Labyrinths spielt der Mäander eine große Rolle. Der Mäander lässt sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen. Damit ist er sehr viel älter als alle bisher bekannten Labyrinthfiguren (auf dem Täfelchen von Pylos um 1200 v.Chr.). Wann gab es die erste Verbindung Mäander – Labyrinth? Der Zusammenhang mit dem Labyrinth kann sich vermutlich nunmehr bis in die Babylonische Zeit (um 1800 v.Chr.) nachweisen lassen.

Im 1. Teil habe ich schon das Labyrinth nach Abb. 5 der Vorderasiatischen Tontafel VAT 9560 aus Weidners Artikel vorgestellt. Die Tontafel wird von ihm auf Grund der beigefügten Keilschriftzeichen auf die Zeit um 1000 v. Chr. datiert.

Das Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 5 (hier Ariadnefaden)

Das Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 5 (hier Ariadnefaden)

In dieser Darstellung des Wegverlaufs (Ariadnefaden) kann man sehr schön den Mäander in der Mitte erkennen.

Hier die geometrisch korrekte Darstellung der Begrenzungslinien:

Das Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 5 (hier Begrenzungslinien)

Das Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 5 (hier Begrenzungslinien)

In dieser Zeichnung lässt sich auch das Grundmuster ablesen. Es hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem für das Indische Labyrinth, wird jedoch etwas anders konstruiert.

Bei Weidner gibt es noch die Abb. 4 von der Tontafel VAT 9560. Die Figur ist zwar unvollständig, zeigt aber eindeutig einen Zugang links oben und das Ende in der Mitte:

Das Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 4

Das Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 4

Die beiden Linien auf der rechten Seite lassen sich eindeutig rekonstruieren und die komplette Zeichnung zeigt ein Labyrinth:

Das vollständige Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 4

Das vollständige Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 4

Hier eine Grafik in geometrisch korrekter Weise:

Das Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 4

Das Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 4

Der Vergleich der unterschiedlichen Labyrinthe aus Abb. 5 und Abb. 4 zeigt innerhalb des Dreiecks in den geometrisch korrekt konstruierten Darstellungen ein identisches Muster. Und dieses wiederum ist identisch mit einem schon bekanntem Grundmuster, nämlich dem des Indischen Labyrinths (auch Chakra Vyuha genannt). Lesen Sie mehr darüber im unten stehenden Verwandten Artikel über das Indische Labyrinth.

Das Grundmuster für das Indische Labyrinth

Das Grundmuster für das Indische Labyrinth

Nur die Verbindung der Punkte und Linien für das Durchgangslabyrinth nach Abb. 5 erfolgt etwas anders. Beim Indischen Labyrinth (und bei dem nach Abb. 4) beginnt man im Dreiecksmuster oben und macht den ersten Bogen zum nächsten unterhalb rechts befindlichen Linienende. Und dann verbindet man alle weiteren Linienenden und Punkte wie beim klassischen Labyrinth gewohnt jeweils parallel zum ersten Bogen. Beim Durchgangslabyrinth nach Abb. 4 beginnt man ebenfalls oben, zieht den ersten Bogen jedoch bis zum zweiten Linienende. Der Rest wird wieder wie gewohnt konstruiert.

Das Indische Labyrinth gibt es noch in weiteren Varianten. Hier ein Exemplar aus Hermann Kerns Buch:

Das Indische Labyrinth

Das Indische Labyrinth, Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe (1982), Abb. 602, S. 422

Das Indische Labyrinth ist schon sehr alt, der Ursprung ist schwierig zu beweisen. Wer das Grundmuster dafür entdeckt hat, entzieht sich meiner Kenntnis, dürfte vermutlich erst in neuerer Zeit erfolgt sein.

Nach meiner Überzeugung darf man die Babylonischen Labyrinthe als echte Labyrinthe betrachten, selbst wenn die meisten davon Durchgangslabyrinthe sind. Sie folgen einer anderen Vorstellung als unser gewohnter westlicher Begriff von einem einzigen Weg, der in die Mitte führt. Trotzdem können wir sie zu den eigentlichen Labyrinthen zählen, wie wir ja auch das baltische Rad und den Wunderkreis von Kaufbeuren, sowie viele zeitgenössische Kreationen dazuzählen.

Inzwischen habe ich ungefähr 50 unterschiedliche Durchgangs- und Eingeweidelabyrinthe aus babylonischer Zeit finden können. Ob ein gegenseitiger Einfluss der unterschiedlichen Kulturkreise vorhanden war, ist ungewiss und welches nun das älteste historisch nachweisbare Labyrinth ist, ist noch nicht endgültig bewiesen.

Ein weiteres Exemplar eines Wahrsagelabyrinthes aus Mesopotamien aus der Zeit um 1800 v. Chr. könnte aber dem Täfelchen aus Pylos von 1200 v. Chr. den Rang ablaufen. Auf der Website von Jeff Saward habe ich ein Foto davon gefunden (siehe auch Links unten). Hier als Zeichnung:

Mesopotamisches Wahrsagelabyrinth aus der Zeit um 1800 v. Chr.

Mesopotamisches Wahrsagelabyrinth aus der Zeit um 1800 v. Chr.

Mit dem Kretischen Labyrinth ist es sicher nicht direkt vergleichbar, ein näherer Blick darauf lohnt sich jedoch und zeigt die nahe Verwandtschaft zur Labyrinthfigur.

Nachfolgend eine Grafik mit der Darstellung der Begrenzungslinien und dem normalerweise verborgenem Weg (Ariadnefaden in Rot) in einer geometrisch korrekten Darstellung:

Das Mesopotamische Wahrsagelabyrinth von 1800 v. Chr.

Das Mesopotamische Wahrsagelabyrinth von 1800 v. Chr.

Es sieht natürlich anders aus als wir vielleicht erwartet hätten. Es hat aber nur einen Eingang und ein Ende in der Mitte. Die Mitte ist zwar unten, aber hier endet auch der Weg. Der Weg windet sich zuerst spiralförmig in Serpentinen nach oben und mit einem Mäander dreht er sich wieder nach unten.

Der Weg ist eindeutig, füllt den ganzen Raum aus, hat keine Abzweigungen und Sackgassen, muss ganz durchlaufen werden und führt zu einem Ziel – und zum Ausgang zurück. Selbst wenn die Linien unten in der Mitte offen wären, würde sich an der Diagnose „Labyrinth“ nichts ändern.

… Fortsetzung folgt

Viele Informationen zu den Babylonischen Tontäfelchen finden sich in einem ausgezeichnetem Artikel von Richard Myers Shelton in Jeff Sawards Caerdroia 42 (März 2014).

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Dieses Labyrinth hat als Grundmuster ein Dreieck. Es ist ebenso leicht und einfach zu konstruieren wie das klassische Labyrinth. Von wem es erfunden wurde, wissen wir nicht. Und ob sein Ursprung im indischen Kulturraum liegt, wissen wir auch nicht. Oft wird es als Chakra Vyuha bezeichnet, eine strategische Schlachtformation, die im hinduistischen Mahabharata eine Rolle spielt.

Es hat nur zwei Wendepunkte und eine Mitte, die sich spiralförmig zuzieht (aber keine echte Spirale ist). Variationen sind sehr leicht möglich. Man muß dann nur einige Winkel im Grunddreieck hinzufügen. Oder die Mitte etwas anders gestalten, indem man sie z.B. größer macht.

Beginnen wir mit einer einfachen Ausführung, bei der die Seiten des Dreiecks in 4 gleiche Abschnitte unterteilt sind.

Das Grundmuster

Das Grundmuster

Wir fangen an der Spitze oben an und verbinden bogenförmig die Spitze mit dem rechts unterhalb liegendem freien Ende (1-1).

Die ersten Schritte

Die ersten Schritte

Dann verbinden wir der Reihe nach von links nach rechts jeweils bogenförmig um die vorher gezeichnete Linie herum die übrigen Linienenden und Punkte von 2 bis 6. Als Ergebnis erhalten wir ein Labyrinth mit zwei Wendepunkten und 5 Umgängen.

Das fertige Labyrinth

Das fertige Labyrinth

Die genauen Mittelpunkte und Radien lassen sich der nachfolgenden Zeichnung entnehmen. Das Labyrinth besteht also aus verschiedenen Kreisbögen mit unterschiedlichen Radien und unterschiedlichen Anfangs- und Endpunkten. Sie stoßen aber knickfrei aneinander an. Dadurch ergibt sich die harmonische Linienführung.

Die Konstruktionszeichnung

Die Konstruktionszeichnung

Dieses Labyrinth hat ein anderes „Feeling“ als das klassische 7-gängige Labyrinth. Das merkt man, wenn man es begeht. Sei es in echt oder mit dem Auge, z.B. hier am Bildschirm.
Aber typisch wie bei allen „echten“ Labyrinthen ist, dass man gleich am Anfang mitten hinein geht, dann Wendungen zurück und nach außen erfährt und überraschend plötzlich in der Mitte ankommt. Das drückt sich auch in der Wegfolge aus: 3 – 2 – 1 – 4 – 5 – 6.

Und hier die Konstruktionszeichnung als PDF-Datei zum anschauen, drucken, speichern, kopieren.

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