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Posts Tagged ‘Sektorenlabyrinth’

Bei den 7-gängigen Labyrinthen von Gossembrot in den letzten Beiträgen hat mich vor allem die Technik der Doppelbarrieren fasziniert. Dadurch sind ganz neue Typen an Labyrinthen möglich. Wahrscheinlich hat er die Doppelbarrieren nicht „erfunden“, aber er hat sie als erster konsequent und systematisch benutzt.

Wie sieht es nun aus, wenn man diese Technik bei 5-gängigen Labyrinthen anwendet?
Das habe ich probiert und bin dabei auf eine ganz neue Art von Sektorenlabyrinthen gestoßen.
In diesen wird bekanntlich ein Sektor nach dem anderen durchwandert, bevor die Mitte erreicht wird.
Bei den historischen römischen Labyrinthen unterscheidet man im wesentlich drei verschiedene Varianten: Den Mäander-Typ, den Spiral-Typ und den Serpentinen-Typ (siehe Verwandte Artikel unten).
Der Eintritt ins Labyrinth erfolgt meistens bis zum innersten Umgang. Und in allen vier Sektoren sind die Strukturen gleich.
Der Wechsel in den nächsten Sektor erfolgt entweder immer außen oder auch schon einmal innen entlang (oder abwechselnd).

Jetzt der neue Typ:

Das neue Sektorenlabyrinth im konzentischen Stil

Das neue Sektorenlabyrinth im konzentischen Stil

Was ist das besondere daran?
Schon der Eingang: Er erfolgt auf dem 3. Umgang. Das gibt es bei keinem historischen Sektorenlabyrinth. Und der Eintritt ins Zentrum erfolgt ebenso vom 3. Umgang aus.

Dann ist die Struktur, ausgedrückt durch den Wegverlauf, in jedem Quadranten unterschiedlich.

Quadrant I:   3-2-1-4-5
Quadrant II:  5-2-3-4-1
Quadrant III: 1-4-3-2-5
Quadrant IV: 5-4-1-2-3

Die Übergänge in den nächsten Sektor erfolgen immer wechselweise.

Das neue Labyrinth ist trotzdem sehr ausgewogen und spiegel-symmetrisch.

Hier in einer quadratischen Form:

Das neue Sektorenlabyrinth in quadratischer Form

Das neue Sektorenlabyrinth in quadratischer Form

So lässt es sich besser mit den bisher bekannten römischen Labyrinthen (siehe unten) vergleichen, die meistens quadratisch sind.

Der Unterschied zu diesen wird vor allem in der Diagrammdarstellung deutlich. Denn diese zeigt die innere Struktur, das Muster.

Das Diagramm für das neue Sektorenlabyrinth

Das Diagramm für das neue Sektorenlabyrinth

Schön zu sehen sind dabei die ineinander verschachtelten Mäander.

Aber auch im Knidos Stil macht sich dieser Typ gut:

Das neue Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Das neue Sektorenlabyrinth im Knidos Stil

Wie soll man diesen Typ nun nennen? Und wer baut eines als begehbares Labyrinth?

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Dieses Labyrinth gibt es seit 2014. In meinem persönlichen Blog hatte ich schon einmal über einen Besuch im Gesundheitsgarten geschrieben (siehe Weiterführender Link unten). In diesem Artikel soll es nun um das Labyrinth selbst gehen.

So sieht es im Grundriss aus:

Das römische Labyrinth

Das römische Labyrinth

Es handelt sich um ein römisches Labyrinth, bei dem der Weg in einfachen Serpentinen jeden der vier Sektoren durchläuft. Der Gesamtdurchmesser beträgt 15 m, die Mitte hat einen Durchmesser von 1.40 m. Die Wege sind 40 cm breit und mit Granitsteinen gepflastert. Sie werden voneinander durch einen 50 cm breiten Grünstreifen getrennt. Der Gesamtweg durch die 7 Umgänge und die 4 Sektoren in die Mitte beläuft sich auf etwa 182 m. Der Eingang zum Labyrinth liegt rechts neben der Hauptachse. Die Trennstreifen der einzelnen Quadranten liegen auf einem Kreuz.

Einige fotografische Impressionen:

Es gibt zwei Videos auf YouTube, hier das erste:

Und hier das zweite:

Inzwischen habe ich mir überlegt, was man „labyrinth-technisch“ hätte anders machen können. Denn so ganz gelungen scheint mir die Umsetzung der an sich guten und originellen Idee eines römischen Labyrinths im Zentrum des Gesundheitsgartens nicht zu sein.

Der letzte Wegabschnitt zur Mitte hin sollte bei einm Labyrinth immer auf der zentralen Hauptachse liegen. Wenn man die Mitte etwas größer macht, erhält man vor allem um die Mitte herum längere und gleichmäßigere Wegabschnitte. Will man das erreichen und den Gesamtdurchmesser von 15 m beibehalten, kann man die Wege und die Trennstreifen gleich breit machen, hier wären das 40 cm. Die Mitte würde dann einen Durchmesser von 3.20 m haben.
Mit gleichem Aufwand und am gleichem Ort hätte man meiner Meinung nach ein schöneres Labyrinth bauen können.

Hier der Entwurf dazu:

Entwurf

Entwurf

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Weiterführender Link

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An diesem besonderen und geschichtsträchtigen Ort gibt es nunmehr auch ein Labyrinth.

In der Kirche Mariä Schutz entstand bei der dreijährigen Renovierung und dem Umbau der gesamten Vogelsburg ein neues Labyrinth.
Die Anregung dazu kam von Pfarrer Bernhard Stühler, dem Krankenhausseelsorger des Juliusspitals. Architekt Stephan Tittl vom Büro SequenzSieben Würzburg hatte die Kirchengestaltung übertragen bekommen und lieferte den Entwurf. Bei der Einweihung und Übergabe des Projektes stellte sich heraus, dass Sr. Hedwig Mayer, Priorin der Augustinusschwestern auf der Vogelsburg, sich schon immer ein Labyrinth gewünscht hatte.

Das neue Labyrinth

Das neue Labyrinth

Es handelt sich um die Neuschöpfung eines Sektorenlabyrinths mit fünf Umgängen. In der Mitte befindet sich ein schalenförmiger Teilkreis zur Umlenkung der Gehrichtung. Die teilenden Balken bilden ein Kreuz und sind symmetrisch angeordnet.
Der Durchmesser beträgt 6 m, die Mitte 2 m. Die Wege sind 34 cm breit und werden durch ein 6 cm breites Messingband im Terrazzoboden begrenzt. Der Weg in die Mitte beläuft sich auf etwa 64 m.

Die Kirche wird über eine Außentreppe von Süden her betreten. Gleich linker Hand vom Eingang befindet sich das Labyrinth, das nach Westen und Osten ausgerichtet ist. In der Mitte angekommen, blickt man nach Osten in Richtung des Altars und verlässt es auch wieder in diese Richtung.

Der Oberpflegeamtsdirektor Walter Herbert der Juliusspitalstiftung sagte anläßlich der Einweihung des Altars im Mai 2016 zur Gestaltung des Kirchenraumes :

Mit der gewählten Kirchengestaltung und mit dem Labyrinth im Boden möchten wir jedem Besucher der Vogelsburg die Möglichkeit anbieten, im Kirchenraum den Weg zur eigenen Mitte, die Besinnung auf das Wesentliche und die Möglichkeit zur Hinwendung zu Gott zu finden.

Die Segmente der 5 Umgänge

Die Segmente der 5 Umgänge

Nach dem Vorschlag von Andreas im letzten Artikel hier die Nummerierung der 20 Segmente für die 5 Umgänge im vierarmigen Labyrinth. Daraus lässt sich die Segmentfolge (Abschnittsfolge) für den Wegverlauf ableiten. Manchmal bilden mehrere Segmente einen zusammenhängenden Wegabschnitt, der über mehrere Quadranten führt. Diese Abschnitte lassen sich mit einer Klammer kennzeichnen. So sieht dann die Segmentfolge aus: 9-5-(1-2-3-4)-8-12-(16-15)-11-(7-6)-10-(14-13)-(17-18-19-20)-21. Ich schreibe die Folge etwas anders als Andreas und füge am Ende noch die Mitte hinzu. Als Besonderheit haben wir bei diesem Labyrinth zwei Abschnitte, die die volle Länge eines Umgangs umfassen.

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Endlich kam ich dazu, dieses außergewöhnliche Labyrinth aus Granitquadern im Fichtelgebirge zu besuchen.

Zu erreichen ist es über die Straße von Kleinschloppen nach Kirchenlamitz. Im Ortsteil Buchholz gibt es gegenüber der Gaststätte Waldschmiede einen Parkplatz und direkt dahinter liegt das Labyrinth.

Die Idee zur Anlage stammt von Willi Seiler aus Wunsiedel, einem ehemaligen Fachschullehrer an der Fachschule für Steinbearbeitung in Wunsiedel. Die Bauarbeiten wurden nach den Plänen von Architekt Peter Kuchenreuther aus Marktredwitz im Jahr 2009 durchgeführt.

Es handelt sich um ein römisches Sektorenlabyrinth mit einem Mäander in jedem Quadranten und hat 5 Umgänge. Es ist quadratisch angelegt und hat die Abmessungen 34 x 34 m. Die Mitte ist gut 6 m groß mit einem 5 m hohem Obelisken, in den Hermann Kerns bekannter Ausspruch: “ Im Labyrinth verliert man sich nicht. Im Labyrinth findet man sich. Im Labyrinth begegnet man nicht dem Minotaurus. Im Labyrinth begegnet man sich selbst.“ eingemeißelt ist.

Die Wege und die Blöcke sind etwa je 1.20 m breit. Die höheren Quader in der Mitte und außen herum sind etwa 1.20 m hoch, die kleineren so 60 – 80 cm. In jedem Quadranten gibt es ein kleines Schlupfloch zum Verlassen des immerhin 400 m langen Weges. In der Mitte befinden sich der Obelisk und einige hölzerne Bänke, sowie auf dem Boden noch einmal ein gepflastertes Labyrinth, bei dem der Weg in dunklen Steinen dargestellt ist, gleichsam ein Negativ des „großen“ Labyrinths.

Der Grundriss

Der Grundriss

Die Mitte hier noch einmal größer:

Die Mitte

Die Mitte

Hinter dem Labyrinth ist ein kleiner Hügel aufgeschüttet, von dem aus man alles noch einmal überschauen kann. Im Bereich der Anlage sind etliche Informationstafeln aufgestellt, die ausführliche Angaben zur Geologie, Fauna, Granitabbau im Fichtelgebirge u.ä. enthalten, wie auch zur Idee des Labyrinths.

 

Informationstafel

Informationstafel

 

Granitlabyrinth Epprechtstein

Granitlabyrinth Epprechtstein

 

Tankstelle für Geist und Seele

Tankstelle für Geist und Seele

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Wie schon vor drei Jahren 2011 konnte ich zu diesem Ereignis wieder einen Labyrinth-Entwurf beisteuern. Aus einer Liste von 9 verschiedenen Vorschlägen haben sich die Verantwortlichen für ein römisches Labyrinth vom Typ Dionysos entschieden. Es ist bekannt seit dem 2. Jhdt. n.Chr. und gehört somit zu den ältesten Labyrinth-Typen überhaupt.

Das römische Labyrinth Typ Dionysos

Das römische Labyrinth Typ Dionysos

Der vorhandene Platz erlaubt nur ein Labyrinth mit etwa 13 m Durchmesser. Für die Wege wurde 1 m Breite gewählt. Daher sind nur 5 Umgänge möglich, da auch die Mitte etwas größer ausfallen sollte. In der Konstruktionszeichnung sind die Details nachvollziehbar.

Als Gesamtlänge der Wegbegrenzung ergaben sich knapp 150 m. Wenn man nun für die Lichter einen Abstand von ca. 50 cm wählt, kommt man auf immerhin 300 Lichter, die man benötigt. Größer darf der Abstand nicht mehr sein, denn bei einer Wegbreite von 1 m müssen die Durchgänge klar erkennbar bleiben. Der Weg in die Mitte selbst liegt bei 117 m.

Die Entwurfszeichnung

Die Entwurfszeichnung

 Wie stecke ich am besten so ein Labyrinth ab?

Zuerst legt man den Mittelpunkt fest und dann die vertikale Hauptachse. Ich verwende dazu ein 3 mm dickes Stahlseil mit Markierungen aus Tesaband für die verschiedenen Radien, eingehängt mit einem Karabinerhaken an einem im Mittelpunkt eingeschlagenen ca. 1 cm dicken Eisenstab.

Dann zeichnet man mit Kreide den inneren und den äußeren Kreis und berücksichtigt am besten dabei schon die Eingänge. Anschließend trägt man, ausgehend von der unteren Markierung der vertikalen Achse am Außenkreis, die horizontalen Achsmarkierungen rechts und links, sowie die obere vertikale Achse an. Mit Hilfe der Sehnenlänge von 9.19 m für den 13 m Durchmesser-Kreis geht das am einfachsten.

Nun zeichnet man die geraden senkrechten und waagrechten Linien, die am inneren Kreis beginnen und am 2. Kreis von außen gesehen, aufhören. Dazu verwendet man am besten ein zweites Drahtseil oder auch eine Schnur. Jeweils 1 m parallel zu den vorigen Linien verläuft eine weitere Gerade vom Außenkreis bis zum 2. Kreis von innen gesehen. Die unteren senkrechten Linien für den Eingang ins Labyrinth und in das Zentrum verlaufen in parallelen Abständen von 50 cm, 1 m und 1.50 m zur vertikalen Hauptachse. Diese kürzeren Entfernungen trägt man mit einem Zollstock an, der halbwegs rechtwinklig zu den Hauptlinien gehalten werden muss.

Nun zeichnet man die vier innerhalb liegenden Kreisabschnitte, die abwechselnd an einer Geraden beginnen und 1 m vor der nächsten Geraden aufhören – und umgekehrt.

Wir waren vier Personen und haben knapp zwei Stunden gebraucht, um das Labyrinth  anzuzeichnen und die Lichtschalen zu verlegen.

Hier die Entwurfszeichnung als PDF-Datei zum anschauen, speichern, kopieren, drucken

Jetzt noch eine kleine Fotogalerie:

Wir hatten etwa 270 Leuchtschalen, allerdings mit unterschiedlicher Brenndauer. Das  Anzünden war heuer deutlich schwieriger als vor drei Jahren, wegen des Windes. Es hat gute zwei Stunden gedauert, obwohl wir einen Gasbrenner verwendeten. Und obwohl die Kinder mitgeholfen haben beim Anzünden.

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Schon verschiedene Male hatte ich hier im Blog vom und über das Schwanberglabyrinth geschrieben. Unter anderem auch, dass es kein „echtes“ römisches Labyrinth wäre. Das stimmt nicht, wie ich jetzt erkennen musste. Im Zuge der Nachforschungen über das Wiesenbronner Labyrinth auf dem Antependium in Hermann Kerns Buch Labyrinthe und auf der Website von Andreas Frei habe ich das richtige „Vorbild“ für diesen Typ gefunden.

Hier als erstes noch einmal die ursprünglichen Entwürfe für das Schwanberglabyrinth.

Der 1. Entwurf vom Jan. 1995

Der 1. Entwurf vom Jan. 1995

Der endgültige Entwurf vom März 1995

Der endgültige Entwurf vom März 1995

Das römische Labyrinth, das als erstes mit dem Mäander konstruiert wurde, stammt aus der Zeit um 250 n.Chr. und ist erhalten in einem Mosaiklabyrinth in Avenches (Aventicum) in der Schweiz auf. Es ist ein rundes Labyrinth und gehört zum >Winde-Vielmustermosaik<. (Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, S. 120)
Mosaiklabyrinth Avenches

Mosaiklabyrinth Avenches (Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 119)

Man erkennt unten links den Eingang, dann geht es gegen den Uhrzeigersinn herum von einem Sektor zum anderen. Die weißen Steine bilden den Weg.

Hier ist eine Schemazeichnung, allerdings in gespiegelter Form:

Die Schemazeichnung

Die Schemazeichnung

Die Sektoren werden nun im Uhrzeigersinn durchgangen. Die für dieses Labyrinth typische Wegfolge lautet: A-5-2-3-4-1-5-2-3-4-1-5-2-3-4-1-5-2-3-4-1-Z.

Wir haben ein römisches oder Sektorenlabyrinth vor uns, das in vier Mäandern zur Mitte führt. Da der historisch erste sichere Nachweis das Mosaiklabyrinth aus Avenches von 250 n.Chr. darstellt, schlägt Andreas Frei als Namen für diesen Typ Labyrinth Avenches (250) vor.

Vergleicht man damit nun den obigen endgültigen Entwurf von März 1995 für das Schwanberglabyrinth, stellt man fest, dass es einen Umgang mehr hat. Dieser führt gegen den Uhrzeigersinn einmal um das ganze Labyrinth herum.

Das reale Schwanberglabyrinth

Das reale Schwanberglabyrinth

Was vielleicht das Erkennen des Musters noch erschwert, ist die Tatsache, dass beim Schwanberglabyrinth die Wege zu sehen sind und nicht die Begrenzungen. Die fehlen völlig. Zudem ist die Wegführung mehr ausgerundet und die Übergänge von einem Sektor zum anderen schräg verlaufend. Das Labyrinth ist einfach ziemlich freihändig (besser: freifüßig) auf die Wiese übertragen worden.

Hier ein Blick auf eine geometrisch korrekte Zeichnung, aber mit gleichbleibender Wegbreite und ausgerundeten Richtungswechseln. Da lässt sich schon eher das Wegsystem erkennen.

Der Ariadnefaden

Der Ariadnefaden

Ich kann mir vorstellen, dass man durch eine intensive Beschäftigung mit dem Labyrinth quasi von selbst auf die Idee mit den verschlungenen Mäandern kommen kann und die Erbauerinnen und Erbauer das Schwanberglabyrinths diesen Typ entwickelt haben, ohne eine Vorlage gesehen zu haben.

Im Schwanberglabyrinth steckt trotzdem ein römisches Labyrinth.

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Während der „grünen“ Kirchenjahreszeit hängt in der Wiesenbronner Kirche ein Antependium (Altarbehang), auf das ein Sektorenlabyrinth gestickt ist.

Der Altar mit dem Antependium

Der Altar mit dem Antependium

Ich bin darauf gestoßen, als ich das Wiesenbronner Weinlabyrinth besucht habe. Es ist eine ungewöhnliche Darstellung und ich habe versucht, mehr darüber herauszubekommen.

Das Sektorenlabyrinth auf dem Antependium

Das Sektorenlabyrinth auf dem Antependium

Es wurde wohl zwischen 1960 und 1970 unter Pfarrer Horst Beyer angeschafft. Hergestellt wurde es in der Paramentenwerkstatt der Evangelisch-Lutherischen Diakonissenanstalt Neuendettelsau, wie ein Etikett auf der Rückseite aussagt.

Etikett auf der Rückseite

Etikett auf der Rückseite

Pfarrer Horst Beyer war bis zu seinem Tod im Jahre 1986 in Wiesenbronn tätig. Dort ist er auch auf dem Friedhof beerdigt und auf seinem Grabstein findet sich ein weiteres Zeichen seiner Wertschätzung für das Labyrinth. Auf der Rückseite ist nämlich der Ariadnefaden des auf drei Umgänge reduzierten Labyrinths eingemeißelt.

Der Grabstein

Der Grabstein

Der Ariadnefaden

Der Ariadnefaden

Welcher Labyrinth Typ ist das?

Die äußere oder geometrische Form ist für die Klassifizierung unerheblich. Ein Labyrinth kann also rund, rechteckig, oktogonal oder polygonal sein, kann rechts- oder linksläufig sein. Entscheidend ist die Wegfolge.
Das Labyrinth auf dem Antependium ist ein Sektorenlabyrinth mit 5 Umgängen. Dabei werden die Sektoren der Reihe nach vollständig absolviert. Hier verläuft der Weg abwechselnd serpentinenförmig von innen nach außen (1. und 3. Sektor) und dann von außen nach innen (2. und 4. Sektor).
In der Wegfolge drückt sich das so aus: Anfang-5-4-3-2-1-2-3-4-5-4-3-2-1-2-3-4-5-Zentrum. Das ist demnach eine ganz andere Linienführung oder ein ganz anderer Rhythmus als beim klassischen oder beim Chartres Labyrinth.

Die Schemazeichnung

Die Schemazeichnung

Wo kommt dieser Typ her?

Andreas Frei aus der Schweiz hat sich auf seiner Website über das Muster im Labyrinth sehr ausführlich mit den historischen Labyrinthen und ihrer Klassifizierung befaßt. Dabei schlägt er auch eigene  Namen für die verschiedenen Labyrinth-Typen vor. Demnach müsste „unser“ Labyrinth als Typ Filarete (1465) bezeichnet werden. Weil es erstmals als Zeichnung in einem Buch des Florentiner Architekten Antonio Averlino (Filarete genannt) über die Architektur (Tratto di Architectura) 1465 aufgetaucht ist. Darin wird ein quadratisches Labyrinth aus Wassergräben um eine 16 Stockwerke hohe Stufenpyramide als Kastell für den Hafen Plusiabolis abgebildet.

Kastell für den Hafen Plusiapolis

Kastell für den Hafen Plusiapolis (Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 343)

Wo gibt es diesen Typ noch?

Gleich acht achteckige Fußbodenlabyrinthe gibt es im Palazzo del Te im Sala di Psiche (vollendet 1530), einem Lustschloss des Grafen Federigo II. Gonzaga vor den Toren Mantuas. Der Entwurf stammt wohl ursprünglich von Giulio Romano, auch wenn Paolo Pozzo 1784 die Fußböden restauriert hat. (Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, S. 281)

Palazzo del Te, Sala di Psiche

Palazzo del Te, Sala di Psiche (Quelle: Por Laberintos, Ramon Espelt S. 26, Barcelona 2010)

Ein Deckenlabyrinth mit gleicher Linienführung findet sich in der Sala del Labirinto im Palazzo Ducale in Mantua . Der Saal wurde 1601 vom Architekten Antonio Maria Viani für Herzog Vinzenzo IV. Gonzaga umgebaut. (Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, S. 284)

Palazzo Ducale, Sala del Labirinto

Palazzo Ducale, Sala del Labirinto (Quelle: Por Laberintos, Ramon Espelt S. 26, Barcelona 2010)

Wasserlabyrinth

Wie kam dieser Labyrinth Typ auf das Antependium?

Bei meinem Nachforschungen bin ich bei Hermann Kern noch auf eine Abbildung gestoßen, die als Vorlage gedient haben könnte. Embleme und Impresen kamen im 16. Jahrhundert in Mode und sind in zahlreichen Emblembüchern abgebildet. Auch das Labyrinth war dabei in den verschiedensten Ausführungen als Sinnbild beliebt.
Ein Labyrinth mit der Devise >Fata viam invenient< (Schicksale werden den Weg finden) gibt es als Relief-Emblem an der Decke einer Loggia des Schlosses Dampierre-sur-Boutonne (1545-1550) in Frankreich. (Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, S. 287)
Pfr. Beyer kannte sicher nicht das Buch von Hermann Kern, das ja erstmals 1982 erschienen ist. Aber vielleicht hatte er Zugang zu einem Emblembuch mit der Abbildung?

Relief-Emblem

Relief-Emblem (Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 360)

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