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Posts Tagged ‘Rad in der Eilenriede’

In meinem letzten Beitrag hatte ich eine Methode vorgestellt, den Wunderkreis zu zeichnen. Dabei ging es immer um die Begrenzungslinien. Jedoch lässt sich auch der Pfad (Ariadnefaden) im Labyrinth mit dieser dann leicht abgeänderten Methode zeichnen.

Und natürlich lassen sich zahlreiche Varianten mit unterschiedlich vielen Umgängen für die Doppelspirale und die labyrinthischen Windungen erzeugen.

Eckiger Wunderkreis

Eckiger Wunderkreis

Hier noch einmal in Kurzfassung die Methode:

  • Ich beginne in der Mitte
  • Bogen nach oben von links nach rechts, Sprung nach links, Bogen nach unten
  • Pfad: Bogen nach unten, anschließend Bogen nach oben (geschlossene Linie, wie ein liegendes „S“)
  • Sprung nach links, Bogen nach oben um das Ganze
  • Beliebig oft wiederholen (rechts müssen immer zwei freie Enden sein, die nach unten zeigen)
  • Dann um das Ganze, von links beginnend, eine ungerade Anzahl an Bögen ziehen (mindestens 3, bis beliebig viele)
  • Pfad: Die beiden innersten Linien nach unten verlängern (evtl. verbinden)
  • Die übrigen, freien Linienenden auf jeder Seite jeweils in Schleifen verbinden
  • Bei den Begrenzungslinien: Die beiden Linien auf jeder Seite innerhalb der innersten Schleife verlängern

Sorry, das war jetzt doch etwas länger. Einfacher ist es vielleicht, den Text zusammen mit den Zeichnungen nachzuvollziehen.  Die unterschiedlichen Farben helfen dabei. Also, am besten selber probieren.

Die Labyrinthe werden gespiegelt, wenn man den Bogen am Anfang in die andere Richtung zeichnet.

Die Darstellung des Pfades erkennt man daran, dass es nur zwei, evtl. nur ein Linienende gibt (wie bei anderen Typen auch). Sieht man vier freie Linienenden, sind die Begrenzungslinien dargestellt. Die Linien schneiden sich jedoch beim Wunderkreis nicht, wie wir das vom klassischen Labyrinth kennen.

Als Beispiele für die vereinfachte Darstellung der jeweiligen Linienführungen habe ich bekannte Wunderkreise gewählt.
Im nachfolgenden Artikel sind sie alle zu finden. Ebenso noch einmal die Schritt- für Schritt-Anleitung.

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oder, frei nach Herbert Grönemeyer:

Wann ist ein Labyrinth ein Labyrinth?

Die Recherchen bei Wikipedia zum Labyrinth haben mich einmal mehr angeregt, mich selbst an einer Definition des Labyrinths zu versuchen. Das ist mein Vorschlag:

Das Labyrinth ist ein (auf den ersten Blick) verwirrendes, jedoch eindeutiges, zielgerichtetes, kunst- und sinnvolles Liniensystem. Das Labyrinth im engeren und eigentlichen Sinn ist (in der Regel) unverzweigt und führt auf verschlungenen Wegen zum Ziel, meistens in die Mitte. Das Labyrinth im weiteren Sinn hat ein verzweigtes Liniensystem mit mehreren Wahlmöglichkeiten, Sackgassen und Schleifen und wird (vor allem im deutschen Sprachraum) als Irrgarten bezeichnet. Das Labyrinth im übertragenen Sinn bezeichnet einen verworrenen (komplizierten) und meistens schwierigen Sachverhalt.

Klassisches 7-gängiges Labyrinth mit größerer Mitte

Knidos Labyrinth

Der Ariadnefaden (Weg) im klassischen 7-gängigen Labyrinth

Ariadnefaden

Heckenirrgarten Schönbusch

Irrgarten

Klassisches 3-gängiges Labyrinth

Einfaches Labyrinth

Klassisches Labyrinth mit 4 Umgängen und zusätzlichem Weg

Typ Baltisches Rad

Typ Gossembrot

Typ Gossembrot

Schwanberg Labyrinth (Sektorenlabyrinth)

Typ Schwanberg

Kalligrafie Labyrinth von Ingeborg E. Müller

Kalligrafie Labyrinth

Crossing Labyrinth von Alana Forest

Crossing Labyrinth

Das ist wahrscheinlich viel zu lang, klingt zu kompliziert und wirkt daher selbst schon labyrinthisch. Vielleicht genügt auch nur der erste Satz, denn er schließt den Irrgarten nicht aus und läßt die Ausnahmen zu.

Ein Labyrinth ist nicht immer unverzweigt und gänzlich ohne jede Wahlmöglichkeit. Der Typ baltisches Rad (zum Beispiel das Rad in der Eilenriede) wäre sonst kein Labyrinth, ist es nach Meinung vieler Fachleute aber doch. Das Ziel ist auch nicht immer die Mitte, schon gar nicht die geometrische Mitte oder das Zentrum. Der Wunderkreis von Kaufbeuren mit einer Verzweigung und ohne eigentliche Mitte ist eher ein Durchgangslabyrinth, daher für Festzüge bestens geeignet.

Auch der Richtungswechsel in der Bewegung gehört nicht unbedingt zum Labyrinth, denn sonst wäre ein dreigängiges Labyrinth oder manche moderne Form kein Labyrinth. Man kann sogar Kreuzungen akzeptieren, wie in den Crossing Labyrinths von Alana Forest aus Australien, denn die Wegführung ist eindeutig. Man darf weder rechts noch links abbiegen, sondern immer nur geradeaus gehen.

Labyrinth und Irrgarten haben vieles gemeinsam und sind miteinander verwandt. Ein Irrgarten ist auch ein Labyrinth (wenn auch im weiteren Sinn), aber ein Labyrinth (im eigentlichen Sinn) ist kein Irrgarten. Denn man kann sich darin nicht verirren. Aber es kann (auf den ersten Blick) verwirrend und irritierend sein.
Ich glaube, die Verwirrung kommt auch daher, dass beim Labyrinth im strengen Sinn immer von einem kreuzungs- und verzweigungsfreien Weg die Rede ist und dann das Labyrinth in seinen Begrenzungslinien gezeigt wird. Dabei beziehen sich diese Angaben auf den Weg, den Ariadnefaden, der zwischen den Begrenzungslinien liegt und bei dieser Darstellungsform nicht sichtbar ist. Das ging mir am Anfang meiner Bekanntschaft mit dem Labyrinth genauso. Erst der zweite und genauere Blick macht einem die richtigen Zusammenhänge klar.

Es ist ja das Faszinierende am Labyrinth, dass es ein uraltes, archaisches Menschheitssymbol ist, das in verschiedenen Kulturen, Religionen und Zeitepochen anzutreffen ist und das für viele Deutungen und Annäherungen offen ist. Darum ist es auch für unsere jetzige Zeit und Welt als universales Symbol geeignet. Doch sollte niemand für sich die Deutungshoheit beanspruchen.

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Der Typ Baltisches Rad ist eine ganz eigene Form eines Labyrinths, für manche strenge Labyrinthologen gar keines. Denn es hat oft eine Verzweigung und einen zweiten, wenn auch kurzen Weg aus oder zur Mitte. Und oft auch noch einen Weg außenherum, von dem aus man wieder in verschiedene Richtungen gehen kann.

Das beste historische Beispiel ist das Rad in der Eilenriede in Hannover. Und das nächste der Wunderkreis von Kaufbeuren. Weitere haben nicht überlebt und sind nur aus der Literatur bekannt.

Es besteht vom Design her eine Verwandtschaft mit dem Indischen Labyrinth (Chakra Vyuha), denn es beruht wie dieses auf dem Dreieck als Grundmuster.

Ein Baltisches Rad

Ein Baltisches Rad

Hier soll nun eine Art Prototyp mit einem Achsmaß von 1 m vorgestellt werden, das so gedreht ist, dass die zentrale Achse durch die Mitte der Aufweitung im inneren Teil verläuft. Die acht eigentlichen Umgänge sind umgeben von einem Außenkreis und eingebettet in einen Kreis mit insgesamt 22 m Gesamtdurchmesser.

Das Ganze ist skalierbar, das heißt die Größen können proportional verändert werden durch Multiplikation mit einem Faktor. Alles z. B. mit 0.5 multipliziert ergibt ein Labyrinth mit 11 m Durchmesser und 0.5 m Achsmaß und halben Radien.

Am besten fängt man in der Mitte an und legt als erstes die Hauptachse mit den Punkten M1 und AX1 fest. Von diesen ausgehend werden durch Einschneiden von zwei verschiedenen (schon festgelegten) Punkten die übrigen Mittelpunkte M2 bis M4 abgesteckt. M5 liegt rechtwinklig zum Zentrum M1.

Die Hauptpunkte

Die Hauptpunkte

Die Achsen der einzelnen Wegbegrenzungslinien werden dann in ihrem jeweiligen Geltungsbereich abgesteckt, ausgehend von den verschiedenen  Kreismittelpunkten. Die unterschiedlichen Kreisbögen folgen einander knickfrei, da sie an der gemeinsamen Tangente senkrecht zum Mittelpunkt aufeinander stoßen. Das klingt komplizierter als es ist.

Konstruktionszeichnung

Konstruktionszeichnung

Hier sind in einer Konstruktionszeichnung alle Maßangaben zusammengefasst.

Wer möchte, kann sich diese als PDF-Datei anschauen, kopieren oder drucken.

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