Wie konstruiere ich ein Labyrinth vom Typ Gossembrot (51 r, dual im Knidos-Stil)?

Dieser Labyrinthtyp wurde hier schon ausführlich beschrieben und gewürdigt. Trotzdem möchte ich heute noch einmal darauf zurückkommen.
Der fünfzackige Stern (das Pentagramm) in der Mitte hat es mir besonders angetan. Dieser taucht in vielen Nationalflaggen auf, so auch in der Europaflagge. Darum wäre dieser Labyrinthtyp  gut für ein „Europäisches Labyrinth“ geeignet. Und auch der Augsburger Humanist Sigismund Gossembrot der Ältere wäre ein guter „Pate“ für so ein Labyrinth.

Das Gossembrot Labyrinth in den europäischen Farben

Das Gossembrot Labyrinth in den europäischen Farben

Hier mit gleichbreiten Begrenzungs- und Weglinien. Das wäre z.B. als Vorlage für ein Fingerlabyrinth gut geeignet:

Das Gossembrot Fingerlabyrinth in den europäischen Farben

Das Gossembrot Fingerlabyrinth in den europäischen Farben

Es wäre schön, wenn dieser Typ Labyrinth einmal als begehbares und öffentliches Labyrinth gebaut werden würde.
Um das zu erleichtern, stelle ich in der nachfolgenden Zeichnung eine Art Prototyp vor. Das Achsmaß beträgt dabei 1 m. Dadurch ist es sehr leicht in verschiedene Größen umzurechnen. Da die Linienachsen angegeben sind, lassen sich unterschiedliche Linien- und Wegbreiten umsetzen. Der Durchmesser der Mitte beträgt hier das vierfache des Achsmaßes, also 4 m.
Wie das Umrechnen mit einem Skalierungsfaktor geht, wurde in diesem Blog schon in verschiedenen Beiträgen erläutert, zuletzt beim Labyrinthkalkulator.

Die Konstruktionszeichnung

Die Konstruktionszeichnung

Und hier gibt es die Zeichnung als PDF-Datei zum anschauen, drucken oder herunterladen.

Die Nutzungsrechte sind die gleichen wie für den Labyrinthkalkulator.

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Das duale Labyrinth Typ Gossembrot 51 r

Andreas hat im November 2019 in seinem Beitrag die Verwandten des Typs Gossembrot 51 r vorgestellt.

Das Labyrinth Typ Gossembrot 51 r zentriert und in konzentrischer Form

Das Labyrinth Typ Gossembrot 51 r zentriert und in konzentrischer Form

Heute möchte ich die duale Version näher beleuchten.
Diese gefällt mir besonders gut. Und zwar weil der äußerste Umgang (1) ganz um alle Sektoren herumführt. Im Original umrundet der innerste (7) ganz das Zentrum.
Und weil es sich zentrieren lässt. Der Eingang erfolgt auf dem 3. Umgang und in die Mitte geht es vom 5. Umgang aus. Dadurch entsteht auch ein kleines leeres Herzstück.

Der Rhythmus gefällt mir ebenfalls gut und erinnert an den des Chartres Labyrinths. Es geht zügig zur Mitte hin und dann folgt die lange Wanderung in allen Sektoren. Ziemlich am Ende kommt man wieder ganz nah zum Eingang, umrundet das ganze Labyrinth und wird dann zügig ins Zentrum geführt.

In der Handschrift Gossembrots ist ein umgekehrtes Pentagramm in der Mitte eingezeichnet. Das habe ich versucht, voll zu integrieren. Der Stern steht dabei auf der Spitze. Er ist in Richtung der 5 Achsen ausgerichtet. Gossembrot hat um 1480 das Labyrinth entworfen. Also hat diese Anordnung überhaupt keinen satanischen Charakter. Denn diese Vorstellungen gibt es erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

Ich empfehle ausdrücklich den ausgezeichneten Artikel bei Wikipedia (Link siehe unten) über die Geometrie und die Bedeutung des Pentagramms.

Das duale und zentrierte Labyrinth Typ Gossembrot 51 r im Knidos Stil

Das duale und zentrierte Labyrinth Typ Gossembrot 51 r im Knidos Stil

Die fünf Achsen verführen natürlich auch dazu, einmal einen fünfeckigen Grundriss (Pentagon) zu wählen. Durch die gleichen Breiten für die Linien (in Schwarz) und die Wege (in Weiß) und die eckigen Kanten bekommt es auch eine räumliche Wirkung.

Das duale zentrierte Labyrinth Typ Gossembrot 51 r in fünfeckiger Form

Das duale zentrierte Labyrinth Typ Gossembrot 51 r in fünfeckiger Form

Hier der Ariadnefaden in fünfeckiger Form:

Der Ariadnefaden im dualen zentrierten Labyrinth Typ Gossembrot 51 r in fünfeckiger Form

Der Ariadnefaden im dualen zentrierten Labyrinth Typ Gossembrot 51 r in fünfeckiger Form

Dabei ist die Wirkung auch räumlich, aber es scheint eher in die Tiefe zu gehen.

Wer traut sich, einmal ein solches Labyrinth als begehbares Labyrinth zu bauen?
Meines Wissens gibt es bis jetzt weltweit kein einziges Exemplar. Es sieht neu und modern aus, sein Ursprung liegt aber über 500 Jahre zurück.
Der Stern in der Mitte hingegen könnte auch wegbleiben oder nur leicht angedeutet werden. Er ist kein Element im Typus, sondern zählt zum Stil, so ähnlich wie die sechs „Blütenblätter“ im Chartres Labyrinth.
Eine leere Mitte ist immer einladend und offen für die unterschiedlichsten Anwendungen.

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