Querende Labyrinthe

Die meisten bekannten Labyrinthe sind alternierende Labyrinthe. Bei diesen quert der Weg die Hauptachse nicht. Jedesmal, wenn er am Ende eines Umgangs ankommt, wendet er und wechselt auf einen anderen Umgang. 

Es gibt aber wenige Labyrinthe, bei denen der Weg die Hauptachse quert. Das heisst, er ändert nicht die Richtung, sondern wechselt nur auf einen anderen Umgang und verläuft dabei ein Stück entlang der Achse. Ich habe sie bisher einfach „nicht-alternierende“ Labyrinthe genannt, weil „alternierend“ die Regel ist. Will man die Eigenschaft nicht negativ („nicht-alternierend“) bezeichnen, so kann man dafür auch Ausdrücke wie „traversierend“, „kreuzend“ oder „querend“ verwenden. Ich will diese Labyrinthe ab nun „querende Labyrinthe“ nennen. 

Ob ein Labyrinth alternierend oder querend ist, bezieht sich nur auf die Hauptachse. Das ist die Achse, an der der Eingang ins Labyrinth und auch der Zugang zum Zentrum liegt. Bei einachsigen Labyrinthen gibt es nur die Hauptachse. Bei mehrachsigen Labyrinthen kommen noch die Nebenachsen dazu. Die Nebenachsen muss der Weg immer queren. Nebenachsen können nicht gebildet werden, ohne dass der Weg die Achse quert.

Von den 87 Labyrinth Typen in meinem Katalog der historischen Labyrinthe (siehe: Weitere Links, unten) sind 10 querend, die anderen alternierend. Die drei einachsigen querenden Labyrinthe will ich hier nochmals zeigen. Alle drei wurden auf unserem Blog schon vorgestellt. 

Das bemerkenswerteste querende Labyrinth ist das Labyrinth vom Typ St. Gallen. 

Abbildung 1. Labyrinth von St. Gallen
Abbildung 1. Labyrinth von St. Gallen

Es wurde auf diesem Blog auch schon wiederholt mit dem 6-gängigen alternierenden Labyrinth mit der gleichen Umgangsfolge verwechselt, von dem kein historisches Exemplar bekannt ist (verwandte Beiträge 1 und 2).

Ein weiteres sehr schönes querendes Labyrinth ist das von Al Qazwini (verwandte Beiträge 3). 

Abbildung 2. Labyrinth von Al Qazwini
Abbildung 2. Labyrinth von Al Qazwini

Das dritte einachsige querende Labyrinth ist Folio 53r von Sigmund Gossembrot (verwandte Beiträge 4).

Abbildung 3. Labyrinth Gossembrot Folio 53r
Abbildung 3. Labyrinth Gossembrot Folio 53r

Alle drei sind interessante querende Labyrinthe, bei denen der Weg nicht auf dem ersten Umgang ins Labyrinth eintritt oder vom letzten Umgang das Zentrum erreicht. Bei St. Gallen und Qazwini verläuft er auf der vollen Länge der Achse, bei Gossembrot 53r nur auf einem Teil (von Umgang 6 – Umgang 9) auf der Achse. 

Verwandte Beiträge:

  1. Wie mache ich aus einem Mäander ein Labyrinth?
  2. Listening to the Labyrinths
  3. Das Labyrinth von Al Qazwini
  4. Sigmund Gossembrot / 5

Weitere Links:

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