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Posts Tagged ‘Minotauros’

2017 wurde eine Gedenkprägung zu Ehren der minoischen Kultur  von der Prägestätte der Zentralbank von Griechenland herausgegeben.
Diese früheste Hochkultur Europas kann zeitlich etwa bis in die Jahre um 2600 v. Chr. eingeordnet werden. Die minoische Kultur hat ihren Namen in Anlehnung an den berühmten König Minos erhalten. Die Geschichte besagt, dass dieser mit der Hilfe des Gottes der Meere, Poseidon, und einem weißem Stier an die Herrschaft gekommen sei und somit zu Ruhm und Verehrung innerhalb seines Volkes kam.

Die 50-Euro-Goldmünze aus dem Jahr 2017 wurde in einer Auflage von 1500 Stück in echtem Gold (999,9/1000) und in der höchsten Sammlerqualität „Polierte Platte“ geprägt.

Hier die Wertseite:

Wertseite: Hellenische Demokratie 50 Euro

Wertseite: Hellenische Demokratie 50 Euro

Und hier die Bildseite:

Bildseite: Minoische Zivilisation 2017

Bildseite: Minoische Zivilisation 2017

Zu sehen sind zwei ineinander verschachtelte Mäanderkreuze in einem großen Quadrat um 5 kleinere Quadrate herum.

Hier die Struktur in einer Schwarz-Weiß Nachzeichnung:

Nachzeichnung der Bildseite

Nachzeichnung der Bildseite

Die schwarzen Linien bilden zwei in sich geschlossene Liniensysteme ohne Anfang und ohne Ende. Die weißen Linien haben Abzweigungen und Sackgassen, ebenfalls ohne einen Zugang.
Das erinnert sehr an eine ähnlich Darstellung auf den Silbermünzen von Knossos, die weit über 2000 Jahre älter sind (siehe verwandte Artikel unten).

Soll die Darstellung wieder das Labyrinth des Minotauros symbolisieren?

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In der griechischen Mythologie ist das Labyrinth der Ort, an dem der Minotauros versteckt und gefangen gehalten wird. Es ist daher nicht unbedingt ein realer Ort.
Das Labyrinth, wie wir es heute kennen und schätzen, ist dafür höchst ungeeignet. Denn es hat einen Eingang, einen eindeutigen Weg und eine zugängliche Mitte.
So finden sich auf den Silbermünzen aus Knossos auch höchst unterschiedliche Interpretationen des Labyrinths. Es gibt Mäander und weitere symbolhafte Darstellungen.
Ein Motiv will ich heute herausgreifen und näher betrachten.

Ich habe zwei Exemplare mit demselben Motiv gefunden. Einmal auf einer Münze aus dem Münzkabinett von Berlin:

Minotauros 420-380 v. Chr.

Minotauros 420-380 v. Chr.: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Objekt 18218282 Vorderseite

Labyrinth 420-380 v .Chr.

Labyrinth 420-380 v. Chr.: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Objekt 18218282 Rückseite

Und einmal auf einer Münze aus dem Britischen Museum in London:

Quadratischer Flächenmäander 500-431 v. Chr.

Quadratischer Flächenmäander 500-431 v. Chr. / Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 43

Sie stellen beide das gleiche dar. Die „Berliner“ Münze scheint zwar exakter zu sein, enthält aber an zwei Stellen im oberen Bereich kleine Fehler. Zwei senkrechte Linien stoßen aneinander, wo eigentlich eine Lücke sein müsste. Dieser Bereich ist auf der „Londoner“ Münze präziser dargestellt, obwohl die Linien insgesamt schwerer zu erkennen sind.

Ich habe eine „Reinzeichnung“ angefertigt, die erkennen lässt, was der Präger dieser Münzen wohl zeigen wollte. Man erkennt Linien, die einem bestimmten Schema folgen. Sie sind symmetrisch, wiederholen sich und zeigen ein verschlungenes „Wegsystem“. Der eingezeichnete rote Faden lässt das erkennen.
Es gibt vier ineinander verschachtelte Wege ohne Anfang und Ende, aber auch ohne Eingang. Das ist zwar nicht „unser“ Labyrinth aber als Gefängnis besser geeignet. Da käme der Minotauros nicht so schnell heraus.

Der überarbeitete Flächenmäander

Der überarbeitete Flächenmäander

Das könnte schon eine Andeutung sein vom römischen Sektorenlabyrinth einige hundert Jahre später.

Aber es zeigt auch eine gewisse Verwandtschaft zum Babylonischen Labyrinth, hunderte Jahre älter und in einem anderen Kulturkreis entstanden (siehe dazu die labyrinthischen Fingerübungen im Artikel über das Babylonische Labyrinth).

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