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Posts Tagged ‘Knossos’

In der griechischen Mythologie ist das Labyrinth der Ort, an dem der Minotauros versteckt und gefangen gehalten wird. Es ist daher nicht unbedingt ein realer Ort.
Das Labyrinth, wie wir es heute kennen und schätzen, ist dafür höchst ungeeignet. Denn es hat einen Eingang, einen eindeutigen Weg und eine zugängliche Mitte.
So finden sich auf den Silbermünzen aus Knossos auch höchst unterschiedliche Interpretationen des Labyrinths. Es gibt Mäander und weitere symbolhafte Darstellungen.
Ein Motiv will ich heute herausgreifen und näher betrachten.

Ich habe zwei Exemplare mit demselben Motiv gefunden. Einmal auf einer Münze aus dem Münzkabinett von Berlin:

Minotauros 420-380 v. Chr.

Minotauros 420-380 v. Chr.: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Objekt 18218282 Vorderseite

Labyrinth 420-380 v .Chr.

Labyrinth 420-380 v. Chr.: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Objekt 18218282 Rückseite

Und einmal auf einer Münze aus dem Britischen Museum in London:

Quadratischer Flächenmäander 500-431 v. Chr.

Quadratischer Flächenmäander 500-431 v. Chr. / Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 43

Sie stellen beide das gleiche dar. Die „Berliner“ Münze scheint zwar exakter zu sein, enthält aber an zwei Stellen im oberen Bereich kleine Fehler. Zwei senkrechte Linien stoßen aneinander, wo eigentlich eine Lücke sein müsste. Dieser Bereich ist auf der „Londoner“ Münze präziser dargestellt, obwohl die Linien insgesamt schwerer zu erkennen sind.

Ich habe eine „Reinzeichnung“ angefertigt, die erkennen lässt, was der Präger dieser Münzen wohl zeigen wollte. Man erkennt Linien, die einem bestimmten Schema folgen. Sie sind symmetrisch, wiederholen sich und zeigen ein verschlungenes „Wegsystem“. Der eingezeichnete rote Faden lässt das erkennen.
Es gibt vier ineinander verschachtelte Wege ohne Anfang und Ende, aber auch ohne Eingang. Das ist zwar nicht „unser“ Labyrinth aber als Gefängnis besser geeignet. Da käme der Minotauros nicht so schnell heraus.

Der überarbeitete Flächenmäander

Der überarbeitete Flächenmäander

Das könnte schon eine Andeutung sein vom römischen Sektorenlabyrinth einige hundert Jahre später.

Aber es zeigt auch eine gewisse Verwandtschaft zum Babylonischen Labyrinth, hunderte Jahre älter und in einem anderen Kulturkreis entstanden (siehe dazu die labyrinthischen Fingerübungen im Artikel über das Babylonische Labyrinth).

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Es ist immer wieder die Rede von den Silbermünzen von Knossos, wenn es um das Labyrinth geht. Zu finden sind sie in den großen Museen dieser Welt.

Eine davon habe ich letztes Jahr bei einm Ausflug nach Wien im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums anschauen und fotografieren können.

Kinsthistorisches Museum Wien

Kinsthistorisches Museum Wien

Im Buch „Labyrinthe“ von Hermann Kern sind 20 Münzen (Abb. 39 -58) aus dem Britischen Museum in London zu sehen.

Neuerdings gibt es einen digitalen Interaktiven Katalog des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, in dem man auf über 34000 Münzen zugreifen kann.

Mit dem Suchbegriff „Labyrinth Knossos“ habe ich 22 gefunden, die ich unter der folgenden Lizenz hier zeigen kann.

Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

 

Die Münzen umfassen einen Zeitraum von 425 v.Chr. bis 12 v.Chr.. Dargestellt ist meistens die Rückseite der Münze.

Zur Deutung der Darstellungen habe ich einige interessante Informationen in der Beschreibung finden können, die ich hier zitiere:

Die kretische Stadt Knossos ist seit der Antike eng mit der Sage von Minotauros verknüpft. Seine mythische Behausung, das Labyrinth, war eines der Wahrzeichen der Stadt. Die Darstellung des Labyrinths auf den knossischen Münzen geriet dabei aber äußerst unterschiedlich, da ein real nicht existierender Ort gezeigt werden musste. Das Labyrinth ist zwar immer in Aufsicht, aber mit unterschiedlichen Außenformen und Strukturierungen abgebildet. Nur in der Aufsicht kann das Labyrinth als solches erfasst werden.

Ich empfehle sehr den Besuch des digitalen Katalogs. Dort sind zahlreiche zusätzliche Angaben zu den Münzen zu finden. Insbesondere gibt es die Möglichkeit beide Seiten anzuschauen und noch weitere Informationen abzurufen.

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Die Sache mit der fehlerhaft gezeichneten Silbermünze im vorigen Artikel hat mir keine Ruhe gelassen und ich habe sie noch einmal genauer angeschaut:

Quadratisches Labyrinth mit fünf Umgängen und zahlreichen Zeichenfehlern 350-300 v. Chr.

Quadratisches Labyrinth mit fünf Umgängen und zahlreichen Zeichenfehlern 350-300 v. Chr. / Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 54 (gedreht)

Auffällig ist, dass die vier gewohnten Wendepunkte für das 7-gängige kretische Labyrinth zu sehen sind. Auch das zentrale Kreuz des Grundmusters ist zu erkennen, aber in vertiefter Form. Doch welche Linien sind die Begrenzungslinien und welche der Weg, der Ariadnefaden?
Ein bisschen getrickst wurde auch mit den Linienbreiten, denn die unteren beiden Wendepunkte liegen nicht auf gleicher Höhe.

Jedoch ist die Konstruktion nicht total sinnlos, sie zeigt sogar etwas sehr Interessantes. Hier eine grafische Darstellung:

Quadratische Labyrinthstruktur

Quadratische Labyrinthstruktur

Die Begrenzungslinien sind die schwarzen Linien. Der Weg ist der ausgesparte Bereich dazwischen.
Die vier Wendepunkte, der Anfangs- und der Endpunkt sind miteinander verbunden, ohne dass sie sich kreuzen wie das normalerweise der Fall sein müsste. Hier haben wir daher drei zusammenhängende Linien statt zwei. Hingegen kreuzt sich der Ariadnefaden, das darf eigentlich nicht sein. Auch gibt es keine richtige Mitte, dafür Verzweigungen. Jedoch ist es trotzdem möglich durch die Labyrinthstruktur zu gehen und dabei alle Wege abzuschreiten.

Probieren Sie es selbst:
In A anfangen, nach rechts gehen und ab dem Kreuzungspunkt X nach links abbiegen, auch beim Herausgehen. Dann landet man wieder am Anfangspunkt A und hat alle Wege durchquert.
Oder man geht in A erst nach oben und ab X immer nach rechts. Dann kommt man ebenso wieder nach Abschreiten aller Wege in A an.

Es ist also ein „Durchgangslabyrinth“ mit Verzweigungsmöglichkeit. Für ein Labyrinth im strengen Sinn ist das nicht zulässig, aber im baltischen Rad oder im Wunderkreis von Kaufbeuren kommt das später vor. Oder natürlich in den Irrgärten viele Jahrhunderte später.

Entweder hat ein Witzbold oder ein Auszubildender, der nicht so richtig im Zeichenunterricht aufgepasst hat, diese Münze geprägt?
Oder es ist hier schon etwas zu finden, was erst in der Labyrinthentwicklung Jahrhunderte später auftaucht?

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Einen dafür geeigneten Mäander habe ich in der Antikensammlung des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg in der Residenz auf diesem Äolischen Teller (H 5348) aus der Zeit um 575 v. Chr. gefunden:

Äolischer Teller um 575 v. Chr.

Äolischer Teller um 575 v. Chr.

In schematischer Form sieht er so aus:

Mäander mit der Umgangsfolge 0-5-2-3-4-1-6

Mäander mit der Umgangsfolge 0-5-2-3-4-1-6

Wir lesen von links nach rechts: 0 ist außen, 6 ergibt die Mitte und 1 bis 5 sind die Umgänge. Wir lesen die Umgangsfolge (Linienfolge, Wegfolge) ab: 0-5-2-3-4-1-6. Das ist die Reihenfolge, in der die Wege beschritten werden.
Anmerkungen zur Wegfolge:
Gerade und ungerade Ziffern wechseln sich ab.
Die erste Ziffer nach der 0 ist immer eine ungerade Zahl.

Diese Ziffernfolge setzen wir direkt um und konstruieren ein kreisrundes Labyrinth mit einer größeren Mitte:

Der Ariadnefaden mit der Wegfolge 0-5-2-3-4-1-6

Der Ariadnefaden mit der Wegfolge 0-5-2-3-4-1-6

Das Labyrinth hat 5 Umgänge. Der erste Schritt führt mich direkt ganz nah zur Mitte, in den 5. Umgang, dann pendle ich nach außen auf den 2. Umgang, nähere mich wieder der Mitte im 3. und 4. Umgang um dann ganz nach außen zum 1. Umgang zu schwenken und von dort schließlich in die Mitte.

Es sind alle Formprinzipen, die Hermann Kern (Labyrinthe, 1982, S. 14) für ein Labyrinth fordert, erfüllt.

Gibt es ein historisches Labyrinth mit dieser Linienführung?
So viel ich recherchieren konnte, scheint das nicht der Fall zu sein. (Einsprüche   willkommen).

Bei den in einem der vorherigen Artikel erwähnten Silbermünzen von Knossos aus der Zeit um 500 v. Chr. bis 100 v. Chr. gibt es eine Münze mit der Abbildung eines 5-gängigen Labyrinths, das aber leider fehlerhaft ist.

Quadratisches Labyrinth mit fünf Umgängen und zahlreichen Zeichenfehlern 350-300 v. Chr.

Quadratisches Labyrinth mit fünf Umgängen und zahlreichen Zeichenfehlern 350-300 v.Chr. Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 54 (gedreht)

In der folgenden Zeichnung ist ein quadratisches klassisches 5-gängiges Labyrinth mit der Wegfolge 0-5-2-3-4-1-6 und kleiner Mitte zu sehen. Die Begrenzungslinien sind schwarz, der Weg ist der leere Raum dazwischen.

Quadratisches Labyrinth mit fünf Umgängen

Quadratisches Labyrinth mit fünf Umgängen

Wer will, kann selbst vergleichen und herausfinden was die alten Griechen bei ihrer Münze falsch gemacht haben.
Fairerweise muss ich anmerken, dass es noch 7 weitere Varianten für ein 5-gängiges Labyrinth gibt.

Die Mitte kann aber auch etwas größer werden. In der Zeichnung unten ist zusätzlich das in den Begrenzungslinien enthaltene Grundmuster farblich kenntlich gemacht.

Quadratisches 5-gängiges Labyrinth mit größerer Mitte

Quadratisches 5-gängiges Labyrinth mit größerer Mitte

Das Grundmuster lässt sich sehr vereinfachen auf 2 Punkte und 5 kurze Linien.

Das 5-gängige klassische Labyrinth mit kleiner Mitte

Das 5-gängige klassische Labyrinth mit kleiner Mitte

Zur Konstruktion des Labyrinths fängt man bei der mittleren Linie oben an und verbindet in einem Bogen die rechts daneben liegende Linie. Dann der Reihe nach von links nach rechts parallel zum vorigen Bogen alle Linienenden und Punkte verbinden.

Wer lieber den „gewohnten“ Anblick will, auch das geht:

Das 5-gängige klassische Labyrinth

Das 5-gängige klassische Labyrinth

Das Grundmuster wirkt vertrauter. Wenn man es kopiert und um 180 Grad dreht und richtig ansetzt, erhält man das Grundmuster für das 11-gängige klassische Labyrinth. Oder anders gesagt: Zwei aufeinanderfolgende Mäander dieses Typs ergeben ein 11-gängiges klassisches Labyrinth.

Eine weitere Variante dieses Mäander-Labyrinths ergibt sich, wenn ich eine größere Mitte will, aber nicht die kreisrunde Form wie oben dargestellt:

Das 5-gängige Mäanderlabyrinth

Das 5-gängige Mäanderlabyrinth

Die zwei Wendepunkte rechts und links und der Mittelpunkt der Mitte bilden ein Dreieck. Damit lässt sich die Verwandtschaft mit dem baltischen Rad und dem indischen Labyrinth erkennen. Bei denen geht es allerdings nicht direkt von ganz außen in die Mitte, sondern es schließen sich einige Umrundungen der Mitte an. Zudem hat das baltische Rad einen zweiten kurzen Ein-/Ausgang, was es ja als Labyrinth im ganz strengen Sinn disqualifiziert.

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Das „Personal“ zum Labyrinth kennen wir aus der griechischen Mythologie: Den kretischen König Minos, seine Gattin Pasiphaë, ihre Tochter Ariadne, den Helden Theseus, den Baumeister und Erfinder Daidalos, seinen Sohn Ikaros und das unmögliche Fabelwesen Minotauros, halb Mensch, halb Tier, für das das Labyrinth als Gefängnis gebaut wurde.

Der Ursprung des Labyrinths wird im Mittelmeerraum zur Zeit der minoischen Kultur vermutet. Auf kretischen Münzen ist das klassische siebengängige Labyrinth mit seinem eindeutigen Weg in die Mitte abgebildet, so wie wir es heute noch kennen und als das „echte“ Labyrinth ansehen. Doch als Gefängnis für den Minotauros wäre das höchst ungeeignet gewesen. Es könnte also nur ein Labyrinth im weiteren Sinne gewesen sein: der Irrgarten mit seinen Sackgassen und der verwirrenden Wegführung.
Seit der britische Archäologe Sir Arthur John Evans bei seinen Ausgrabungen die Ruinen des Palastes von Knossos auf der Insel Kreta freilegte, wird darin der Standort für das Labyrinth des Minotauros gesehen. Aber einen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt es bis heute nicht.

Ist das Labyrinth überhaupt so entstanden? Gibt es ein historisches, reales Labyrinth, in das man den Minotauros hätte einsperren können?

Vielleicht war es eher das Höhlensystem von Gortys, ebenfalls auf Kreta und nicht so weit von Knossos entfernt? Es wird sogar Labyrinth genannt.
Der beste Kenner dieses Höhlensystems ist zweifellos der Schweizer Thomas Waldmann, der unzählige Male in den unterirdischen Gängen gewesen ist, sich inzwischen bestens auskennt und alles auf seiner Website „Die kretische Labyrinth-Höhle“ dokumentiert hat.
In Zusammenarbeit mit ihm hat sich im Sommer dieses Jahres eine Gruppe der Universität Oxford wissenschaftlich mit dieser Höhle beschäftigt. Im Projekt „Labyrinth Lost“ berichten sie davon und teilen ihre bisherigen Forschungsergebnisse mit.

Vielleicht darf diese Labyrinth-Höhle als das Labyrinth des Minotauros angesehen werden?
Jedenfalls wäre so eine unterirdische Höhle besser als Gefängnis geeignet gewesen als eine bauliche Anlage.

Vielleicht werden wir es auch nie erfahren und so bleibt uns das Geheimnis Labyrinth noch lange erhalten.

Nachtrag am 11.11.2009:
Inzwischen hat sich der Spiegel der Sache angenommen und darüber einen Bericht geschrieben.
Hier ist der Link zu Spiegel-Online.

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