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Oder anders gefragt: Kann ich ein klassisches Labyrinth in ein Babylonisches Eingeweidelabyrinth umwandeln?

Da gilt es, zunächst die Unterschiede zu erkennen; und dann das Verbindende.

Als Beispiel wähle ich das wohl bekannteste klassische Labyrinth: das 7-gängige kretische Labyrinth.

Das 7-gängige Labyrinth

Das 7-gängige kretisch Labyrinth: links das Original, rechts das komplementäre

Es hat ein Zentrum und einen Eingang. Es gibt nur einen Weg hinein. In der Mitte bin ich am Ziel und am Ende des Weges. Zurück geht es in umgekehrter Richtung.

Bei den Babylonischen Eingeweidelabyrinthen kann man zwei Hauptgruppen unterscheiden. Die einen sind mehr rund und ineinander verschlungen, bei den anderen sind die Schlingen reihenförmig angeordnet.

Als Beispiel wähle ich hier das Labyrinth E3384_r8 auf einer Tontafel von Tell Barri (Syrien) (mehr dazu siehe Verwandte Artikel unten).

Ein Babylonisches Eingeweidelabyrinth

Ein Babylonisches Eingeweidelabyrinth mit 10 Umgängen und zwei Zugängen

Beim Eingeweidelabyrinth habe ich zwei Zugänge und kein eigentliches Zentrum. Der Weg führt jedoch durch alle Schlingen hindurch bis zum anderen Zugang. Es ist also ein Durchgangslabyrinth.

Die Umgänge sind hier von links nach rechts nummeriert, während sie bei den klassischen Labyrinthen von außen nach innen nummeriert sind.  „0“ steht jeweils für die Außenwelt, bei den klassischen die letzte Ziffer für das Zentrum.

Bei jedem Labyrinth steht eine Ziffernfolge, die Umgangs- oder Wegfolge. Das ist die Reihenfolge, in der die Umgänge der Reihe nach durchlaufen werden.

Das verbindende Element ist also die Umgangsfolge. Wir müssen daher aus den Umgangsfolgen der klassischen Labyrinthe „reihenförmige“ Durchgangslabyrinthe konstruieren.

Als erstes nehmen wir das 7-gängige Labyrinth, wie oben gezeigt. Wir verwenden die Umgangsfolge und verbinden die in Reihe angeordneten Umgänge dementsprechend. Die zweite „0“ zeigt an, dass wir ein Durchgangslabyrinth haben.
Das sieht dann wie folgt aus:

Das 7-gängige Labyrinth als Eingeweidelabyrinth

Das 7-gängige Labyrinth als Eingeweidelabyrinth: links das Original, rechts das komplementäre

Das machen wir jetzt noch für einige klassische Labyrinthe.

Das 3-gängige Labyrinth

Das 3-gängige Labyrinth: links das Original, rechts das komplementäre

Das Original ist aus dem Mäander entwickelt und wird auch Knossos Labyrinth genannt. Das rechte ist aus dem „abgemagerten“ Grundmuster entwickelt, stellt aber gleichzeitig das komplementäre zum Knossos Labyrinth dar. Darunter dann die entsprechenden Eingeweidelabyrinthe.


Ein 5-gängiges Labyrinth:

Das 5-gängige Labyrinth

Das 5-gängige Labyrinth: links das Original, rechts das komplementäre

Es gibt noch weitere 5-gängige Labyrinthe mit einer anderen Wegfolge. Aber im Prinzip ist der Vorgang der gleiche.

Das waren jetzt alles selbstduale Labyrinthe.


Nun nehmen wir ein 9-gängiges Labyrinth. Da gibt es mehr Varianten:

Das 9-gängige Labyrinth

Ein 9-gängiges Labyrinth in vier Ausführungen

Dazu die entsprechenden Eingeweidelabyrinthe:

Die Eingeweidelabyrinthe

Die Eingeweidelabyrinthe


Hier das 11-gängige Labyrinth mit den entsprechenden Eingeweidelabyrinthen:

Das 11-gängige Labyrinth

Das 11-gängige Labyrinth

Das ist wieder selbstdual. Darum gibt es nur ein komplementäres dazu.


Hier das 15-gängige Labyrinth:

Das 15-gängige Labyrinth

Das 15-gängige Labyrinth

Auch dieses ist selbstdual.

Wenn wir nun diese hier neu abgeleiteten Eingeweidelabyrinthe mit den bisher bekannten historischen Babylonischen Eingeweidelabyrinthen vergleichen, können wir keine Übereinstimmung feststellen. Vielleicht taucht ja evtl. noch irgendwo und irgendwann eine Tontafel mit einem identischen Labyrinth auf?

Bisher kennen wir etwa 21 Babylonische Eingeweidelabyrinthe verschiedenster Art, die wir als reihenförmige Labyrinthe ansehen können.

Zum Vergleich empfehle ich den untenstehenden Artikel mit der Übersicht.

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Die älteste bekannte Labyrinthfigur ist das kretische Labyrinth (auch das klassische Labyrinth genannt).  Es ist wohl um 1200 v.Chr. entstanden. Die erste Weiterentwicklung fällt in die Zeit des Römischen Reiches von etwa 165 v.Chr. bis 400 n.Chr. Die generelle Bezeichnung ist römisches Labyrinth, wobei es wieder unterschiedliche Typen gibt. Allen gemeinsam ist, dass verschiedene (meist vier) Sektoren der Reihe nach durchlaufen werden.

Das kretische Labyrinth in quadratischer Form

Das kretische Labyrinth in quadratischer Form

In seinem Buch „Das große Buch der Labyrinthe und Irrgärten“ (2003 im AT-Verlag) hat Jeff Saward beschrieben, wie die Entwicklung des römischen Labyrinths aus dem kretischen Labyrinth möglich ist. Ich versuche hier also nur, die Vorgehensweise in verständlichen Schritten nachzuvollziehen.

Wir beginnen mit dem kretischen Labyrinth in quadratischer Form.
In der Zeichnungen sind die Begrenzungslinien schwarz dargestellt. Das darin enthaltene Grundmuster ist blau hervorgehoben. Die Wege sind orange angelegt, in gleicher Breite wie die Begrenzungslinien.

Durch eine Drehung wird die ganze Figur auf ein Viertel reduziert. Dabei werden die senkrechten Teile des halben Grundmusters in die Waagrechte gebracht.

Das "geviertelte" kretische Labyrinth

Das „geviertelte“ kretische Labyrinth

Um aus dem geviertelten Labyrinth ein vollständiges römisches Labyrinth zu erzeugen, müssen in jedem Sektor noch zwei Umgänge eingefügt werden: Einer um die Mitte herum und einer ganz außen. In den äußeren bewegt man sich jeweils in den nächsten Sektor, der letzte Gang führt schließlich in die Mitte.
Wenn man die Wegführung ganz genau anschaut, kann man erkennen, dass man in jedem Sektor gleichsam den Rückweg im kretischen Labyrinth absolviert. Oder anders ausgedrückt: In einem römischen Labyrinth durchwandert man vier Mal den Weg aus einem kretischen Labyrinth heraus.

Das römische Labyrinth

Das römische Labyrinth

Die Wegfolge lässt sich anhand der Ziffern nachvollziehen. Dabei erkennt man gut, dass das kretische Labyrinth im römischen Labyrinth enthalten ist.

Noch besser erkennt man die Verwandtschaft mit dem kretischen Labyrinth in der Diagrammdarstellung.

Das Diagramm für das römische Labyrinth

Das Diagramm für das römische Labyrinth

Das römische Labyrinth ist selbstdual wie auch das kretische. Das sieht man gut in der nachfolgenden Grafik. Egal wie das Diagramm gedreht oder gespiegelt ist, es ergibt sich immer die gleiche Wegfolge. Auch spielt es keine Rolle ob man in Richtung Mitte geht oder umgekehrt, oder ob man sich den Eingang unten oder oben vorstellt.

Das Diagramm für das kretische Labyrinth in vier Varianten

Das Diagramm für das kretische Labyrinth in vier Varianten

Es gibt verschiedene historische römische Labyrinth dieser Art. Das älteste stammt aus dem 2. Jh. n.Chr. und ist auf einem Mosaik in Pont Chevron (Frankreich) zu sehen. Darum nennt Andreas Frei es Typ Chevron (siehe Link unten).

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Hermann Kern schreibt in seinem Werk Labyrinthe (Prestel Verlag, München 1982) zu den Formprinzipien (Einführung, S. 14):

Jedes Labyrinth besteht aus Linien, die als Grundriß zu lesen sind; sie bilden eine hochkomplizierte abstrakte Bewegungsfigur, deren Nachvollzug erhebliches Vorstellungsvermögen erfodert. Nachvollzogen wird die Figur durch gedankliches Abschreiten des Weges zwischen den Linien.

Damit will ich niemanden abschrecken, sondern nur deutlich machen, dass die Beschäftigung mit dem Labyrinth durchaus anspruchsvoll sein kann. Und eine kleine Hilfestellung geben zum Nachvollziehen.

Inzwischen habe ich eine ganze Reihe von labyrinthgeeigneten Mäandern (den Typ 4) gefunden. Den ältesten habe ich auf einer griechischen Amphora aus der Zeit um 470 v.Chr. in der Antikensammlung des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg entdeckt. Einige Exemplare befanden sich an öffentlichen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert. Und mit einem hatte ich schon direkten Kontakt: Ein Mäanderband auf einem Waschlappen in Frottee aus dem eigenen Haushalt.
Hier eine kleine Zusammenstellung:

Aus allen kann man ein Labyrinth „generieren“, genauer gesagt: den Weg im Labyrinth. Denn der Mäander ist der Ariadnefaden (eben der Weg) in linearer Form.
Bei genauerem Hinsehen erkennt man einige kleine Unterschiede. Sie entstehen durch Spiegelung der „Grundform“ entweder in horizontaler oder vertikaler Achse. Es ergeben sich vier verschiedene Varianten. In der nachfolgenden Zeichnung lässt sich das anhand der Farben und Zahlen nachvollziehen:

Ich kann den Mäander von links nach rechts „lesen“ oder von rechts nach links. Entsprechend fällt die Lage des Eingangs aus.


Wie mache ich aus dem Mäander nun ein Labyrinth? Oder vielleicht etwas hochgestochener: Welcher Code steckt im Mäander, der mich zum Labyrinth führt?

Die „Entschlüsselung“ versuche ich so einfach und nachvollziehbar wie möglich zu machen. Dazu dienen die Farben und die Zahlen. Mit deren Hilfe kann man den Weg der einzelnen Abschnitte verfolgen.

Gedrehter Mäander

Gedrehter Mäander

Zuerst drehe ich den Mäander mit dem Eingang unten links aus der obigen Zeichnung um 90 Grad nach links.
Das „Geheimnis“ im Mäander ist die Anordnung der Linien. Hier sind sie von „0“ bis „8“ nummeriert. „0“ steht für außen, Anfang der Linie, Beginn. „8“ steht für innen, Ende der Linie, Mitte, Zentrum, Ziel. Diese Linienabschnitte sind auch mit unterschiedlichen Farben kenntlich gemacht.
Jetzt lese ich die Reihenfolge ab, in der diese Abschnitte durchlaufen werden. Und, treue Leser dieses Blogs wissen es, das ergibt die Wegfolge (Umgangsfolge, Linienfolge) für das Labyrinth. Diese lautet: 0-3-2-1-4-7-6-5-8.
Auch die Richtungswechsel leite ich daraus ab. Also, ob es nach links oder nach rechts geht, nach außen oder nach innen.

Diesen gedrehten Mäander ziehe ich nun quer auseinander. Das ergibt das Labyrinth in Diagrammform. Selbstverständlich sind die Längen der einzelnen Linienabschnitte verzerrt, entsprechen nicht den ursprünglichen oder den neuen Längen. Darauf kommt es auch gar nicht an. Wichtig ist nur welche Linie in welche Richtung läuft. Es ist ja ein Schema. Vielleicht schwierig zu verstehen, vor allem wenn es um die Lage des Eingangs und des Zentrums geht. Die liegen ja im richtigen Labyrinth nahe beieinander und nicht wie im Schema außen auf der rechten und der linken Seite.

Das Diagramm

Das Diagramm

Ich stelle mir dieses Rechteck immer als einen auseinandergezogenen Ring oder Reifen vor. Wenn ich diesen Reifen hinten in der Mitte durchschneide und die beiden äußeren Enden nebeneinanderlege, kommt der Eingang lagerichtig auf die linke Seite und das Zentrum auf die rechte.
Vielleicht wird es in der unteren Zeichnung klarer? Wenn ich die Linien der Reihe nach verfolge (also 3-2-1-4-7-6-5-8) muss ich wechselweise auf der einen Seite hinaus und auf der anderen Seite wieder hinein. Am besten einfach ausprobieren.

Das durchschnittene Diagramm

Das durchschnittene Diagramm

Da ich aus dem Mäander die richtige Wegfolge für das Labyrinth (Ariadnefaden) ableiten kann, lässt sich das Labyrinth allein nach dieser Wegfolge zeichnen. Ich brauche dafür nicht das wohlbekannte Grundmuster zum Zeichnen des Labyrinths (Begrenzungslinien).
Das zum Mäander und dem Diagramm passende Labyrinth sieht folgendermaßen aus:

Das linksläufige klassische Labyrinth (Ariadnefaden)

Das linksläufige klassische Labyrinth (Ariadnefaden)

Hier in quadratischer Form:

Das quadratische klassische Labyrinth

Das quadratische klassische Labyrinth

Welcher Mäander erzeugt nun dieses linksläufige Labyrinth? Von den vier oben gezeigten Versionen der mit dem Eingang unten links und der mit dem Eingang oben rechts. Warum? Weil der Umgang 3 (der gelbe) nach Passieren von 0 (grau) zuerst nach links abbiegt.

Bei den Mäanderversionen mit dem Eingang unten rechts und dem Eingang oben links biegt Umgang 3 zuerst nach rechts ab. Folglich muss auch das daraus erzeugte Labyrinth anders aussehen, und zwar folgendermaßen:

Das rechtsläufige klassische Labyrinth (Ariadnefaden)

Das rechtsläufige klassische Labyrinth (Ariadnefaden)

Das wiederum ist aber nichts anderes als das vertikal gespiegelte linksläufige Labyrinth.
Aus den vier möglichen Versionen eines labyrinthgeeigneten Mäanders lassen sich also zwei Versionen des klassischen 7-gängigen Labyrinths ableiten.


Zum Schluss soll aber auch das Labyrinth so gezeigt werden, wie es viele kennen: Mit der Darstellung der Begrenzungslinien. Die sind in Schwarz gehalten. Der Weg, der in den vorigen Zeichnungen farbige Ariadnefaden, ist dabei der freie Raum zwischen den Linien. Die Begrenzungslinien kreuzen sich und haben einen Anfang, hier sogar vier. Diese Form lässt sich am einfachsten aus dem Grundmuster erzeugen.

Das linksläufige klassische Labyrinth (Begrenzungslinien)

Das linksläufige klassische Labyrinth (Begrenzungslinien)

Macht man die Wege in allen Umgängen gleich breit, wird aus dem sonst zentralen Kreuz die rautenförmige „Fontanelle“.

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Am Samstag, dem 4. August 2012 war beim Labyrinthkongress in Hofkirchen i.M. der Vormittag dem Labyrinth der Inneren Einkehr gewidmet. Früh gab es eine kurze Einführung in die Enstehungsgeschichte dieses imposanten Labyrinthes aus Mühlviertler Granit. Und danach machten wir eine Exkursion zum Labyrinth, um es selbst zu erkunden; verbunden mit einem kleinen Ritual.

Zum Labyrinth hier einige Informationen, die auf einer sehr gut gemachten Tafel am Labyrinth zu finden sind:

Der Platz

Die Form

Die Form

Das Thema

Vom Gang durch das Labyrinth hier einige Fotos:

Probieren Sie auch das Karussell, um die Bilder im Vollbildmodus anzuschauen. Klicken Sie dazu in ein beliebiges Bild. Sie können dann vorwärts und rückwärts blättern. Hierher zurück geht es mit einem Klick in die schwarze Fläche oder dem Drücken der „Esc“-Taste auf Ihrer Tastatur.

Hier wieder einige Informationen für alle, die das Labyrinth selbst erkunden möchten:

  • Bei der Labyrinthgemeinde Hofkirchen informieren
  • Jemanden im Ort fragen, denn jeder in Hofkirchen kennt den Weg
  • Sich selbst orientieren und dann navigieren. Wanderer und Radfahrer kommen direkt hin, Autofahrer müssen vorher aussteigen. Hier die Koordinaten für das Steinlabyrinth: 48 28 38.9 N, 13 50 0.6 E

Oder vorher einmal in Google Earth nachschauen? Noch ist das Labyrinth nicht zu sehen. Aber vielleicht in einigen Jahren, wenn die Satellitenbilder erneuert werden?
Das Labyrinth befindet sich ungefähr in Bildmitte, in der rechten oberen Ecke der Waldlichtung.

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