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Posts Tagged ‘Eingeweidelabyrinth’

Oder anders gefragt: Kann ich ein klassisches Labyrinth in ein Babylonisches Eingeweidelabyrinth umwandeln?

Da gilt es, zunächst die Unterschiede zu erkennen; und dann das Verbindende.

Als Beispiel wähle ich das wohl bekannteste klassische Labyrinth: das 7-gängige kretische Labyrinth.

Das 7-gängige Labyrinth

Das 7-gängige kretisch Labyrinth: links das Original, rechts das komplementäre

Es hat ein Zentrum und einen Eingang. Es gibt nur einen Weg hinein. In der Mitte bin ich am Ziel und am Ende des Weges. Zurück geht es in umgekehrter Richtung.

Bei den Babylonischen Eingeweidelabyrinthen kann man zwei Hauptgruppen unterscheiden. Die einen sind mehr rund und ineinander verschlungen, bei den anderen sind die Schlingen reihenförmig angeordnet.

Als Beispiel wähle ich hier das Labyrinth E3384_r8 auf einer Tontafel von Tell Barri (Syrien) (mehr dazu siehe Verwandte Artikel unten).

Ein Babylonisches Eingeweidelabyrinth

Ein Babylonisches Eingeweidelabyrinth mit 10 Umgängen und zwei Zugängen

Beim Eingeweidelabyrinth habe ich zwei Zugänge und kein eigentliches Zentrum. Der Weg führt jedoch durch alle Schlingen hindurch bis zum anderen Zugang. Es ist also ein Durchgangslabyrinth.

Die Umgänge sind hier von links nach rechts nummeriert, während sie bei den klassischen Labyrinthen von außen nach innen nummeriert sind.  „0“ steht jeweils für die Außenwelt, bei den klassischen die letzte Ziffer für das Zentrum.

Bei jedem Labyrinth steht eine Ziffernfolge, die Umgangs- oder Wegfolge. Das ist die Reihenfolge, in der die Umgänge der Reihe nach durchlaufen werden.

Das verbindende Element ist also die Umgangsfolge. Wir müssen daher aus den Umgangsfolgen der klassischen Labyrinthe „reihenförmige“ Durchgangslabyrinthe konstruieren.

Als erstes nehmen wir das 7-gängige Labyrinth, wie oben gezeigt. Wir verwenden die Umgangsfolge und verbinden die in Reihe angeordneten Umgänge dementsprechend. Die zweite „0“ zeigt an, dass wir ein Durchgangslabyrinth haben.
Das sieht dann wie folgt aus:

Das 7-gängige Labyrinth als Eingeweidelabyrinth

Das 7-gängige Labyrinth als Eingeweidelabyrinth: links das Original, rechts das komplementäre

Das machen wir jetzt noch für einige klassische Labyrinthe.

Das 3-gängige Labyrinth

Das 3-gängige Labyrinth: links das Original, rechts das komplementäre

Das Original ist aus dem Mäander entwickelt und wird auch Knossos Labyrinth genannt. Das rechte ist aus dem „abgemagerten“ Grundmuster entwickelt, stellt aber gleichzeitig das komplementäre zum Knossos Labyrinth dar. Darunter dann die entsprechenden Eingeweidelabyrinthe.


Ein 5-gängiges Labyrinth:

Das 5-gängige Labyrinth

Das 5-gängige Labyrinth: links das Original, rechts das komplementäre

Es gibt noch weitere 5-gängige Labyrinthe mit einer anderen Wegfolge. Aber im Prinzip ist der Vorgang der gleiche.

Das waren jetzt alles selbstduale Labyrinthe.


Nun nehmen wir ein 9-gängiges Labyrinth. Da gibt es mehr Varianten:

Das 9-gängige Labyrinth

Ein 9-gängiges Labyrinth in vier Ausführungen

Dazu die entsprechenden Eingeweidelabyrinthe:

Die Eingeweidelabyrinthe

Die Eingeweidelabyrinthe


Hier das 11-gängige Labyrinth mit den entsprechenden Eingeweidelabyrinthen:

Das 11-gängige Labyrinth

Das 11-gängige Labyrinth

Das ist wieder selbstdual. Darum gibt es nur ein komplementäres dazu.


Hier das 15-gängige Labyrinth:

Das 15-gängige Labyrinth

Das 15-gängige Labyrinth

Auch dieses ist selbstdual.

Wenn wir nun diese hier neu abgeleiteten Eingeweidelabyrinthe mit den bisher bekannten historischen Babylonischen Eingeweidelabyrinthen vergleichen, können wir keine Übereinstimmung feststellen. Vielleicht taucht ja evtl. noch irgendwo und irgendwann eine Tontafel mit einem identischen Labyrinth auf?

Bisher kennen wir etwa 21 Babylonische Eingeweidelabyrinthe verschiedenster Art, die wir als reihenförmige Labyrinthe ansehen können.

Zum Vergleich empfehle ich den untenstehenden Artikel mit der Übersicht.

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Die Babylonischen Eingeweidelabyrinthe haben Eingang gefunden in die moderne Medizin. Auf eine ganz ungewöhnliche Art und Weise. Ein labyrinth-artiger Chip dient zur Diagnose von Krebszellen im Blut. Die labyrinthische Anordnung der Bahnen erweist sich als ein wirkungsvolles Werkzeug zur Isolierung von zirkulierenden Krebszellen im Blut. Das heißt, dass die kurvenreiche  und gewundene Linienführung im Labyrinth dabei besonders nützlich ist.

Labyrinth-Chip

Labyrinth-Chip, Foto mit freundlicher Genehmigung der Universität Michigan, © Joseph XU, Michigan Engineering Communications & Marketing

Was ist das nun für ein Labyrinth?
Auf den ersten Blick erinnert es an ein mittelalterliches Labyrinth, wie das berühmte Chartres Labyrinth. Es hat zehn Umgänge in drei Sektoren, in einem sind es acht. Sie werden nicht der Reihe nach durchlaufen, sondern wechselweise. Und dann hat es zwei Zugänge: Einen Eingang und einen Ausgang. Es ist also ein Durchgangslabyrinth wie wir das von den Babylonischen Labyrinthen kennen. Wir haben daher einen eigenen, neuen Typ vor uns. Dargestellt ist der Weg im Labyrinth, der Ariadnefaden. Das erinnert uns an den Mythos vom Minotauros, den es zu bekämpfen gilt wie hier den Krebs.
Dienten die Babylonischen Eingeweidelabyrinthe zur Wahrsagung, dient hier das Labyrinth der Medizin.
Das erinnert mich an „Ancient Myths & Modern Uses„, ein Buch über Labyrinthe von Sig Lonegren.

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Weiterführende Links

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Ich habe schon ausführlich über die Babylonischen Labyrinthe geschrieben. Dazu verweise ich auf die Verwandten Artikel unten. Hier soll es nun um eine Zusammenstellung gehen.

Die meisten Informationen habe ich dem ausführlichen und ausgezeichneten Artikel von Richard Myers Shelton in Jeff Sawards Caerdroia 42 (März 2014) entnommen, auf den ich auch hier noch einmal hinweisen möchte.

Die Funde befinden sich in den verschiedensten Sammlungen und Museen weltweit. Ich verwende die Katalognummer, um die unterschiedlichen Tontafeln zu bezeichnen.

Die ältesten Exemplare in eckiger Form stammen aus der alt-babylonischen Zeit um 2000 – 1700 v. Chr. und befinden sich in der norwegischen Schøyen Collection.

Das rechteckige Babylonische Labyrinth MS 3194

Das rechteckige Babylonische Labyrinth MS 3194

Das quadratische Babylonische Labyrinth MS 4515

Das quadratische Babylonische Labyrinth MS 4515

Dann folgen die verschiedenen mehr runden Eingeweidelabyrinthe aus der mittel- bis neubabylonischen Zeit um 1500 – 500 v. Chr.. Sie sind zu finden im Vorderasiatischen Museum Berlin (VAN … und VAT … Nrn.), im Louvre (AO 6033), im Rijksmuseum van Oudheden in Leiden (Leiden Labyrinth) oder stammen aus Tell Barri in Syrien (E 3384).

Die Tafeln mit mehreren Darstellungen habe ich von links oben nach rechts unten nummeriert und zeige die gut sichtbaren (21 Stück) in größeren Nachzeichnungen. Einige Darstellungen sind unleserlich oder zerstört. Insgesamt sind es 48 Abbildungen.

Dann gibt es noch 6 Einzelexemplare. Die folgen hier:

Eingeweidelabyrinthe

Eingeweidelabyrinthe

Hier nun die 21 größeren Nachzeichnungen der gut erkennbaren Exemplare:

Eingeweidelabyrinth auf VAT 984

Eingeweidelabyrinth auf VAT 984

Eingeweidelabyrinthe auf VAN 9447

Eingeweidelabyrinthe auf VAN 9447

Eingeweidelabyrinthe auf E 3384 recto

Eingeweidelabyrinthe auf E 3384 recto

Eingeweidelabyrinthe auf E 3384 verso

Eingeweidelabyrinthe auf E 3384 verso

Damit haben wir insgesamt 56 Babylonische Labyrinthe vor uns, von denen 29 eindeutig zu erkennen sind.

Allen 29 Exemplaren ist gemeinsam, dass sie einen eindeutigen Weg aufweisen, der komplett zurückzulegen ist. Es gibt also keinerlei Abzweigungen, Sackgassen oder tote Enden wie bei einem Irrgarten.

Ebenso haben alle 29 Exemplare eine unterschiedliche Linienführung und kein gemeinsames Muster.

Alle (bis auf VAT 9560_4) haben zwei Eingänge. Bei den eckigen Labyrinthen liegen sie ungefähr in der Mitte der gegenüberliegenden Seiten. Bei den übrigen, meist rundlichen Exemplaren liegen sie nebeneinander oder sind versetzt.

Das Leiden Labyrinth ist einfach eine Doppelspirale. Eine weitere Besonderheit ist das Eingeweidelabyrinth VAT 9560_4. Es hat nur einen Eingang und eine spiralförmige Mitte, ganz so wie wir es vom Indischen Labyrinth kennen. Es stellt also einwandfrei ein Labyrinth dar.

Das Mesopotamische Labyrinth könnte auch eine geschlossene Mitte (und deshalb nur einen Eingang) haben und die Schlingen verlaufen in einfachen Serpentinen.

Die übrigen 24 Exemplare haben alle eine viel kompliziertere Linienführung mit ineinander verschachtelten Schlaufen und Schlingen.

Die 27 unleserlichen Exemplare sind vermutlich ähnlich strukturiert. Und vielleicht existieren ja noch andere Tontafeln, die der Entdeckung harren?

Über die Bedeutung der eckigen Exemplare wissen wir so gut wie nichts, die übrigen 27 mehr runden Exemplare sind Eingeweidelabyrinthe.

Bei den Eingeweidelabyrinthen sind die Darmschlingen eines Opfertieres als Vorlage für die Deutung bei der Eingeweideschau dargestellt. Von daher ist auch zu verstehen, dass sie möglichst unterschiedlich aussehen sollten. Das erklärt ihre große Vielfalt. Und auch wiederum ihre Ähnlichkeit. Sie stellen eher einen eigenen Stil als einen eigenen Typ dar.

Die Babylonischen Labyrinthe stammen aus einem eigenen Zeitraum, aus einem anderen Kulturkreis und folgen einem anderen Paradigma als das übliche westliche Verständnis des Labyrinths. Sie sind vor allem Durchgangslabyrinthe. Doch auch in unserer Tradition kennen wir Durchgangslabyrinthe, so auch den Wunderkreis.

Ein Wunderkreis im Babylonischen Stil

Ein Wunderkreis im Babylonischen Stil: Das Logo des diesjährigen Treffens der Labyrinth Society (TLS), Entwurf und © Lisa Moriarty

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Was verstehe ich unter „Indisches Labyrinth“? Damit bezeichne ich zunächst ein einfaches 3- oder mehr-gängiges Labyrinth (um zwei Wendepunkte herum) mit einer Spirale in der Mitte. Diese kann beliebig groß sein. Es handelt sich also um ein zusammengesetztes Labyrinth.

Die Labyrinth Society (TLS) reiht es in „Andere Klassische Grundmuster“ ein, wobei als Untertypen „Chakra-Vyuha Labyrinth“ und „Baltisches Labyrinth“ aufgeführt sind.

Dieser Typ wird auch heutzutage noch verwendet, und sei es als Verzierung auf einer Geburtstagstorte, wie vor kurzem durch Lisa Gidlow Moriarty (USA):

Chakra Vyuha auf Torte

Chakra Vyuha auf Torte, © Lisa Moriarty

Ein solches Labyrinth kann aus einem Grundmuster erzeugt werden, das auf einem Dreieck beruht. Es wird auch Chakra Vyuha genannt. Doch auch andere Grundmuster gibt es (siehe Verwandte Artikel unten).

Und damit wird die Einordnung in eine gemeinsame Typologie schwierig, weil auch Zeit und Ort des Erscheinens ganz unterschiedlich sind.

Ich fange mit einem einfachen Labyrinth an. Es findet sich bei Hermann Kern und stammt aus dem 12. Jhdt.

Chakra Vyuha

Das Indische Labyrinth, Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe (1982), Abb. 602, S. 422

Gute 2000 Jahre älter ist das Eingeweidelabyrinth auf einem Tontäfelchen im Vorderasiatischen Museum Berlin mit der Nummer VAT 9560. Der Archäologe Ernst Friedrich Weidner (mehr darüber hier) zeigt es in einem Beitrag von 1917 als Abb. 4:

Das Babylonische Eingeweidelabyrinth

Das Babylonische Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 4

Das sieht nicht so aus, als wäre es aus einem Grundmuster entstanden.

Eingeweidelabyrinth in drei Zügen

Eingeweidelabyrinth in drei Zügen

Es lässt sich jedoch in drei Zügen zeichnen. Ich beginne in der Mitte, zeichne die Spirale, mache auf der rechten Seite eine Schleife nach außen und schwinge in einem Bogen zur linken Seite (grüne Linie). Dann setze ich mich in die Schlaufe, umkurve die vorhergehende Linie und beende die Linie an der Unterseite der Spirale (blaue Linie). Die dritte Linie beginnt neben der vorhergehenden und schwingt nach links oben (gelbe Linie).

Genauso einfach lässt sich auch das Chakra Vyuha zeichnen:

Chakra Vyuha in zwei Zügen

Chakra Vyuha in zwei Zügen

Der eigentliche Weg im Labyrinth, der Ariadnefaden, muss in einem Zug gezeichnet werden.

Das kann von innen nach außen geschehen oder auch umgekehrt.


Im Artikel „Variationen des Wunderkreises“ (siehe Verwandte Artikel unten) hatte ich eine Methode beschrieben, um Durchgangslabyrinthe vom Typ Wunderkreis mit beliebig vielen Umgängen zu erzeugen.

Diese Methode, leicht abgewandelt, lässt sich auch verwenden, um die aus Spiralen mit beliebig vielen Umdrehungen zusammengesetzten einfachen Labyrinthe mit drei und mehr Umgängen zu erzeugen.

Noch einmal kurz die Prinzipien:

Ich beginne in der Mitte und zeichne eine Spirale mit mindestens einer, jedoch auch mehr Umgängen. Die Begrenzungslinien sind hier in Grün, der Ariadnefaden in Braun dargestellt.

Darüber kommt die gewünschte Anzahl an labyrinthischen Umgängen, mindestens drei bis zu (unendlich) vielen. Jedoch immer eine ungerade Anzahl.

Dann kommen die Schlaufen von außen nach innen (in Gelb). Da ich bei den Begrenzungslinien jeweils auf beiden Seiten eine ungerade Anzahl an Linienenden haben muss, beginnt oder endet eine Linie an der Unterseite der Spirale.

Beim Zeichnen der Begrenzungslinien wird die zwischen den Schlaufen liegende mittlere freie Linie nach vorne verlängert (in Rot).

Beim Zeichnen des Ariadnefadens wird auf der Seite mit den ungeraden Linienenden die innerste Linie nach vorne verlängert (in Rot). Die dann noch übrigen freien Linienenden werden in Schlaufen verbunden (in Gelb).

Im letzten Beispiel drehe ich noch eine „Ehrenrunde“ (in Schwarz) um das Ganze. So kann ich mit der richtigen Anzahl an Umgängen die historisch belegte Windelburg von Stolp erzeugen.

Windelburg von Stolp

Windelburg von Stolp

Die Windelburg von Stolp hatte eine dreigängige Spirale und 15 labyrinthische Umgänge plus einem zusätzlichen Umgang außen herum.

Wie soll man nun die vorgestellten Beispiele richtig klassifizieren? Als Indianisches Labyrinth kann man sicher nicht alle bezeichnen. Die Windelburg gehört eher zu den Trojaburgen und wird auch zu den Baltischen Labyrinthen gezählt. Jedoch haben sie alle das gleiche Muster, gehören also zum gleichen Typ.

Um ein Labyrinth auch bauen zu können, muss man es in eine geometrisch korrekte Form bringen. Ich nehme hierfür die Windelburg, nehme etwas weniger Umgänge und erstelle dazu eine Konstruktionszeichnung.

Eine neue Windelburg

Eine neue Windelburg

Diese stelle ich als eine Art Prototyp mit 1 m-Achsmaß, zweifacher Spirale und 9 labyrinthischen Umgängen als PDF-Datei zum anschauen, drucken oder speichern zur Verfügung.

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Oder andersherum gefragt: Wie mache ich einen Wunderkreis aus einem  Babylonischen Eingeweidelabyrinth?

Das ist möglich, zumindest beim Babylonischen Umma Labyrinth.

Das Wesentliche bei einem Labyrinth ist ja die Wegführung, ausgedrückt durch die Wegfolge, und nicht die äußere Form. Oder das Muster, wie Andreas das nennt.

Das Babylonische Umma Labyrinth

Das Babylonische Umma Labyrinth

Das Umma Labyrinth hat zwei Wendepunkte, um die jeweils zwei Umgänge führen und in der Mitte einen Mäander. Die Zugänge liegen außen. Es gibt nur einen einzigen und eindeutigen Weg.

Der Wunderkreis hat eine Doppelspirale im Zentrum und zwei weitere Wendepunkte mit beliebig vielen Umgängen. Eine Seite hat dabei einen Umgang mehr als die andere. Die Zugänge befinden sich im Mittelteil.

Ein großer Wunderkreis

Ein großer Wunderkreis

Zum Aufzeigen der einzelnen Entwicklungsschritte forme ich zuerst einen „voll entwickelten“ Wunderkreis in die kleinstmögliche Version um.

Die sieht so aus: Ein Mäander in der Mitte und zwei weitere Wendepunkte mit insgesamt drei Umgängen wie im Knossos Labyrinth.

Der kleinste Wunderkreis

Der kleinste Wunderkreis

Um diesen kleinen Wunderkreis mit dem Umma Labyrinth vergleichen zu können, lege ich nun alle Mittelpunkte (gleichzeitig die Endpunkte der Begrenzungslinien oder die Wendepunkte) auf eine Gerade. So als würde ich das Dreieck zusammenklappen, das durch die Wendepunkte gebildet wird.

Der gestauchte Wunderkreis

Der gestauchte Wunderkreis

Die beiden Zugänge sind hier im Mittelteil, im Umma Labyrinth liegen sie außen und nebeneinander. Zudem gibt es links noch einen Umgang mehr. Den füge ich jetzt hier hinzu und lege den Zugang dadurch auch nach rechts außen.

Ein Umgang mehr

Ein Umgang mehr

Jetzt verlege ich den zweiten Zugang nach links. Dadurch liegen die beiden Zugänge jedoch gegenüber und zeigen in verschiedene Richtungen.

Die beiden Zugänge außen

Die beiden Zugänge außen

Nun drehe ich den rechten Zugang ganz nach links außen neben den linken Zugang. Da ich alles geometrisch exakt konstruiere, erhalte ich zwei leeren Bereiche zwischen den äußeren Umgängen.

Die Zugänge nebeneinander

Die Zugänge nebeneinander

Jetzt verlängere ich die beiden Zugangswege um eine Vierteldrehung nach oben und drehe das Ganze ein Stück nach rechts. So erhalte ich das fertige Umma Labyrinth.

Das Babylonische Umma Labyrinth

Das Babylonische Umma Labyrinth

Um den umgekehrten Weg zu gehen, also den Wunderkreis aus dem Umma Labyrinth zu entwickeln, muss ich einige Windungen weglassen, das Ganze drehen und am Schluss den Mittelteil anheben.

Die ergänzten Bereiche

Die ergänzten Bereiche

Die in den vorangegangenen Schritten gemachten Ergänzungen sind farblich hervorgehoben. Der „gestauchte“ Wunderkreis weiter oben ist gut zu erkennen. Im Kern des Eingeweidelabyrinths ist also der Wunderkreis enthalten.

Sicherlich ist der Wunderkreis wie wir ihn kennen, nicht auf diese Art und Weise entstanden. Dafür gibt es keinerlei historische Belege. Jedoch lässt sich dadurch meiner Meinung nach die Verwandtschaft der beiden Labyrinthfiguren beweisen. Sie sind nicht einfach Spiralen und nicht einfach Mäander. Diese Elemente sind enthalten und auf „labyrinthische“ Art miteinander verbunden.

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Im Artikel von Richard Myers Shelton in Jeff Sawards Caerdroia 42 (März 2014) gibt es die Abbildung einer Eingeweidezeichnung auf einem Tontäfelchen, das älter ist als die bisher betrachteten (siehe Verwandte Artikel unten).

Tontafel mit Eingeweidezeichnung

Tontäfelchen aus Umma aus altbabylonischer Zeit, Foto © Louvre

Die Tontafel mit den Eingeweideritzungen stammt aus der sumerischen Stadt Umma, dem heutigen Tell Jokha im Irak aus der Zeit um 1900 bis 1600 v. Chr. und befindet sich nunmehr im Louvre unter der Nr. AO 6033.
Das Foto ist in der digitalen Keilschrifttextsammlung der Universität von Kalifornien, Los Angeles, unter der CDLI-Nr. P386355 zu finden.

Leider ist das Täfelchen beschädigt, die fehlenden Linien lassen sich jedoch einwandfrei rekonstruieren und zeigen dann den folgenden Grundriss:

Die Eingeweidezeichnung auf AO 6033

Die Eingeweidezeichnung auf AO 6033

Die Linienführung erinnert sehr stark an das so genannte Berliner Labyrinth auf der Tontafel VAT 744 aus dem Vorderasiatischem Museum Berlin, das einige hundert Jahre jünger ist.

Die Eingeweidezeichnung auf VAT 744

Die Eingeweidezeichnung auf VAT 744

Die wesentlich andere Linienführung ergibt für die Eingeweidezeichnung AO 6033 im Louvre jedoch ein ganz anderes Labyrinth.
Der aus den Begrenzungslinien ermittelte Weg, der Ariadnefaden, sieht dann so aus:

Der Ariadnefaden in der Eingeweidezeichnung AO 6033

Der Ariadnefaden in der Eingeweidezeichnung AO 6033

Daraus konstruiere ich nun eine geometrisch exakte Figur, bestehend aus Kreisbogenelementen. Deren Mittelpunkte können alle auf einer Linie angeordnet werden.

Der geometrisch "richtige" Ariadnefaden

Der geometrisch „richtige“ Ariadnefaden

Zu diesem Ariadnefaden konstruiere ich dann um die gleichen Mittelpunkte die Begrenzungslinien und erhalte das komplette Labyrinth:

Das komplette Labyrinth

Das komplette Labyrinth

Die Wegführung ist ganz anders als im Berliner Labyrinth. In der Mitte ist eine Art Doppelspirale und daneben liegen zwei Wendepunkte. Auffällig sind die beiden sichelförmigen Leerräume.

Auf jeden Fall haben wir ein bisher unbekanntes Durchgangslabyrinth. Vielleicht sogar das älteste nachgewiesene? Jedenfalls älter als das Täfelchen von Pylos.
Wie sollte man es benennen? In Anlehnung an die Vorschläge von Andreas vielleicht: Das Babylonische Umma Labyrinth.


Wer möchte ein solches Labyrinth als begehbares Labyrinth bauen? Die nachfolgende Zeichnung liefert die dazu notwendigen Angaben. Die Maßangaben sind als Einheiten zu verstehen. Also „1“ kann sein: 1 cm, 10 cm, 60 cm, ein Meter, ein Yard, ein Fuß, zwei Fuß, eine Schrittlänge, ein Stock u.ä.

Konstruktionszeichnung

Konstruktionszeichnung

Man geht am bestenwie folgt vor: Eine Linie festlegen, in 16 Teile einteilen, die Mittelpunkte kennzeichnen, die Kreisbögen mit einer Schnur, Draht, Zirkel, Band o.ä. ziehen. Die Radien sind ein Vielfaches der Einheit, also R2 bedeutet 2 mal die Einheit usw. Am sinnvollsten ist es, zuerst die oberhalb liegenden Bögen zu zeichnen.

Das Labyrinth kann mit Lineal, Bleistift und Zirkel auf Papier gezeichnet werden oder als begehbares Labyrinth im Sand gekratzt, mit Spänen gestreut, mit Steinen gelegt werden o.ä. Die zwei Zugänge kann man ganz nach Wunsch anordnen.

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Bei der Beschäftigung mit den Babylonischen Labyrinthen im ausführlichen und ausgezeichnetem Artikel von Richard Myers Shelton in Jeff Sawards Caerdroia 42 (März 2014) habe ich unter anderem auch die folgenden Tontafeln mit den Abbildungen von Darmwindungen von Opferschafen gesehen. Sie sind alle unterschiedlich und dienten als Muster bei der Eingeweideschau.
Sie sehen Labyrinthen sehr ähnlich, da sie aus einer einzigen ununterbrochenen Linie bestehen. Sie haben jedoch kein Zentrum, vielmehr zwei Eingänge/Ausgänge, die meistens nebeneinander liegen. Man könnte sie als Durchgangslabyrinthe oder als „vorlabyrinthisch“ bezeichnen.

Tontafeln mit Abbildungen der Darmwindungen von Opferschafen

Tontafeln mit Abbildungen der Darmwindungen von Opferschafen

Nach der heute üblichen Vorstellung im Westen ist ein Labyrinth eine Figur mit einem einzigen Weg, der kreuzungsfrei ins Zentrum und zurück führt.

Besteht in diesen Darmwindungen eine Verwandtschaft mit „unserem“ Labyrinth oder lassen sie sich etwa in ein solches verwandeln?
Das geht, und als Beispiel wähle ich die gut erkennbare Zeichnung auf der linken Tontafel E 3384 oben (rot angekreuzt).

Ergänzung Sept. 2017: Inzwischen habe ich eine Nachzeichnung mit der Bezeichnung E 3384 r_8 für die Vorlage erstellt.

Nachzeichnungen von E 3384 recto

Nachzeichnungen von E 3384 recto

Vorlage für ein Eingeweidelabyrinth

Vorlage für ein Eingeweidelabyrinth

Darin ermittle ich die Wegführung der nebeneinander liegenden Darmschlingen und nummeriere sie von links nach rechts. Der Eingang liegt in der Mitte und ganz rechts geht es wieder heraus.

Die Wegführung im Eingeweidelabyrinth

Die Wegführung im Eingeweidelabyrinth

Das Muster des Labyrinths zeigt sich darin. Daraus lese ich die Reihenfolge ab, in der die einzelnen Schleifen durchlaufen werden: 5-6-9-2-3-8-7-4-1-10.

Mit Hilfe dieser Wegfolge konstruiere ich nun ein geschlossenes, mehr rundes Labyrinth, bei dem der Weg in der Mitte endet.

Umsetzung der Wegfolge in ein geschlossenes Labyrinth

Umsetzung der Wegfolge in ein geschlossenes Labyrinth

Ich erhalte ein Labyrinth mit drei Wendepunkten und neun Umgängen. Das lässt sich nun noch umgestalten durch Drehen und Verschieben der Wendepunkte. Ich kann auch eine größere Mitte wählen und die Figur zentraler zur Mittelsenkrechten ausrichten.
So sieht es dann aus:

Das Eingeweidelabyrinth im Knidos-Stil

Das Eingeweidelabyrinth im Knidos-Stil

Wir haben ein neues, bisher unbekanntes Labyrinth vor uns. Die Wegfolge lautet: 0-5-6-9-2-3-8-7-4-1-10. Es geht also zügig in den inneren Bereich des Labyrinths und sehr schnell umrunde ich auch die Mitte mit 0-5-6-9. Danach geht es erst wieder nach außen und durch den ganzen inneren Bereich mit -2-3-8-7-4. Von hier komme ich noch einmal ganz nach außen und dann mit einem großen Sprung in die Mitte: -1-10. Es liegt also sehr viel Dynamik und Bewegung in der Wegführung. Beim Begehen des Labyrinths müsste sich das spüren lassen.

Wer baut als erster solch ein Labyrinth?

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