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Sektorlabyrinthe

Zum Schluss möchte ich noch ein Sektorlabyrinth in den MiM-Stil umsetzen. Das Besondere an den Sektorlabyrinthen ist, dass der Weg immer zuerst einen Sektor vollendet, bevor er in den nächsten wechselt. Das hat zur Konsequenz, dass der Weg nur jeweils ein Mal jede Nebenachse quert. Sektorlabyrinthe scheinen somit einfacher in den MiM-Stil zu bringen als andere mehrachsige Labyrinthe. Ich nehme als Beispiel ein kleineres Labyrinth mit vier Achsen und fünf Umgängen. Es gibt mehrere Labyrinth Exemplare von diesem Typ. Benannt habe ich ihn nach dem frühesten überlieferten Exemplar, dem polychromen Mosaiklabyrinth, Teil des Winde-Vielmustermosaik von Avenches im Kanton Waadt in der Schweiz.

Abbildung 1. Sektorlabyrinth (Mosaik) von Avenches

Abbildung 1 zeigt das Original dieses Labyrinths (Quelle: Kern 1983: Abb. 119, s. 120). Es ist eines der selteneren Labyrinthe, die gegen den Uhrzeigersinn drehen. Es hat an den Nebenachsen auf jeder Seite je 2, an der Hauptachse je 3 verschachtelte Wendestellen. Das Muster entspricht vier hintereinander geschalteten doppelspiralartigen Mäandern – Erwin’s Typ 6 Mäander (siehe Verwandte Beiträge 2). Beim Übergang in einen nächsten Sektor kommt der Weg jeweils vom äussersten Umgang zu einer Nebenachse, quert diese auf der ganzen Länge von aussen nach innen und fährt im nächsten Sektor auf dem innersten Umgang fort.

Um diesen Labyrinth Typ in den MiM-Stil zu bringen, wurde das Original zuerst gedanklich mit dem Eingang nach unten ausgerichtet und horizontal gespiegelt. So liegt es in der Grundform vor, die ich zwecks Vergleichbarkeit immer verwende. Abb. 2 zeigt die MiM-Hilfsfigur.

Abbildung 2. Hilfsfigur

Sie hat 42 Speichen und 11 Ringe und ist somit deutlich kleiner als die für die Typen Chartres, Reims oder Auxerre. Die Anzahl Speichen ergibt sich aus dem Seed Pattern der Hauptachse mit 12 Enden und den Seed Pattern der Nebenachsen mit je 10 Enden.

In Abb. 3 wird die Hilfsfigur und das vollständige Seed Pattern einschliesslich der achsquerenden Wegstücke gezeigt und die Anzahl benötigter Ringe erklärt. Dafür wird der gleiche Farbcode wie im letzten Beitrag (verwandte Beiträge 1) verwendet.

Abbildung 3. Hilfsfigur, Seed Pattern und Anzahl Ringe

Da nun die Winkel zwischen den Speichen genügend gross sind, kann man alle Ringe der Hilfsfigur für das Labyrinth verwenden. Wir benötigen wir also keinen (grünen) Ring zur Vergrösserung des Zentrums. Es werden nur ein (roter) Ring für die achsquerenden Wegstücke – genauer: für deren innere Begrenzungsmauer – , vier (blaue) Ringe für die drei Verschachtlungen des Seed Pattern an der Hauptachse, ein Ring für das Zentrum (grau) und fünf Ringe (weiss) für die Umgänge benötigt, macht total 11 Ringe.

Abb. 4 schliesslich zeigt das Labyrinth vom Typ Avenches im MiM-Stil.

Abbildung 4. Labyrinth vom Typ Avenches im MiM-Stil

Die Figur ist deutlich kleiner und überschaubarer als die früher gezeigten mehrachsigen Labyrinthe im MiM-Stil. Sie wirkt insgesamt ausgewogen, erhält aber ein stärkeres Moment der Rotation im Uhrzeigersinn, das durch die drei asymmetrischen achsquerenden Wegstücke und deren Begrenzungsmauern auf dem innersten Hilfskreis bewirkt wird.

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Schon verschiedene Male hatte ich hier im Blog vom und über das Schwanberglabyrinth geschrieben. Unter anderem auch, dass es kein „echtes“ römisches Labyrinth wäre. Das stimmt nicht, wie ich jetzt erkennen musste. Im Zuge der Nachforschungen über das Wiesenbronner Labyrinth auf dem Antependium in Hermann Kerns Buch Labyrinthe und auf der Website von Andreas Frei habe ich das richtige „Vorbild“ für diesen Typ gefunden.

Hier als erstes noch einmal die ursprünglichen Entwürfe für das Schwanberglabyrinth.

Der 1. Entwurf vom Jan. 1995

Der 1. Entwurf vom Jan. 1995

Der endgültige Entwurf vom März 1995

Der endgültige Entwurf vom März 1995

Das römische Labyrinth, das als erstes mit dem Mäander konstruiert wurde, stammt aus der Zeit um 250 n.Chr. und ist erhalten in einem Mosaiklabyrinth in Avenches (Aventicum) in der Schweiz auf. Es ist ein rundes Labyrinth und gehört zum >Winde-Vielmustermosaik<. (Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, S. 120)
Mosaiklabyrinth Avenches

Mosaiklabyrinth Avenches (Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 119)

Man erkennt unten links den Eingang, dann geht es gegen den Uhrzeigersinn herum von einem Sektor zum anderen. Die weißen Steine bilden den Weg.

Hier ist eine Schemazeichnung, allerdings in gespiegelter Form:

Die Schemazeichnung

Die Schemazeichnung

Die Sektoren werden nun im Uhrzeigersinn durchgangen. Die für dieses Labyrinth typische Wegfolge lautet: A-5-2-3-4-1-5-2-3-4-1-5-2-3-4-1-5-2-3-4-1-Z.

Wir haben ein römisches oder Sektorenlabyrinth vor uns, das in vier Mäandern zur Mitte führt. Da der historisch erste sichere Nachweis das Mosaiklabyrinth aus Avenches von 250 n.Chr. darstellt, schlägt Andreas Frei als Namen für diesen Typ Labyrinth Avenches (250) vor.

Vergleicht man damit nun den obigen endgültigen Entwurf von März 1995 für das Schwanberglabyrinth, stellt man fest, dass es einen Umgang mehr hat. Dieser führt gegen den Uhrzeigersinn einmal um das ganze Labyrinth herum.

Das reale Schwanberglabyrinth

Das reale Schwanberglabyrinth

Was vielleicht das Erkennen des Musters noch erschwert, ist die Tatsache, dass beim Schwanberglabyrinth die Wege zu sehen sind und nicht die Begrenzungen. Die fehlen völlig. Zudem ist die Wegführung mehr ausgerundet und die Übergänge von einem Sektor zum anderen schräg verlaufend. Das Labyrinth ist einfach ziemlich freihändig (besser: freifüßig) auf die Wiese übertragen worden.

Hier ein Blick auf eine geometrisch korrekte Zeichnung, aber mit gleichbleibender Wegbreite und ausgerundeten Richtungswechseln. Da lässt sich schon eher das Wegsystem erkennen.

Der Ariadnefaden

Der Ariadnefaden

Ich kann mir vorstellen, dass man durch eine intensive Beschäftigung mit dem Labyrinth quasi von selbst auf die Idee mit den verschlungenen Mäandern kommen kann und die Erbauerinnen und Erbauer das Schwanberglabyrinths diesen Typ entwickelt haben, ohne eine Vorlage gesehen zu haben.

Im Schwanberglabyrinth steckt trotzdem ein römisches Labyrinth.

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