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Posts Tagged ‘3-gängiges klassisches Labyrinth’

Vor knapp 7 Jahren war die Blume des Lebens schon einmal Thema in diesem Blog. Nun möchte ich dazu einiges ergänzen.
Als erstes die Originalzeichnung des Ariadnefadens. Sie ist entstanden, als bei einem Besuch in Salzburg mich Marianne Ewaldt fragte, ob das Labyrinth in der Blume des Lebens enthalten sei. Sie gab mir eine kleine Festschrift zum 80. Geburtstag von Dr. Siegfried Hermerding, die betitelt war mit „Die Blume des Lebens und das Universum“. Darin waren unzählige Symbole und Urformen abgebildet, jedoch kein Labyrinth.

Ariadnefaden in der Blume des Lebens

Ariadnefaden in der Blume des Lebens

Das ist die Abbildung, in die ich am 25.6.2012 in Salzburg den Ariadnefaden für das dreigängige Labyrinth eingezeichnet habe.

Was hat es mit der Blume des Lebens auf sich?
Eine nüchterne und rationale Antwort darauf gibt Wikipedia:

Die Blume des Lebens ist ein Ornament auf einem sechseckigen Ausschnitt eines Dreiecksgitters. An jedem Gitterpunkt schneiden sich Kreise bzw. Kreisbögen um die sechs benachbarten Gitterpunkte, sodass benachbarte Gitterpunkte durch Linsen verbunden sind, neunzig an der Zahl.
An jedem inneren Gitterpunkt berühren sich sechs Linsen wie Blütenblätter, was der modernen Esoterik (New Age) die Bezeichnung Blume des Lebens nahelegte. Darauf, dass das Ornament schon früher so genannt worden wäre, gibt es keinen Hinweis.

Viele sehen in der Blume des Lebens viel mehr. Das dürfen sie, jedoch sollte man das nicht überbetonen.
Aus labyrinthischer Sicht bleibt festzustellen, dass es sich um ein Gitternetz handelt, in das sich je nach Größe verschiedene Labyrinthe unterbringen lassen. Sie haben immer eine sechseckige Form und eine würfelförmige Anmutung. Es handelt sich also um einen Stil, so ähnlich wie bei den Labyrinthen im Man-in-the-Maze-Stil, wie Andreas in etlichen Artikeln erläutert hat.

In den unten genannten Artikeln sind dann weitere Zeichnungen und Ableitungen von Andreas und mir zu finden.

Um ein 7-gängiges Labyrinth in der Blume des Lebens unterzubringen, muss man das Gitternetz aus Vollkreisen erweitern, wie Andreas ausgeführt hat.
Das hat Marianne Ewaldt als Keramikkünstlerin getan und mir letztes Jahr ein solches Labyrinth geschenkt.

Ein goldener Ariadnefaden im 7-gängigen Labyrinth

Ein goldener Ariadnefaden im 7-gängigen Labyrinth

Und hier ist dann noch eine Zeichnung von mir mit allen Linien des Labyrinths in einem noch etwas größerem Gitternetz:

Das ganze 7-gängige Labyrinth

Das ganze 7-gängige Labyrinth

Deutlich ist zu erkennen, dass die äußeren Begrenzungslinien ein Sechseck bilden und auch noch einen Würfel enthalten.

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Ein 3-gängiges klassisches Labyrinth lässt sich aus dem wohlbekannten Grundmuster mit dem Kreuz und den vier Punkten erzeugen. Die vier Winkel werden weggelassen. Dann werden die freien Enden der Linien und der Punkte der Reihe nach verbunden. Die Wegfolge dieses einfachen Labyrinthes ist: 0-1-2-3-4.

Das 3-gängige klassische Labyrinth mit der Wegfolge 0-1-2-3-4

Das 3-gängige klassische Labyrinth mit der Wegfolge 0-1-2-3-4

Der Weg in das Labyrinth hinein, der Ariadnefaden, führt also direkt von außen nach innen in die Mitte. Damit sind wohl die von Hermann Kern >Prinzip Umweg< genannten Formprinzipien (Labyrinthe, 1982, S. 14) nicht alle vollständig eingehalten.

Als historisches Labyrinth taucht dieser Typ meines Wissens nach gar nicht auf. Er entsteht erst durch die Variation des Grundmusters.

Es gibt ein weiteres 3-gängiges Labyrinth mit einer anderen Linienführung und einer Änderung der Bewegungsrichtung. Die Wegfolge lautet: 0-3-2-1-4.
Andere Linienführungen als die beiden hier vorgestellten sind für ein 3-gängiges Labyrinth nicht möglich.

Ein 3-gängiges Labyrinth dieser Art ist erstmals zu sehen auf den Silbermünzen von Knossos, die im Britischen Museum in London aufbewahrt werden. Sie stammen aus der Zeit um 500 v.Chr. bis 100 v.Chr. Sehr oft ist das wohlbekannte kretische Labyrinth mit sieben Umgängen, meistens in quadratischer Form, abgebildet. Auch der Mäander ist vielfach zu finden, meist als Swastika-Mäander.

Swastika-Mäander 431-350 v.Chr.

Swastika-Mäander 431-350 v.Chr. / Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 49

Quadratisches Labyrinth mit drei Umgängen 431-350 v.Chr.

Quadratisches Labyrinth mit drei Umgängen 431-350 v.Chr. Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb.50 (gedreht)

Das quadratische Labyrinth mit den drei Umgängen auf der Silbermünze aus Knossos hat die Wegfolge: 0-3-2-1-4.
Es ist das älteste historische Labyrinth dieser Art und daher kann es als Typ Knossos bezeichnet werden.
Wie das Labyrinth auf der Münze entwickelt wurde, lässt sich kaum ergründen. Aus dem Grundmuster ist dieses Labyrinth vermutlich nicht entstanden, eher aus dem Mäander. Wahrscheinlich sogar durch die Methode Versuch und Irrtum. Denn unter den Münzen gibt es auch welche mit Fehlern.

Der Mäander mit der Linienfolge 0-3-2-1-4

Der Mäander mit der Linienfolge 0-3-2-1-4

Dieser Typ Mäander enthält in chiffrierter Form die Linienführung des Ariadnefadens für ein 3-gängiges Labyrinth. Der Mäander zeigt die Wegstruktur im Labyrinth als Diagramm. Entschlüsselt ergibt sich die Wegfolge für das Labyrinth. 0 steht für außen, 4 für das Zentrum. 3, 2 und 1 sind die Umgänge in der Reihenfolge, in der sie von außen nach innen durchschritten werden.
Die Umwandlung in ein Labyrinth geschieht durch die direkte Übernahme der Linienfolge als Wegfolge.
Mehr dazu steht auch in den verwandten Artikel unten.

Hier nun einige Umsetzungen in verschiedenen Formen.

Der Ariadnefaden mit der Wegfolge 0-3-2-1-4

Der Ariadnefaden mit der Wegfolge 0-3-2-1-4

In der Zeichnung oben ist der Ariadnefaden für ein rundes Labyrinth mit größerer Mitte und der Wegfolge 0-3-2-1-4 zu sehen. Die Wendepunkte sind verschoben. Zusammen mit dem Mittelpunkt ergibt sich ein Dreieck.

Grundmuster im Mäanderlabyrinth

Grundmuster im Mäanderlabyrinth

Die Begrenzungslinien mit dem darin enthaltenen Grundmuster für das 3-gängige Labyrinth mit der Wegfolge 0-3-2-1-4. Die Mitte ist hier eine Wegbreite groß. Die Wendepunkte liegen auf der gleichen Linie.
Das Grundmuster für den Mäandertyp lässt sich sehr vereinfachen. Es gibt nur drei Linien und die zwei Wendepunkte. Das Labyrinth lässt sich, wie gewohnt, zeichnen: Das obere Ende der mittleren Linie mit dem nächsten freien Ende der danebenliegenden Linie verbinden (hier das rechte) und dann der Reihe nach von links nach rechts parallel zu den vorherigen Bögen alles verbinden.

Das 3-gängige Labyrinth mit dem erweitertem Grundmuster

Das 3-gängige Labyrinth mit dem erweitertem Grundmuster

Die Begrenzungslinien mit dem darin enthaltenen Grundmuster in erweiterter Form für das 3-gängige Labyrinth mit der Wegfolge 0-3-2-1-4.
Das Grundmuster sieht ungewöhnlich aus, entspricht aber einem halben Grundmuster in gewohnter Form für das 7-gängige kretische Labyrinth. Das besteht ja bekanntlich aus zwei aneinandergefügten Mäandern.

Das 3-gängige Knossos Labyrinth (quadratisch)

Das 3-gängige Knossos Labyrinth (quadratisch)

Die Begrenzungslinien mit dem darin enthaltenen Grundmuster in quadratischer Form wie auf der Münze von Knossos. Die Wendepunkte sind verschoben. Die Wegfolge 0-3-2-1-4 ist identisch mit der in den anderen Formen.

Das in den verschiedenen Darstellungen gezeigte Grundmuster ist nachträglich abgeleitet und ermöglicht eine Konstruktion des Labyrinths mit der herkömmlichen Methode: In der Mitte oben anfangen und dann reihum die freien Enden und Punkte verbinden.
So ist aber vermutlich das älteste bisher bekannte Labyrinth dieser Art auf der Münze von Knossos nicht konstruiert worden.

Ein begehbares 3-gängiges Knossos Labyrinth hat Jim Buchanan in Eibergen (NL) entworfen und gebaut (siehe unten).

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