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Posts Tagged ‘15-gängiges Labyrinth’

Das wesentlichste im Labyrinth ist die Bewegungsfigur. Für mich ist der Mäander das charakteristischste Bewegungsmuster. Darin wird direkt der Weg durch das Labyrinth ausgedrückt.

In diesem Beitrag versuche ich verschiedene Labyrinthtypen nur mit diesem Bewegungsmuster zu entwickeln. Also nicht aus dem Grundmuster (Keimstruktur) der Begrenzungslinien heraus, sondern direkt aus der Linienfolge (Wegfolge, Umgangsfolge).

Das einfachste Labyrinth hat 3 Umgänge und tauchte zuerst auf einer Münze aus Knossos auf. Darum nennt Andreas diesen Typ Knossos Labyrinth. Es besteht aus einem Mäander und hat zwei Wendepunkte (Anfang und/oder Ende der Begrenzungslinie). Das Grundmuster (Keimstruktur) für dieses Labyrinth ist sehr einfach: Drei Striche und zwei Punkte.

Alle Beispiele haben die quadratische Form mit gleicher Breite für die Trennlinien und den Weg (Ariadnefaden). Sie könnten aber genau so gut auch rund oder polygonal sein. Die Form spielt keine Rolle. Es kommt nur auf die Bewegungsfigur an.
Das Grundmuster (blau) ist in den nachfolgenden Beispielen nachträglich eingefügt.

Das 3-gängige klassische Labyrinth

Das quadratische 3-gängige klassische Labyrinth vom Typ Knossos

Es gibt noch ein 3-gängiges Labyrinth, das sich aus dem reduziertem Grundmuster des kretischen Labyrinths ableiten lässt. Es hat jedoch die Wegfolge (Umgangsfolge)1-2-3-4 und kommt als historisches Exemplar gar nicht vor.

Beim Typ Knossos heißt diese Folge: 3-2-1-4, das ist ein ganz anderer Rhythmus. Der hat mit dem Mäander zu tun.
Bei diesem Bewegungsmuster möchte ich hier bleiben und damit weitermachen.

Zwischenergebnis: Das 7-gängige kretische Labyrinth. Das ist der älteste historisch nachweisbare Labyrinthtyp, der vermutlich aus dem Grundmuster für die Begrenzungslinien entstanden ist. Genauer betrachtet wird es aus zwei Mäandern gebildet, die über einen „Zwischenrunde“ miteinander verbunden sind. Es hat vier Wendepunkte.

Das 7-gängige klassische Labyrinth

Das quadratische 7-gängige klassische (kretische) Labyrinth

Jetzt machen wir wieder eine Runde weiter und landen dann mit 11 Umgängen, 6 Wendepunkten und 3 Mäandern beim Labyrinth Typ Otfrid. Hier ist es quadratisch, die „Originale“ in den historischen Manuskripten sind alle rund.

Das 11-gängige klassische Labyrinth

Das quadratische 11-gängige klassische Labyrinth vom Typ Otfrid

Das Vorgehen dürfte inzwischen klar sein: Bei jedem Drehen einer weiteren Runde kommen vier Umgänge, ein Mäander und zwei Wendepunkte hinzu.

Hier das nächste Exemplar:

Das 15-gängige Labyrinth

Das quadratische 15-gängige klassische Labyrinth (neuer Typ)

Dieses Exemplar ist mir nicht als historisches Labyrinth bekannt. Obwohl es andere 15-gängige Labyrinthe gibt. Die sehen jedoch anders aus. Denn sie sind aus dem wohlbekanntem Grundmuster entstanden durch Hinzufügen weiterer Winkel. Es sind vor allem die vielen skandinavischen Trojaburgen. Bei Andreas heißt das 15-gängige Labyrinth Typ Tibble.

Es gibt auch 11-gängige Labyrinthe, die aus dem erweiterten Grundmuster entstanden sind. Andreas nennt sie Typ Hesselager.

Bei mir entstehen die verschiedenen Labyrinthfiguren aus einer anderen Idee heraus: Durch Fortführen der typischen Mäanderbewegung. Nur bei drei Exemplaren stimmen die so entwickelten Labyrinthe mit den historisch bekannten überein, die wahrscheinlich aus dem Grundmuster entstanden sind. Also hat vermutlich bisher noch niemand diesen Gedanken gehabt. Man kann damit die Labyrinthfigur auf eine neue Art erklären und ganz nebenbei entstehen neue Typen.

Als nächstes Exemplar in dieser Serie folgt ein 19-gängiges Labyrinth:

Das 19-gängige Labyrinth

Das quadratische 19-gängige klassische Labyrinth (neuer Typ)

Es ist ein Labyrinth mit 19 Umgängen, 5 Mäandern und 10 Wendepunkten.

In diesem Stil könnte man jetzt weitermachen und immer umfangreichere Labyrinthe entwickeln. Wer will, kann das ja für sich tun.


Mit dieser Methode kann man ganz einfach erklären, wie ein Labyrinth gezeichnet wird. Es werden dabei nur die Wege, also der Ariadnefaden, gezeichnet. Nicht die Begrenzungslinien. Wenn von Linien die Rede ist, sind hier immer die eigentlichen Umgänge (= die Wegachse) gemeint.
Hier ein Beispiel von einem Kindergartenkind:

Ein 11-gängiges Labyrinth

Ein 11-gängiges Labyrinth Typ Otfrid

Und hier die Abschlussarbeit eines Kindergartenprojekts zum Thema Labyrinth. Dabei hat jedes Kind „seine“ Linie in diesem 19-gängigen Labyrinth gezeichnet.

Ein 19-gängiges Labyrinth

Ein 19-gängiges Labyrinth (neuer Typ)

Das nächste ist ein persönlicher „Rekordversuch“ von mir. Bei 23 Umgängen habe ich aufgehört. Es lässt sich aber leicht weitermachen. Vielleicht probieren Sie es einfach selber einmal?

Ein 23-gängiges Labyrinth

Ein 23-gängiges Labyrinth (neuer Typ)

Nun möchte ich hier noch einmal das Prinzip erläutern. Am besten ist es, jeder vollzieht das für sich auf einem Blatt Papier nach. Wenn man/frau es erst einmal den Bogen heraus hat, ist es ziemlich einfach. Am Schluss sollte jeder in der Lage sein, den Ariadnefaden für das kretische Labyrinth auswendig und in einem Zug zu zeichnen.

Ich möchte das Bewegungsmuster möglichst einfach beschreiben, etwa so: Ich umrunde das Zentrum indem ich zur anderen Seite gehe. Dort drehe ich mich nach außen und gehe in gleichem Abstand und parallel zur gerade gezeichneten Linie auf die andere Seite zurück. Da wiederhole ich diese Bewegung: nach außen drehen und wieder zurück auf die vorherige Seite. Dort gehe ich zwischen den bis jetzt gezeichneten Linien hindurch zur Mitte. Fertig wäre das 3-gängige Labyrinth.
Ich kann aber stattdessen weitermachen und entlang der letzten Linie wieder zur anderen Seite wechseln. Dort wiederholt sich der Vorgang: Wieder um die Mitte herum auf die andere Seite gehen (dabei Platz lassen für zwei spätere Linien), dann nach außen drehen und wieder zurück, dasselbe noch einmal. Dann zur Mitte usw.

Wichtig ist nur, dass man daran denkt, dass die 1. gezeichnete Linie den 3. Umgang darstellt. Das bedeutet, ich muss genug Platz lassen für zwei Linien, die noch außen herum gezeichnet werden müssen. Nämlich der 2. und der 1. Umgang, die als 2. und 3. Linie gezeichnete werden. Das klingt kompliziert, ist es vielleicht auch. Doch wenn man einmal den Dreh heraus hat, ist es ganz leicht.

Die ersten fünf Linien

Die ersten fünf Linien/Umgänge für ein 11-gängiges quadratisches Labyrinth

Die nächsten sechs Linien

Die nächsten sechs Linien/Umgänge für ein 11-gängiges quadratisches Labyrinth

Die Bewegungsrichtung war in den vorigen Beispielen von außen nach innen. Dabei kann ich eine beliebige Form wählen, ein Quadrat, ein Rechteck, ein Polygon oder einen Kreis. Ich kann eckige Linien machen oder abgerundete. Wenn ich in der Mitte bin, ist Schluss.

Aber denkbar wäre auch die umgekehrte Bewegungsrichtung: Von innen nach außen. Da hätte ich theoretisch keine Begrenzung mehr und könnte immer im gleichen Stil weiter machen. Ein bisschen Umdenken für den Bewegungsablauf wäre dabei gefragt. Am besten selber probieren.

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