Wie repariere ich die Fehler in historischen Skandinavischen Labyrinthen?, Teil 5

Es bleiben jetzt nur noch die letzten beiden rätselhaften Isländischen Labyrinthe übrig.
Das sind die Zeichnungen von zwei identischen Labyrinthen aus dem Nationalmuseum von Reykjavik, NMI 3135 (Abb. 6) und NMI 5628 (Abb. 7) im Gastbeitrag von Richard Myers Shelton.

Die bringe ich erst einmal in die hier gewohnte geometrisch korrekte Form.

NMI 3135
NMI 3135
NMI 5628
NMI 5628

Die Labyrinthe sehen sich sehr ähnlich. Das eine ist einfach das andere, jeweils gespiegelt, sie sind also identisch.

Beide haben 11 Umgänge und eine größere Mitte, die aber nicht zu erreichen ist. Und es gibt nur Sackgassen, die jedoch auch nicht alle zu erreichen sind. Dafür gibt es eine Verzweigung, ähnlich wie beim Wunderkreis.
Der Weg über Umgang 8 führt zu 10 und endet hier. Der Weg über Umgang 6 führt über 2 und 4 zu 3 und endet da. Das Ende von 4 und 9 erreiche ich gar nicht. Die Mitte ist nur zu erreichen, wenn ich direkt nach dem Eintritt ins Labyrinth einen Haken schlage würde.

Die dickeren schwarzen Linien (= die Steinsetzungen) bilden die ununterbrochene Linie, den Ariadnefaden. Aber ohne jeden Anfang oder Ende, anders als noch beim Dritvík Labyrinth. Vermutlich liegt der Sinn und Zweck dieser Labyrinthe in den Steinsetzungen und nicht im Weg zwischen den Linien, wie wir es sonst von allen übrigen Labyrinthen aus dieser Zeit und in dieser Region kennen?
Aber welcher sollte das sein? Ein Gefängnis für die Geister oder Trolle? Ein Tor zur Unterwelt oder zur Anderswelt? Ein Denkmal für einen Schutzgeist? Für Rituale oder zur Magie?


Nun meine Erklärung: Nichts von alledem. Nur der Versuch, einmal ein anderes Labyrinth zu machen. Eines mit 11 Umgängen, die es zahlreich gibt in dieser Region. Die meisten sind nach dem erweitertem Grundmuster entstanden. Aber mathematisch betrachtet, gibt es über 1000 Möglichkeiten für ein 11-gängiges Labyrinth, wie Tony Phillips berechnet hat.

Die Umgangsfolge muss immer aus einer Reihe von geraden und ungeraden Ziffern bestehen. Und der Eintritt ins Labyrinth muss auf einem ungeraden Umgang liegen.
Zudem müssen die vier Sackgassen ersetzt werden. Hier darf jeweils eine Begrenzungslinie enden, aber kein Weg. Sie werden also zu Wendepunkten.

Nun meine beiden Vorschläge, wie die Labyrinthe umgestaltet werden könnten:

11-gängiges klassisches Labyrinth 7_5
11-gängiges klassisches Labyrinth 7_5

Ich habe zuerst ein 11-gängiges Labyrinth nach dem erweiterten Grundmuster mit dem Kreuz, vier Doppelwinkeln und vier Punkten gezeichnet (hier nicht gezeigt). Die Umgänge habe ich dann von außen nach innen nummeriert und anschließend die Umgangsfolge abgeleitet: 0-5-2-3-4-1-6-11-8-9-10-7-12. Diese habe ich rückwärts gelesen und so die Umgangsfolge für das gegenläufige Labyrinth erhalten, nämlich: 0-7-10-9-8-11-6-1-4-3-2-5-12. Damit wieder habe ich das hier dargestellte Labyrinth im Knidos-Stil konstruiert. Das komplementäre dazu sieht übrigens genau so aus, denn das Basislabyrinth nach dem Grundmuster ist selbst-dual.
Hier gehe ich also vom Eingang her zuerst in den 7. Umgang und vom 5. her betrete ich das Zentrum.
Wir hätten also ein komplementäres 11-gängiges Labyrinth vor uns, ganz so wie es der Versuch im 15-gängigen Borgo Labyrinth war.

Der zweite Vorschlag lässt sich aus einem verschobenem Grundmuster entwickeln:

11-gängiges klassisches Labyrinth 7_9
11-gängiges klassisches Labyrinth 7_9

Dafür nehme ich ein Kreuz, zeichne oben je einen Winkel und unten je drei Winkel. Die Punkte kommen wieder in die vier Ecken (hier nicht dargestellt). Die Umgangsfolge ergibt sich dann zu: 0-7-2-5-4-3-6-1-8-11-9-12. Daraus konstruiere ich dann das hier gezeigte Labyrinth im Knidos-Stil.
Die drei weiteren Verwandten dieses Labyrinths bekomme ich dann mit den in diesem Blog von Andreas ausführlich beschriebenen Methoden durch Rückwärtszählen und Ergänzen der Umgangsfolgen. Damit hätten wir dann wieder drei zusätzliche neue Vorschläge.

Da es aber noch über 1000 weitere theoretische Möglichkeiten gibt, wissen wir letztlich nicht, was sich die Verfasser der isländischen Labyrinthe vorstellten und von welchen Ideen sie sich leiten ließen.

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Ein Gedanke zu „Wie repariere ich die Fehler in historischen Skandinavischen Labyrinthen?, Teil 5

  1. Pingback: Wie sortiere ich eine Labyrinth-Gruppe? | bloggermymaze

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