Wie repariere ich die Fehler in historischen Skandinavischen Labyrinthen? Teil 2

Richard Myers Shelton vertritt in seinm Gastbeitrag vom 17.1.2021 die These, dass die angeblichen Fehler in manchen historischen Skandinavischen Labyrinthen gar keine sind, sondern dass diese Labyrinthe eine ganz andere Bedeutung hatten als wir ihnen heute zumessen. Sie wurden also bewusst in dieser Art angelegt.

Seine Gedankengänge kann ich schon nachvollziehen, erlaube mir aber trotzdem eine andere Sichtweise auf diese Labyrinthe.

In Teil 1 hatte ich mich auf das Borgo Labyrinth konzentriert. Heute soll es nun um das Wier Labyrinth gehen.

Davon habe ich unterschiedliche Darstellungen gefunden. Die eine stammt von Johan Reinhold Aspelin aus seinem Bericht von 1877.

Abbildung 1: Das Wier Labyrinth nach Aspelin

Abbildung 1: Das Wier Labyrinth nach Aspelin

Ebenso hat Karl Ernst von Baer 1844 über labyrinth-förmige Steinsetzungen im Russischen Norden berichtet und darin auch über seinen Besuch auf der Insel Wier im Jahre 1838 geschrieben und sogar eine Zeichnung vom Labyrinth hinterlassen.

Abbildung 2: Das Wier Labyrinth nach von Baer

Abbildung 2: Das Wier Labyrinth nach von Baer

Dann gibt es noch eine Darstellung in Nigel Pennicks European Troytowns von 1981.

Abbildung 3: Das Wier Labyrinth nach Pennick

Abbildung 3: Das Wier Labyrinth nach Pennick

Meine Überlegungen zu diesem Labyrinth sind folgende:
Es wurde wohl angelegt von Seefahrern, die auf der Insel Wier gelandet waren und vorher schon so ähnliche Steinsetzungen an anderen Orten gesehen hatten. Sie wollten nun mit den Steinen, von denen genug auf Wier vorhanden waren, ein solches Labyrinth bauen. Sicherlich hatten sie keinen Plan und versuchten einfach aus der Erinnerung heraus es nachzubauen. Sie legten zuerst die Steine in spiralförmiger Anordnung und wollten dann noch einen Zugang mit einer Verzweigung anlegen. Ging man bei ihrem Werk nach rechts, kam man in die Mitte. Ging man nach links, landete man jedoch in einer Sackgasse.
Ich glaube nicht, dass sie das beabsichtigten. Ihr hauptsächlicher Irrtum war wohl, dass sie nicht bedachten, dass bei einem Labyrinth dieser Art nicht eine einfache Spirale, sondern eine Doppelspirale in der Mitte sein musste.

Wie könnte man das Wier Labyrinth mit möglichst wenigen Eingriffen „retten“ und zu einem funktionsfähigen Labyrinth machen?
Ich sehe zwei Möglichkeiten. Hier die erste:

Abbildung 4: Ein spiralförmiges Wier Labyrinth

Abbildung 4: Ein spiralförmiges Wier Labyrinth

Man muss die linke Zugangslinie wegnehmen und an zwei Stellen die Linien schließen. Das ergibt den Typ mit der Wegfolge: 1-2-3-4-5-6-7-8. Das ist zwar ein sehr einfaches Labyrinth, erzeugt aber bei jedem Umgangswechsel auch eine Richtungsänderung. Es ist also nicht nur eine einfache Spirale.

Hier die zweite Möglichkeit:

Abbildung 5: Ein einfaches Wier Labyrinth mit einer Spirale in der Mitte

Abbildung 5: Ein einfaches Wier Labyrinth mit einer Spirale in der Mitte

Das erfordert einen „Umbau“ an drei Stellen. Es ergibt sich dann ein Labyrinth mit der Wegfolge: 3-2-1-4-5-6-7-8. Das ist ein 3-gängiges Knossos Labyrinth mit einer einfachen Spirale im Zentrum.
In früheren Beiträgen habe ich diesen Typ Indisches Labyrinth genannt. Es ist allerdings auch als eine Weiterentwicklung des Baltischen Rads anzusehen und kommt öfter im Skandinavischen Raum vor.

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