Wie repariere ich die Fehler in historischen Skandinavischen Labyrinthen? Teil 1

Richard Myers Shelton vertritt in seinm Gastbeitrag vom 17.1.2021 die These, dass die angeblichen Fehler in manchen historischen Skandinavischen Labyrinthen gar keine sind, sondern dass diese Labyrinthe eine ganz andere Bedeutung hatten als wir ihnen heute zumessen. Sie wurden also bewusst in dieser Art angelegt.

Seine Gedankengänge kann ich schon nachvollziehen, erlaube mir aber trotzdem eine andere Sichtweise auf diese Labyrinthe.
Alle diese Labyrinthe waren mit Steinen auf den Boden gelegt. Dadurch sind sie sehr anfällig für Veränderungen. Bei unserer Schweden-Tour im Jahr 2007 haben wir, die Teilnehmer an dieser Reise, organisiert von Jeff und Kimberly Saward, bei fast allen besuchten Trojaburgen immer auch kleinere „Reparaturarbeiten“ durchgeführt, indem wir verrutschte Steine wieder in die richtige Lage gebracht haben.

Von daher ist es leicht vorstellbar, dass durch unsachgemässes Vorgehen oder gar mutwillige „Sabotage“ die Wegführung im Laufe der Jahre verändert wurde. Oder dass einfach in Unkenntnis der Bedeutung der Labyrinthe gehandelt wurde. Diese Labyrinthe wurden auch nicht nach dem wohlbekanntem Grundmuster glegt. Da könnte sich auch ein Fehler bei der Anlage des Labyrinths eingeschlichen haben.
Auch die Aufzeichnungen der Forscher könnten Fehler enthalten.

Die meisten noch erhaltenen Skandinavischen Labyrinthe aus dieser Zeit sehen so aus, wie wir uns Labrinthe heutzutage vorstellen.

Zuerst ein „korrektes“ Labyrinth. Ich verwende die Abbildungen von Nigel Pennick: European Troytowns. Es ist ein Durchgangslabyrinth, das ich gerne Wunderkreis nenne. Im Zentrum befindet sich eine Doppelspirale, die äußeren Umgänge winden sich um zwei Wendepunkte. Je nachdem welchen Umgang ich zuerst einschlage, komme ich zuerst in die Spirale (hier vom 7. Umgang auf der linken Seite aus) oder in die äußeren Umgänge (wenn ich vom 5. Umgang auf der rechten Seite eintrete). Am Schluss habe ich aber das ganze Labyrinth durchwandert. Eine eigentliche Mitte wie beim klassischen Labyrinth gibt es nicht. Das Labyrinth kann auch gespiegelt sein oder mehr oder weniger Umgänge aufweisen (wie in Fig. 3).

Fig. 1: Ein Steinlabyrinth vom Typ Wunderkreis

Fig. 1: Ein Steinlabyrinth vom Typ Wunderkreis

Jetzt das zweite Borgo Labyrinth. Auch hier verwende ich die Abbildung von Nigel Pennick.

Fig. 2: Das "fehlerhafte" Borgo Labyrinth

Fig. 2: Das „fehlerhafte“ Borgo Labyrinth

Die Nummerierung der Umgänge habe ich den Zeichnungen hinzugefügt.
Es handelt sich um ein offenes Labyrinth, bei dem das Zentrum direkt zugänglich ist. Das kommt bei Skandinavischen Steinlabyrinthen manchmal vor. Genauer betrachtet ist es aber ein Wunderkreis mit einer Verzweigung des Weges, also ein sogenanntes Durchgangslabyrinth.
Die innere Doppelspirale (zugegeben: sehr ausgebeult) wird gebildet von den Umgängen 8 – 15. Die äußeren Umgänge werden gebildet von den Umgängen 1 – 9.

Wo liegt nun der Fehler?
Der Wunderkreis wird, grob gesagt, in drei Etappen gebildet. Zuerst wird das Zentrum und der gesamte obere Teil bis zu zwei Drittel des gesamten Umfangs gebaut. Dann der rechte und linke untere Teil. In Figur 1 sieht man, dass der 5. (rechts) und der 7. (links) Umgang ins Labyrinth führen.
Im Borgo Labyrinth (Fig. 2 und 3) müssten dies links der 7. und rechts der 9. Umgang sein weil das Labyrinth größer und gespiegelt ist. Auf jeder Seite brauche ich immer eine ungerade Anzahl an Linien, die zu verbinden sind (wie es genauer im 2. verwandten Artikel unten erklärt wird). In unserem Fall müssen vier Linien verlegt werden, damit ein freies Ende entsteht.

Und so könnte das „richtige“ Labyrinth aussehen:

Fig. 3: Das "reparierte" Borgo Labyrinth

Fig. 3: Das „reparierte“ Borgo Labyrinth

Der Fehler ist meines Erachtens dem oder den Erbauern dieses Labyrinths unterlaufen, nicht dem Berichterstatter Aspelin.
Das Labyrinth ist wohl auch in einer Übergangszeit vom klassischen, nach dem Grundmuster gelegten Labyrinth, zum Durchgangslabyrinth wie dem Wunderkreis entstanden, der nach anderen Prinzipien angelegt wird.
Vielleicht wollten der oder die Erbauer wirklich auch den Durchschlupf zur Mitte (auf dem 7. Umgang) verschließen und dafür in die Sackgasse im 4. Umgang führen, wie Richard Myers Shelton vermutet?

Verwandte Artikel

Ein Gedanke zu „Wie repariere ich die Fehler in historischen Skandinavischen Labyrinthen? Teil 1

  1. Pingback: Wie repariere ich die Fehler in historischen Skandinavischen Labyrinthen? Teil 2 | bloggermymaze

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.