Wie mache ich ein Indisches Labyrinth?

Was verstehe ich unter „Indisches Labyrinth“? Damit bezeichne ich zunächst ein einfaches 3- oder mehr-gängiges Labyrinth (um zwei Wendepunkte herum) mit einer Spirale in der Mitte. Diese kann beliebig groß sein. Es handelt sich also um ein zusammengesetztes Labyrinth.

Die Labyrinth Society (TLS) reiht es in „Andere Klassische Grundmuster“ ein, wobei als Untertypen „Chakra-Vyuha Labyrinth“ und „Baltisches Labyrinth“ aufgeführt sind.

Dieser Typ wird auch heutzutage noch verwendet, und sei es als Verzierung auf einer Geburtstagstorte, wie vor kurzem durch Lisa Gidlow Moriarty (USA):

Chakra Vyuha auf Torte

Chakra Vyuha auf Torte, © Lisa Moriarty

Ein solches Labyrinth kann aus einem Grundmuster erzeugt werden, das auf einem Dreieck beruht. Es wird auch Chakra Vyuha genannt. Doch auch andere Grundmuster gibt es (siehe Verwandte Artikel unten).

Und damit wird die Einordnung in eine gemeinsame Typologie schwierig, weil auch Zeit und Ort des Erscheinens ganz unterschiedlich sind.

Ich fange mit einem einfachen Labyrinth an. Es findet sich bei Hermann Kern und stammt aus dem 12. Jhdt.

Chakra Vyuha

Das Indische Labyrinth, Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe (1982), Abb. 602, S. 422

Gute 2000 Jahre älter ist das Eingeweidelabyrinth auf einem Tontäfelchen im Vorderasiatischen Museum Berlin mit der Nummer VAT 9560. Der Archäologe Ernst Friedrich Weidner (mehr darüber hier) zeigt es in einem Beitrag von 1917 als Abb. 4:

Das Babylonische Eingeweidelabyrinth

Das Babylonische Eingeweidelabyrinth VAT 9560, Abb. 4

Das sieht nicht so aus, als wäre es aus einem Grundmuster entstanden.

Eingeweidelabyrinth in drei Zügen

Eingeweidelabyrinth in drei Zügen

Es lässt sich jedoch in drei Zügen zeichnen. Ich beginne in der Mitte, zeichne die Spirale, mache auf der rechten Seite eine Schleife nach außen und schwinge in einem Bogen zur linken Seite (grüne Linie). Dann setze ich mich in die Schlaufe, umkurve die vorhergehende Linie und beende die Linie an der Unterseite der Spirale (blaue Linie). Die dritte Linie beginnt neben der vorhergehenden und schwingt nach links oben (gelbe Linie).

Genauso einfach lässt sich auch das Chakra Vyuha zeichnen:

Chakra Vyuha in zwei Zügen

Chakra Vyuha in zwei Zügen

Der eigentliche Weg im Labyrinth, der Ariadnefaden, muss in einem Zug gezeichnet werden.

Das kann von innen nach außen geschehen oder auch umgekehrt.


Im Artikel „Variationen des Wunderkreises“ (siehe Verwandte Artikel unten) hatte ich eine Methode beschrieben, um Durchgangslabyrinthe vom Typ Wunderkreis mit beliebig vielen Umgängen zu erzeugen.

Diese Methode, leicht abgewandelt, lässt sich auch verwenden, um die aus Spiralen mit beliebig vielen Umdrehungen zusammengesetzten einfachen Labyrinthe mit drei und mehr Umgängen zu erzeugen.

Noch einmal kurz die Prinzipien:

Ich beginne in der Mitte und zeichne eine Spirale mit mindestens einer, jedoch auch mehr Umgängen. Die Begrenzungslinien sind hier in Grün, der Ariadnefaden in Braun dargestellt.

Darüber kommt die gewünschte Anzahl an labyrinthischen Umgängen, mindestens drei bis zu (unendlich) vielen. Jedoch immer eine ungerade Anzahl.

Dann kommen die Schlaufen von außen nach innen (in Gelb). Da ich bei den Begrenzungslinien jeweils auf beiden Seiten eine ungerade Anzahl an Linienenden haben muss, beginnt oder endet eine Linie an der Unterseite der Spirale.

Beim Zeichnen der Begrenzungslinien wird die zwischen den Schlaufen liegende mittlere freie Linie nach vorne verlängert (in Rot).

Beim Zeichnen des Ariadnefadens wird auf der Seite mit den ungeraden Linienenden die innerste Linie nach vorne verlängert (in Rot). Die dann noch übrigen freien Linienenden werden in Schlaufen verbunden (in Gelb).

Im letzten Beispiel drehe ich noch eine „Ehrenrunde“ (in Schwarz) um das Ganze. So kann ich mit der richtigen Anzahl an Umgängen die historisch belegte Windelburg von Stolp erzeugen.

Windelburg von Stolp

Windelburg von Stolp

Die Windelburg von Stolp hatte eine dreigängige Spirale und 15 labyrinthische Umgänge plus einem zusätzlichen Umgang außen herum.

Wie soll man nun die vorgestellten Beispiele richtig klassifizieren? Als Indianisches Labyrinth kann man sicher nicht alle bezeichnen. Die Windelburg gehört eher zu den Trojaburgen und wird auch zu den Baltischen Labyrinthen gezählt. Jedoch haben sie alle das gleiche Muster, gehören also zum gleichen Typ.

Um ein Labyrinth auch bauen zu können, muss man es in eine geometrisch korrekte Form bringen. Ich nehme hierfür die Windelburg, nehme etwas weniger Umgänge und erstelle dazu eine Konstruktionszeichnung.

Eine neue Windelburg

Eine neue Windelburg

Diese stelle ich als eine Art Prototyp mit 1 m-Achsmaß, zweifacher Spirale und 9 labyrinthischen Umgängen als PDF-Datei zum anschauen, drucken oder speichern zur Verfügung.

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Ein Gedanke zu „Wie mache ich ein Indisches Labyrinth?

  1. Pingback: Die Babylonischen Labyrinthe: Eine Übersicht | bloggermymaze

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