Typ oder Stil / 3

Die Typologie der Labyrinth Society (TLS)

Die TLS publiziert auf ihrer Website eine Liste von Labyrinth Typen mit dem Ziel, die Terminologie zu vereinheitlichen und Klarheit für eine brauchbare Labyrinth Typologie zu schaffen. Neben echten Labyrinthen werden auch viele labyrinthähnliche Figuren erfasst.

Diese Seite enthält eine Übersicht über die Typologie. Man sieht eine Hierarchie mit drei Ebenen.

TLS Ebenen

Abbildung 1. Ebenen der TLS-Typologie

Die Terminologie ist nicht einheitlich. Die oberste Ebene (Ebene 1) kann „Familie“, oder „Gruppe“ heissen. Dazwischen gibt es eine mittlere Ebene (Ebene 2). Die unterste Ebene (Ebene 3) scheint die Typen zu enthalten. Diesen Typen werden dann die einzelnen Labyrinth Exemplare zugeordnet.

Es ist unklar, nach welchen Kriterien die Typen (auf Ebene 3) gebildet sind und wie die Zuteilung der einzelnen Exemplare vorgenommen wurde. Was heisst das? Dies will ich im Folgenden anhand einiger Schwierigkeiten aufzeigen.

Alternierende Labyrinthe mit der Umgangsfolge 3-2-1-4-7-6-5, also den „Kretischen Typ“ nach Kern, finden wir hier in drei verschiedenen Typen: „Classical 7 Circuit“, „Concentric Labyrinth“ und „Meander“. Die Wegführung scheint also nicht das Kriterium für die Bildung dieser Typen gewesen zu sein. Vielmehr spielen der Grundriss und die Umgangszahl eine Rolle.

In der „Classical Family“ wird u.a. zwischen einer „Classical“ und „Concentric“ Gruppe unterschieden (Abb. 1). Klassische Labyrinthe können von einem Seed Pattern aus gezeichnet werden, wie dieses Beispiel zeigt. Die „Concentric“ Gruppe enthält den Typen „Concentric Labyrinth“. Was macht dieser Typ für einen Sinn, wenn auch die konzentrischen Labyrinthe von einem Seed Pattern aus gezeichnet werden können? Genau das wird am ersten Beispiel dieses Typs gezeigt, bei dem es sich um ein konzentrisches kretisches Labyrinth, handelt.

In der „Medieval Group“ (Abb. 1), wird im Typ „Chartres Labyrinth“ das Exemplar der Kathedrale von Chartres gezeigt. In der „Medieval Group“ gibt es auch noch den Typ „Medieval 11 Circuit (also known as the Chartres labyrinth examples: Chartres, Amiens, St. Quentin)“. Zurzeit ist in diesem Typ ein einziges Exemplar abgebildet, das Labyrinth von Lucca, Italien.

Das Labyrinth von Lucca hat, wie das von St. Quentin und das von Amiens genau die gleiche Wegführung wie das Exemplar der Kathedrale von Chartres. Sie alle sind also, aufgrund der Wegführung, gemäss Kern Labyrinthe vom Typ Chartres. Hier scheint nun also die Wegführung das Kriterium für die Typenbildung gewesen zu sein. Aber warum schafft die TLS-Typologie dann zwei Typen? Einen Typ für das Exemplar aus der Kathedrale von Chartres und einen zweiten Typen für andere Exemplare mit derselben Wegführung?

In der „Medieval Group“ gibt es auch eine Untergruppe „Contemporary Medieval“ (Abb. 1). Diese enthält die Typen „Chalice Labyrinth“, „Contemporary Medieval“ und „Santa Rosa“. Dem Typ „Contemporary Medieval“, sind die drei in Abb. 2 gezeigten Beispiele zugeordnet.

Ex CM

Abbildung 2. Exemplare des Typs „Contemporary Medieval“

Das rechte Bild soll das Circle of Peace Labyrinth illustrieren. Das Labyrinth ist auf dem Bild nicht zu erkennen. Das Circle of Peace Labyrinth ist mir früher schon aufgefallen. Also habe ich im Internet nachgesehen und dieses Labyrinth gefunden.

CoP

Abbildung 3. Circle of Peace Labyrinth

Ein vierachsiges Labyrinth mit 7 Umgängen. So finden wir in dem Typ „Contemporary Medieval“ drei ganz unterschiedliche Labyrinthe mit vier Achsen und 3, 8 und 7 Umgängen. Warum werden diese Labyrinthe als Beispiele desselben Typs eingeordnet? Nach welchen Regeln sind diese Exemplare zugeordnet worden? Gemeinsam ist ihnen, dass sie vier Achsen haben.

Warum werden dann aber für das „Chalice“ und das „Santa Rosa“ Labyrinth eigene Typen vergeben? Die haben auch vier Achsen und unterscheiden sich nicht stärker als die drei Beispiele des Typs „Contemporary Medieval“. Man könnte sie also ebenso gut als Exemplare dem Typen „Contemporary Medieval“ zuordnen.

Es ist also weder klar, wie die Typen gebildet worden sind, noch welche Regeln bei der Zuteilung der einzelnen Exemplare zu den Typen angewendet wurden. Die Typologie ist auch nicht vollständig. Es fehlen wichtige mittelalterliche Labyrinthe wie u.a. Reims oder Auxerre, auch fehlen andere Labyrinthe mit 4 Achsen, Labyrinthe mit 2, 3 oder mehr als 4 Achsen. Vele einachsige Labyrinthe sind weder als Beispiele noch als Typen untergebracht.

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3 Gedanken zu „Typ oder Stil / 3

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