Vom Kretischen Labyrinth zum Römischen Labyrinth

Die älteste bekannte Labyrinthfigur ist das kretische Labyrinth (auch das klassische Labyrinth genannt).  Es ist wohl um 1200 v.Chr. entstanden. Die erste Weiterentwicklung fällt in die Zeit des Römischen Reiches von etwa 165 v.Chr. bis 400 n.Chr. Die generelle Bezeichnung ist römisches Labyrinth, wobei es wieder unterschiedliche Typen gibt. Allen gemeinsam ist, dass verschiedene (meist vier) Sektoren der Reihe nach durchlaufen werden.

Das kretische Labyrinth in quadratischer Form

Das kretische Labyrinth in quadratischer Form

In seinem Buch „Das große Buch der Labyrinthe und Irrgärten“ (2003 im AT-Verlag) hat Jeff Saward beschrieben, wie die Entwicklung des römischen Labyrinths aus dem kretischen Labyrinth möglich ist. Ich versuche hier also nur, die Vorgehensweise in verständlichen Schritten nachzuvollziehen.

Wir beginnen mit dem kretischen Labyrinth in quadratischer Form.
In der Zeichnungen sind die Begrenzungslinien schwarz dargestellt. Das darin enthaltene Grundmuster ist blau hervorgehoben. Die Wege sind orange angelegt, in gleicher Breite wie die Begrenzungslinien.

Durch eine Drehung wird die ganze Figur auf ein Viertel reduziert. Dabei werden die senkrechten Teile des halben Grundmusters in die Waagrechte gebracht.

Das "geviertelte" kretische Labyrinth

Das „geviertelte“ kretische Labyrinth

Um aus dem geviertelten Labyrinth ein vollständiges römisches Labyrinth zu erzeugen, müssen in jedem Sektor noch zwei Umgänge eingefügt werden: Einer um die Mitte herum und einer ganz außen. In den äußeren bewegt man sich jeweils in den nächsten Sektor, der letzte Gang führt schließlich in die Mitte.
Wenn man die Wegführung ganz genau anschaut, kann man erkennen, dass man in jedem Sektor gleichsam den Rückweg im kretischen Labyrinth absolviert. Oder anders ausgedrückt: In einem römischen Labyrinth durchwandert man vier Mal den Weg aus einem kretischen Labyrinth heraus.

Das römische Labyrinth

Das römische Labyrinth

Die Wegfolge lässt sich anhand der Ziffern nachvollziehen. Dabei erkennt man gut, dass das kretische Labyrinth im römischen Labyrinth enthalten ist.

Noch besser erkennt man die Verwandtschaft mit dem kretischen Labyrinth in der Diagrammdarstellung.

Das Diagramm für das römische Labyrinth

Das Diagramm für das römische Labyrinth

Das römische Labyrinth ist selbstdual wie auch das kretische. Das sieht man gut in der nachfolgenden Grafik. Egal wie das Diagramm gedreht oder gespiegelt ist, es ergibt sich immer die gleiche Wegfolge. Auch spielt es keine Rolle ob man in Richtung Mitte geht oder umgekehrt, oder ob man sich den Eingang unten oder oben vorstellt.

Das Diagramm für das kretische Labyrinth in vier Varianten

Das Diagramm für das kretische Labyrinth in vier Varianten

Es gibt verschiedene historische römische Labyrinth dieser Art. Das älteste stammt aus dem 2. Jh. n.Chr. und ist auf einem Mosaik in Pont Chevron (Frankreich) zu sehen. Darum nennt Andreas Frei es Typ Chevron (siehe Link unten).

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Ein Gedanke zu „Vom Kretischen Labyrinth zum Römischen Labyrinth

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