Varianten der gleichen Keimstruktur / 2

Hier stelle ich zwei weitere Varianten der Keimstruktur für den Kretischen Labyrinth-Typ vor. Ich verwende die gleichen Varianten wie in diesem Beitrag, zeige sie aber in einer etwas anderen Reihenfolge von der einfachsten bis zur kompliziertesten Keimstruktur.

Abbildung 1. Abhuyumani Tantra

Abbildung 1. Abhuyumani Tantra

Abb. 1 zeigt die Keimstrukturen der Labyrinth-Zeichnung aus Rajasthan. Die Keimstruktur für die Begrenzungsmauern ist zusammenhängend. Das zentrale Kreuz ist zwar verzerrt, aber gut erkennbar. Die vier Winkel sind zu vier Bögen mutiert. Sie liegen nicht mehr zwischen den Kreuzarmen, sondern sind alle horizontal ausgerichtet. Die beiden inneren liegen über, die beiden äusseren hängen neben und leicht unter dem Querbalken.

Die Keimstruktur für den Ariadnefaden fällt etwas mehr auseinander. Der Grund dafür ist, dass die Wendestelle vom ersten auf den vierten Umgang den ganzen 3. Quadranten dieses Labyrinths ausfüllt. Also muss man den Ariadnefaden etwa durch die Mitte des Quadranten führen. Dadurch zerfällt das Segment für die beiden jenseitigen äusseren Wendestellen in zwei separate Bögen.

Abbildung 2. Halbherz Labyrinth

Abbildung 2. Halbherz Labyrinth

Die Keimstrukturen für das halbherzförmige Labyrinth weisen vier Besonderheiten auf (Abb. 2).

  • Sie zerfallen in zwei getrennte Hälften. Das liegt am Grundriss dieses Labyrinths, der keine geschlossene, sondern eine zur Hälfte entrollte Figur ist. Die obere Hälfte der Keimstruktur enthält die Wendestellen, die in einem geschlossenen Grundriss jenseits der Achse neben den diesseitigen Wendestellen liegen.
  • Bedingt durch die Herzform beschreiben die inneren Umgänge nicht einen Halbbogen, sondern nur etwa einen Viertelbogen. Die oberen inneren Wendestellen sind deshalb nicht parallel zu den oberen äusseren Wendestellen ausgerichtet, sondern um ca. eine Vierteldrehung im Gegenuhrzeigersinn rotiert.
  • Durch die künstlerische Ausgestaltung ist im Bereich der Eingangssituation die Wegführung nicht eindeutig. Der Weg kann von unten oder von oben in den 3. Umgang des Labyrinths einbiegen. Für eine eindeutige Wegführung fehlt ein Teil der Begrenzungsmauer, der schematisch als gestrichelte Linie ergänzt wurde.
  • Ebenfalls bedingt durch die künstlerische Gestaltung ist ein grosser Teil des Innenraums nicht zugänglich, sondern wird von der Oberkante der (halben) Herzform abgetrennt. Der Weg endet oberhalb dieser Oberkante und erreicht dort das Zentrum. Die Enden der unteren Hälfte der Keimstruktur sind deshalb alle weiter vom Zentrum entfernt, als die der oberen Hälfte.

Die Regel für das Komplettieren der Keimstruktur zum ganzen Labyrinth lautete bisher: „Man verbinde die beiden nächsten Enden neben dem Zentrum mit einem Bogen um das Zentrum herum, fahre in der gleichen Weise fort mit den beiden nächsten Enden und füge so, von innen nach aussen eine Begrenzungsmauer / einen Umgang an die / den nächsten an.“ (Das funktioniert übrigens auch mit beiden Keimstrukturen gemeinsam. Zuerst kommt die innerste Begrenzungsmauer, dann der innerste Umgang, als nächstes die zweit-innerste Begrenzungsmauer, dann der zweit-innerste Umgang usf.) Diese Regel wurde für geschlossene Figuren formuliert.

Die Regel gilt sinngemäss auch für diese Variante der Keimstruktur einer halboffenen Figur. Allerdings muss man hier die oben genannten Besonderheiten beachten. Alle Enden der oberen / jenseitigen Hälfte der Keimstruktur liegen näher beim Zentrum als die der unteren / diesseitigen Hälfte. Die Regel muss deshalb präziser formuliert werden: „Man verbinde das nächste Ende der oberen Hälfte neben dem Zentrum mit dem nächsten Ende der unteren Hälfte zum Zentrum in einem Bogen links um das Zentrum herum.“

Da die Figur halboffen ist, kann man nicht mit geschlossenen Bögen rund um das Zentrum, sondern nur mit einseitigen Teilbögen verbinden. Und da die beiden Hälften der Keimstruktur nicht symmetrisch nebeneinander angeordnet sind, sondern auseinander liegen, muss explizit erwähnt werden, dass man immer ein Ende der unteren (diesseitigen) Hälfte mit einem entsprechenden Ende der oberen (jenseitigen) Hälfte verbinden muss. Das gleiche geschieht übrigens bei der Keimstruktur für die geschlossenen Figuren von selbst. Mit jedem Verbindungsbogen wird ein Ende diesseits mit einem jenseits der Achse verbunden.

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2 Gedanken zu „Varianten der gleichen Keimstruktur / 2

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