Keimstrukturen einachsiger Labyrinthe

Die Keimstruktur für die Begrenzungsmauern ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Sie wurde für das Kretische Labyrinth unzählige Male veröffentlicht. Die Labyrinth Society verwendet sie sogar in ihrem Logo. Kern hat die Keimstruktur als Werkzeug zur Konstruktion von Labyrinthen beschrieben. Dabei stützte er sich auf Anregungen von Thordrup und Löwenstein (Abbildung 1).

Abbildung 1. Konstruktion von Labyrinthen

Abbildung 1. Konstruktion von Labyrinthen

Quelle: Hermann Kern. Labyrinthe: Erscheinungsformen und Deutungen; 5000 Jahre Gegenwart eines Urbilds. 2. Auflage, München: Prestel 1983.

Serien A und B zeigen die Konstruktion eines Kretischen und eines Labyrinths vom Typ Hesselager nach Zeichnungen von Thordrup. Serie C zeigt sieben Labyrinthe mit unterschiedlicher Umgangszahl, die nach einem Vorschlag von Löwenstein auf die gleiche Weise konstruiert sind. Darin sind auch die beiden Labyrinth-Typen aus Serie A und B enthalten.

Ein sehr interessanter Beitrag findet sich auf der Website von Tony Phillips. Dieser verwendet die Keimstruktur für die Begrenzungsmauern, um eine Anzahl interessanter einachsiger Labyrinthe, bei denen der Weg die Achse nicht quert, zu beschreiben.

Die Keimstruktur für den Ariadnefaden wurde von Gundula Thormaehlen-Friedman für das Kretische Labyrinth gefunden. Erwin hat sie erstmals auf diesem Blog veröffentlicht. Aber die Keimstruktur ist nicht auf das Kretische Labyrinth beschränkt, sondern kann für jeden einachsigen Labyrinth-Typ gezeichnet werden. Dies wird in den folgenden Abbildungen an drei Beispielen gezeigt.

Abbildung 2. Tholos

Abbildung 2. Tholos

Abbildung 2 zeigt die Keimstruktur für die Begrenzungsmauer und den Ariadnefaden des Tholos-Labyrinths. Das Labyrinth befindet sich innerhalb des inneren Säulenrings des Tholos von Epidauros. Innerhalb dieses Säulenrings hat es drei Umgänge. Der äusserste dieser Umgänge ist von aussen nicht zugänglich und wird durch eine Wand unterbrochen. Er endet beidseits dieser Mauer in einer Sackgasse. Von diesem Umgang (schraffiert) biegt der Weg in das eigentliche Kern-Labyrinth ab, das nur aus den beiden innersten Umgängen besteht. Die Keimstruktur ist für dieses Kernlabyrinth abgebildet.

Abbildung 3. St. Gallen

Abbildung 3. St. Gallen

Das in Abbildung 3 gezeigte Labyrinth von St. Gallen ist eines der seltenen Exemplare, bei denen der Weg die Achse kreuzt. Dies wird auf der Keimstruktur für den Ariadnefaden mit zwei dünnen vertikalen Linien angegeben. Eine Keimstruktur kann somit auch für solche Labyrinthe gezeichnet werden. Es spielt also für die Keimstruktur keine Rolle, ob bei einem Labyrinth der Weg die Achse quert oder nicht.

Abbildung 4. Cakra vyuh

Abbildung 4. Cakra vyuh

Abbildung 4 zeigt ebenfalls ein sehr interessante Labyrinth. An der Keimstruktur für den Ariadnefaden zeigt sich deutlich, dass sich in diesem Labyrinth Serpentinen und einfache (Erwin’s Typ 4-) Mäander abwechseln.

Im Allgemeinen ist die Keimstruktur für den Ariadnefaden einfacher und besser lesbar als jene für die Begrenzungsmauern.

Die Keimstrukturen für 22 einachsige Labyrinthe sind hier zugänglich.

Schlussfolgerung: Eine Keimstruktur kann für jedes einachsige Labyrinth gezeichnet werden. Umgekehrt kann jedes einachsige Labyrinth aus einer Keimstruktur konstruiert werden.

4 Gedanken zu „Keimstrukturen einachsiger Labyrinthe

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