Die 5-gängige fehlerhafte Silbermünze von Knossos

Die Sache mit der fehlerhaft gezeichneten Silbermünze im vorigen Artikel hat mir keine Ruhe gelassen und ich habe sie noch einmal genauer angeschaut:

Quadratisches Labyrinth mit fünf Umgängen und zahlreichen Zeichenfehlern 350-300 v. Chr.

Quadratisches Labyrinth mit fünf Umgängen und zahlreichen Zeichenfehlern 350-300 v. Chr. / Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, 1982, Abb. 54 (gedreht)

Auffällig ist, dass die vier gewohnten Wendepunkte für das 7-gängige kretische Labyrinth zu sehen sind. Auch das zentrale Kreuz des Grundmusters ist zu erkennen, aber in vertiefter Form. Doch welche Linien sind die Begrenzungslinien und welche der Weg, der Ariadnefaden?
Ein bisschen getrickst wurde auch mit den Linienbreiten, denn die unteren beiden Wendepunkte liegen nicht auf gleicher Höhe.

Jedoch ist die Konstruktion nicht total sinnlos, sie zeigt sogar etwas sehr Interessantes. Hier eine grafische Darstellung:

Quadratische Labyrinthstruktur

Quadratische Labyrinthstruktur

Die Begrenzungslinien sind die schwarzen Linien. Der Weg ist der ausgesparte Bereich dazwischen.
Die vier Wendepunkte, der Anfangs- und der Endpunkt sind miteinander verbunden, ohne dass sie sich kreuzen wie das normalerweise der Fall sein müsste. Hier haben wir daher drei zusammenhängende Linien statt zwei. Hingegen kreuzt sich der Ariadnefaden, das darf eigentlich nicht sein. Auch gibt es keine richtige Mitte, dafür Verzweigungen. Jedoch ist es trotzdem möglich durch die Labyrinthstruktur zu gehen und dabei alle Wege abzuschreiten.

Probieren Sie es selbst:
In A anfangen, nach rechts gehen und ab dem Kreuzungspunkt X nach links abbiegen, auch beim Herausgehen. Dann landet man wieder am Anfangspunkt A und hat alle Wege durchquert.
Oder man geht in A erst nach oben und ab X immer nach rechts. Dann kommt man ebenso wieder nach Abschreiten aller Wege in A an.

Es ist also ein „Durchgangslabyrinth“ mit Verzweigungsmöglichkeit. Für ein Labyrinth im strengen Sinn ist das nicht zulässig, aber im baltischen Rad oder im Wunderkreis von Kaufbeuren kommt das später vor. Oder natürlich in den Irrgärten viele Jahrhunderte später.

Entweder hat ein Witzbold oder ein Auszubildender, der nicht so richtig im Zeichenunterricht aufgepasst hat, diese Münze geprägt?
Oder es ist hier schon etwas zu finden, was erst in der Labyrinthentwicklung Jahrhunderte später auftaucht?

Ein Gedanke zu „Die 5-gängige fehlerhafte Silbermünze von Knossos

  1. Pingback: Das Labyrinth auf den Silbermünzen von Knossos, Teil 1 | bloggermymaze

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