Ist Wikipedia ein Labyrinth oder ein Irrgarten?

Zuerst wollte ich diesen Artikel nur betiteln: Das Labyrinth bei Wikipedia. Doch dann habe ich gemerkt, dass da durchaus labyrinthische bis „irrgärtnerische“ Züge zu finden sind. Teilweise trifft das auch für das Internet als Ganzes zu.

Man findet (fast) alles, wenn man weiß wie es geht und lange genug sucht. Und sich nicht ablenken lässt oder in Sackgassen verläuft. Gerade bei Wikipedia ist man durch die vielen unterlegten Querverweise (= Links) schnell in einer Sackgasse. Da hilft zwar oft der Zurück-Button im Browser, um wieder in die richtige Spur zu kommen. Oft gibt es gar nicht die Querverweise zu dem, was man sucht. Oder man findet, was man sucht, nur durch Zufall oder ganz woanders. Sicher hilft hier Versuch und Irrtum, und man lernt auch eine ganze Menge nebenbei, aber man verzettelt sich und verliert Zeit.
Also ist Wikipedia beides: Labyrinth und Irrgarten. Und es kommt sehr darauf an, wie man sich darin bewegt.

Was schreibt nun die deutsche Wikipedia über das Labyrinth? Hier der Beginn des Artikels:

Labyrinthbezeichnet ein System von Linien oder Wegen, das durch zahlreiche Richtungsänderungen ein Verfolgen oder Abschreiten des Musters zu einem Rätsel macht.

Das 7-gängige klassische Labyrinth

Das 7-gängige klassische Labyrinth

In meinem anderen Blog habe ich schon zwei Mal nachgeschaut, im März 2009 und im November 2009.
Und wieder hat sich einiges geändert. Sogar zum Besseren, was ja nicht selbstverständlich ist.

Die Titulierung der Trojaburgen und Rasenlabyrinthe als „Schlingenmuster und daher keine Labyrinthe“ ist zum Glück verschwunden.
Und die offensichtliche Vertauschung der Begriffe Labyrinthe im engeren und im weiteren Sinn ist korrigiert worden. Jetzt sind die Labyrinthe wieder die Labyrinthe im engeren Sinn und die Irrgärten gehören zu den Labyrinthen im weiteren Sinn.

Von der Form her bleibt es bei den Labyrinthen im engeren Sinn bei der Einteilung in das kretische („klassische“), römische und christliche Muster. Hier bietet sich in Anlehnung an die Vorschläge der Labyrinthsociety (TLS) eher eine Einteilung in ein klassisches, römisches und mittelalterliche Muster an.
Die Bezeichnung kretisches Labyrinth hat sich zwar sehr eingebürgert, ist aber doch zu einseitig. Auch die historischen Trojaburgen und einige der Rasenlabyrinthe (vor allem die deutschen) gehören zu diesem Typ. Die Bezeichnung Ur-Labyrinth wird auch nicht gern gesehen (Verzeihung liebe Ilse), wenngleich dieser Typ vermutlich das erste und älteste nachweisbare Labyrinth darstellt.
Und christlich sollte man als Typ auch nicht wählen, denn das würde bedeuten, dass die übrigen heidnisch wären. Die Labyrinth Society schlägt dafür „mittelalterlich“ vor. Selbstverständlich wurde das Labyrinth wie so viele andere Symbole auch christianisiert, aber das heisst nicht, dass ein bestimmter Typ christlich wäre.

Dann gibt es noch einen sehr interessanten Satz:

Aus dem kretischen Muster kann theoretisch durch vierfache Wiederholung das römische, durch Ineinanderfügen zweier verkleinerter römischer das christliche Muster entwickelt werden.

Das klingt sehr gut. Doch wie sieht die konkrete (zeichnerische, bauliche) Umsetzung aus? Denn so richtig vorstellen, kann ich mir das (noch) nicht. Vielleicht Sie? Ich lasse mich gern beraten.

Als mittelalterliches Fußbodenlabyrinth wird der „Chartres-Typ“ eigens erwähnt, hier sind jedoch einige kleine Fehler enthalten: Die Steine sind weiß und schwarz, nicht blau. Das weiß ist eher ocker. Der Kranz besteht aus 113 regelmäßig angeordneten Zacken und nicht aus 112, wie die treuen Leser dieses Blogs auf einem der vorausgegangen Artikel erfahren haben.

Ich habe den Eindruck, dass der Artikel zu umfangreich geworden ist und eine Verlagerung in verschiedene, eigenständige Artikel geschehen ist. Als erstes wird schon eine gewisse (aber leider nicht konsequente) Einteilung vorgenommen, wenn man die Begriffsklärung Labyrinth anschaut.
Von hier kommt man zu Labyrinth, Irrgarten, Labyrinth des Minotauros und Große Labyrinth-Höhle.
Leider nicht zu Trojaburg und Rasenlabyrinth. Das sind Artikel, die man direkt aufrufen muss. Aber auch das Maislabyrinth hat einen eigenen Artikel, oder das Spiegellabyrinth, beide gehören sie jedoch zu den Irrgärten.

Trojaburg Visby

Trojaburg Visby

Beim Artikel über die Trojaburgen stört mich die „pseudolabyrinthische schlingenartige Form“. Hier der Originaltext:

Als Trojaburgen (schwedisch Trojeborg, Mehrzahl Trojeborgar) werden Steinsetzungen in pseudolabyrinthischer schlingenartiger Form aus faust- bis kopfgroßen Steinen bezeichnet.

Ein eigener Artikel gehört der Trojaburg von Tibble, wird aber als Labyrinth von Tibble bezeichnet. Das trifft zu, wie es aber für alle Trojaburgen zutrifft, die ja echte klassische Labyrinthe sind.

Beim Artikel über die Rasenlabyrinthe steht:

Ein Rasenlabyrinth (engl. turf maze), auch Wunderkreis oder Wunderburg, ist ein großflächiges, begehbares Labyrinthmuster, das in eine ebene Rasenfläche eingeschnitten wurde, meist auf kargem Boden.

Das Rad in der Eilenriede

Das Rad in der Eilenriede, Foto: © AxelHH (Wikipedianer)

Von den noch existierenden, historischen acht Rasenlabyrinthen in Großbritannien sind zwei (Dalby: 7-gängig, Somertom: 15-gängig)) vom klassischen Typ, die übrigen sechs vom mittelalterlichen Typ.
Von den noch existierenden Rasenlabyrinthe in Deutschland sind die zwei in Graitschen und Steigra vom klassischen Typ (mit 11 Umgängen) und das Rad in der Eilenriede vom klassischen Typ des baltischen Rades mit einem zweiten kurzen Aus- bzw. Eingang. Diese wurden oft auch Wunderburgen genannt. Der ursprüngliche Wunderkreis von Kaufbeuren ist an historischer Stelle (Bau einer Kaserne durch die Wehrmacht im letzten Weltkrieg) nicht mehr vorhanden. Jedoch wurde 2002 im Jordanpark nach historischem Vorbild ein neuer Wunderkreis angelegt. So könnte man dieses Labyrinth durchaus als viertes historisches Labyrinth für Deutschland zählen.

Dem Rasenlabyrinth in Saffron Walden (GB) ist wieder ein eigener Hauptartikel gewidmet.
Julian’s Bower in Alkbourough (GB) hat einen Hauptartikel mit einem Weblink zu einem schönen Artikel mit Fotos. Ein Foto gibt es in der englischen Version.
Zum Rad in der Eilenriede findet man in einem Hauptartikel über Eilenriede und dort im Punkt 4.1 Rasenlabyrinth.

Bis auf Sommerton (GB) konnte ich alle historischen Rasenlabyrinthe in England und Deutschland besuchen und fotografieren. Und auf einer Schwedentour auch etliche der historischen Trojaburgen dort.

Die Bilder sind zu finden in der Fotogalerie auf meiner Website Geheimnis Labyrinth mymaze.de.

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