Das „Grundzeichen“ MYŠ-TER-UM

Ein Gastbeitrag des Sprachforschers Zoltán Kruse

© Zoltán Ludwig Kruse

Das hier gezeigte etruskische Fresko, wie andere auch, wurde in einer von Dunkelheit erfüllten unterirdischen Grabkammer realisiert. Man fragt sich heute, mit welcher Motivation? Die farbenfrohen Bilder wurden wohl mit der Absicht gemalt, die Verstorbenen mit Darstellungen schöner Momente des irdischen Lebens ins Jenseits zu begleiten. Ja, man wollte für sie eine vertraute, heitere Umgebung erzeugen. Die etruskischen Grabkammern wurden in den lavischen Tuff hinein gegraben. Denn dort unten, im Erdinneren, dem Reich der schöpferische Kraft bergenden Dunkelheit, geschieht alle Schwangerschaft. Dort, in der Dunkelheit des Erdenschoßes, ereignet sich Transformation. Sie führt zur Wiedergeburt. Aus dem Tod, aus der Dunkelheit quillt das neue Leben. Deswegen wurden die Körper der Verstorbenen dort, in der Tiefe untergebracht. Und das belebende, farbenvolle Licht der Fresken wurde in die Dunkelheit hinein getragen, um den Prozess der Wiedergeburt anzuregen.

Etruskisches Tanzpaar

„Die Farbe der Etrusker“ – „Tänzer“; © Stampa Alternativa/Nuovi Equilibri

Dieses aus der archaischen Periode (7-6 Jh. v. u. Z.) stammende etruskische Fresko befindet sich in der „Tomba Giustiniani“ der Totenstadt von Tarquinia. Ich entdeckte das Bild vor einigen Jahren in einer 14 Stücke enthaltenden Postkartensammlung. Meine Überraschung war groß, als ich das Grundzeichen, das ich in meinem Buch bereits ausführlich erklärt hatte (S. 111), vor mir sah. Der Titel dieses Bildes wurde vom Herausgeber mit “Danzatori“ / “Tänzer“ angegeben. Falsch ist es ja gerade nicht, doch ungenau. Das Wesentliche bleibt dabei nämlich ungenannt. Denn da sind nicht irgendwelche “Tänzer“, sondern da ist “d a s tanzende Menschen-Paar“ dargestellt. Oft betrachtet man bezaubernd schöne Bilder und übersieht dabei wesentliche Einzelheiten. Dies ist wohl eine Folge des Überkonsums von Bildern, die heutzutage in ungeheurer Überfülle angeboten werden. Die Mecher/Etrusker, wie auch andere Menschen alter Kulturen, die die große Mutter-Göttin verehrten, äußerten die von ihnen erkannten universalen Wahrheiten in klarer, dennoch subtiler Form. Diese sind oft nur zart angedeutet, als „pars per totum“. Der Mensch unserer Tage ist hingegen an eine, von den Medien allgemein verwendete, penetrant schreiende Ausdrucksform der Sendungen gewöhnt. Er reagiert deswegen kaum noch, oder nur noch selten, auf bildhaft oder klanghaft Subtiles. Das zarte, fast unscheinbare, leicht übersehbare Ornamentdetail auf dem roten Kleid der Tänzerin auf diesem etruskischen Fresko enthält nichts Geringeres als die universale Sendung von der Kontinuität des Lebens auf Erden. Im mehrfach dargestellten Kreuzornament ist das „Grundzeichen“ leicht zu erkennen. Sehr stark ist auch die Sendung der (py)r~oten Far~be. Sie ist die verheißungsvolle Farbe der Morgenröte. Die rote Farbe erzählt von der glorreichen Erscheinung des wir~belnden Sonnen-Kreises. Der großen Sonnenscheibe, die auf Erden alle Wesen durch ihre Wär~me- und Lichtstrahlen belebt. Die Farbe rot erzählt vom Feuer/Für/fire/vuur. Die rote Farbe erzählt vom Leben. Die rote Farbe erzählt von feur~igen Emotionen, von Lebens~freu~de, Frei~heit, Frie~den, Feier~n, Lust, Leidenschaft und Begeisterung. Die Farbe rot erzählt vom Blut, vom Herzen, vom Blutstrom des Kreislaufes. Die Farbe rot erzählt von der bre~nnenden Glut des Sommers. Die Farbe rot erzählt von der roten Rose, die ihren berauschenden Duft in den Raum ausströmt. Und rot ist, wie wir wissen, die den Urwortskern BYR/PIR anrufende Farbqualität des Kraft-gebenden (mag. ERŐ) Blutes (mag. VÉR), des Ader-Blut-Strom-Kontinuums (mag. ÉR-VÉR-ÁR), der die von frie~dliebenden Frau~en, von Müttern geborenen Generationen verbindet und die Kontinuität der Menschheit auf Erden aufrecht erhält.

Wie schon dargestellt, entspricht das „Grundzeichen“ den Drei kingir/šumerischen Ideogrammzeichen: gleichschenkeliges Kreuz (Wortwert MYŠ/MAŠ, PAR, Bedeutungen: „Kreuz / Kreuzung, Hälfte / halbieren – verdoppeln“), Winkelzeichen (Wortwert TAR/TIR, Bedeutungen: „Weg / Route / sich trennen / abzweigen“) und Quadrat, mit zentralem Achtstern und oberem Dreieck (Wortwert AMA/UMMU, Bedeutungen: „Mutter, Weit-/ Breitsein“). Mit ihnen wurde seinerzeit der Wortklang MYŠ-TER-UM = „Das Paar-gezeugte Andere/Ebenbild entsteht durch Abzweigung in der Mutter“ geschrieben. Der Wortklang MÁS TER~EM ist im Magyarischen Ausdruck der Doppelbedeutung: „Anderes/Ebenbild generiert/gedeiht“ und „Anderer Innenraum“. Allen wohl bekannt sind die in anderen Sprachen durch Anagrammierung von TER~UM/TER~EM kreierten Wortgestalten: Ma~ter, Ma~dre, Mu~tter, Mo~ther, Moe~der, Ma~tro~na/e. Die Drei bildenden Urwortskerne des Wortklanges MYŠ-TER-UM finden wir im Magyarischen in der fast selben phonetischen Gestalt und mit den fast selben Bedeutungen. MÁS bedeutet „Anderes / Ebenbild“, PÁR heißt „Paar“; TÉR als Verb heißt „kehrt, wendet, schwenkt, zweigt ab“, als Substantiv „Raum, Feld, Platz“, während seine Wandlungsform mit mittlerem Vokalwert TÁR „Lager, Speicher, öffnet“ bedeutet; MA~MA, ANYA, ANYU heißt „Mutter“, NŐ als Substantiv heißt „Frau“, als Verb „wächst“, NÉNE/NÉNI bedeutet „Tante“, EM~LŐ „Busen“, EM~SE „Sau“ und EM~BER bedeutet „Mensch“. EMŐ und EMESE sind die Mutter anrufenden Frauennamen. Von besonderer Bedeutung scheint mir die Bildung des Wortklanges EMBER in dem EM den Anteil „Frau“ und „Mutter“, während BER den Anteil „Mann“ (FÉR-FI) und „Gatte“ (FÉR-J; FÉR = „kommt unter, nimmt Raum ein“) stimmig zum Ausdruck bringen. Das bedeutet, dass wir im Wortklang EM~BER den paarungs-spezifischen Werdungsweg des Menschen realisiert vorfinden.

In einem der Bücher meines Freundes Giovanni Feo (”Pittura Segreta Etrusca” 2005) heißt es treffend: «Die Malschule der etruskischen Fresken, auf frischen (it. „fresco“) Putz ausgeführt, geht zurück auf Kunsttraditionen des antiken Ägypten (3000 v. u. Z.). Zwei sind die hervorragenden Eigenschaften: die grelle aber harmonische Polychromie und die “symbolische“ Verwendung der Darstellungen, der Farben und der ganzen Komposition. In dieser Kunst ist die Ästhetik des dargestellten Subjektes ebenso sehr wichtig, wie seine symbolische Macht. Wie eine Ikone, imprägniert von Sakralität und Magie, gemalt um die tiefe Liebe für das Leben zu exaltieren und die Allmacht seiner Mysterien, unter allen zu- erst das des Todes und der Wiedergeburt.»

Heute sehen wir uns gewohnheitsmäßig eine große Menge von Spiel-Filmen an. Wir haben uns dadurch an Bilder gewöhnt, die sich bewegen. Dabei wissen wir aber, dass Spiel-Filme an sich nichts Anderes denn eine Vielheit einzelner, regungsloser Bilder sind. Die Illusion der Bewegung entsteht erst durch das schnelle Abspulen und die pausenlose Aufeinanderfolge der Bilder. Dieses einzelne, starre etruskische Fresko-Bild vom tanzenden Menschen-Paar will tief-gehend, mit offenen Sinnen und Einfühlungsvermögen betrachtet und erfasst werden, derart, als wäre es Bestandteil einer langen Bildersequenz, eines Spiel-Filmes eben. Diesen können wir versuchen in unserer Imagination wachzurufen und abzuspielen. Es liegt also an uns, das im Tanzschritt erstarrte Paar vor unserem inneren Auge schreitend und schwingend hin und her drehend lebendig werden zu lassen. Ja, die feinen Töne, die begeisternden Klänge der mecher/etruskischen Musik mitzuhören. Und selbst den Duft der würzigen Kräuter und Harze des Räucherwerkes nachzuempfinden, das bei solchen Festanlässen den Geistwesenheiten als Opfergabe dargeboten wurde.

Welche Elemente bietet den Betrachtenden das Fresko des „Tanzenden Menschen-Paares“? Auf der linken Seite des Bildes ist die Tänzerin, ihr gegenüber, auf der rechten, der Tänzer zu sehen. Dieser ist im Begriff einen, auf seine Partnerin gerichteten, Vorwärtsschritt mit dem rechten Fuß zu tun: er geht auf sie zu. Seine rechte Schulter ist dabei nach vorne gedreht, der Arm leicht angewinkelt und die Handfläche betont vorgestreckt gehalten, so als würde er seiner Partnerin eine Ikone zeigen oder einen Spiegel vorhalten wollen. Sein linker Arm folgt dieser Vorwärtsbewegung in natürlicher Körperhöhe, hinten gehalten, und bei angewinkelt (Winkelzeichen!) balancierter Haltung. Die Gestalt der Tänzerin erscheint in einer komplementären Art zu der Gestalt des Tänzers. Sie scheint eine Drehbewegung auszuführen. Aber keine luftige, aufwärts gerichtete, sondern eine bodenbezogene, wohlgeerdete, bei leicht breitbeiniger, das Becken und die Knie hervorhebenden Haltung. Ihre beiden Arme sind dabei angewinkelt; der linke Arm vorne auf die Hüfte gestützt, der rechte komplementär dazu hinten nach oben gerichtet. Die Tänzerin ist von heller Hautfarbe und mit einem warmen hellrotfarbenen, bodenlangen Kleid bekleidet, das ergänzt wird von einer dunkelroten Weste. Von der selben Farbe ist das ihre Hüft-Mitte umspannende und betonende Gürtel-Band (heiler Bogen!) sowie der untere Rand ihres Kleides. Punkte/Kerne/Samen, wie sie auch auf dem schärpeartigen, wellenförmig fallenden Kleidungsstück des Tänzers zu sehen sind, aber etwas dichter gesetzt, befinden sich auf den Ärmeln und im unteren Bereich ihres Kleides, von den Knien abwärts bis zum abschließenden dunkelroten Band. Unterhalb des die Körper-Mitte betonenden Gürtels ist das Kleid der Tänzerin bis etwa in Kniehöhe mit zahlreichen MYŠ-TER-UM Zeichen übersät. Es ist dies der fruchtbare Körperbereich der Frau, der des Gebärmutter-Knäuels, in dem das Andere, das menschliche Ebenbild, eben, das Kind entsteht. Deswegen erscheint das Zeichen treffend nur in diesem mittleren Körperbereich. Das Stoffband, das den Tänzer mit sonnen-geröteter Hautfarbe kleidet ist hingegen von kühler, komplementärer himmelblauer Färbung und weist ein cremefarbenes Randband auf, das von roten Punkten/Kernen/Samen in regelmäßigen Abständen serienmäßig ausgefüllt wird. Die Gesichter des mecher/etruskischen Tänzerpaares sind zueinander gewandt, ja, das Paar ist im Blick-Kontakt. Ihre vom Feuer der Leidenschaft glühenden Blicke begegnen sich und verschmelzen im Wirbel des Tanzes. Im hüftwiegenden Tanzen des Paares wohnt erotische Spannung inne. Diese Eros-bewirkte Spannung der Anziehung befindet sich in Resonanz mit der rhythmisch schwingenden Realität des Paarungsaktes, der von den Etruskern immer wieder in seiner schlichten Natürlichkeit dargestellt wurde. Beispielsweise in der “Tomba dei Tori“ oder auf der Oinochoe von “Tragliatella“. Und dies ist jener heilige Schlüsselakt, der, im erotischen PIR/Für/Feuer/fire/vuur der Ekstase, die Kontinuität des Menschengeschlechts auf Erden sichert. Er ist die Ursache unseres Daseins.

Das Hauptanliegen, die vordergründige Sendung des Bildes ist Bewegung, genauer noch: Paar-Tanz-Bewegung. Diese Sendung ist verschmolzen mit der roten Farbe. Das von der „starken Kraft“ (mag. ERŐ~S ERŐ) getriebene tanzende Paar kreist und pendelt, gleichzeitig, hin und her. Ihre Tanzbewegung ist somit kreis-pendelnd; genauso wie die Gehbewegung im Ur-Labyrinthos, dem Gehstrom-Alternator. In diesem Lichte und in diesen Zusammenhängen will das „Grundzeichen“ MYŠ-TER-UM verstanden werden. Der Tanz, das Tanzen lebt von der Musik. Die im Fresko-Bild unsichtbare, nur erahnbare rhythmische Tanzbewegung des Paares ist Reagieren auf Musik; in Resonanz treten mit ihrer sich in Rhythmus, Melodie und Klangfarbe manifestierenden Har~monie (mag. HÁR-MAN „zu dritt“). Der „Klang-Strom“ (mag. HANG-ÁR) sublimer, heilsamer Musik penetriert den Menschen. Sie beglückt und verzaubert ihn seit ewigen Zeiten. Und regt ihn an zum Tanzen. Ohne ihr könnten weder Ger~aŋos/Ker~ingés, Sir~taki, Hor~a/ Hor~ă, Csár~dás, noch Wal~zer/Ker~ingő oder Tango-Runden getanzt werden.

Wenn man die weit-verbreitete Präsenz des „Grundzeichens“ MYŠ-TER-UM im alten Europa bedenkt und sich zugleich die Tatsache vergegenwärtigt, dass die Menschheit seit gut hundert-fünfzigtausend Jahren die Lautsprache pflegt, gelangt man zwangsläufig zu der Folgerung, dass das „Grundzeichen“ konkrete, lautspracheneigene Inhalte reflektiert haben muss. Es scheint mir nur natürlich, dass das Bildhafte im Lautsprachlichen reflektiert vorkommt. Ja sogar, dass der Ursprung des graphischen „Grundzeichens“ in lautsprachlichen Inhalten wurzelt. Diese Verbindung kann, m. E., unmöglich ignoriert werden. Es scheint mir nur natürlich, dass Gedanken, die zunächst einmal immateriell, im Lautsprachlichen geäußert wurden, anschließend dann eine entsprechende bildhafte Darstellung erhalten haben. Dies ist im Übrigen auch der Entstehungsweg der Schrift. Das lautsprachliche Zeichen, das vom Menschen seit alt-steinzeitlichen Urzeiten artikulierte Wort, wurde erst in jüngerer Zeit mit einem entsprechenden Bild reflektiert.

Das Kreuz-geprägte „Grundzeichen“ MYŠ-TER-UM ist Ausdruck des großen Themas von zyklischer (gr. kyklos „Kreis“) Lebenswerdung und -Kontinuität. MYŠ-TER-UM/ Mysterium ist wohl-intonierter Wortausdruck des Gedankens der Kontinuität vom menschlichen Leben auf Erden. Und ist seinem Wesen nach vertraut ge~heim~nisvoll, erschöpfend kaum erklärbar. Trotz aller Einblicke der modernen Naturwissenschaft bleibt es das weiterhin. Kreu~z + (mag. KER~ESZT) und Krei~s o (mag. KÖR) sind zusammengehörig. Etymologisch sind es, wie wir erfahren haben, Varianten des selben Urwortskern-Archetypen GAR/HAR/KÖR. Den Ur-Bogen bildet die heile Laufbahn des Sonnen-Kreises am Himmelsgewölbe. Die in der Natur sich auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig äußernde, dynamische Realität des „heilen Bogens, Jahres, Gürtels“ (mag. ÉP ÍV, ÉV, ŐV; in der LABYRINTHOS – Urwortskern-Sequenz im Kern AB gespeichert), ist im Gehirn des Menschen engrammiert. Bereits seit Anbeginn seiner Existenz auf Erden. Und seit dem er begonnen hat die Lautsprache zu pflegen, hat er allmählich auch die Fähigkeit erlangt diesen Gedankenkreis stimmig und klanglich hörbar zu artikulieren. Das seit gut 7000 Jahren zirkulierende, Kreuz-geprägte „Grundzeichen“ bildet daher ein Sinnzeichen, das vom sprechenden, in lautsprachlichen Kriterien denkenden Urmenschen analog zu Wortinhalten gezeichnet wurde. Dieser Zusammenhang scheint mir von wesentlicher Bedeutung zu sein. Die Annahme, dass das „Grundzeichen“ als pures Ornament, ohne jeglichen Zusammenhang zu lautsprachlichen archetypischen Inhalten, hätte gezeichnet werden können, halte ich für unrealistisch. Im Übrigen, wenn man das auf alteuropäischen Kultobjekten dargestellte „Grundzeichen“ einmal aufmerksam betrachtet, wird man überrascht sein entdecken zu können, dass der heile Bogen schon daselbst, in allernächster Nähe des Kreuzes, vorhanden ist. Nämlich als kreisrunde Randlinie vom Siegel bzw. Wasserbecken, die das “Grundzeichen“ tragen. Als dann die Vorstellung der Erweiterung des “Grundzeichens“ heran-gereift war, hat die selbe kreative menschliche Intelligenz, die die Benennung und Zeichnung des „Grundzeichens“ MYŠ-TER-UM veranlasst hatte, die Integrierung der Realität des heilen Bogens ins „Grundzeichen“ mit-veranlasst. Es fand somit nur eine geänderte, fraktionierte Anwendung des heilen Bogens statt. Aus dem Anfangs als Rahmen benutzten Element wurde nun ein zentrales, Verbindungen herstellendes Bauelement. Diese Anwendungsverschiebung des heilen Bogens bildet einen naturgemäßen, ganzheitlich ergänzenden, zyklische Wachstumsbögen manifestierenden Erweiterungsakt. Das Ergebnis dieses dynamischen, Erweiterung gekennzeichneten Wachstumsprozesses ist die allen wohl-bekannte geometrische Figur des Ur-Labyrinthos. Wesentlich scheint mir dabei die Tatsache, dass durch diesen Erweiterungsprozess nichts Geringeres vollbracht wurde, als die Transformation der geraden Linien (des Kreuzes und der Winkelzeichen) in gekrümmte. Und damit ist in Urzeiten jene Erkenntnis bildhaft kundgetan worden, die erst in neuerer Zeit, im Rahmen der modernen Physik, ihre ausgereifte Formulierung erhalten hat.

Die Frage, wann und wo dieser Erweiterungsakt des “Grundzeichens“ MYŠ-TER-UM zur Ur-Labyrinthos-Figur geschah, beschäftigt viele Menschen, die heutzutage das Labyrinthos kultivieren. Auch wird von ihnen ein materiell dokumentierter Nachweis erwartet, erhofft. Aber eine Darstellung, die den Übergang vom “Grundzeichen“ MYŠ-TER-UM zur Ur-Labyrinthos-Figur zeigt, ist bis heute noch nicht aufgefunden worden. Ich denke, wir sollten zunächst dankbar sein für diese durch Unschärfe gekennzeichneten Antworten, die wir durch analog folgernde Denkweise erhalten können. Diese an und für sich verständliche Erwartungshaltung des heutigen Menschen, der in der Gewohnheit der durch Schärfe gekennzeichneten Informationen lebt, scheint mir ungeeignet. Ein solches Kulturgut wie das LABYRINTHOS, dessen lautsprachliche, immaterielle Grundlagen weit zurück im Paläolithikum wurzeln und dessen sichtbare graphische Grundlagen ein gut siebentausendjähriges Alter aufweisen, mit den durch Schärfe gekennzeichneten Maßstäben heutiger Zeit messen zu wollen scheint mir unangebracht. Ehrlich gesagt, die Frage nach wann und wo scheint mir eher von zweitrangiger Bedeutung zu sein. Wichtig hingegen erscheint mir die Gegebenheit, dass es geschah. Und daran kann kaum gezweifelt werden. Wer weiß, vielleicht haben wir Glück und erhalten eines Tages doch noch die erwünschten genauen Informationen über Entstehungszeitpunkt und -Ort dieses zur Ur-Labyrinthos-Figur führenden Erweiterungsaktes.

Mehr über den LABYRINTHOS Lebens-Code, das Buch LABYRINTHOS Wortkernschichtung und den Autor selbst können Sie auf seiner Website laberintes.de erfahren.

2 Gedanken zu „Das „Grundzeichen“ MYŠ-TER-UM

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