Das Tudor Labyrinth von Lyveden New Bield (GB)

Der britische Guardian hat in seiner Ausgabe vom 6. November 2010 einen Artikel über ein möglicherweise historisches Labyrinth auf dem Gelände von Lyveden New Bield in der Nähe von Oundle in Northamptonshire veröffentlicht.

Auf einem Foto der deutschen Luftwaffe von 1944 ist auf einer von Wassergräben umgebenen Wiese eine ringförmige Anlage mit 10 Umgängen zu erkennen. Heute ist alles verschwunden.
Das Foto wurde bei einem Aufklärungsflug der Luftwaffe im 2. Weltkrieg gemacht und wird jetzt im amerikanischen Nationalarchiv in Maryland (USA) aufbewahrt.
Erst kürzlich hatte der National Trust Kopien der Aufnahmen angefordert und bei näherem Studium die Anlage entdeckt. Es könnte sich dabei auch um ein Labyrinth handeln. Vielleicht gibt es nunmehr eine Wiederherstellung der ursprünglichen Bepflanzung (und damit wohl auch des Labyrinths)?
Die britische Denkmalbehörde English Heritage bezeichnet den dazugehörigen Landschaftsgarten als eine der wichtigsten Anlagen dieser Art in Europa.
Angelegt wurde das Ganze von Sir Thomas Tresham, berühmter Landschaftsarchitekt, Verweigerer (recusant) und Architekt, der 1605 starb und den Garten und das Haus unvollendet hinterließ. Die Treshams waren überzeugte Katholiken und in vielen Werken von ihm gab es symbolische Hinweise auf seinen Glauben.
Sein Sohn Francis wird in Verbindung gebracht mit dem Pulververrat (Gunpowder Plot) von 1605.

In Google Earth ist das heutige Gelände sehr gut zu erkennen. Man sieht das unvollendete, dachlose Jagdschloss in Kreuzform und die Wassergräben, die eine Wiese umgeben.

Die Aufnahme der Luftwaffe zeigt auf dieser Wiese eine ringförmige Anlage mit etwa 120 m Durchmesser. Die Struktur zeichnet sich ganz gut ab.
Aber ob es wirklich ein Labyrinth im engeren Sinn ist, ist nicht zu erkennen. Die genaue Form ist möglicherweise in einem der Briefe von Sir Thomas Tresham beschrieben oder gar skizziert, die nunmehr in der Nationalbibliothek aufbewahrt werden.

Der National Trust hat nun erst einmal probehalber ein Labyrinth in die Wiese gemäht. Dieses Labyrinth ist auf der Luftaufnahme im Guardian zu sehen.
Ich habe versucht, den Grundriss nachzuvollziehen und die Wegführung so zu gestalten, dass alle Wege begangen werden.
Das Labyrinth hat vier Sektoren, allerdings liegen die Achsen nicht rechtwinkelig zueinander.
Eine Besonderheit ist, dass das Labyrinth erst einmal ganz umrundet wird. Danach nähert man sich ziemlich rasch der Mitte, um dann wieder weiter weg nach außen geführt zu werden. Doch schließlich geht es zügig in die Mitte.
Es gibt zusätzlich einen kurzen und direkten Weg von (und zu) der Mitte. So ähnlich wie beim Labyrinth vom Typ baltisches Rad.
Die ganze Weglänge beträgt immerhin 1979 m, eine ganz schön lange Strecke.
Etwas unklar ist, wo genau der Eingang bei dem gemähten Labyrinth sein soll. Da gäbe es noch andere Möglichkeiten als die in meinem Entwurf. Der äußerste Umgang könnte eine Art Umrahmung sein, dann wäre der Eingang gleich rechts neben dem direkten Weg und das Labyrinth hätte nur 9 Umgänge.

Entwurf Tudor Labyrinth

Entwurf Tudor Labyrinth

Hier können Sie eine Systemskizze des Labyrinths als PDF-Datei anschauen, drucken oder kopieren.

Anmerkung vom 16.11.2015: Hier ist ein kleines Video der BBC über die Entdeckung des Labyrinths

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