Am 23. April 2009, dem St. Georgstag, erblickte nach 529-jähriger Schwangerschaft ein neues Labyrinth das Licht der Welt auf dem Magdeburger Domplatz.
Rechtzeitig zur Feier des 800-jährigen Domjubiläums des Magdeburger Doms, dem größten und erstem gotischen Dom auf deutschem Boden. Mit dem idealen Liebespaar (Otto und Editha?) in der 16-eckigen Grabkapelle innerhalb des Domes, gleich hinter dem 8-eckigen Taufbrunnen im Eingangsbereich.
Was hält Otto auf dem Arm? Eine Scheibe mit 19 Kugeln. Ist es die Blume des Lebens oder gleich die Himmelsscheibe von Nebra? Sagt jedenfalls Gundula Thormaehlen-Friedman, deren Großvater von 1897 – 1911 Leiter der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg war.
Das neue (temporäre) Labyrinth für die Eröffnung des Domjubiläums am 24. April 2009 liegt im Schnittpunkt der Achsen der Tür zum Landtag im Norden des Domplatzes und dem Haupteingang des Doms auf der Nordseite (gleichsam zwischen den Türen) und der Westachse der alten ottonischen Nordkirche, deren Grundriss auf dem Platz auf der Grundlage der Ergebnisse der langjährigen Grabungskampagnen durch Adaptionen, geplant von Daniela Süßmann aus Magdeburg, kenntlich gemacht worden ist.
Den Labyrinthologen und Daidalos durfte ich spielen, tatkräftig unterstützt durch meinen Freund Ernst aus alten Surfertagen.
Das Labyrinth ist entstanden durch die fleißigen Hände der von der „Dombauhütte“ der Dompfarrei entsandten Handwerker: Alexander, Armin, Fridolin und Sven.
Die Hebammen waren der Domprediger Giselher Quast und Georg Bandarau mit dem unermüdlichen „Mädchen für Alles“ Robert Schmidt von Stadtmarketing Pro Magdeburg e.V..
Gleichstellungsbeauftragte herhören: Männer drängen in Frauenberufe.
Der Augsburger Ratsherr und Frühhumanist Sigismund Gossembrot d.Ä. hat 1480 diesen Labyrinthtyp in einer Handschrift veröffentlicht. Doch es wurde weltweit erstmals hier in Magdeburg als begehbares Labyrinth gebaut.
Die Angaben zu Größe und Gewicht, wie bei jedem Baby üblich:
Es hat 5 Achsen, 9 Umgänge, ein Achsmaß von 1.50 m, eine Mitte mit 9 m Durchmesser, einen Gesamtdurchmesser von 36 m. Die Linien werden gebildet aus einem Klebeband von 5 cm Breite und einer Gesamtlänge von 705 m. Das ergibt eine Länge für den einfachen Weg in die Mitte von 622 m (Quersumme = 10), den unsichtbaren roten Faden, der in der Mitte der weißen Begrenzungslinien verläuft.
Das sind die schon erwähnten Ariadnes unserer Zeit: Gundula Thormaehlen-Friedman und Daniela Süßmann, die bereits vor Jahren die Idee eines Labyrinthes für den Magdeburger Domplatz entwickelt haben. Und die ich letztes Jahr in Dresden auf dem 4. internationalen Labyrinthkongress kennengelernt habe.
Gibt es Paten?
Zu nennen wäre Rosmarie Schmid, für mich die Grande Dame der Labyrinthbewegung. Nicht zu vergessen Agnes, Ilse, Silke, Werner, Jeff, Andreas. Alle waren irgendwie an der Umsetzung dieses Projekts beteiligt.
Gibt es Ahnen?
Da ist die Mutter aller Labyrinthe, das Labyrinth in der Kathedrale von Chartres, das zwischen 1200 und 1210 im Fußboden verlegt wurde und immer noch „aktiv“ ist durch die Impulse, die es der weltweiten Renaissance der Labyrinthidee gibt.
Da gibt es Mechthild von Magdeburg (1207 – 1282), die 40 Jahre als Begine in dieser Stadt gelebt hat und deren 800-jähriger Geburtstag erst hier in Magdeburg gefeiert wurde.
Etwa 100 Jahre vorher lebte Hildegard von Bingen (1098 – 1179) auf dem Disibodenberg, wo von Gundula ein klassisches 7-gängiges Labyrinth gebaut wurde.
Im Stadtteil Buckau von Magdeburg entstand 2006 ein klassisches Labyrinth im Zuge des Projekts „Grüne Mitte – das Labyrinth“.
In der Lutherstadt Eisleben im Garten des Klosters Helfta (wo Mechthild von Magdeburg starb) gibt es ein Lebendiges Labyrinth, das als klassisches 7-gängiges Labyrinth gebaut wurde.
Dann gibt es in Steigra eines der vier historischen Rasenlabyrinthe von Deutschland. Es liegt auf den himmlischen Wegen zwischen Halle, Langeneichstädt, Nebra und Goseck, auch wenn es da (noch) nicht als Standort aufgezählt wird.
Am Samstag nach St. Georg (23. April) feiert die ganze Gemeinde seit 1995 ein Frühlingsfest am 11-gängigen, klassischen Labyrinth, auch Trojaburg oder Schwedenring genannt. Dabei wird die Wintersonne durch einen Ritter aus den Fängen des Labyrinths befreit.
Sachsen-Anhalt, Land der Frühaufsteher oder Land der Labyrinthe?
Was wird aus unserem temporären Labyrinth auf dem Magdeburger Domplatz?
Ist es wirklich am Samstag, dem 2. Mai 2009, dem ersten weltweit gefeiertem Tag des Labyrinths schon verschwunden?
Oder erfüllt sich der Traum so vieler von einem dauerhaften Labyrinth für den Magdeburger Dom?
Lebt es nur noch weiter in den Herzen der Magdeburger Bürgerinnen und Bürger?
Danke an alle, die am Ariadnefaden dieses Labyrinths mitgeknüpft haben.






























